Grasse

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Grasse (Begriffsklärung) aufgeführt.
Grasse
Wappen von Grasse
Grasse (Frankreich)
Grasse
Region Provence-Alpes-Côte d’Azur
Département Alpes-Maritimes
Arrondissement Grasse
Kanton Grasse-Nord und Grasse-Sud
Koordinaten 43° 39′ N, 6° 56′ O43.6580555555566.9252777777778306Koordinaten: 43° 39′ N, 6° 56′ O
Höhe 80–1.061 m
Fläche 44,44 km²
Einwohner 51.631 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 1.162 Einw./km²
Postleitzahl 06130
INSEE-Code
Website http://www.ville-grasse.fr/

Grasse „von oben“
Grasse Ansicht

Grasse ist eine französische Stadt im Département Alpes-Maritimes mit 51.631 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011).

Grasse gilt als Welthauptstadt des Parfüms und erreichte als Handlungsort des Romans Das Parfum von Patrick Süskind weite Bekanntheit.

Geografie[Bearbeiten]

Grasse erstreckt sich im Hügelland der Alpensüdausläufer auf durchschnittlich 306 m über dem Meeresspiegel (Höhenlage zwischen 80 und über 1.061 m), ungefähr 20 Kilometer nördlich von Cannes an der Côte d’Azur. Hier beginnt die Route nationale 85, die sogenannte Route Napoléon (Napoleon-Straße) in Richtung Digne-les-Bains, die der Strecke folgt, die Napoléon 1815 nach seiner Rückkehr von Elba auf seinem Marsch nach Paris einschlug.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1040 wurde Grasse erstmals erwähnt. 1227 eroberte Graf Raimund Berengar V. von der Provence die Stadt, und sie wurde Teil der Provence.

Grasse war vom 13. bis zum 18. Jahrhundert Bischofssitz.

Bei der Schaffung der Départements im Jahr 1790 gehörte Grasse noch zum Département Var, dessen Verwaltungssitz es von 1793 bis 1795 war.

1860 wurde das Arrondissement zusammen mit der Grafschaft Nizza zum Département Alpes-Maritimes zusammengefasst.

Im 19. Jahrhundert wurde Grasse zum Kurort, verlor jedoch seine Bedeutung im 20. Jahrhundert wieder an die bevorzugten Küstenstädte.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein rückschauendes goldnimbiertes silbernes Agnus Dei, mit dem erhobenen rechten Vorderbein eine geschulterte, mit einem Kreuz abschließende rote Stange mit einem silbernen, in zwei Zipfel endenden Banner mit rotem Kreuz (Siegesfahne) haltend, begleitet von zwei in den Oberecken und eine mittig im Schildfuß gelegten roten Scheiben.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Parfümerie Fragonard
Parfümerie Molinard
Innenansicht der Kathedrale von Grasse
Rubens-Gemälde in der Kathedrale
DeutschlandDeutschland Ingolstadt Deutschland seit 7. Mai 1963
PolenPolen Oppeln Polen seit Oktober 1964
SpanienSpanien Murcia Spanien seit September 1990
ItalienItalien Carrara Italien seit 1995
TunesienTunesien Ariana Tunesien seit 1999
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Marblehead Mass., USA seit 1986

Zudem ist die Stadt Mitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Mittelalter war Grasse eine Stadtrepublik mit alter Gewerbetradition, insbesondere das Gerberhandwerk war sehr verbreitet. Als gegen 1600 die Mode aufkam, Handschuhe zu parfümieren, verlegte man sich hier auf die Destillation von Duftstoffen. Seit dem 17. Jahrhundert haben sich die Parfümeure aus Grasse auf die Extraktion des Blütensafts spezialisiert, besonders für Orangenblüten und Jasmin. Aus dem Nebenerwerb wurde das Hauptgeschäft, und das ist bis heute so geblieben.

Die früher charakteristischen Blumenplantagen um Grasse sind heute selten geworden, da die Blüten meist aus Billiganbauländern wie Marokko, Bulgarien, Indien oder der Türkei importiert werden. Die in der Parfümindustrie gewonnenen Duftstoffe werden neben Parfüm für Kosmetik, Spülmittel, Waschpulver, aber auch für Lebensmittelgeschmacksstoffe verwendet. 2004 waren ca. 4000 Menschen in Grasse in der Parfümindustrie beschäftigt. Jährlich wurden 10 000 Tonnen Blüten verarbeitet.

Heute (Stand 2010) werden in Grasse besonders die internationalen wirtschaftlichen Beziehungen gepflegt. Die in Grasse behandelten Rohstoffe werden aus vielen Teilen der Welt importiert und hier qualitativ verfeinert. Ungefähr dreißig Parfümfabriken in und um Grasse verschicken ihre Produkte danach in die ganze Welt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die bekanntesten Parfümfabriken, die kostenlose Führungen in diversen Sprachen durch ihre historischen Produktionsstätten anbieten, sind die Parfümerien Fragonard, Galimard, Molinard, Fleuron de Grasse und Guy Bouchara.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kathedrale Notre-Dame-du-Puy von Grasse: Die Kathedrale stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie hat einen schlichten Stil, ihre Struktur spiegelt die lombardischen Einflüsse wider. In ihr befinden sich Gemälde von Rubens, Charles Nègre und ein Triptychon von Louis Bréa, sowie das einzige religiöse Gemälde von Jean Honoré Fragonard, „Die Fußwaschung“.
  • Gärten: Grasse ist für seine Gärten bekannt, die in früheren Zeiten noch umfangreicher waren. Einer der bekanntesten Garten ist der Pflanzengarten 'Jardin des Plantes'.
    • Pflanzengarten Jardin des Plantes: Der Garten verdankt seine Bekanntheit der Schwester von Napoleon, die sich im Winter dort zu erholen pflegte. Der Garten bietet einen guten Überblick über die Altstadt und das Meer.
  • Auf den Blumenfeldern der Domaine de Manon wurden von den Parfümspezialisten die Pflanzen für die örtliche Parfümherstellung angebaut. Diese Blumenfelder liegen in einem Weiler außerhalb von Grasse, zehn Minuten von der Innenstadt entfernt.
  • Marinemuseum: Das Marinemuseum aus dem 18. Jahrhundert ist François-Joseph Paul Graf von Grasse (1722–1788) gewidmet, einem großen Seefahrer jener Zeit. Es werden über 30 Schiffsmodelle im Haus ausgestellt.
  • Musée internationale de la Parfumerie (Parfümeriemuseum): Das Parfümeriemuseum befindet sich ebenfalls in einem original möblierten Haus des 18. Jahrhunderts und zeigt eine Porzellansammlung sowie eine große Kollektion von Parfümflakons; es wurde Ende 2008 nach vierjähriger Umbauzeit wiedereröffnet.
  • Museum für provenzalische Kunst und Geschichte (Musée d'Art et d'Histoire de la Provence): Das Museum wurde in einem der elegantesten Adelssitze des 18. Jahrhunderts von Grasse eingerichtet, dem alten Herrenhaus der Marquise von Clapiers Cabris, der Schwester Mirabeaus. Zusammen mit seiner Möblierung vermittelt die Ausstellung von Steingut, Gemälden, Kostümen, Krippenfiguren und anderem einen Eindruck vom täglichen Leben in der östlichen Provence, von der Vorgeschichte bis zu den 1950er Jahren.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

  • Führungen Altstadt: Das Tourismusbüro bietet (für Gruppen ganzjährig) Führungen durch die Altstadt mit verschiedenen Themen an.
  • Führungen Parfümfabriken: Die Parfümfabriken (siehe oben) bieten kostenlos ganzjährig Führungen in verschiedenen Sprachen an.
  • Tagesausflüge beispielsweise nach Cabris, Cannes, Saint-Paul-de-Vence
  • Wanderungen in den Seealpen

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Expo Rose: die Ausstellung ‚Expo Rose‘ zeigt jährlich Mitte Mai 40.000 verschiedene Rosen und daraus gefertigte Produkte
  • Jasmin-Fest (Fête du Jasmin): Das Jasmin-Fest ist ein Volksfest zu Beginn der Jasminblütenernte. Es findet jährlich Anfang August statt.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Spezialitäten für Grasse und Umgebung sind:

  • Lou Fassum (Chou farci), eine Kohlpastete
  • Les beignets de fleurs de courge, eine Kürbistorte, die als Dessert Teil des dreizehngängigen Weihnachtsmenüs ist
  • Le Fougassette, ein Hefekuchen mit Orangengeschmack

Verkehr[Bearbeiten]

Zur Verfügung steht ein Bussystem, das einen Rundkurs in Grasse selbst sowie diverse Verbindungen zu anliegenden Dörfern und Städten, zum Beispiel Cannes und Nizza, anbietet. Ferner besteht ein Bahnhof an der Bahnstrecke Cannes–Grasse.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

Personen mit Beziehung zur Stadt

  • Hans Arp (1886–1966), deutsch-französischer Maler, Bildhauer und Dichter, fand zusammen mit seiner Frau Sophie Taeuber in Grasse von 1940 bis 1943 Zuflucht vor den Nazis
  • Kay Boyle (1902–1992), amerikanische Journalistin und Schriftstellerin, lebte und arbeitete 1926 zusammen mit Ernest Walsh, dem Herausgeber von „This Quarter“, in Grasse, bis Letzterer ein Jahr später verstarb
  • Iwan Bunin (1870–1953), russischer Schriftsteller und Nobelpreisträger, verbrachte mehrere Jahre seines Exils (1939–1945) in Grasse, wo er seine Sammlung von Liebesgeschichten „Dunkle Aleen“ schrieb
  • Augustin Grimaldi († 1532), Bischof von Grasse, später Fürst von Monaco
  • Ferdinand Springer (1907–1998), deutscher Maler und Grafiker, lebte, arbeitete und starb in Grasse
  • Sophie Taeuber-Arp (1889–1943), Schweizer Malerin, Bildhauerin und Tänzerin, verbrachte mit ihrem Mann Hans Arp, auf der Flucht vor den Nazis, in Grasse ihre letzten Lebensjahre

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien