Pontecorvo

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Dieser Artikel befasst sich mit der italienischen Stadt Pontecorvo weitere Bedeutungen finden sich unter Pontecorvo (Begriffsklärung).


Pontecorvo
Wappen
Pontecorvo (Italien)
Pontecorvo
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Frosinone (FR)
Koordinaten: 41° 27′ N, 13° 40′ O41.45694444444413.66666666666797Koordinaten: 41° 27′ 25″ N, 13° 40′ 0″ O
Höhe: 97 m s.l.m.
Fläche: 88 km²
Einwohner: 13.249 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 151 Einw./km²
Postleitzahl: 03037
Vorwahl: 0776
ISTAT-Nummer: 060056
Volksbezeichnung: Pontecorvesi
Schutzpatron: San Giovanni Battista
Website: Pontecorvo
Blick auf Brücke und Altstadt von Pontecorvo
Blick auf Brücke und Altstadt von Pontecorvo

Pontecorvo, auch Ponte Corvo ist eine italienische Gemeinde in der Provinz Frosinone in der Region Latium mit 13.249 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012).

Pontecorvo

Geographie[Bearbeiten]

Lage von Pontecorvo in der Provinz Frosinone

Pontecorvo liegt 119 km südöstlich von Rom, 111 km nördlich von Neapel und 41 km südöstlich von Frosinone. Die Altstadt liegt auf einem Hügel über dem Fluss Liri. Das Gemeindegebiet zieht sich von den Monti Aurunci bis ins weite Tal des Liri. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile San Cosma, Sant’Oliva und Vetrine. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von 236 bis 612 m s.l.m..

Pontecorvo ist Mitglied der Comunità Montana Monti Ausoni.

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet).[2]

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Roccasecca, Castrocielo, Aquino, Pignataro Interamna, Esperia, Campodimele (LT), Pico und San Giovanni Incarico.

Verkehr[Bearbeiten]

Pontecorvo befindet sich an einem seit dem Mittelalter wichtigen Flußübergang auf dem Weg von der Ciociaria Richtung Meer. Dieser hat heute jedoch nur noch lokale Bedeutung.

  • A1 Pontecorvo liegt 5 km von der Autobahn A1 Autostrada del Sole, Ausfahrt Pontecorvo, entfernt.
  • SS628 Von der Autobahnauffahrt fürt die SS 628 Via Leuciana durch das Ortszentrum Richtung der Monti Ausoni.
  • FR6 Nach dem der Bahnhof Aquino-Castrocielo-Pontecorvo im Jahr 2000 geschlossen wurde ist Piedimonte-Villa Santa Lucia der nächst Bahnhof in 10 km Entfernung. Der Bahnhof ist auch Haltepunkt der Regionalbahn FR6 von Roma Termini nach Cassino.
  • airport Der nächste internationale Flughafen Neapel befindet sich in 105 km Entfernung.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen Jean-Baptiste Bernadottes

In der Antike gehörte das Gemeindegebiet zum Territorium von Aquinum. Es wurden zahlreiche Reste von römischen Landgütern gefunden. Darunter eine prachtvolle Villa der Familie Caecina-Suetria die 1983 beim Ortsteil Sant’Oliva gefunden wurde.[3]

860 verlegte der langobardische Gastalde Rodoald seinen Sitz von Aquino an den Liri. Er baut neben einer bereits bestehenden Siedlung eine Burg. Außerdem errichtete er die Brücke, die wegen ihrer ungewöhnlichen Form dem Ort seinen Namen gab. Die Herrschaft in Pontecorvo übernahm jedoch Magenolfus.[4]

999 schenkte Otto III. die Burg Pontecorvo an Herzog Johannes von Gaeta (Giovanni Caetani).[5]

Im 11. Jahrhundert wurde Pontecorvo von den Normannen erobert, bevor es 1105 an das Kloster Montecassino fiel. 1464 kam es endgültig an den Kirchenstaat und bildete fortan eine päpstliche Enklave im Königreich Neapel. Diese wurde 1799 von den Franzosen unter Napoléon erobert. Als dieser seinen Bruder Joseph 1806 zum König von Neapel ernannte, schuf er für dessen Schwager Jean-Baptiste Bernadotte das Fürstentum Pontecorvo, der von nun an den Titel eines Prince de Pontecorvo trug. Das Fürstentum hatte damals ca. 12.300 Einwohner, die Stadt selbst 5.600.

Als Marschall Bernadotte 1810 Kronprinz von Schweden wurde, gab er den Titel zurück. 1812 bis 1815 erhielt Napoleon Lucien Murat, der Sohn von Joachim Murat, dem neuen König von Neapel, den Titel Fürst von Pontecorvo. 1815 wurde die Stadt wieder päpstliche Enklave, wurde 1860 aber mit Benevento, der anderen südlichen päpstlichen Enklave, dem neuen Königreich Italien einverleibt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zerstört und danach in modernem Stil neu aufgebaut.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 9.170 10.309 12.492 15.015 14.437 13.369 11.358 13.064 13.280 13.233

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten]

Michele Notaro Sirianni (Bürgerliste "Pontecorvo rinasce") wurde am 27. und 28. März 2010 mit 43,12 % der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Seine Liste stellt 13 der 20 Gemeinderäte.[6]

Riccardo Roscia (UDC) wurde 2001 zum Bürgermeister gewählt und im Mai 2006 im Amt bestätigt. Roscia wurde im Juli 2007 wegen Amtsmissbrauch verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht. Auch wenn ein Berufungsgericht das Urteil zwischenzeitlich wieder aufhob, steht die endgültige Entscheidung im Gerichtsverfahren noch aus. [7].[8]

Name und Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Pontecorvo

Der Name Pontecorvo leitet sich vom lateinischen Pons curvus (lateinisch kurvige Brücke) her. Tatsächlich hat die mittelalterliche Brücke eine auffällig kurvige Form. Der Begriff Corvo bedeutet jedoch auch auf italienisch Rabe. Daher zeigt das Wappen der Stadt einen Raben auf einer kurvigen Brücke.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Kirche San Giovanello ist die einzige mittelalterliche Kirche, die das Bombardement im Zweiten Weltkrieg überlebt hat.
  • Der Torre Rodoaldo wurde um 860 als Bergfried der Langobarden erbaut. Seit im 11. Jahrhundert die Kathedrale über den Ruinen der Burg erbaut wurde, dient er als deren Campanile.
  • Auch ein Teil der langobardischen Stadtmauer mit zwei Stadttoren ist noch erhalten.
  • Der Ponte Curvo ist wohl das älteste Bauwerk der Stadt, das in Teilen auf die Antike zurückgeht.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Pontecorvo ist Zentrum des Anbaus einer eigenen Paprikasorte, der sogenannten Corni di Bue (=Ochsenhörner), oder Piparoglie, die für ihren süßen Geschmack bekannt sind und vor allem in der Peperonata Verwendung finden.[10]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Italienischer Zivilschutz
  3. www.laciociaria.it
  4. in: Regesta Imperii Online (Abgerufen am 20. Juli 2013)
  5. in: Regesta Imperii Online (Abgerufen am 20. Juli 2013)
  6. Wahlseite des Innenministeriums
  7. Vincenzo Caramadre: Riccardo Roscia torna libero. Il Tempo, 19. August 2009, abgerufen am 23. Juli 2013.
  8. Pontecorvo, annullata la sentenza di condanna. interno28.it, 3. Dezember 2012, abgerufen am 23. Juli 2013.
  9. www.laciociaria.it
  10. Region Latium

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pontecorvo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien