Goldberg-Variationen
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Die Goldberg-Variationen sind ein Klavierwerk von Johann Sebastian Bach (BWV 988). Von Bach selbst wurde das Stück als „Aria mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen“ bezeichnet. Das Werk wurde 1741[1] als „Clavierübung IV. Teil“ gedruckt.
Die Goldberg-Variationen sind ein Musterbeispiel für barocke Variationskunst. Während jeder Einzelsatz seinen ganz eigenen Charakter ausbildet (es finden sich Anspielungen an Tanzsätze und viele andere musikalische Typen), ist deren Zusammenhang durch das gemeinsame Bassthema, mehr aber noch durch einen planvollen Aufbau mit regelmäßig eingestreuten, streng kanonischen Sätzen (siehe unten) gesichert. Das Werk zeigt somit den hohen Anspruch, den Bach selbst an sein Spätwerk stellte und „eine überzeugende Demonstration dessen, dass kunstvoller Bau und natürliche Anmut einander keineswegs ausschließen“[2].
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[Bearbeiten] Entstehung
Benannt ist das Werk nach dem Komponisten und Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg, einem Schüler Bachs. Laut einer vom Bach-Biografen Forkel überlieferten Anekdote sollte Goldberg dem russischen Gesandten am Dresdner Hof, dem Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, aus dem Werk vorspielen, wenn dieser an Schlaflosigkeit litt (und nicht, wie fälschlich kolportiert, um ihn damit zum Einschlafen zu bringen). – Da es keine weitere Quelle für diese Geschichte gibt, da die Partitur keine offizielle Widmung enthält und da Goldberg selbst zum Zeitpunkt der Drucklegung gerade 14 Jahre alt war, wird die Geschichte inzwischen von namhaften Bachforschern nicht mehr ernst genommen[3]. Vielmehr war die Komposition von Anfang an als Teil – und krönender Abschluss – der Clavierübung geplant.
Die ersten acht Basstöne sind identisch mit denen der Chaconne avec 62 variations von Georg Friedrich Händel, die 1733 veröffentlicht wurde und am Schluss einen zweistimmigen Kanon enthält. Möglicherweise hat Bachs Fantasie sich an dieser Chaconne und ihrer Kanonbearbeitung entzündet.
[Bearbeiten] Aufbau
Der einleitenden „Aria“ folgen 30 Variationen, die sich jedoch nicht an der Melodie der Arie, sondern an ihrer 32-taktigen Basslinie orientieren. Jede dritte Variation ist als Kanon gestaltet, wobei das Intervall der kanonischen Stimmen stetig wächst: Die dritte Variation ist ein Kanon in Unisono, die sechste in der Sekunde, die neunte in der Terz usw. Die 30. Variation bildet schließlich ein Quodlibet, das das Bassthema mit zwei Gassenhauern ("Ich bin so lang nicht bei dir gewest, rück her, rück her" - sowie "Kraut und Rüben haben mich vertrieben") der Bachzeit kombiniert, deren Texte einen witzigen Bezug auf die vielen Variationen ergeben. Eine Reprise der „Aria“ schließt den Zyklus ab.
Die Satzüberschriften des Originaldrucks (Kommentare in Klammern):
- Aria (Melodie und Begleitung)
- Variatio 1. a 1 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 2. a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 3. Canone all' Unisono a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 4. a 1 Clav. (vierstimmig)
- Variatio 5. a 1 ô vero 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 6. Canone alla Seconda 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 7. a 1 ô vero 2 Clav. "al tempo di Giga" (zweistimmig)
- Variatio 8. a 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 9. Canone alla Terza a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 10. a 1 Clav. (vierstimmig)
- Variatio 11. a 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 12. Canone alla Quarta a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 13. a 2 Clav. (Melodie und Begleitung)
- Variatio 14. a 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 15. Canone alla Quinta a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 16. Ouverture a 1 Clav. (Französische Ouvertüre in punktiertem Rhythmus mit dreistimmigem Fugato)
- Variatio 17. a 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 18. Canone alla Sexta a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 19. a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 20. a 2 Clav.
- Variatio 21. Canone alla Setima a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 22. a 1 Clav. (vierstimmig)
- Variatio 23. a 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 24. Canone all' Ottava a 1 Clav. (dreistimmig)
- Variatio 25. a 2 Clav. "adagio" (Melodie und Begleitung)
- Variatio 26. a 2 Clav.
- Variatio 27. Canone alla Nona a 2 Clav. (zweistimmig)
- Variatio 28. a 2 Clav.
- Variatio 29. a 1 ô vero 2 Clav.
- Variatio 30. Quodlibet. a 1 Clav. (vierstimmig)
- (Der Druck endet mit den Worten „Aria da Capo e Fine“)
Der Musikforscher David Humphreys hat 1984 zum Aufbau des Werkes einen Artikel verfasst, in dem er auch einen kosmologischen Zusammenhang in den Goldberg-Variationen vermutet. Ihm zufolge entsprechen die Variationen 4,7,10,13,16,19,22,25,28 dem Aufstieg durch die Sphären des ptolemäischen Weltbilds.
[Bearbeiten] Vierzehn Kanons
1975 wurde in Straßburg Bachs persönliches Handexemplar der Goldbergvariationen entdeckt. Es enthält neben einer Reihe eingetragener zusätzlicher Verzierungen auch die Reinschrift von vierzehn „verschiedenen Canones über die ersten acht Fundamental-Noten“ (BWV 1087). Geht man davon aus, dass Bach die eingangs erwähnte Chaconne von Händel kannte, so wird man einen Teil dieser Kanons als eine Art erster Fingerübung Bachs in der Auseinandersetzung mit dem Bassthema verstehen.
Die gleichen acht Noten finden sich auch in der dem Betrachter zugewandten untersten Zeile des Notenblatts, das Bach in dem Ölgemälde von Elias Gottlob Haußmann von 1747 in der Hand hält (dem „Canon triplex a 6 vocibus“).
[Bearbeiten] Interpretation
Auch wenn einzelne Sätze bereits nach einigen Jahren Klavierunterricht gespielt werden können, fordert das Werk insgesamt einen hohen Grad an Virtuosität und gilt als eine der schwierigsten Klavierkompositionen Bachs. Für Interpreten, die statt des vorgesehenen Cembalos ein modernes Klavier verwenden wollen, gilt dies besonders, da das Werk für ein zweimanualiges Instrument komponiert wurde und sich die Ausführung mit nur einer Tastatur stellenweise als schwierig erweist. Als bekanntester Interpret der Neuzeit gilt der kanadische Pianist Glenn Gould, der das Werk zweimal auf dem modernen Konzertflügel aufgenommen hat. Darüber hinaus gibt es eine große Fülle weiterer Einspielungen sowohl auf dem Cembalo als auch auf dem Klavier.
[Bearbeiten] Bearbeitungen
Das Werk hat zahlreiche Komponisten zu mehr oder weniger freien Bearbeitungen angeregt. Beispiele:
- 1883: Josef Gabriel Rheinberger Bearbeitung für zwei Klaviere, WoO 3
- 1914: Ferruccio Busoni Bearbeitung für den modernen Konzertflügel, KiV B 35
- 1926: Wilhelm Middelschulte Bearbeitung für Orgel
- 1984: Dmitri Sitkovetsky Bearbeitung für Streichtrio (Violine, Viola und Violoncello)
- 1987: Jean Guillou Bearbeitung für Orgel
- 2000: Uri Caine Bearbeitung für verschiedenste Besetzungen und Stile (Mozart, Tango, Wedding March, Jazz-Piano, Hammondorgel)
- 2000: Jacques Loussier Trio („Play Bach“)
- 2000: Moritz Eggert („Goldberg spielt“ für Klavier und Ensemble)
- 2003: Karlheinz Essl („Gold.Berg.Werk“ für Streichtrio und Live-Elektronik)
Zudem gibt es Einspielungen mit Akkordeon, Blechbläser-Ensemble, Flöten-Trio, Gitarre, Streicher-Ensemble oder gar zwei Cimbalons (großes ungarisches Hackbrett).
Der bedeutende ungarischstämmige Dramatiker George Tabori (* 1914,† 2007) verfasste 1991 ein gleichnamiges Theaterstück.
[Bearbeiten] Einzelnachweise und Literatur
- ↑ Gregory Butler im Bachjahrbuch 1988
- ↑ Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach, 2. Auflage 2007. S. Fischer, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-596-16739-5
- ↑ Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach
[Bearbeiten] Weblinks
- englisch-japanische Website mit umfassender Diskografie
- Goldberg-Variationen: Freie Noten zum Herunterladen im International Music Score Library Project.
- Händel: Chaconne G-Dur: Freie Noten zum Herunterladen im International Music Score Library Project.
- Bachs Kanons, darunter „Canon triplex a 6 vocibus“: Freie Noten zum Herunterladen im International Music Score Library Project.
- Ein Artikel, der den kosmologischen Zusammenhang in den Goldberg-Variationen erklärt

