Güsten

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Güsten (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Güsten
Güsten
Deutschlandkarte, Position der Stadt Güsten hervorgehoben
51.79722222222211.6192Koordinaten: 51° 48′ N, 11° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Salzlandkreis
Verbandsgemeinde: Saale-Wipper
Höhe: 92 m ü. NN
Fläche: 24,25 km²
Einwohner:

4.518 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 186 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39439
Vorwahl: 039262
Kfz-Kennzeichen: SLK
Gemeindeschlüssel: 15 0 89 165
Adresse der
Stadtverwaltung:
Platz der Freundschaft 1
39439 Güsten
Webpräsenz: www.wipperaue-guesten.de
Bürgermeister: Helmut Zander (SPD)
Lage der Stadt Güsten im Salzlandkreis
Barby Seeland Seeland Bördeaue Seeland Börde-Hakel Börde-Hakel Ilberstedt Borne Seeland Seeland Wolmirsleben Giersleben Seeland Güsten Plötzkau Alsleben (Saale) Nienburg (Saale) Egeln Barby Bernburg Calbe (Saale) Schönebeck (Elbe) Bördeland Könnern Hecklingen Aschersleben StaßfurtKarte
Über dieses Bild

Güsten ist eine Stadt in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Frühere Namen von Güsten waren Guddenstein, Gustein und Gusthen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographische Lage

Der Ort liegt nordöstlich von Aschersleben auf halber Strecke zwischen Bernburg und Aschersleben im Tal der Wipper kurz vor deren Mündung in die Saale.

Zu Güsten gehört der Ortsteil Osmarsleben. Zum 1. Januar 2010 wurden Amesdorf und Warmsdorf, welche bis dahin von der Stadt Staßfurt verwaltet wurde, nach Güsten eingemeindet.[2] Außerdem wurde Güsten zum 1. Januar 2010 Teil der neuen Verbandsgemeinde Saale-Wipper.[3]

Güsten hat 6 Friedhöfe, darunter einen jüdischen Friedhof, sowie einen Friedhof in Osmarsleben, Amesdorf und Warmsdorf. Der jüdische Friedhof liegt am Bahnübergang nach Rathmannsdorf und ist der älteste Friedhof des Ortes.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Güsten, sowie die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Amesdorf wurden zu Ortsfeuerwehren der Verbandsgemeinde Saale-Wipper mit angeschlossener Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr.

[Bearbeiten] Geschichte

[4] Erstmalig erwähnt wurden zwei Sattelhöfe als Rittersitze mit dem Namen Güsten in einer Urkunde des Kaisers Otto I. aus dem Jahr 970. Allerdings ist bis dato keinerlei Ortssiedlung zu erkennen. Erst 1373 erhält Güsten von den anhaltinischen Fürsten Heinrich IV. und Otto III. von Anhalt Stadtrecht. Güsten gehörte damals noch zur Linie der Fürsten Anhalt-Bernburg. Trotzdem blieb Güsten relativ klein. Es blieb ein Ort ohne nennenswerten Kern, der von Rittergütern begrenzt war. Im Jahr 1600 hatte Güsten gerade einmal ca. 800 Einwohner. Der Ort blieb dörflich geprägt. Vorwiegend der Landwirtschaft gewidmet mit den dazu gehörenden Handwerkern. Kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg lebten 27 Bauern in der Stadt. Güsten verfügte damals über eine Stadtmauer, die allerdings spät errichtet wurde. Das Magdeburger Tor (1617) und das Hallesche Tor (1681) entstanden, als die militärische Entwicklung solche Mauern längst überwinden konnte. Vermutlich wurde hier eher kontrolliert, als geschützt. Die Verwaltung und Herrschaft wurde vom nahegelegenen Warmsdorf aus gesteuert, dem heutigen Ortsteil. Hier waren im herrschaftlichen Schloss die Fürsten Anhalts zu Hause. Allerdings wurde das Amt Warmsdorf, in mehrfach durch Teilung von Anhalt-Bernburg getrennt. Als Exklave gehörte Warmsdorf zeitweise zu Anhalt-Dessau, deren Mitregent Georg III:(1507-1553) das dortige Schloss erbauen ließ. Später wurde Warmsdorf mit Güsten dem Fürstenhaus Anhalt-Köthen zugeordnet. Dem Fürst Leopold von Anhalt (1694-1728) diente es beispielsweise als Abfindung für seinen Bruder August Ludwig (1677-1755). Deshalb sind Güsten und die umliegenden Orte von Chausseehäusern umgeben, die ehemaligen Zoll und Grenzpunkte innerhalb der Fürstentümer Anhalts. Die Tore dienten allein der Pestgefahr, um hier Fremde in Augenschein zu nehmen. Im Jahr 1487 wurde ein St.-Hedwig-Hospital am heutigen Hospitalplatz gebaut. In der Nähe steht auch die St.-Vitus-Kirche, deren Gründung zwar unbekannt ist, deren Namensgeber, der Veit auf sächsische Wurzeln hindeutet. Der jetzige gotisch empfundene Bau ist ein Neubau, einer der wenigen nach der Reformation aus dem Jahr 1591 auf einer früheren Kapelle. Im Jahr 1609 wurde auch erstmals ein Schulbau erwähnt, sowie die Errichtung des Rathauses, des Staßfurter Tores oder des Hospitals. Doch dieser Aufschwung kennt Grenzen. Schon 1611 wütet die Pest. Im Dreißigjährigen Krieg wird Güsten 9-mal geplündert, bis nur noch 3 Familien übrig blieben. Im Jahr 1691 kommt ein verheerender Stadtbrand hinzu. Die danach wieder auf den Ruinen errichtete Siedlung heißt heute noch Neustadt. Schon 1692 wird zum ersten Mal der Ausspannhof Großer Gasthof vor dem Tore, der heutige Schwarze Bär erwähnt, der auch einen Halt der Postkutsche Dessau/Quedlinburg vorsah. 1750 folgt die Postlinie Aschersleben/Halle und 1782 Magdeburg/Mansfeld. Damit wird Güsten erstmals Verkehrsknotenpunkt. Die Zeit der französischen Besatzung durch Napoleon ging für Güsten glimpflich aus. Bis auf ein Gefecht 1813 mit den Truppen Schills wurde diese Region aus dem Geschehen herausgehalten. Die Stadt wächst ständig, auch außerhalb der Tore im Sichstal, den Ratswiesen und am Ratsteich. Die Landwirtschaft wird von 3 Rittergütern und 2 fürstlichen Domänen bestimmt.

Bedeutend wird Güsten erst mit der Industrialisierung. Am 10. Oktober 1865 fährt der erste Zug von Bernburg nach Aschersleben auf der neuen Eisenbahnstrecke und hält dabei in Güsten. Ein halbes Jahr später fährt der erste Zug ins benachbarte preußische Staßfurt, wo mit dem Salz- und Kalibergbau Goldgräberstimmung existiert. Das anhaltinische Güsten wird immer wichtiger. Im Jahr 1878 wird die Strecke Berlin - Wetzlar mit der militärisch wichtigen Kanonenbahn fertig. Zwischen Güsten und Amesdorf entsteht ein Güterbahnhof, Güterschuppen, Rangiereinrichtungen usw. prägen Güsten bis ins 20. Jahrhundert und lassen es zur Eisenbahnerstadt aufsteigen. Im Konkurrenzkampf Preußens und Anhalts um das Salz werden nicht nur in Leopoldshall, sondern auch in Güsten Schächte gebaut. Diese bewirken eine weitere Blüte Güstens, sodass 1914 schon 5.300 Einwohner in der Stadt leben. In dieser Zeit entstehen auch 1883 die heutige Schule am Markt, 1892 die Post und 1903 die katholische Kirche im typischen Backsteinbau der damaligen Zeit. Auch das Rathaus erhält 1905/1906 seinen Turm. Es entstehen Vereine für Sport- und Kultur, von denen viele noch immer existieren. Aber auch antisemitische Vereine entstanden. Die Synagoge stand in der damaligen Tempelgasse, der heutigen Schmalen Gasse und wurde unter den Nazis geschändet und schließlich zerstört. Im Ersten Weltkrieg sterben viele Güstener auf den Schlachtfeldern. Erwähnenswert bleiben die Errichtung des Sportplatzes Am Stadion 1919 und der Badeanstalt 1927. Das Herzogtum Anhalt wird 1918 zum Freistaat.

Im verheerenden Zweiten Weltkrieg entging Güsten nur durch Glück im Unglück einem Inferno. Weil Piloten der Royal Airforce die überschwemmte Liethe und Wipper für einen See hielten, wurden 1940 die geplante Bombardierung des Bahnhofs abgebrochen. Am 17. April 1945 erreichten US-Soldaten Güsten. Bis zum 30. Juni 1945 bleibt Güsten unter amerikanischer Besatzung, bis die sowjetischen Truppen die Verwaltung übernehmen. Mit der Enteignung der 3 Güter in Güsten im Zuge der Bodenreform werden Neubauern angesiedelt und denen typische Häuser errichtet, so in der Siedlung oder dem Warmsdorfer Weg. Im Jahr 1952 erfolgt wieder die Enteignung der Bauern in Form der Gründung der LPG. Seit 1952 gehört mit der neuen Verwaltungsstruktur Güsten für 42 Jahre zum Kreis Staßfurt und dem südlichsten Zipfel des Bezirkes Magdeburg.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Gedenkstein auf dem Ortsfriedhof für den kommunistischen Spanienkämpfer Walter Munke, der 1942 im KZ Mauthausen ermordet wurde
  • Gedenktafel von 1970 am Schulhort Stadtgraben 13 zur Erinnerung an die dort gequälten sowjetischen Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkrieges
  • Gedenkstein und zwei Informationstafeln am Eingang zum jüdischen Friedhof Rathmannsdorfer Straße zur Erinnerung an die Opfer der Shoa
  • Gedenktafel an der ehemaligen POS Karl-Marx zur Erinnerung an den kommunistischen Widerstandskämpfer Werner von Trittenbein, ermordet 1944
  • Vituskirche

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Verkehr

Güsten liegt an der Bundesstraße 185 auf halber Strecke zwischen Bernburg und Aschersleben. Diese bildet gemeinsam mit der neu gebauten Nordharzautobahn Bundesstraße 6n eine Ortsumfahrung.

Güsten ist ein Bahnknoten an den Bahnstrecken (Magdeburg–)Schönebeck–Güsten, Köthen–Aschersleben und in Richtung Sandersleben (weiter nach Halle oder Erfurt). Die Kanonenbahn über Calbe nach Berlin ist stillgelegt. Als Eisenbahnstützpunkt hatte Güsten Bedeutung durch seine Lage nördlich der Harzausläufer. Als Gegenpart zu Sangerhausen, das an den südlichen Ausläufern liegt, waren in beiden Orten die Lokomotiven für die Harzquerung der Kanonenbahn stationiert. Das Bahnbetriebswerk Güsten wurde 1995 geschlossen.

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

Es sind verschiedene Industrie- und Gewerbebetriebe ansässig, unter anderem Grauthoff-Türen: ASTRA-Türen GmbH, Ehlert Apparatebau GmbH, HAHN-Elektrobau GmbH und die Zentrale der Zoo & Co Märkte Nicolaus (NICOLAUS Verwaltungsgesellschaft mbH).

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

  • August Carl Alexander von Zanthier (1734–1815), hessischer und anhaltischer Hofbeamter und Schriftsteller, Gutsbesitzer in Güsten, starb hier
  • Arno Philippsthal (1887–1933), Arzt und eines der ersten jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft in Berlin, wurde in Güsten geboren

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Güsten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Literatur

  • Hans Joachim Kessler: Güsten-Anhalt: Eine Reise durch das Güstener Becken und die Wipperaue. Verlag Kirchschlager, Güsten 2001, ISBN 3-934277-03-9.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen; Stand: 31. Dez. 2010 (PDF; 231 KB) (Hilfe dazu)
  2. Volksinitiative Sachsen-Anhalt 2011: Eingemeindung Amesdorfs nach Güsten
  3. mz-web.de: Gründung der Verbandsgemeinde Saale-Wipper
  4. Hans-Joachim Kessler: Güsten-Anhalt 2001
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