Frank Andersson

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Ringer Frank Andersson. Zu anderen Personen siehe Frank Anderson.
Frank Andersson

Frank Andersson (* 9. Mai 1956 in Trollhättan) ist ein ehemaliger schwedischer Ringer. Er war mehrfacher Welt- und Europameister sowie Gewinner der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1984 im griechisch-römischen Stil.

Werdegang[Bearbeiten]

Frank Anderson begann als Jugendlicher beim Trollhättans Athletklub mit dem Ringen. Im Laufe seiner langen Karriere startete er auch noch für den Lidköpings AS und den Athletikklub Göteborg. Er spezialisierte sich dabei auf den griechisch-römischen Stil, nahm aber auf nationaler Ebene auch vereinzelt an Freistilkonkurrenzen teil. Die wichtigsten Trainer, die ihn in seiner Laufbahn betreuten waren Per Svensson und der Finne Leo Honkala. Der athletische blondgelockte Frank Anderson war auf der Ringermatte eine charismatische Erscheinung. Er war nach seinem Schulbesuch offiziell in der Werbebranche tätig, konzentrierte sich während seiner aktiven Zeit aber wohl ausschließlich auf das Ringen.

Seine internationale Karriere begann bei der Junioren-Weltmeisterschaft 1973, bei der er im Mittelgewicht den Titel vor Tamas Kiknadse aus der UdSSR und dem Bulgaren Dimitrow gewann. Diesem Erfolg ließ er 1974 in Haparanda einen weiteren folgen. Er wurde dort Junioren-Europameister im Mittelgewicht vor dem sowjetischen Sportler Alexander Dubrowski. 1975 wurde er in Chaskowo zum zweiten Mal Junioren-Weltmeister. Er siegte im Mittelgewicht vor Istvan Nagy aus Ungarn und Werner Schröter aus der Bundesrepublik Deutschland. Seinen letzten Start bei einer internationalen Meisterschaft im Juniorenbereich absolvierte er bei der Junioren-Europameisterschaft in Posen. Im Halbschwergewicht verlor er dabei den Endkampf gegen den für die Sowjetunion startenden Armenier Airapet Minosjan und kam dadurch „nur“ auf den 2. Platz.

Im Jahre 1975 startete er auch schon erstmals bei einer internationalen Meisterschaft der Senioren. Bei der Europameisterschaft in Ludwigshafen am Rhein kam er dabei im Mittelgewicht zu drei Siegen, u.a. besiegte er auch Werner Schröter, musste aber von Wladimir Tscheboksarow aus der UdSSR und Miroslav Janota aus der Tschechoslowakei Niederlagen hinnehmen und belegte insgesamt den 5.Platz. Schon ein Jahr später düpierte er als 20-Jähriger bei der Europameisterschaft in Leningrad die versammelte Weltelite und wurde Europameister im Halbschwergewicht. In den Endkämpfen bezwang er dabei Stojan Nikolow aus Bulgarien und Fred Theobald aus der BRD.

Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal verlor er nach zwei Siegen gegen leichtere Gegner gegen Darko Nišavić aus Jugoslawien und gegen Stojan Nikolow, den er in Leningrad noch besiegt hatte und erreichte deshalb nur den 5. Platz.

1977 schlug Frank Anderson bei der Europameisterschaft in Bursa im Halbschwergewicht mit Stojan Nikolow, Petre Dicu, Rumänien, Roman Wrocławski, Polen und Airapet Minosjan vier Weltklasseathleten hintereinander. Im Endkampf traf er auf Olympiasieger Csaba Hegedűs, einen blonden Ungarn, gegen den er knapp nach Punkten unterlag. Er wurde damit Vize-Europameister. Im gleichen Jahr wurde er dann in Göteborg erstmals Weltmeister im Halbschwergewicht. Dabei besiegte er u.a. Wiktor Awdessjew aus der UdSSR und Stojan Nikolow und nahm auch an Csaba Hegedűs erfolgreich Revanche für die Niederlage bei der Europameisterschaft des gleichen Jahres.

Im Jahre 1978 wurde Frank Anderson in Oslo Europameister im Halbschwergewicht. Er besiegte dort u.a. erneut Csaba Hegedűs, den starken Polen Czesław Kwieciński, Keijo Manni aus Finnland und nahm gegen Darko Nišavić Revanche für die Niederlage bei den Olympischen Spielen 1976. Bei der Weltmeisterschaft 1978 in Mexiko-Stadt bezwang er zwar erneut Wiktor Awdessjan, bekam aber im Kampf gegen Petre Dicu kurz vor Kampfende die dritte Verwarnung wegen Passivität, womit er disqualifiziert werden musste. Beide Ringer hatten bis dahin jeweils zwei Verwarnungen erhalten. Im Kampf gegen Stojan Nikolow fielen keine Wertungen, so dass beide Ringer nach der jeweils dritten Verwarnung disqualifiziert wurden. Frank Andersson kam dadurch auf den 2. Platz und wurde Vize-Weltmeister.

Zum erfolgreichsten Jahr in der Laufbahn von Frank Andersson wurde das Jahr 1979. Zunächst wurde er im Frühjahr 1979 in Bukarest mit Siegen über Jiri Kacirek aus der CSSR, Keijo Manni, Norbert Növényi aus Ungarn, Pedro Pawlidis aus der BRD und Petre Dicu Europameister im Halbschwergewicht und im Herbst des Jahres 1979 gewann er in San Diego auch zum zweiten Mal den Weltmeistertitel. Seine Endkampfgegner waren dort Pedro Pawlidis und Norbert Növényi, die er beide besiegte.

Bei der Europameisterschaft 1980 in Prievidza bezwang Frank Andersson zwar erneut Petre Dicu und Stojan Nikolow, unterlag aber gegen den aus dem Mittelgewicht kommenden mehrfachen Weltmeister Igor Kanygin und belegte hinter diesem den 2. Platz im Halbschwergewicht. Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau, die von Schweden nicht boykottiert wurden, siegte er über Georgios Posidis aus Griechenland, Czesław Kwieciński und Franz Pitschmann aus Österreich, unterlag aber gegen Petre Dicu und erneut gegen Igor Kanygin, womit er auf den 4. Platz abrutschte und keine Medaille gewann.

1981 kam Frank Andersson aber wieder auf die Erfolgsspur zurück. Er wurde in Göteborg Europameister im Halbschwergewicht, wobei er mit Atanas Komtschew aus Bulgarien und Bogislaw Dabrowski aus Polen zwei alte und mit Franz Pitschmann, Keijo Manni und Alexander Dubrowski drei alte Rivalen besiegte. Bei der Weltmeisterschaft dieses Jahres traf er im Finale wieder auf Igor Kanygin und musste sich diesem wieder geschlagen geben.

Genauso erging es ihm bei der Europameisterschaft 1982 in Warna. Wieder war im Finale Igor Kanygin Endstation, was für Frank Andersson den 2. Platz bedeutete. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Kattowitz konnte er dann endlich den Spieß umdrehen und zum dritten Mal Weltmeister werden. Er ließ dabei Atanas Komtschew, Igor Kanygin und Ilie Matei aus Rumänien hinter sich.

1983 startete Frank Andersson nur bei der Weltmeisterschaft in Kiew. Er kam dort überhaupt nicht zurecht und erzielte mit dem 7. Platz im Halbschwergewicht die schlechteste Platzierung bei einer internationalen Meisterschaft seiner ganzen Karriere. Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles war er nicht in allerbester Form, da dort aber die starken Ringer aus den Ostblockstaaten fehlten, kam er trotzdem mit Siegen über Rahman, Irak, Kallos, Kanada, Georgios Posidis, Griechenland und Uwe Sachs, BRD und einer Niederlage gegen Steve Fraser aus den Vereinigten Staaten auf den dritten Platz und gewann damit im dritten Anlauf mit der Bronzemedaille endlich eine olympische Medaille.

Seinen letzten Start bei einer internationalen Meisterschaft absolvierte Frank Andersson dann im Jahre 1985 bei der Weltmeisterschaft im norwegischen Kolbotn, einem Vorort von Oslo. Er war aber nicht mehr in der Form der früheren Jahre und musste sich mit dem 6. Platz im Halbschwergewicht zufriedengeben.

Frank Andersson beendete seine Karriere als Amateur und trat in den Vereinigten Staaten als Berufsringer (Wrestler) auf und brachte es auch zu einigen Auftritten bei World Championship Wrestling. Insgesamt gesehen war er in diesem Metier aber nicht allzu erfolgreich. Er kehrte daraufhin nach Schweden zurück. Anfang der 2000er Jahre musste er aufgrund privater Probleme sogar Privatinsolvenz anmelden. Seit 2002 lebt er mit seiner Lebensgefährtin und seinen zwei Kindern in Spanien.

Für seine außerordentlichen Verdienste um das Ringen wurde er auch mehrfach geehrt. So wurde er 1977 mit der Svenska-Dagbladet-Goldmedaille geehrt. Im September 2006 wurde Frank Andersson in die FILA International Wrestling Hall of Fame aufgenommen.[1]

Internationale Erfolge[Bearbeiten]

Jahr Platz Wettbewerb Gewichtsklasse
1973 1. Junioren-WM (Espoirs) Mittel vor Tamas Kiknadse, UdSSR u. Dimitrow, Bulgarien
1974 1. Turnier in Fredriksvärk/Dänemark Mittel vor Fred Theobald, BRD u. A.A. de Rooy, Niederlande
1974 1. Junioren-EM (Espoirs) in Haparanda Mittel vor Alexander Dubrowski, UdSSR, Arto Vainiö, Finnland u. Kurt Spaniol, BRD
1975 3. Turnier in Helsinki Mittel hinter Miklos Hegedűs, Ungarn u. Nikolai Nizbicki, UdSSR
1975 1. Junioren-WM (Espoirs) in Chaskowo Mittel vor Tumpalow, Bulgarien u. Zaharia Feleja, Rumänien
1975 4. Großer Preis der BRD in Aschaffenburg Mittel hinter Andre Bouchoule, Frankreich, Ion Enache, Rumänien u. Josip Mayor, Ungarn
1975 5. EM in Ludwigshafen am Rhein Mittel mit Siegen über Istvan Nagy, Ungarn, Werner Schröter, BRD u. Dimitar Manchorow, Bulgarien u. Niederlagen gegen Wladimir Tscheboksarow, UdSSR u. Miroslav Janota, Tschechoslowakei
1976 2. Turnier in Klippan Halbschwer hinter Stojan Nikolow, Bulgarien, vor Dieter Heuer, DDR
1976 1. EM in Leningrad Halbschwer mit Siegen über Aslan Aslan, Türkei, Roman Wrocławski, Polen, Istvan Sellyei, Ungarn, Dieter Heuer, Stojan Nikolow u. Fred Theobald, BRD
1976 2. Junioren-EM in Posen Halbschwer hinter Airapet Minosjan, UdSSR, vor Stantschew, Bulgarien
1976 5. OS in Montreal Halbschwer mit Siegen über Ambroise Sarr, Senegal u. Hashem Kolahi, Iran u. Niederlagen gegen Darko Nišavić, Jugoslawien u. Stojan Nikolow
1977 2. Turnier in Klippan Halbschwer hinter Airapet Minosjan, vor Iwanow, Bulgarien
1977 2. Turnier in Helsinki Halbschwer hinter Czesław Kwieciński, Polen, vor Pedro Pawlidis, BRD
1977 2. EM in Bursa Halbschwer mit Siegen über Stojan Nikolow, Petre Dicu, Rumänien, Roman Wrocławski, Polen u. Airapet Minosjan u. einer Niederlage gegen Csaba Hegedűs, Ungarn
1977 1. WM in Göteborg Halbschwer mit Siegen über Mitch Hull, USA, Georgios Posidis, Griechenland, Wiktor Awdessjew, UdSSR, Allan Karing, Dänemark, Csaba Hegedűs u. Stojan Nikolow
1978 3. Turnier in Klippan Halbschwer hinter Igor Kanygin, UdSSR u. Keijo Manni, Finnland
1978 1. EM in Oslo Halbschwer mit Siegen über Stig Kleven, Norwegen, Csaba Hegedűs, Czesław Kwieciński, Darko Nišavić, Petre Dicu u. Keijo Manni
1978 2. WM in Mexiko-Stadt Halbschwer mit Siegen über Pete Simons, USA, Henri d'Haes, Belgien, Aslan Aslan, Türkei u. Wiktor Awdessjew u. Niederlagen gegen Petre Dicu u. Stojan Nikolow
1979 1. Turnier in Lidköping Halbschwer vor Christer Gulldén, Schweden u. Stig Kleven
1979 1. Turnier in Klippan Halbschwer vor Airapet Minosjan, Keijo Manni, Christer Gulldén u. Sören Claesson, Schweden
1979 1. EM in Bukarest Halbschwer mit Siegen über Jiri Kacirek, CSSR, Kejo Manni, Norbert Növényi, Ungarn, Pedro Pawlidis u. Petre Dicu
1979 1. WM in San Diego Halbschwer mit Siegen über Yoshihiro Fujito, Japan, Iwan Petkow, Bulgarien, Jose Poll, Kuba, Christophe Andanson, Frankreich, Pedro Pawlidis u. Norbert Növényi
1980 2. EM in Prievidza Halbschwer mit Siegen über Ladislav Bojko, CSSR, Giuseppe Vitucci, Italien, Petre Dicu u. Stojan Nikolow u. einer Niederlage gegen Igor Kanygin
1980 4. OS in Moskau Halbschwer mit Siegen über Giorgios Posidis, Czesław Kwieciński u. Franz Pitschmann, Österreich u. Niederlagen gegen Igor Kanygin u. Petre Dicu
1980 3. Welt Cup in Trelleborg Schwer hinter Greg Gibson, USA u. Nikolai Inkow, UdSSR, vor Yukio Yoshida, Japan
1981 3. Turnier in Västerås Halbschwer hinter Keijo Manni u. Norbert Növényi, vor Waleri Dolgich, UdSSR u. Thomas Horschel, DDR
1981 1. EM in Göteborg Halbschwer mit Siegen über Atanas Komtschew, Bulgarien, Franz Pitschmann, Bogislaw Dabrowski, Polen, Keijo Manni u. Alexander Dubrowski
1981 2. WM in Oslo Halbschwer mit Siegen über Franz Pitschmann, Boguslaw Dubrowski, Ilie Matei, Rumänien, Georgios Pikilidis, Griechenland u. einer Niederlage gegen Igor Kanygin
1982 2. EM in Warna Halbschwer hinter Igor Kanygin, vor Atanas Komtschew, Ilie Matei u. Georgios Posidis
1982 1. WM in Kattowitz Halbschwer vor Atanas Komtschew, Igor Kanygin u. Ilie Matei
1983 7. WM Halbschwer Sieger: Igor Kanygin vor Atanas Komtschew u. Norbert Növényi
1984 Bronze OS in Los Angeles Halbschwer mit Siegen über Rahman, Irak, Kallos, Kanada, Georgios Posidis u. Uwe Sachs, BRD u. einer Niederlage gegen Steve Fraser, USA
1985 2. Welt Cup in Lund/Schweden Halbschwer hinter Khavas-Bautin Mulajew, UdSSR, vor Guillrmo Cruz, Kuba
1985 6. WM in Kolbotn Halbschwer hinter Michael Houck, USA, Igor Kanygin, Atanas Komtschew, Ilie Matei u. Bogdan Merkiel, Polen

Anm.: alle Wettbewerbe im griechisch-römischen Spiel, OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaft, EM = Europameisterschaft, Mittelgewicht, bis 82 kg, Halbschwergewicht, bis 90 kg u. Schwergewicht, bis 100 kg Körpergewicht

Quellen[Bearbeiten]

  • Datenbank des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften der Universität Leipzig
  • Fachzeitschriften Athletik und Der Ringer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.wrestlinghalloffame.orgNine New Members Inducted into the FILA Hall of Fame, abgerufen am 12. Juli 2010 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]