Frelsdorf

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53.4930555555568.900555555555613Koordinaten: 53° 29′ 35″ N, 8° 54′ 2″ O

Frelsdorf
Gemeinde Beverstedt
Wappen von Frelsdorf
Höhe: 13 m ü. NHN
Fläche: 25,29 km²
Einwohner: 708 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. November 2011
Postleitzahl: 27616
Vorwahl: 04749
Die Orte in der Einheitsgemeinde Beverstedt

Frelsdorf ist ein Ort in der niedersächsischen Gemeinde Beverstedt im Landkreis Cuxhaven.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wald, Moorgebiete und Fischteiche mit weiten Acker- und Weideflächen. Im Norden bildet der Oberlauf der Geeste größtenteils die Ortsgrenze.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Köhlen Geeste (Fluss) Heinschenwalde
Landkreis Rotenburg (Wümme)
Geestenseth Nachbargemeinden Hipstedt
Landkreis Rotenburg (Wümme)
Wollingst Appeln Basdahl
Landkreis Rotenburg (Wümme)

Im Norden grenzt Frelsdorf an Köhlen und Heinschenwalde, ein Ortsteil der Gemeinde Hipstedt. Im Osten befindet sich die Gemeinde Hipstedt. Südlich befinden sich die Orte Appeln und Basdahl. Im Südwesten gibt es eine gemeinsame Grenze mit dem Beverstedter Ortsteil Wollingst und im Nordwesten mit der Einheitsgemeinde Schiffdorf, Ortsteil Geestenseth.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Auffällig sind die vielen Einzelgehöfte und Streusiedlungen, die sich über das Ortsgebiet verteilen.

Weitere Ortsteile neben Frelsdorf sind Thebüe, Frelsdorfermühlen, Fortwiesen.

Geschichte[Bearbeiten]

Durch Werkzeugfunde ist belegt, dass das Gebiet Frelsdorf schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Aus späterer Zeit fand man 1963 ein Bronzeschwert und ein Beil in einem angepflügten Grabhügel. Etwa ein Dutzend Hügelgräber, insbesondere im Ortsteil Frelsdorfermühlen, weisen auf diese frühe Besiedelung hin. Um 1910 konnte man im Gemeindegebiet noch 36 Grabhügel, 1 zerstörtes Steingrab und einen Urnenfriedhof zählen. Heute finden sich in der Nähe des Wanderweges Frelsdorf - Heinschenwalde noch 3 gut erhaltene Grabhügel, der größte, mit Namen Bickersberg, befindet sich direkt am Weg unweit der Gemeindegrenze

1264 wurde Frelsdorf in einer Urkunde des Erzbischofs Hildepold von Bremen als Fridlestorpe zum ersten Mal erwähnt. Der Ortsname hat sich in seiner Schreibweise oft geändert: 1280: Vrilestorpe, in der Schwedenzeit: Frillstorff, 1768: Freelsdorff.

Die Pest reduzierte die Bevölkerung um das Jahr 1627 drastisch. In der Sage vom Totengräber von Frelsdorf wird berichtet, dass Frelsdorf damals keinen eigenen Friedhof hatte. Der Totengräber Hinrich Bock musste die Leichen der Pestopfer ohne Sarg auf einem Wagen zum 10 Kilometer entfernten Friedhof von Beverstedt bringen. Er selbst wurde von den Mitmenschen geschnitten und war das letzte Opfer der Pest. Das zu seinem Gedenken geschaffene Denkmal ist heute nicht mehr erhalten.

Eine Frelsdorfer Besonderheit war die alte Brinkgenossenschaft. Anders als in den Nachbargemeinden, wo die Schafställe zu den Hofgrundstücken gehörten, betrieb man in Frelsdorf seit Mitte des 17. Jahrhunderts, noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, eine Brinkgenossenschaft mit einer gemeinsamen Schafherde, einem Schäfer, Schafställen und Kornscheunen. Diese Trennung von an einer Stelle konzentrierten Wirtschaftsgebäuden von den Wohnhäusern war einmalig in Norddeutschland. Ein Rest dieser Anlage ist heute noch als Freilichtmuseum zu besichtigen.

Die Moorwiesen um den heutigen Frelsdorfer Mühlenbach standen oft, auch durch bewusste Aufstauungen, unter Wasser, es bildete sich eine Seenkette. So konnte eine Wassermühle in Frelsdorfermühlen betrieben werden. Von 1859 bis 1933 kam noch eine Galerieholländerwindmühle an der Geestensether Straße hinzu.

Gemälde von Hermann Daur (1902): Frelsdorf - Inneres eines niedersächsischen Bauernhauses

Um 1900 gab es noch einen Versuch durch die Überflutung von ca. einem Quadratkilometer Moorwiesen Karpfen und Schleie zu züchten. Das Unternehmen wurde aber wegen mangelnder Rentabilität aufgegeben. Ebenfalls zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es durch die Einführung von Kunstdünger zu größeren Umwälzungen. Die Heideflächen wurden zu Ackerland, die Schafzucht auf dem Brink wurde überflüssig. Am 1. Mai 1899 wurde die Bahnlinie Bremerhaven-Bremervörde eröffnet. Frelsdorf erhielt etwa einen Kilometer vom Dorfkern entfernt einen Bahnhof.

Ein Denkmal im Ortskern erinnert an die gefallenen Frelsdorfer Soldaten im Ersten Weltkrieg. Auf zusätzlichen Steintafeln sind die Namen der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges zu lesen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges (für Frelsdorf am 4. Mai 1945) verlief die Kriegsfront am Frelsdorfer Ortsrand. Die östlich von Frelsdorf gelegene Gemeinde Hipstedt war bereits von der schottischen 51st (Highland) Division besetzt, Frelsdorf wurde zu diesem Zeitpunkt noch von der Wehrmacht bzw. dem Volkssturm gehalten.

Nach Kriegsende musste Frelsdorf viele Flüchtlinge und Vertriebene aufnehmen. Die Siedlung „Bei den Fortwiesen“ entstand, die Siedlung „Am Bahnhof“ vergrößerte sich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzte die Mechanisierung in der Landwirtschaft immer mehr die Arbeitskraft von Menschen und Pferden. Milchproduktion wurde nun auf vielen Höfen favorisiert. Die Straße nach Appeln wurde in den 1950er Jahren befestigt, andere Straßenverbindungen ausgebaut, im Ortskern eine Regenwasserkanalisation geschaffen. 1968 wurde eine Friedhofskapelle erbaut, 1972 ein Feuerwehrhaus. In den 1970er Jahren wurde das zentral im Dorf gelegene Denkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges umgestaltet. Zwei Lebensmitteleinzelhändler schlossen in dieser Zeit ihre Verkaufsstellen, der Unterricht an der Grundschule wurde wegen der geringen Zahl von schulpflichtigen Kindern in Frelsdorf ebenfalls eingestellt. Hier unterrichteten bis 1976 zwei Lehrer in zwei Klassenräumen Schüler der ersten bis vierten Jahrgangsstufe.

Seit dem 1. November 2011 ist Frelsdorf ein Ortsteil der Einheitsgemeinde Beverstedt.[1]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

1926: Eingemeindung von Frelsdorfermühlen nach Frelsdorf

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1753: 583 Einwohner (30 Feuerstellen)
  • 1850: 234 Einwohner (ohne Frelsdorfermühlen, dort 56 Einwohner)
  • 1900: 400 Einwohner (ohne Frelsdorfermühlen)
  • 1938: 540 Einwohner (seit 1926 mit Frelsdorfermühlen)
  • 1948: 1100 Einwohner
  • 1978: 723 Einwohner
  • 1981: 667 Einwohner
  • 1989: 720 Einwohner
  • 2006: 735 Einwohner

Erklärung des Ortsnamens[Bearbeiten]

Der Ortsname enthält den altsächsischen Vornamen Frithila (heute Friedel) und ist eine „l-Bildung“ zu „frithu“ für "Frieden". 1264 wurde Frelsdorf in einer Urkunde des Erzbischofs Hildepold von Bremen als Fridlestorpe zum ersten Mal erwähnt. Der Ortsname hat sich in seiner Schreibweise oft geändert. Der Ortnamensteil „Fried-“ beruht auf dem germanischen „frithu-“, althochdeutschen „fridu“ für „Friede, Schutz“ und wurde mit dem althochdeutschen Verniedlichungszusatz „-ilo“ zu „Fridilo“ verbunden. In dieser Form ist der Ortsname bereits im Jahr 926 belegt. Der Name taucht in den Quellen auch in den Formen Fritilo, Frittilo, Frithelo, Friedelo und Fredelo auf. Das Suffix „-ilo“ schwächte sich aufgrund der unbetonten Stellung im Wortauslaut im Laufe der Zeit zu „-el“ ab.[2]

Politik[Bearbeiten]

Bildung der Einheitsgemeinde[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2006 setzte sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • Freie Wählergemeinschaft Frelsdorf: 3 Sitze
  • SPD: 3 Sitze
  • Einzelwahlvorschlag Ralf Meyer: 1 Sitz

Bürgermeister war bis zur Bildung der Einheitsgemeinde Ralf Meyer. Danach ist Gerhard Hillmann (CDU) Ortsvorsteher von Frelsdorf.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt auf silbernem Grund einen grünen, bewurzelten Eichenbaum mit sechs goldenen Eicheln. Um seinen Stamm schwebt ein goldener Ring. Das Wappen stellt die Eiche auf dem Brink dar, die früher als Versammlungs- und Tagungsort für das Femegericht diente.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museum[Bearbeiten]

Freilichtmuseum Frelsdorfer Brink

Es besteht ein Freilichtmuseum „Frelsdorfer Brink“, in dem ein alter landwirtschaftlicher Hof, ein Schafstall, Kornscheunen, Backofen, Brunnen und ein Bienenstand erhalten wurden. Das Museum soll an die alte Brinkgenossenschaft erinnern. Noch 1888 standen auf dem Gelände mit einer Ausdehnung von 8,6 Morgen (= 2,25 Hektar) 23 Schafställe und 15 Kornscheunen. Der Schäfer hatte 1870 eine Schafherde von 982 Tieren zu hüten, er erhielt dafür als Lohn 20 Taler im Jahr und Reihentisch, d. h. er durfte abwechselnd bei den Eigentümern der Schafe eine Mahlzeit einnehmen (ähnlich wurde der Dorflehrer beköstigt.) Die letzte Herde hatte 1948 immerhin noch 150 Schafe.

Sport[Bearbeiten]

Am Bahnhof existiert ein Sportplatz mit Vereinshaus, gegenüber dem Freilichtmuseum "Frelsdorfer Brink" eine Turnhalle mit angeschlossenem Dorfgemeinschaftshaus.

Vereine[Bearbeiten]

  • Chorgemeinschaft Frelsdorf
    • Heller Klang (traditionelle deutsche Volkslieder)
    • PopArt (Poplieder mit englischen / deutschen Texten)
  • Freiwillige Feuerwehr Frelsdorf mit Jugendfeuerwehr
  • TUS 08 e.V. Frelsdorf (Fußball in der Spielgemeinschaft Frelsdorf/Appeln)/Wollingst
  • Heimatverein Frelsdorfer Brink
  • Landjugend Frelsdorf
  • Natur- und Umweltschutzverein Frelsdorf und Appeln
  • Schützenverein Frelsdorf von 1949
  • Kulturtransport

Kirche[Bearbeiten]

In Frelsdorf gibt es kein Kirchengebäude. Anhänger der evangelischen Konfession werden vom Pfarramt im benachbarten Hipstedt betreut.

Bauwerke[Bearbeiten]

Gutshaus in Frelsdorfermühlen, erbaut 1780

Brauchtum[Bearbeiten]

Zu Pfingsten erhalten die Häuser, die von Familien mit jungen Mädchen bewohnt werden, einen Birkenbaum. Am Pfingstsonntag werden die Bäume von den Pflanzern begossen und diese erhalten dann (meist) eine Belohnung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Am Frelsdorfer Bahnhof besteht Anschluss an die Bahnstrecke Bremerhaven–Buxtehude der EVB.

In Frelsdorf treffen sich die Kreisstraßen 40 Geestenseth - Hipstedt und 41 Frelsdorf - Appeln.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Landwirtschaftliche Betriebe prägen das Dorfbild. In Frelsdorf gibt es, gemessen an der Einwohnerzahl noch überdurchschnittlich viele Vollerwerbslandwirte. Die Volksbank eG Bremerhaven-Cuxland betreibt in Frelsdorf eine Geschäftsstelle. Es gibt im Ortskern eine Gemischtwarenhandlung, am Bahnhof eine Weinhandlung, wo auch kulturelle Veranstaltungen in regelmäßigen Abständen stattfinden. Es finden sich ein Betrieb für Sanitär- u. Heizungstechnik, ein Malereibetrieb, eine Tischlerei mit Bestattungsunternehmen, ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen und ein Tiefbauunternehmen in Frelsdorf. Im Gutshaus in Frelsdorfermühlen wird an den Wochenenden ein Café betrieben.

Bildung[Bearbeiten]

Die Grundschule Frelsdorf wurde im Jahre 1976 geschlossen. Dort ist heute ein Kindergarten eingerichtet.

Sagen und Legenden[Bearbeiten]

  • Burg Stella[3]

In Frelsdorfermühlen liegt nördlich der Bahngleise, zwischen den Stationen Frelsdorf und Heinschenwalde, ein Gehölz, das "In den Eschen" heißt und zum Gut Frelsdorfermühlen gehört. Durch den Wald führt ein Weg bis ins "Geestmoor". An der Nordseite des Weges liegt eine Sandhalbinsel, die in das Moor vorspringt. Hier findet man heute Fichten und Buchen. An der Südseite, "Von den Eschen", ist ein schmales Moor, mit Heiden und Birken bewachsen. Im Osten und Norden breitet sich das "Geestmoor" aus, eine große Wiesenfläche, In früheren Zeiten aber ein Sumpfland, das im Herbst und Winter viel überschwemmt war. Der höher gelegene Teil heißt Stellahoop.

Früher, so sagt man, stand genau dort einst ein sehr Adeliger Hof. Aber über die Jahre starben die Männer dieses Adelsgeschlechts alle und es blieben nur noch zwei Frauen übrig. Diese waren der Legende zufolge so hochnäsig, dass sie wohl ständig die Frelsdorfer beleidigten. Sie waren mittlerweile verarmt und letztendlich auch so arm, dass sie sich Geld leihen mussten. Jedoch wollten die Frelsdorfer, weil sie so sehr verletzt wurden, weder durch Gute Worte noch durch Böse Worte sich bewegen lassen Geld rauszurücken. Die Zwei Frauen waren so erbost darüber, dass sie jedes mal wenn sie durch Frelsdorf gingen, laut sagten:

„Frelsdorf soll untergehen, Stella soll oben stehen!“ Doch es kam wohl umgekehrt, denn Frelsdorf ist heute immer noch ein sehr blühendes Dorf und Stella gibt es nicht mehr.

  • Das Abenteuer des Junkers von Schwanewede [3]
  • Der Totengräber von Frelsdorf [4]

1627 wurde Frelsdorfs Bevölkerung drastisch durch die Pest verkleinert. Damals hatte Frelsdorf noch keinen eigenen Friedhof. Der Totengräber Heinrich Bock musste alle Pestopfer mit einem Wagen und ohne Särge auf den 10 km entfernten Friedhof nach Beverstedt bringen. Daraufhin wurde er von der Bevölkerung gemieden. Heinrich Bock war das allerletzte Opfer, das von der Pest dahingerafft wurde. Sein Denkmal existiert heute jedoch nicht mehr. Der Stein wurde irgendwann zerschlagen und zu Bauzwecken genutzt.

Literatur[Bearbeiten]

„Die Samtgemeinde Beverstedt in Gegenwart und Vergangenheit“. Band 11 der neuen Reihe der Sonderveröffentlichungen der Männer vom Morgenstern 1983

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frelsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Beverstedt, Landkreis Cuxhaven. Vom 17. Februar 2011
  2. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  3. a b Hake Betken siene Duven. Das Sagenbuch von Elb- und Wesermündung ISBN 3-931771-16-4 von den Männern vom Morgenstern
  4. Sagen der Heimat Gesammelt von Heinrich Mahler, Heimatkundliche Schriften VI. Folge. Herausgeber: Kreislehrerverein Wesermünde, Bremerhavener Lehrerverein. 1961