Eurocopter EC 135

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Eurocopter EC 135
EC 135 der Deutschen Flugrettung
EC 135 der Deutschen Rettungsflugwacht
Typ: Leichter Mehrzweckhubschrauber
Entwurfsland: DeutschlandDeutschland Deutschland
Hersteller: Eurocopter
Erstflug: 1. Februar 1994[1]
Indienststellung: 31. Juli 1996
Produktionszeit: Seit 1996 in Serienproduktion
Stückzahl: 1.000 (Stand: Mitte 2011)[2]

Der EC 135 ist ein leichter zweimotoriger Mehrzweckhubschrauber. Er wurde vom DASA-Konzern entwickelt, der später in Eurocopter Deutschland aufging (heute Airbus Helicopters). Sein Einsatzgebiet liegt hauptsächlich in der Luftrettung und als Polizeihubschrauber oder bei vergleichbaren Aufgaben. Er wird zunehmend auch zur Ausbildung und Schulung von Piloten verwendet, beispielsweise in der Bundeswehr oder den japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräften.

Er ist auch unter der Bezeichnung EC 635 als militärische Ausführung erhältlich; ein bisher von der Schweiz, Jordanien und der Luftwaffe des Irak georderter leichter Kampf-, Transport-, Beobachtungs- und Schulungshubschrauber.

Der EC 135 wird als einer der bevorzugten Hubschrauber in der Luftrettung eingesetzt; derzeit (2013) sind 500 aller insgesamt gebauten Exemplare für den medizinischen Notfall ausgerüstet; dies macht einen Marktanteil von weltweit 25 Prozent aus.[3] Anm.: bei ausgezeichneter Leistung fliegt er auch mit nur einem funktionstüchtigem Triebwerk (one-engine inoperative = OEI, Ausfallsicherheit).

Entwicklung[Bearbeiten]

Einziger (von ursprünglich zwei) noch existierender Prototyp der EC 135, die MBB Bo 108 VT2, im Hubschraubermuseum Bückeburg

Entwicklungsgeschichtlich stammt der EC 135 von der Messerschmitt-Bölkow-Blohm Bo 105 ab. Auf deren Basis wurde in den 1980er-Jahren das Modell Bo 108 entwickelt, das ursprünglich nur als Demonstrationsmodell für neue Technologien dienen sollte. Hier kamen hauptsächlich die Fly-by-wire-Steuerung und ein neuer gelenk- und lagerloser Hauptrotor hinzu, der die störenden und materialermüdenden Vibrationen auf ein Minimum reduziert, dabei agil reagiert und verhältnismäßig leise ist. Die Gelenke konnten durch verwindungsfähige GFK-Blätter eingespart werden. Bemerkenswert ist außerdem, dass die Zelle des Hubschraubers EC 135 zum größten Teil aus CFK gefertigt ist.

MBB brachte den Bo 108-Prototypen 1989 in die DASA ein, deren Hubschrauberaktivitäten 1992 in das neugegründete, deutsch-französische Unternehmen Eurocopter übergingen. Inzwischen sah man für einen auf der Bo 108 basierenden Helikopter gute Marktchancen, so dass die alten Konstruktionspläne wieder aus den Schubladen geholt wurden. Der französische Teil von Eurocopter (ehem. Aérospatiale) steuerte den neuen Fenestron-Heckrotor bei, der nochmals eine deutliche Geräuschreduzierung und einen Sicherheitsgewinn versprach, da freistehende rotierende Teile entfielen.

Am 1. Februar 1994[1] hob die mit dem neuen Heckrotor ausgerüstete Bo 108-A1 als erster Hubschrauber der neuen Bauserie EC 135 in Ottobrunn zu ihrem Erstflug ab. 1996 lief dann die Serienproduktion an. Der Helikopter ist mit 86 dB nur geringfügig lauter als der EC 130.

EADS bestätigt am 21. Mai 2012, dass die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) eine Überprüfung des EC135 nach aufgetretenen Rissen in den Rotoren anordnete. Seit Mitte Mai müssen nach EASA die Rotoren des EC135 (und der Militärversion EC635) vor jedem Flug auf Risse kontrolliert werden.[4]

Einsatz[Bearbeiten]

Schulungshubschrauber der Bundeswehr
Geöffnete Heckklappe und Trage (links)

Bei der Bundeswehr[Bearbeiten]

Als Ausbildungshubschrauber der deutschen Bundeswehr eignet sich der EC 135 bedingt, da er bereits erhöhte Ansprüche an den Piloten stellt. Die Ausbildung der Autorotation ist nur innerhalb enger Drehzahlgrenzen möglich, was von einem Fluganfänger noch nicht erwartet werden kann. Außerdem wird das Rotorsystem bei der Autorotation stark belastet, da sehr hohe Konuswinkel erreicht werden. Deshalb werden solche speziellen Ausbildungsteile auf der Bo 105 geflogen. Die Flugschüler erlernen die Landung mit Autorotation auch im Simulator an der Heeresfliegerwaffenschule und üben auf einer Bo 105 in einem zweiwöchigen Kurs in Celle den praktischen Teil. Die Bundeswehr beschaffte zur Erstausbildung in der Heeresfliegerwaffenschule Bückeburg eine spezielle „hochbeinige“ Version der EC 135 T1 mit hohem Kufenlandegestell, wie es auch bei den EC135 der Bundespolizei und den Zivilschutz-Hubschraubern des Bundesministeriums des Innern Verwendung findet. Die vorrangige Absicht bei der Beschaffung war es, die Piloten auf einem Hubschraubertyp zu schulen, der wegen seines Cockpits geeignet ist, den späteren Umstieg auf die mit ähnlichen Cockpits ausgerüsteten Muster Eurocopter Tiger und NH90, aber auch der CH-53GA zu erleichtern.

In der Luftrettung[Bearbeiten]

In Deutschland hat der Eurocopter EC 135 in der Luftrettung die Bo 105, BK 117 und andere Hubschraubertypen fast gänzlich ersetzt, da die Flotte der DRF Luftrettung und der ADAC-Luftrettung zum Großteil aus EC 135 besteht. In Österreich wird durch den Christophorus Flugrettungsverein ausschließlich dieses Modell eingesetzt. Die polnische Luftrettung Lotnicze Pogotowie Ratunkowe (LPR) setzt seit 2009 den EC 135 ein; hier werden 17 Luftrettungsstützpunkte des Gesundheitsministeriums mit 23 Hubschraubern ausgestattet.[5] Auch in der Türkei wurde die EC 135 im Jahr 2013 mit 17 Exemplaren zum bevorzugten Modell in der dortigen Luftrettung ausgewählt.[3] Die erste, vollausgestattete Luftrettungsambulanz für die Region Bejing (HEMS = helicopter emergency medical services) wurde am 9. Oktober 2014 in Donauwörth an die Tochtergesellschaft "Bejing 999" des chinesischen Roten Kreuzes übergeben.[6][7]

Modelle[Bearbeiten]

EC 135 T2+

Der Buchstabe T steht für das Turboméca Arrius-Triebwerk; das P für die Pratt & Whitney Canada PW206-Gasturbine. Die weiteren Zeichen bezeichnen die jeweilige Ausbaustufe. Spätere Exemplare verfügen über das zentrale Instrumenten-Anzeige-System (engl.Central Panel Display System“ (CPDS)).

Zivil[Bearbeiten]

  • EC 135 P1 mit PW206B
  • EC 135 T1 mit Arrius 2B1, 2B1A oder 2B1A1

Beide haben ein maximales Startgewicht von 2.720 kg.

  • EC 135 P2 mit PW206B2
  • EC 135 T2 mit Arrius 2B2

Beide haben mehr Leistung mit einem Triebwerk und ein maximales Startgewicht von 2.835 kg.

  • EC 135 P2+ ("i") mit PW206B2
  • EC 135 T2+ ("i") mit Arrius 2B2

Beide haben ein maximales Startgewicht 2.910 kg und durch die überarbeitete digitale Triebwerksregelung eine erhöhte Leistungsabgabe. Die Variante EC 135 T2i besitzt eine Flugdauer von 2 Stunden 25 Minuten mit einem Kraftstoffverbrauch von etwa 225 l/h Kerosin (Kraftstoffmenge: 673 l).[8]

  • EC 135 P2+ ("e")
  • EC 135 T2+ ("e")

Beide Modelle haben ein um 40 kg erhöhtes Abfluggewicht von 2.950 kg. Beide Varianten „i“ und „e“ werden werksseitig unter der Bezeichnung „+“ geführt. Die jeweilige Version ist nicht ohne Weiteres, z. B. auf dem Typenschild, zu erkennen.

  • EC 135 T3 mit Turbomeca Arrius 2B2plus
  • EC 135 P3 mit Pratt & Whitney PW206B3
  • EC 135 Hermes

Die Modelle T3/P3 haben nun u.a. ein Startgewicht von 2.980 kg, eine Reichweite von 609 km bei Reisegeschwindigkeit (252 km/h) ohne Tankreserve und einem Einsatztemperaturbereich von -35 °C bis +39 °C ISA bzw. maximal bis +50 °C. Die Nutzlast wurde also erhöht, die Reichweite bei höherer Reisegeschwindigkeit gesteigert und die Leistung bei heißem Klima verbessert. Die kleinere und leichtere Hermes-Version (2.910 kg) hat bei Reisegeschwindigkeit eine Reichweite von ca. 635 km.

Militärisch[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eurocopter EC 635
  • EC 635: Die militärische Version der EC 135.

Technische Daten[Bearbeiten]

Ein EC 135 des ÖAMTC
Cockpit EC 135P1
Kenngröße Daten
Triebwerke 2 × Turboméca Arrius-2 B mit je 609 kW/816 WPS (OEI 30sec Rating, take-off: 472kW/633 WPS) oder
Pratt & Whitney PW 206B mit je 609 kW/816 WPS
Höchstgeschwindigkeit 259 km/h (bei MTOW)
Reisegeschwindigkeit 230 km/h (ökonomisch; MTOW)
Schwebeflughöhe max. 3.045 Meter oder 2.435 Meter (20 °C; MTOW)
Flughöhe max. 6.095 Meter bei 2.720 kg
Standardreichweite etwa 635 km
Abfluggewicht max. 2.910 kg
Standardleergewicht 1.455 kg
Hauptrotordrehzahl max. 395 min−1
Länge 12,19 m
Höhe 3,51 m
Rotordurchmesser 10,20 m
Gesamtnutzlast max. 1.455 kg
Nutzlast angehängt max. 1.300 kg
Steiggeschwindigkeit max. 7,6 m/s

Datenangaben von Airbus Helicopters[9] und Turbomeca[10]

Unfälle[Bearbeiten]

  • Am 30. März 2011 stürzte ein Eurocopter EC 135 der österreichischen Flugpolizei in den Achensee, dabei kamen vier Personen um.[11][12]
  • Am 29. November 2013 stürzte ein Polizeihubschrauber vom Typ Eurocopter EC 135 T2 in Glasgow auf das Dach des Pubs “Clutha Vault” am Ufer des Flusses Clyde; dabei kamen die drei Besatzungsmitglieder des Hubschraubers sowie mindestens sechs Besucher des Pubs ums Leben. Zum Zeitpunkt des Unglücks war das Pub gefüllt.[13][14] Als vorläufige Unfallursache wurde der Ausfall der beiden Antriebe aufgrund von Treibstoffmangel festgestellt. Beim Aufprall standen der Rotor und der Heckrotor still.[15]

Trivia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eurocopter EC 135 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b EC135 Highlight (engl.), Airbus Helicopters, YouTube-Video vom 28. Juli 2011.
  2. Eurocopter officially hands over its 1,000th EC135 helicopter to the ADAC, vom 21. Juli 2011.
  3. a b Flightglobal, abgerufen am 12. Mai 2013.
  4. Risse an Eurocopter-Rotoren: Untersuchung angeordnet, ORF.at vom 21. Mai 2012.
  5. Polnische Luftrettung erhält ihre erste EC135. Aerokurier. 10. September 2009. Abgerufen am 8. Mai 2010.
  6. Airbus Helicopters delivers China's first fully-equipped air ambulance (engl.), Pressemitteilung, Airbus Helicopters, Donauwörth, vom 9. Oktober 2014.
  7. EC135 Beijing 999 Air Ambulance, Airbus Helicopters, Donauwörth, YouTube-Video vom 9. Oktober 2014.
  8. Datenblatt EC 135 T2i, Zivilschutz-Hubschrauber, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  9. Datenblatt EC 135 P3/T3, Airbus Helicopters.
  10. Datenblatt Arrius 2B2 (Triebwerk), Turbomeca.
  11. Unterstützung aus der Luft auf bmi.gv.at (PDF), abgerufen am 2. Dezember 2013.
  12. Hubschrauber des Innenministeriums abgestürzt: Vier Tote auf derstandard.at, 30. März 2011, abgerufen am 2. Dezember 2013
  13. Carsten Volkery: Hubschrauberunglück in Glasgow. Spiegel Online, 30. November 2013, abgerufen am 30. November 2013.
  14. Neuntes Opfer aus Trümmern geborgen auf tagesschau.de, 2. Dezember 2013, abgerufen am 3. Dezember 2013.
  15. aaib.gov.uk: Vorbericht der AAIB