Binnenhafen
Ein Binnenhafen ist ein Hafen im Inneren einer Landmasse an einer Binnenwasserstraße oder einem Binnensee. Er wird überwiegend von Binnenschiffen verwendet, kann aber auch, abhängig von ihrer Länge, Breite und ihrem Tiefgang, von Küstenmotorschiffen und kleinere Seeschiffen angelaufen und genutzt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Hafentypen [Bearbeiten]
Binnenhäfen können wie Häfen im Allgemeinen nach ihrem Verwendungszweck unterschieden werden:
- Handelshafen für den Warenumschlag (Verschiffung)
- Öl- und Chemiehafen
- Stückguthafen
- Containerhafen
- Schüttguthafen
- Fischereihafen
- Schwimmanleger für Fahrgast- und Personenschiffe
- Fährhafen – für Autofähren oder Eisenbahnfähren, oft gemischt
- Marinestützpunkt, Wasserschutzpolizei
- Freizeithafen, Marina – für Sportboote
- Bauhafen – zur Unterhaltung der Wasserwege
- Werft, Dock
- Not- bzw. Schutzhafen – in dem sich Schiffe vor Unwetter oder Eisgang in Sicherheit bringen können
- Heimathafen – in dem ein Schiff registriert ist
Des Weiteren wird nach Betreiber unterschieden:
- Öffentliche Häfen werden von Kommunen oder Bundesländern betrieben.
- Privathäfen werden von Privatleuten oder Unternehmen betrieben. Werden Privathäfen von Industriebetrieben betrieben, so werden Sie auch Werkshäfen genannt.
Lage [Bearbeiten]
Binnenhäfen liegen an schiffbaren Gewässern im Inneren einer Landmasse. Dies können Binnenwasserstraßen, also größere Flüsse und Kanäle, oder Binnenseen sein. Darüber hinaus ergibt sich die Lage eines Binnenhafens meist aus seinem Verwendungszweck.
Handelshäfen [Bearbeiten]
Handelshäfen liegen meist
- an logistisch günstig gelegenen Orten wie Kreuzungen von Verkehrswegen
- in der Nähe von großen Verbrauchern, wie beispielsweise Städten oder Industriebetrieben
- in der Nähe von Produzenten, damit auch von Rohstofflagerstätten.
Speziell für Handelshäfen werden mitunter Kanäle gebaut, um Gebiete ohne Anbindung an das Wasserstraßennetz, künftig per Schifffahrt zu erschließen.
Werkshäfen [Bearbeiten]
Werkshäfen liegen meist auf dem Gelände eines Industriebetriebes oder in dessen unmittelbarer Nähe. Sie dienen der Versorgung mit Rohstoffen oder natürlich auch dem Verschiffen von Erzeugnissen.
Infrastruktur [Bearbeiten]
Binnenhäfen stellen den Schiffen im Allgemeinen Orte zu Anlegen zur Verfügung. Er besteht insbesondere aus Hafenbecken sowie Kais und Molen. Meist besteht außerdem eine Anbindung an das öffentliche Straßennetz. Darüber hinaus hängt die Infrastruktur vom jeweiligen Hafentyp ab.
Handelshäfen [Bearbeiten]
Handelshäfen stellen Schiffen die Infrastruktur zur Verfügung um ihre Fracht umschlagen, lagern und weitertransportieren zu können. Dabei wird in der Regel nach Warenart unterschieden. Flüssige und gasförmige Waren, im Allgemeinen Fluide genannt, werden mit Rohrleitungen und Pumpen umgeschlagen. Schüttgüter werden wenn sie freifließen sind mit der pneumatischen Förderung umgeschlagen. Sonst können Sie auch Baggern, Schaufeln, Greifern oder Förderbändern umgeschlagen werden. Stückgüter werden meist mit Kranen umgeschlagen. Für Container als spezielle standardisierte Form des Stückgutes werden hierauf spezialisierte Containerkrane verwendet. Handelshäfen sind zum Weitertransport der Waren meist an weitere Verkehrswege, wie Straßenverkehr, Schienenverkehr, Luftverkehr und Pipelinenetze angeschlossen. Werden die Waren nicht direkt auf ein anderes Transportmittel umgeschlagen können im Hafen zwischengelagert werden. Dies geschieht je nach Warenart in Tanklagern, Silos oder Lagerhäusern, auch Speicher genannt, oder bei witterungsunempfindlicher Ware wie beispielsweise Containern auch unter freiem Himmel.
Finanzierung [Bearbeiten]
Häfen erheben Liegegebühren siehe Demurrage und ggfs. Entgelte für andere Dienstleistungen. In Deutschland gilt für die Vergütung die Verordnung über die Lade- und Löschzeiten sowie das Liegegeld in der Binnenschifffahrt (BinSchLV) [1].
Wichtige Binnenhäfen [Bearbeiten]
Deutschland [Bearbeiten]
Die Duisburg-Ruhrorter Häfen gelten als größter europäischer Binnenhafen. Durch regelmäßige Verbindungen mit europäischen See- und Binnenhäfen mittels seegängiger Flussschiffe fungiert er zudem auch als Seehafen. Per Schiff werden, einschließlich privater Werkshäfen, jährlich über 50 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen. Mit einigem Abstand folgen als nächstgrößere deutsche Binnenhäfen die Kölner Häfen (15,6 Mio.).
Der Umschlag im Binnenschiffahrtsverkehr der deutschen Seehäfen betrug hier zum Vergleich 12,2 Millionen Tonnen im Hamburger Hafen und 5,9 Millionen in den Häfen Bremen/Bremerhaven (jeweils 2008).
Binnenhäfen in Deutschland (in Klammern der wasserseitige Warenumschlag in Millionen Tonnen):
|
|
Schweiz [Bearbeiten]
Österreich [Bearbeiten]
Frankreich [Bearbeiten]
Niederlande [Bearbeiten]
Belgien [Bearbeiten]
- Hafen von Antwerpen (84.3 Mio. t Binnenverkehr, 2006)
- Hafen von Brüssel (7,5 Mio. t, 2005)
- Hafen von Charleroi (2,7 Mio. t, 2006)
- Hafen von Gent (18,4 Mio. t Binnenverkehr, 2006)
- Hafen von La Louvière (5 Mio. t, 2006)
- Hafen von Lüttich (14.2 Mio. t, 2005)
- Hafen von Namur (3,5 Mio. t, 2003)
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Verordnung über die Lade- und Löschzeiten sowie das Liegegeld in der Binnenschifffahrt
- ↑ Webarchiv vom 21. Juli 2011 der eingelagerten Webseite: Metropolregion Hamburg – Süderelbe AG
- ↑ Magdeburger Hafen GmbH
- ↑ Hafen Wien: Markantes Umsatzplus nach Wirtschaftskrise. In: Medien-Information. Wien Holding, Hafen Wien, abgerufen am 4. September 2011 (PDF; 171 kB).