Gymnasium am Ostring

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Gymnasium am Ostring
Bochum Gymnasium am Ostring.jpg
Der Altbau des Gymnasiums am Ostring
Schulform Gymnasium
Gründung 1860
Adresse

Ostring 23

Ort Bochum
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 28′ 53,5″ N, 7° 13′ 31,8″ O51.4815277777787.2255Koordinaten: 51° 28′ 53,5″ N, 7° 13′ 31,8″ O
Schüler 800
Leitung Werner Schulz
Website www.gymnasium-am-ostring.com

Das Gymnasium am Ostring war das älteste Gymnasium in Bochum. Die Schule lag zentral in der Bochumer Innenstadt nahe dem Hauptbahnhof und besaß einen stadtteilübergreifenden Einzugsbereich. Das Gymnasium am Ostring war eine anerkannte Europaschule.

Am 1. August 2010 fusionierte das Gymnasium am Ostring mit der Albert-Einstein-Schule zum Neuen Gymnasium Bochum.

Humanistisch geprägte Schulgeschichte[Bearbeiten]

Das Gymnasium befand sich im Osten der Innenstadt zwischen der Industrie- und Handelskammer im Mittleren Ruhrgebiet zu Bochum, dem Güterbahnhof Nord sowie der vor allem in Bochum erfolgreichen Fiege Brauerei. Gegenüber liegt das neue Haus der Stadtwerke Bochum. Zu den Nachbarn zählten ehemals auch die alte Berufsschule von Bochum, die Milchfabrik DoBoMil und der alte Bochumer Schlachthof.

Die Schule wurde auf Betreiben des Bochumer Bürgermeisters Max Greve als paritätische höhere Bürgerschule am 4. Oktober 1860 in der Diekampstraße eröffnet. Einige Jahrzehnte später wurde es Zeit für ein größeres Gebäude.

Der Altbau am Ostring stammt aus der Bauzeit 1890 bis 1892 und prägte das Gesicht der Schule, Architekt war der Stadtbaumeister Hermann Bluth. Das bis dato städtische Gymnasium ging zum 1. April 1910 in die Trägerschaft des Königreichs Preußen über und hieß fortan Königliches Gymnasium, seit der Revolution im November 1918 Staatliches Gymnasium. Das Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg trotz einiger Zerstörungen einigermaßen unbeschadet. Auf dem gegenüberliegenden Teil des Schulgeländes befand sich ein Lehrerseminar.

Gymnasium am Ostring, 1912

Am alten Haupteingang am Ostring befand sich das Kunstwerk „Phönix“ des Künstlers Heinrich Wilthelm (1913–1969) von 1959.

Der Anbau zu Beginn der 1970er Jahre fügte Pausenhalle und Fachräume für Kunst, Biologie und Chemie hinzu. Gleichwohl musste man aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge zusätzlich auf einen Pavillon und eine ehemalige Grundschule zurückgreifen. Ende der 1970er Jahre folgten die Dreifachturnhalle, weitere Klassenräume und der tartanbeschichte Sportplatz. Bis dahin fand der Schulsport auf dem Aschesportplatz an der JVA Bochum ("Krümmede"), in den Turnhallen einer Nachbarschule und im acht Kilometer entfernten Südbad, aber auch im ehemaligen Stadtbad Bochum statt; der Transport der Schüler erfolgte mit den Bussen eines privaten Busunternehmers. Die Erweiterungen wurden auf dem Schulhof 1979 durch weitere Mauern und Betonröhren abgerundet − das Gräsel-Z des Künstlers Friedrich Gräsel.

Zum 1. Januar 1974 wechselte die Trägerschaft zur Stadt, so dass die Schule in Gymnasium am Ostring umbenannt wurde. Die Nähe zum Standort der 1979 aufgestellten Plastik Terminal von Richard Serra trug der Schule den Spitznamen Gymnasium am Rostding ein. Eine Initiative von 1982 zur Umbenennung der Schule nach Bertolt Brecht im Sinne der gleichnamigen Theater-AG entsprach nicht dem damaligen konservativen Selbstverständnis der Schule.

Anfang der 1980er Jahre hatte die Schule weit über tausend Schüler. Aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge hatte die Schule im Schuljahr 1980/81 eine Spitze von 1.310 Schülern. Im Schuljahr 2005/2006 wurden 786 Schüler von 55 Lehrern und Referendaren unterrichtet.

In humanistischer Tradition wurden am Gymnasium die alten Sprachen Latein, Altgriechisch und Hebräisch angeboten. Es war jedoch auch möglich, in der Fächerauswahl Englisch und Französisch, später auch Neugriechisch, Spanisch und Italienisch zu wählen. Ab 1971 war Englisch auch als Anfangssprache möglich.

Schulleiter
  • ca. 1974 – 2000: Hans-Werner Schmidt
  • 2000 – 2010: Werner Schulz
Plakat zum Bürgerentscheid

Ende der Schule[Bearbeiten]

Zunächst war beabsichtigt, dass das Gymnasium die Schüler aus der schadstoffbelasteten Albert-Einstein-Schule aufnehmen sollte. Die folgenden Pläne der Stadt Bochum sahen einen Schulneubau am jetzigen Standort des Albert-Einstein-Schule vor. Die Profile beider Gymnasien sollten erhalten bleiben und sich gegenseitig ergänzen.

Die Initiative für den Erhalt der Schule sammelte über 20.000 Unterschriften zum Erhalt des Gymnasiums am jetzigen Standort.[1] Der Bürgerentscheid fand in Bochum bis zum 22. Juni 2008 statt. Zwar stimmten 70,6 % für und nur 29,4 % gegen den Erhalt des Gymnasiums am Ostring in seiner bisherigen Form, jedoch hätten mehr als 20 % aller stimmberechtigten Bürger mit Ja-Stimmen müssen. Diese Zahl wurde verfehlt, da nur 13,21 % aller Stimmberechtigten überhaupt abgestimmt haben.

Am 1. August 2010 fusionierte das Gymnasium am Ostring mit der Albert-Einstein-Schule zum Neuen Gymnasium Bochum. Im Sommer 2012 zog die Schule dann in ein neues Gebäude an der Querenburger Straße um.

Der Altbau des Gymnasiums wird ab 2013 für den Bau des Bochumer Justizzentrums abgerissen; lediglich die drei straßenseitig sichtbaren Fassaden bleiben erhalten und werden in einen Neubaukomplex integriert.

Interna[Bearbeiten]

Schon 1928 wurde die Vereinigung ehemaliger Schülerinnen und Schüler gegründet, heute Vereinigung Ehemaliger Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Ostring, Bochum.

Der Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums am Ostring, gegründet im November 1958, kümmerte sich um Belange der Schule und der Schüler.

Der Lichtblick, um 1977 von Schülern gegründet, erreichte den Status der ältesten Schülerzeitung Deutschlands. Er erschien viermal im Jahr. Ab 1980 wurde jährlich im Dezember eine Chronik herausgegeben, die in Wort und Bild über Personen und Ereignisse des vergangenen Schuljahres berichtet.

Die Anfang der 1980er Jahre gegründete Theater-AG unter Leitung von Hans-Joachim Salmen wirkte bereits an vielen internationalen Projekten mit und gewann mehrere Male den Ruhrpott Oscar beim Schülertheatertreffen des Schauspielhauses Bochum. Des Weiteren fuhren sie alle zwei Jahre für eine Woche nach Jyväskylä in Finnland, um Schülern der Partnerschule "Jyväskylän Lyseon Lukio" ein Stück zu präsentieren.

Internationales[Bearbeiten]

Der Europa Tag fand einmal im Jahr jeweils am 5. Mai statt. Im Rahmen eines Schulfestes wurde dabei ein zufällig ausgewähltes europäisches Land von Schülern präsentiert.

Zusätzlich gab es den Europa-Kurs, den jeder Schüler ab der 11. Klasse belegen kann. Der Unterricht basiert auf dem Geschichts- und Sozialwissenschaftsunterricht, wobei der Schwerpunkt auf dem Thema „Europa“ liegt. Zwei Höhepunkte, die dieser Kurs bietet, sind drei- bis vierwöchige Schüleraustausche (je einer in Klasse 11 und 12) mit den zahlreichen Partnerschulen des Gymnasiums in ganz Europa.

Im Rahmen von Lernen für Europa traf man sich im September 2006 mit Austauschpartnern aus elf europäischen Ländern zu einem Europa-Kongress.

Die Partnerschulen waren (Stand 2005):

  1. Nationales Gymnasium für alte Sprachen und Kulturen, Sofia, Bulgarien
  2. Greve Gymnasium, Greve, Dänemark
  3. High Storrs School, Sheffield, Großbritannien
  4. Jyväskylän Lyseon Lukio, Jyväskylä, Finnland
  5. Lycée Auguste Angellier, Dunkerque, Frankreich
  6. Lycée Chateaubriand, Rennes, Frankreich
  7. Deutsche Schule Thessaloniki, Thessaloniki, Griechenland
  8. Istituto Magistrale Statale, Lodi, Italien
  9. Talsu 2. Vidusskola, Talsi, Lettland
  10. Liceum Ogólnoksztalcące, Warschau, Polen
  11. Agnebergsgymnasium, Uddevalla, Schweden
  12. Gymnázium Bilíkova, Bratislava, Slowakei
  13. Prva Gimnazija Maribor, Maribor, Slowenien
  14. Vicente Medina, Archena, Spanien
  15. Gymnázium Český Brod, Český Brod, Tschechische Republik
  16. Schkola Nr. 96, Donezk, Ukraine
  17. Perczel Mór Gimnazium, Siófok, Ungarn

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Festbuch zur fünfzigjährigen Jubelfeier des Königlichen Gymnasiums zu Bochum, Oktober 1910
  • Festschrift des Staatlichen Gymnasiums und Realgymnasiums zu Bochum zum 75-jährigen Bestehen, Oktober 1935
  • Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Staatlichen Gymnasiums in Bochum 1860-1960, Bochum, 1960
  • Chronik des Gymnasiums am Ostring Bochum, Dezember 1985 mit der Geschichte der Jahre 1960 - 1985
  • 'Was dann kam, darüber reden wir nicht...' Das Staatliche Gymnasium Bochum unter dem Nationalsozialismus - Versuch einer Aufarbeitung, Bochum, 1987
  • Festschriften des Gymnasiums Bochum (1910, 1935, 1960, 1985), CD Bochum 2007

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bürgerentscheid Ostring: Sonntagsfrage am 22. Juni. In: WAZ, 28. März 2008 (online)