Gaspard Ulliel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gaspard Ulliel (2009)

Gaspard Ulliel (* 25. November 1984 in Neuilly-sur-Seine) ist ein französischer Schauspieler. Seit Mitte der 1990er Jahre trat er in über zwanzig Film- und Fernsehproduktionen, mehrheitlich Dramen, in Erscheinung. Internationale Bekanntheit brachten ihm unter anderem Hauptrollen in den Kinofilmen Mathilde – Eine große Liebe und Hannibal Rising – Wie alles begann ein. Für erstgenannte Rolle wurde er 2005 mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet.

Biografie[Bearbeiten]

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Gaspard Ulliel kam als Sohn zweier Stylisten in der Nähe von Paris zu Welt.[1] Ulliel, der als Sechsjähriger von einem Dobermann angefallen wurde und seitdem durch eine markante Narbe unter dem linken Wangenknochen gezeichnet ist, träumte schon früh davon, bei einem Film Regie zu führen.[2]

Im Alter von elf Jahren hatte Ulliel begonnen, für Fernsehrollen vorzusprechen. Nach zwei Monaten hatte er seine erste kleine Rolle für einen Fernsehfilm ergattert. Seine Eltern ließen ihn aufgrund seiner Schulausbildung nur in maximal zwei Filmen pro Jahr mitspielen.[2] Noch während seiner Schulzeit war er in dem französischen Fernsehfilm Une femme en blanc zu sehen. Während der folgenden Jahre fasste Ulliel im französischen Fernsehgeschäft Fuß und war daneben sporadisch in zahlreichen Kurzfilmen zu sehen, wie z. B. 1999 in Marina de Vans Alias.

Nachdem er das französische Lycée abgeschlossen hatte, studierte er Filmwissenschaft an der Universität von Saint-Denis.[1] Eigenen Angaben zufolge hätte diese Zeit Ulliels Filmgeschmack erweitert, aber ansonsten enttäuschte ihn das Studium, da er nicht genug Filmpraxis erhielt. Er entdeckte unter anderem die Werke Chris Markers und sah Filme von Ingmar Bergman, Akira Kurosawa sowie Andrei Tarkowski, den er, wie die Regisseure Vincent Gallo oder Gus Van Sant, verehrt. Nachdem er sein Studium schon nach einem Jahr abbrach, widmete er sich fortan der Fotografie.[2]

Erste Kinofilme[Bearbeiten]

Ulliels Filmkarriere begann 2001 mit einem kurzen Cameo-Auftritt in dem historischen Horrorfilm Pakt der Wölfe, in dem er ein Opfer der Bestie vom Gévaudan spielte. Der französische Schauspieler Michel Blanc wurde kurze Zeit später auf den androgynen Jungschauspieler[3] aufmerksam und besetzte ihn in seiner Komödie Küss mich, wenn du willst, an der Seite von Carole Bouquet, Jacques Dutronc und Charlotte Rampling. Für Blancs vierte Regiearbeit wurde Gaspard Ulliel unter anderem mit dem Prix Lumière als bester Nachwuchsdarsteller geehrt.

Während Ulliel im Sommer 2003 Schauspielunterricht am Cours Florent, der Europäischen Schauspielkunstschule nahm, wurde der 1,80 m große Schauspieler vom etablierten französischen Regisseur André Téchiné kontaktiert, ob er nicht die männliche Hauptrolle in seinem nächsten Film übernehmen wolle.[4] Im Drama Strayed, das zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist, porträtierte Ulliel den geheimnisvollen Jugendlichen Yvan, der sich der verwitweten Lehrerin Odile (gespielt von Emmanuelle Béart) und ihrer beiden Kinder annimmt, um sie vor den einmarschierenden Nazis zu beschützen.

Durchbruch im Filmgeschäft[Bearbeiten]

Ulliel im Jahr 2006

2004 folgte für den Schauspieler, dessen Lieblingsaktrice der französische Leinwandstar Jeanne Moreau ist,[2] die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jean-Pierre Jeunet. Bei der Besetzung des männlichen Hauptdarstellers in seinem Kriegsdrama Mathilde – Eine große Liebe hatte Jeunet circa 60 junge französische Darsteller vorsprechen lassen, bis er auf den 19-jährigen Gaspard Ulliel aufmerksam wurde, dem er eine erfolgreiche Schauspielkarriere voraussagte: „Gaspard wird ein Star sein.“[5]

Zusammen mit seiner acht Jahre älteren Filmpartnerin Audrey Tautou porträtierten die beiden Darsteller am Beispiel des jungen Liebespaares Mathilde und Manech die Gräuel des Ersten Weltkriegs. Mit diesem Film gelang Ulliel der endgültige Durchbruch im Filmgeschäft und der introvertierte Schauspieler wurde 2005 bei der dritten Nominierung in Folge zum ersten Mal mit dem César als bester männlicher Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet.

Gaspard Ulliel, der seit Mathilde – Eine große Liebe zu den talentiertesten Nachwuchsschauspielern Frankreichs zählt, arbeitete bis 2006 an vier Filmprojekten, darunter Gus Van Sants Beitrag zu dem Episodenfilms Paris, je t’aime (mit Elias McConnell und Marianne Faithfull) sowie Laurent Boutonnats Abenteuerfilm Jacquou le croquant, in dem er an der Seite von Marie-Josée Croze die Titelrolle innehatte.

Sein Debüt im internationalen Kino hatte Ulliel dann 2007 in der Titelrolle des jungen Hannibal Lecter in Peter Webbers Verfilmung von Thomas Harris' Roman Hannibal Rising, Hannibal Rising – Wie alles begann. Der Film, ein Prequel zu Das Schweigen der Lämmer (1991), Hannibal (2001) und Roter Drache (2002), in denen noch Oscar-Preisträger Anthony Hopkins die Rolle bekleidet hatte, fiel jedoch beim Publikum durch und fand aufgrund von Webbers formaler Ästhetik nur bei wenigen Kritikern Zuspruch.[6] Trotz des Misserfolgs wurde Ulliel einem weltweiten Publikum bekannt. 2009 folgte mit Niki Caros Drama The Vintner’s Luck an der Seite von Jérémie Renier, Vera Farmiga und Keisha Castle-Hughes erneut eine Rolle in einer internationalen Produktion, mit der er aber nicht an vorangegangene Erfolge anknüpfen konnte.

Ulliel, der fließend Englisch spricht,[4] zählt unter anderem das Motorradfahren zu seinen Hobbys.[7] 2010 warb er als Model für das Parfüm Bleu de Chanel, was die Mitwirkung in einem Werbespot von Martin Scorsese vorsah.[8] Bereits im Jahr davor hatte er für das französische Unternehmen Longchamp mit Kate Moss geworben.

Im Sommer 2013 wurde bekannt, dass Ulliel als Yves Saint Laurent für einen Film über den Modeschöpfer von Bertrand Bonello gecastet wurde. Der Film feierte im Mai 2014 in Cannes Premiere.

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2003: Prix Lumière für Küss mich, wenn du willst (Bester Nachwuchsdarsteller)
  • 2003: César-Nominierung für Küss mich, wenn du willst (Bester Nachwuchsdarsteller)
  • 2004: Étoiles d’Or für Strayed (Bester Nachwuchsdarsteller)
  • 2004: César-Nominierung für Strayed (Bester Nachwuchsdarsteller)
  • 2005: César für Mathilde – Eine große Liebe (Bester Nachwuchsdarsteller)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b vgl. Profil bei allocine.fr (französisch; aufgerufen am 13. Mai 2011).
  2. a b c d vgl. Schwarzbrod, Alexandra: Le chemin des dames. In: Libération, 23. Oktober 2004, Nr. 7294, S. 48.
  3. vgl. Profil bei evene.fr (französisch; aufgerufen am 13. Mai 2011).
  4. a b vgl. Biografie bei imdb.com (englisch; aufgerufen am 13. Mai 2011).
  5. vgl. Young, Jamie Painter: A very picky director. In: BPI Entertainment News Wire, 8. Dezember 2004 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  6. vgl. Filmkritik im film-dienst 04/2007,
  7. vgl. Marshall, Alexandra: Say It In French. In: The New York Times, 14. März 2010, S. 104.
  8. vgl. Böker, Carmen: Mach's noch mal, Marty. In: Berliner Zeitung, 27. August 2010, Nr. 199, S. 1.