Gostenhof

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49.44666666666711.058888888889315Koordinaten: 49° 26′ 48″ N, 11° 3′ 32″ O

Stadt Nürnberg
Höhe: 315 m ü. NN
Fläche: 51,8 ha
Einwohner: 8786 (31. Dez. 2012)[1]
Eingemeindung: 1. Oktober 1825
Postleitzahlen: 90429, 90443
Vorwahl: 0911
Karte

Lage des statistischen Bezirks 04 Gostenhof in Nürnberg

Lage der Gemarkung 3425 Gostenhof in Nürnberg

Gostenhof ist ein Stadtteil der mittelfränkischen Stadt Nürnberg. Der innerstädtische Stadtteil grenzt südwestlich an die Altstadt Nürnbergs und gehört als Bezirk 04 zum Statistischen Stadtteil 0; zu Gostenhof im weiteren Sinne gehört auch ein Teil des statistischen Bezirks 22.

Geographie[Bearbeiten]

Gostenhof liegt auf einer Höhe von 315 m ü. NN.

Ausdehnung des Stadtteils[Bearbeiten]

Im Norden ist der Stadtteil mit Kleinweidenmühle baulich verwachsen, die Grenze zwischen beiden verläuft zwischen Fürther Straße und Bärenschanzstraße. Im Osten trennt die Stadtmauer Gostenhof von der Altstadt. Die südliche Grenze bildet der innerstädtische Teil der Bundesautobahn 73 (Frankenschnellweg). Im Westen ist Gostenhof mit Seeleinsbühl verwachsen, die Maximilianstraße bildet dort die Grenze.

Benachbarte Stadtteile[Bearbeiten]

Der Stadtteil grenzt im Norden an den Stadtteil Kleinweidenmühle, im Osten an die Altstadt und Tafelhof, im Westen an Seeleinsbühl und im Süden an Sündersbühl und St. Leonhard.

Gliederung des Stadtteils[Bearbeiten]

Gostenhof umfasst neben dem alten Zentrum auch Teile des Bezirks Bärenschanze.[SL 1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gostenhof auf einem Katasterplan mit den um 1820 abgetragenen Schanzen, 1811
Dreieinigkeitskirche Gostenhof

Archäologische Ausgrabungen bei der Bärenschanzstraße brachten 3300 Jahre alte Spuren von bronzezeitlichem Ackerbau auf dem Gebiet Gostenhofs ans Tageslicht.[2]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das kleine Straßendorf im Jahr 1311. 1477 erhielt das zwischenzeitlich an Nürnberg übergegangene Gostenhof ein reichsstädtisches Pflegamt. Während das Dorf in den beiden Markgrafenkriegen niedergebrannt wurde, blieb es im Dreißigjährigen Krieg unzerstört. Das zur gewerbereichen Nürnberger Vorstadt angewachsene Gostenhof wurde 1796 preußisch. 1806 gelangte es an Bayern. Bereits 1825 wurde Gostenhof nach Nürnberg eingemeindet.[SL 1]

Vom Ludwigsbahnhof in Gostenhof begann 1835 mit der Ludwigsbahn das Eisenbahnzeitalter in Deutschland. Das erste Gaswerk Nürnbergs wurde 1847 in Gostenhof errichtet. 1913 eröffnete an derselben Stelle das Volksbad.[SL 1]

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der ländlich geprägte Vorort zu einer Handels- und Geschäftsvorstadt mit dichter Besiedlung. Diese Entwicklung wurde besonders durch jüdische Hopfenhändler ausgelöst. Generell war Gostenhof auch ein Zentrum der jüdischen Bevölkerung in Nürnberg, von der 1910 ein Drittel in diesem Ortsteil lebte.[SL 1]

Im Zweiten Weltkrieg blieb Gostenhof weitgehend unzerstört. Infolge der wenig attraktiven alten Bausubstanz und seiner innerstädtischen Lage ohne Grünflächen entwickelte sich Gostenhof wie viele andere deutsche Innenstadtbezirke zu einem Stadtteil, der überwiegend von sozial schwächeren und ausländischen Familien bewohnt wird. Die Bevölkerung Gostenhofs setzte sich 1997 aus Angehörigen von über 40 Nationen zusammen,[SL 1] im Gostenhofer Kerngebiet sowie in der Bärenschanze betrug der Ausländeranteil 2005 über 42 Prozent[3].

Gostenhof galt lange Zeit als Nürnberger Bronx oder Glasscherbenviertel (mundartlich: Glosschermverdel). Das kommt beispielhaft in einem Lied des Nürnberger Liedermachers und Ingenieurs Günter Stössel zum Ausdruck: Seine Adaption des Klassikers House of the rising sun lautet Dou schdäihd a Haus in Gost'nhuf. Dank umfangreicher Sanierungsarbeiten hat sich das Image Gostenhofs jedoch inzwischen verbessert. Seit den 1980er Jahren hat sich der Stadtteil auch ein alternativ angehauchtes Image zugelegt, was sich in einer großen Anzahl von Kneipen, Initiativen und Künstlerwerkstätten sowie den regelmäßig stattfindenden Gostenhofer Werkstatt- und Ateliertagen GOHO niederschlägt.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Das Gostner Hoftheater wurde 1979 in einer umgebauten Spielzeugfabrik als Theater um die Ecke eröffnet. Bereits ein Jahrzehnt später konnte die ursprünglich als Werkstatttheater konzipierte Bühne eigene Produktionen mit professionellen Schauspielern und Regisseuren präsentieren. Inzwischen betreibt das Theater eine weitere Bühne und eine Kneipe und hat sich neben den Städtischen Bühnen als zweites wichtiges Theater in Nürnbergs Kultur etabliert[SL 2].

Bauwerke[Bearbeiten]

Rochusfriedhof, 2004
Nachbarschaftshaus Gostenhof

Der Rochusfriedhof wurde 1518 während der damaligen Pestepidemie aus hygienischen Gründen als neuer Begräbnisplatz außerhalb der Nürnberger Stadtmauern angelegt. Die ältesten Grabanlagen stammen noch aus der Gründungszeit. Viele bekannte Nürnberger Persönlichkeiten, unter anderem Johann Pachelbel, liegen dort begraben[SL 3].

Der Justizpalast in der Fürther Straße wurde von 1908 bis 1916 nach Plänen Hugo von Höfls errichtet. Das im Stil der Deutschrenaissance erbaute Gebäude schloss unmittelbar an das sogenannte Zellengefängnis an. Hier fanden die als Nürnberger Prozesse bekannten Verhandlungen gegen führende Personen des Nationalsozialismus statt.[SL 4] Der Schwurgerichtssaal 600, Ort der Hauptverhandlung, kann an Wochenenden besichtigt werden. Die Museen der Stadt Nürnberg planen zurzeit ein Dokumentationszentrum hierzu.

Das zwischen 1951 und 1953 errichtete Plärrerhochhaus, eigentlich Geschäfts- und Werkstättengebäude der Städtischen Werke Nürnberg am Plärrer war mit 56 m Höhe bei seiner Eröffnung das höchste Gebäude Bayerns. Ab dem 5. Geschoss verjüngt sich der 15-geschossige Bau um einen Zentimeter pro Stockwerk, um schlanker zu erscheinen. Das auskragende Flugdach bildet den markanten Abschluss des denkmalgeschützten Baus des Architekten Wilhelm Schlegtendal.[SL 5]

Das ebenfalls nach Plänen Wilhelm Schlegtendals 1961 erbaute Planetarium steht direkt neben dem Plärrerhochhaus. Besonders markant ist die Kuppel (18 m Durchmesser) des Projektionsraumes.[SL 6]

Direkt neben dem Planetarium befindet sich das Volksbad. Die Planung realisierte der Architekt Carl Weber und der Ingenieur Friedrich Küfner. Das Volksbad der Stadt Nürnberg in der Rothenburger Straße 10 in Nürnberg wurde 1911 bis 1913 errichtet. Das Nürnberger Volksbad gilt als Juwel der Jugendstil-Badekultur. Die Baugestaltung zitiert römische Thermen, wie etwa der Säulenportikus am Eingang mit Stadtwappen. Zurzeit steht das Volksbad seit fast 20 Jahren leer. Verschiedene Gruppen und Vereine bemühen sich seitdem um eine Wiederbelebung des Bades.

Im westlichen Teil Gostenhofs steht an der Kreuzung Adam-Klein-Straße/Paumgartnerstraße die von 1908 bis 1910 von Dombaumeister Prof. Josef Schmitz in neoromanischem Stil errichtete Pfarrkirche St. Anton. Sehenswert ist eine in jüngerer Zeit in der Apsis angebrachte Darstellung Christus in der Mandorla von Wolfgang Duck.

Im Zentrum von Gostenhof stehen die von 1900 bis 1903 im Gründerzeitstil erbaute Dreieinigkeitskirche und das ehemalige Lehrlingswohnheim, in dem jetzt das Nachbarschaftshaus untergebracht ist.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Einmal im Jahr findet in Gostenhof das Stadtteilfest statt, bei dem alle in Gostenhof aktiven Parteien, Vereine und Initiativen mitwirken. Des Weiteren findet jährlich am 1. Mai ein internationalistisches Straßenfest statt. Alle zwei Jahre findet u. a. in der Gostenhofer Hauptstraße ein Straßenfest statt.

Die Gostenhofer Atelier- und Werkstatttage (GOHO) sind als Biennale angelegt. Alle zwei Jahre öffnen Künstler ihre Arbeitsstätten für Besucher.[4]

Medien[Bearbeiten]

Kulturschaffende und Geschäftsleute aus Gostenhof bringen ein eigenes Stadtteilmagazin "inGoHo" heraus, das zwei Mal im Jahr erscheint.

Seit Anfang 2013 gibt es ein crossmediales Online-Stadtteilfernsehen "goho.tv", das von Studierenden der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm gestaltet und von die Neue Welle Rundfunk-Verwaltungsgesellschaft betrieben wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bronzerelief der Eröffnung der Ludwigsbahn am Eisenbahnbrunnen von 1890 in der Fürther Straße, 2004

Durch Gostenhof führen die Bundesautobahn 73 sowie die Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg, an die Gostenhof mit dem Bahnhaltepunkt Rothenburger Straße angeschlossen ist. Mit den U-Bahnhöfen Gostenhof und Bärenschanze ist Gostenhof an die U-Bahnlinien U1 und U11 angeschlossen.

Der Plärrer an der nordöstlichen Grenze Gostenhofs ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt Nürnbergs. Dort trifft der Ring um die Altstadt auf die wichtigste Straße nach Fürth, die Fürther Straße, sowie die Straßen nach Ansbach und Erlangen.[SL 7] Die drei Nürnberger U-Bahn-Linien U1, U2 und U3 kreuzen sich dort und bieten Anschlüsse an die Straßenbahnlinien 4 und 6 sowie die Stadtbuslinien 34 und 36. Der Plärrer steht synonym für die alltäglichen Verkehrsprobleme im Berufsverkehr.

Die Fürther Straße wurde vor der Eingliederung Nürnbergs nach Bayern, als Nürnberg eine (verarmte) freie Reichsstadt war und Gostenhof zu Preußen gehörte, als repräsentative Allee von den Preußen gebaut. Auf der Trasse fuhr 1835 die Bayerische Ludwigsbahn. Gostenhof wurde lange Zeit durch die Straßenbahn geprägt, die früher bis nach Fürth fuhr und dabei den Stadtteil durchquerte. Diese Trasse ist mittlerweile durch eine U-Bahn ersetzt, die Straßenbahn fährt nur noch den Plärrer an.

Entlang der Straße sind viele Zeugnisse der Industrialisierung des 19. und 20. Jahrhunderts zu finden.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Gostenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther P. Fehring und Anton Ress (†): Die Stadt Nürnberg. Kurzinventar, 2. Aufl. bearb. von Wilhelm Schwemmer, München: Dt. Kunstverl. 1977 [unver. Nachdruck 1982] (= Bayerische Kunstdenkmale; 10), S.308ff.
  • Ludwig Eisen: Vor den Toren Alt-Nürnbergs. Nürnberg: L. Spindler. Nr. 1: Geschichte der Vorstadt Gostenhof und des Siechkobels St. Leonhard. 1923, 48 S. (Fränkische Heimatschriften; Nr. 1)
  • Erich Mulzer: Die Außenviertel. Der gründerzeitlich-wilhelminische Stadtteil Gostenhof. In: Erich Mulzer: Baedeker Nürnberg - Stadtführer, 9. Auflage. Von Karl Baedeker. Ostfildern-Kemnat: Baedeker, 2000, 134 S., ISBN 3-87954-024-1
  •  Hermann Rusam: Gostenhof. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 372 f. (Gesamtausgabe online).
  • Hermann Rusam: Zum Beispiel Gostenhof. In: Hermann Glaser; Wolfgang Ruppert, Norbert Neudecker (Hrsg.): Industriekultur in Nürnberg. Eine deutsche Stadt im Maschinenzeitalter. Unter Mitwirkung zahlreicher Autoren. München: Beck, 1980, 375 S., ISBN 3-406-07512-6; 2., durchges. Auflage, 1983
  •  Katrin Bielefeldt u.a., Geschichte für Alle e. V. (Hrsg.): Gostenhof, Muggenhof, Eberhardshof & Kleinweidenmühle. Geschichte eines Stadtteils. Nürnberger Stadtteilbücher 9. 1. Auflage. Sandberg Verlag, Nürnberg 2005, ISBN 3-930699-41-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h  Hermann Rusam: Gostenhof. S. 372 f..
  2.  Charlotte Bühl: Gostner Hoftheater. S. 373.
  3.  Georg Stolz: Rochusfriedhof. S. 905.
  4.  Franz Sonnenberger: Justizpalast. S. 507.
  5.  Christian Koch: Plärrer-Hochhaus. S. 829.
  6.  Walter Bauernfeind: Planetarium. S. 829f..
  7.  Charlotte Bühl: Plärrer. S. 829.
  • Sonstige Quellen
  1. Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2013 (PDF; 7,7 MB)
  2. Jo Seuss: Gostenhof ist seit 3300 Jahren bewohnt. Stadtanzeiger Nürnberg, 21. September 2011, abgerufen am 21. September 2011.
  3. Stadt Nürnberg - Amt für Stadtforschung und Statistik: Statistischer Bezirk 4 Gostenhof, www.statistik.nuernberg.de (23. Oktober 2007)
  4. a b Gostenhofer Atelier- und Werkstatttage, abgerufen am 27. September 2012