Hafen (Düsseldorf)

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Wappen der Landeshauptstadt Düsseldorf
Hafen

Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf
Führt kein Wappen.svg
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten [1]
Geograph. Lage   51° 13′ N, 6° 45′ O51.2191666666676.757777777777838.0Koordinaten: 51° 13′ N, 6° 45′ O
Höhe   38,0 m ü. NN
Fläche   3,85 km²
Einwohner   129 (Stand 31. Oktober 2007)
Bevölkerungsdichte   34 Einwohner je km²
Stadtbezirk   Stadtbezirk 3
Stadtteilnummer   033
Verkehrsanbindung
S-Bahn   S 8 S 11 S 28
Straßenbahn   708
Buslinie   725 726
Nachtverkehr   NE 8
Der Medienhafen bei Nacht
Die Hafenspitze bei Sonnenuntergang
Das Roggendorf-Haus
Rheinturm und östlicher Medienhafen

Düsseldorf-Hafen ist ein durch Industrie, Logistik, Gewerbe und Büronutzung geprägter Stadtteil Düsseldorfs mit lediglich 129 Einwohnern, was auf einer Gesamtfläche von 3,85 km² einer Einwohnerdichte von 34 Einwohner/km² entspricht; somit ist er der am dünnsten besiedelte der 50 Stadtteile Düsseldorfs. Einen Großteil der Fläche belegt der 1896 eröffnete Düsseldorfer Wirtschaftshafen; er ist der drittgrößte Binnenhafen Deutschlands und ein Teil der Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG. Der Stadtteil Hafen gehört zum Stadtbezirk 3.

Lange Zeit wurde der Hafen als Stadtteil nicht wahrgenommen, da dieser Bereich ein großes (zum Teil auch abgesperrtes) Industrieareal war. Die seit den 1990er Jahren einsetzende Umwidmung der direkt an Unterbilk grenzenden Teile des Hafengebietes zum so genannten „Medienhafen“ und die darauf folgende Neubebauung mit zum Teil architektonisch ambitionierten Gebäuden brachten das Gebiet ins öffentliche Bewusstsein.

In diesem Bereich haben sich zahlreiche Unternehmen aus der Medien- und Werbebranche angesiedelt, ebenso Mode- und Designerbetriebe mit großflächigen Ausstellungsräumen. Ein Multiplex-Kino, zahlreiche Restaurants, eine Großraumdiskothek sowie Clubs und Lounges sorgen zudem für ein reges Nachtleben.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge 1886–1913[Bearbeiten]

Vor dem Aufkommen der Eisenbahn und des LKWs hatten Flüsse und andere Wasserstraßen stets eine überragende Bedeutung als Transportweg für Güter und Menschen (siehe auch Rheinschifffahrt). Düsseldorf war seit seiner Gründung eine Hafenstadt, was auch im Ankersymbol seines Stadtwappens sichtbar wird. Jahrhundertelang legten Schiffe an geeigneten Uferabschnitten an; im 17. Jahrhundert wurde ein Hafenbecken an der heutigen Carlstadt gebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließen die Regierung des Großherzogtums Berg und die Stadt Düsseldorf längs der Nordseite der heutigen Kunstakademie Düsseldorf zum Schutz der Schiffe vor Hochwasser und Eisgang einen „Sicherheitshafen“ anlegen. Im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und eines starken Bevölkerungswachstums zeigte sich die Notwendigkeit zum Bau eines großen Handelshafens. Die Ablösung des Kölner Stapelrechts durch die Mainzer Akte (1831), die Gründung des Deutschen Zollvereins (1834), die aufkommende Dampfschifffahrt und die über Eisenbahnen herangeführten Gütermengen, insbesondere die Produkte der an Rhein und Ruhr rasant wachsenden Schwerindustrie, erleichterten den Transport von Gütern auf dem Rhein; das Transportvolumen wuchs. Die Reichsgründung 1871 gab Wirtschaft und Handel weiteren Anschub; die Bevölkerung wuchs stark, ebenso vielerorts der Wohlstand (siehe auch Gründerjahre). Bei der Diskussion, wo der neue Hafen anzusiedeln sei, wurden verschiedene Standorte in den Blick genommen. Hierbei hatte der strukturpolitisch aktive Düsseldorfer Unternehmer William Thomas Mulvany zunächst die Golzheimer Insel, dann einen Durchstich der Oberkasseler Halbinsel bei Heerdt und Lörick durch einen kanalförmigen Hafen ins Gespräch gebracht.[2] Am 9. November 1886 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Bau eines Hafens jedoch im Bereich der sogenannten „Lausward“, einem Teilgebiet des heutigen Stadtteils Hafen. Das Erdreich, das die Ausbaggerung der Hafenbecken lieferte, wurde für Anschüttungen im Zuge des Projekts „Rheinufervorschiebung“ an der Düsseldorfer Altstadt und zum Hochwasserschutz im Bereich der Golzheimer Insel genutzt. Die ersten Hafenanlagen wurden am 30. Mai 1896 feierlich eröffnet. Der neue Hafen galt damals als einer der modernsten seiner Zeit. Sein Warenumschlag nahm stark zu; 1904 wurde das Gebiet erweitert.

Die Hafeneinfahrt liegt am sogenannten Rheinknie südlich der heutigen Rheinkniebrücke.

Schwere Zeiten 1914–1945[Bearbeiten]

An den Folgen des Ersten Weltkrieges, der französischen Besetzung (ab 1923) und der Weltwirtschaftskrise (ab 1930) litt der Hafen schwer. Erst 1934 konnten die Zahlen von 1913 wieder erreicht werden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde der Hafen vollständig in die Kriegswirtschaft einbezogen. Er war ein wichtiger Zu- und Abfuhrhafen für die deutsche Rüstungsindustrie; dies machte ihn zu einem vorrangigen Ziel von Bombenangriffen. Nach den letzten Bombardierungen im Januar 1945 kam der Güterverkehr vollständig zum Erliegen. Im April 1945 marschierten US-Truppen in Düsseldorf ein.

Wiederaufbau, Boom und Krise 1948–1973[Bearbeiten]

Fast drei Jahre, bis zum Frühjahr 1948, dauerte es, bis der Hafen wieder für die Schifffahrt zu nutzen war. 1954 wurde wieder das Vorkriegsniveau erreicht[3]. Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre sorgte auch im Düsseldorfer Hafen für Wachstum; Anfang der 1960er Jahre stagnierte das Umschlagvolumen. Trotz wirtschaftlicher Verluste wurde das Hafengebiet bis 1964 noch weiter ausgedehnt. Viele Faktoren (z.B. Änderungen in Logistikketten, Kohlekrise, Stahlkrise) trugen dazu bei, dass der Hafen für die damaligen Verhältnisse überdimensioniert war.

Umstrukturierung 1974–1989[Bearbeiten]

1974 wurde beschlossen, das Hafengebiet um 33 ha zu verkleinern. Die Nähe zur Altstadt (etwa 900 m Luftlinie) ließ eine Umwidmung von Teilen des Hafens zu anderen Zwecken wirtschaftlich interessant erscheinen. In der Folge wurde ein Konzept entwickelt, um einerseits den vorhandenen Betrieben Standortsicherheit zu gewährleisten und andererseits Teile des Hafens zu einem modernen Dienstleistungs- und Bürostandort in vier Entwicklungsschritten fortzuentwickeln. Der Auftakt erfolgte mit der Umwidmung des Zollhafens zu einem Yachthafen, dem Bau des Rheinturms (1982), dem Neubau des Landtags (1988), dem Bau des WDR-Studio Düsseldorfs sowie des Rheinparks Bilk, letzterer im Nachbarstadtteil Unterbilk. Ab 1989 wurde die zweite Phase realisiert. Gemäß verschiedenen Ratsbeschlüssen sollte ein modernes Bürogebiet unter Einbeziehung erhaltenswerter Bestandsbebauung und Gebietstrukturen entstehen. Man erwartete, dass die kreative Mischung aus alten Gebäuden mit moderner Architektur die politisch gewünschte Ansiedlung von Unternehmen aus der Medienbranche fördern würde.

Medienhafen ab 1990[Bearbeiten]

In der Folge gab es eine rege Bautätigkeit. Anfangs siedelten sich zum Beispiel Antenne Düsseldorf, die Film- und Medienstiftung NRW und weitere Unternehmen an, die mehr oder weniger zur Medienwirtschaft zählten. Diese Branche boomte zu Beginn der 1990er Jahre aufgrund der Privatisierung von Rundfunk und Fernsehen und wurde aktiv durch die damalige NRW-Landesregierung (Ministerpräsident: Johannes Rau) gefördert. Der 1998/1999 fertiggestellte Gebäudekomplex „Der Neue Zollhof“ des Architekten Frank Gehry wurde zum Aushängeschild des neuen Standortes.[4] Bald wurde ersichtlich, dass die angebotene Bürofläche zu groß war, um ausschließlich durch Medienunternehmen genutzt zu werden. Das Gebiet wurde auch für Unternehmensberatungen, Immobilienmakler und Modeunternehmen interessant. So sitzt im Haus der Architekten die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Heute (20xx) siedeln rund 600 Firmen mit 7600 Beschäftigten im Medienhafen. Mit rund 16 % der vermieteten Flächen stellen Anwalts- und Beratungsfirmen die meisten Nutzer. Medienunternehmen machen 9 % der Nutzer aus. In den letzten zwei Jahren (?) haben sich vor allem auch Unternehmen aus der Modebranche mit Vertriebszentralen und Ausstellungsräumen angesiedelt, darunter Pepe Jeans London, Tommy Hilfiger, die Sixty-Gruppe, Hugo Boss, Tod’s oder Guess. Rund 40 gastronomische Einrichtungen, Clubs, Lounges sowie eine große Diskothek machen den Medienhafen auch abends zu einem lebendigen Viertel und einer Freizeitalternative zur Altstadt. Seit 2005 wird in der gläsernen Fabrik der Kräuterlikör Killepitsch produziert.

Die dritte Entwicklungsstufe sieht auch eine hochwertige Wohnbebauung vor. Aufgrund der Nähe zu den Industriebetrieben im Hafen ist dies (Stand 20xx) umstritten.

Im Norden (etwa beim Rheinturm) geht der Medienhafen fließend in das Regierungsviertel über, das parallel zum Projekt Medienhafen entwickelt wurde.

Seit Anfang 2014 fährt die Straßenbahn 719 zum Medienhafen. Hierzu wurden neue Gleiskörper, Wendeschleife und Weichen angelegt. Die neue Route führt vom Hauptbahnhof auf der neuen Schleife Bilker Kirche über Gladbacher Straße an der neuen Haltestelle „Speditionstraße“ vorbei und endet an der Haltestelle „Kesselstraße“.[5][6]

Neuss Düsseldorfer Häfen / Handelshafen Düsseldorf[Bearbeiten]

Handelshafen mit Blick auf den Medienhafen
Die „neue“ Speditionstraße mit Hyatt, Colorium und Sign

Durch die Fusion mit dem auf der anderen Rheinseite gelegenen Neusser Hafen zur „Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG“ im August 2003 sowie das bis Ende 2008 anhaltende Weltwirtschaftswachstum florierte auch der Wirtschaftshafen wieder. Der Umschlag der beiden gegenüberliegenden Häfen sowie des Hafens Reisholz lag 2007 zusammengenommen bei rund 14. Mio. Tonnen. Im Düsseldorfer Hafengebiet sind neben Speditionen und Logistikunternehmen vor allem Futtermittelhersteller vertreten. Ebenso befindet sich hier das Kraftwerk Lausward. Die Industriebetriebe im Hafen fühlen sich von der Entwicklung des Medienhafens in ihrer Entwicklung eingeschränkt, da kaum noch Expansionsmöglichkeiten bestehen. Insbesondere fürchtet man, dass eine im Medienhafen geplante Wohnbebauung zu Auflagen bezüglich der Immissionen der Betriebe führen könnte.

Sehenswürdigkeiten und Freizeit[Bearbeiten]

In der Nähe des Kraftwerks Lausward befindet sich der erste öffentliche Golfplatz in Deutschland. Weiterhin befindet sich nördlich der „Bremer Straße“ ein Strandabschnitt am Rheinufer, der ein beliebtes Ausflugsziel ist und durch eine Fußgängerbrücke mit dem Rheinpark Bilk verbunden ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Neusser Eisenbahn zum Eisenbahninfrastruktur- und Verkehrsunternehmen der Hafengesellschaft

Panorama[Bearbeiten]

Westlicher Teil des Medienhafens
Westlicher Teil des Medienhafens bei Nacht

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistiken für den Stadtteil 033 – Hafen
  2. Oliver Karnau: Der Düsseldorfer Hafen. In: Studien zur Düsseldorfer Wirtschaftsgeschichte. Heft 4, Droste Verlag, Düsseldorf 1990
  3. eine Ursache war möglicherweise eine unvorteilhafte Besteuerungsregel für die Binnenschifffahrt
  4. Heike Werner, Mathias Wallner: Architektur und Geschichte in Deutschland, Heike Werner Verlag München 2006, S. 156
  5. duesseldorf.de: Hafen - Gleisbau für neue Bahnanbindung gestartet (PDF; 65 kB), 23. Mai 2013
  6. lokalkompass.de
  7. http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Einweihung_von_Buerogebaeuden_am_Duesseldorfer_Medienhafen_12457.html
  8. http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Einweihung_von_Buerogebaeuden_am_Duesseldorfer_Medienhafen_12457.html
  9. http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Eroeffnung_des_Hauses_der_Architekten_in_Duesseldorf_12681.html
  10. http://www.medienhafen.de/medienhafen/rundgang/flossis.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf, Triltsch, Düsseldorf, 9. Aufl. 1983, S. 126, 169, ISBN 3-7998-0000-X.
  • Der Düsseldorf-Atlas, Emons, Köln 2004, S. 55, 90f, ISBN 3-89705-355-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Medienhafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Düsseldorf-Hafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien