Hamburg-Billwerder

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Wappen von Hamburg
Billwerder
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 29′ 57″ N, 10° 8′ 4″ O53.49916666666710.134444444444Koordinaten: 53° 29′ 57″ N, 10° 8′ 4″ O
Fläche 9,5 km²
Einwohner 1335 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 141 Einwohner/km²
Postleitzahl 210..
Vorwahl 040
Bezirk Bergedorf
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Billwerder bezeichnet heute einen Hamburger Stadtteil im Bezirk Bergedorf, war andererseits früher ein größeres Gebiet südlich des Flusses Bille.

Geographie[Bearbeiten]

Billwerder ist Teil der Marschlande. Der Stadtteil liegt im feuchten Marschgebiet und ist dünn besiedelt. Billwerder bildet den Übergang der ländlichen Vier- und Marschlande zu den Industrie- und Gewerbegebieten der östlichen Ausläufer des Hamburger Hafens. Insofern prägen größtenteils Gartenbau und Landwirtschaft, andererseits jedoch auch Gewerbebereiche sowie die Bundesautobahn 1 das Bild des Stadtteils.

Der Billwerder ist eine Bezeichnung für die Elbinsel zwischen Dove Elbe und Bille, auf der die Stadtteile Allermöhe, Billbrook, Billwerder und Moorfleet liegen.

Geschichte[Bearbeiten]

Billwärder um 1790
Glockenhaus 1885
Billwerder Motive 1907

Der Name Billwerder rührt von Bilnawerthere bzw. Billna und Billenkercken her, was „Insel in der Bille“ bedeutet. Bis 1949 hieß der Ort Billwärder an der Elbe.

Etwa um 1150 begann die Besiedelung der Elbinsel. Die damals sächsischen Siedler errichteten Deiche auf dem Bill- und dem Ochsenwerder nach holländischem Vorbild. Sie entwässerten die Gegend und betrieben Landwirtschaft. 1320 verwüsteten schwere Sturmfluten die Dörfer Billwerder, Allermöhe und Moorfleet. 1331 verkauften die Dörfer ihre Kirchenglocken zur Finanzierung eines neuen Deichs. 1385 erwarben zunächst zwei Hamburger Ratsherren Nutzungsrechte an Billwerder. 1395 kaufte die Stadt Hamburg Billwerder und andere Dörfer auf dem Gebiet der heutigen Marschlande für 2.400 Mark [1] dem Grafen Otto I. von Schauenburg ab, um im eigenen Interesse die Elbschifffahrt und den Handel zu sichern. Hamburg richtete die Landherrenschaft Bill- und Ochsenwerder ein, die die Verwaltung Billwerders übernahm. Dies bedeutete, dass ein Hamburger Ratsherr als Landherr die Rechte der Stadt wahrnahm; hierbei unterstützten ihn Land- und Bauernvögte mit hoheitlichen Befugnissen. Die Stadt baute und finanzierte neue Deiche, so dass Billwerder im 15. Jahrhundert weitgehend gesichert war.

Wie auch in Moorfleet bauten die meisten Bauern Hopfen und Getreide an, wobei sie den Hopfen an die Hamburger Brauereien zur Herstellung des Bieres verkauften. 1627, während des Dreißigjährigen Krieges, erlitt Billwerder Plünderungen der kaiserlichen Armee. 1675 durchzogen dänische Truppen den Ort und 1686 besetzte der Herzog von Braunschweig-Lüneburg Billwerder. Aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen verarmten große Teile der Bevölkerung. Durch die Umstellung von Getreide- auf Gemüseanbau erholte sich die Bevölkerung allmählich. 1830 entstand die Landherrenschaft der Marschlande, in die Billwerder überging. Nach 1850 entwickelte sich im Nordosten Billwerders ein riesiges Gewerbe- und Industriegebiet, das 1913 zum eigenen Stadtteil Billbrook wurde. Im Nordwesten hingegen entstand ein dicht besiedeltes Gebiet, das 1871 zum Vorort Billwerder Ausschlag wurde, 1894 den Status eines Stadtteils erhielt und 1938 zumindest zum Teil in Rothenburgsort umbenannt wurde. 1962 erlitt Billwerder durch die Flutkatastrophe schwere Schäden.

Politik[Bearbeiten]

Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört Billwerder zum Wahlkreis Bergedorf. Die Bürgerschaftswahl 2011 führte zu folgendem Ergebnis[2]:

  • SPD 44,9 % (+12,3)
  • CDU 26,5 % (-17,0)
  • GAL 10,1 % (+2,1)
  • FDP 6,9 % (+1,7)
  • Die Linke 6,7 % (-1,1)
  • Übrige 4,9 % (+2,0)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische St.-Nikolaikirche entstand von 1737 bis 1739. Das dazugehörige Pastorat wurde 1833 errichtet, das Gemeindehaus 1905. Bei Lötarbeiten brannte die Kirche 1911 ab. Der 1913 eingeweihte Neubau entstand auf den alten Mauern der Kirche.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In den Jahren 1991 bis 1993 entstand in Billwerder ein Umschlagbahnhof für den kombinierten Verkehr der DUSS, einer Tochter der Deutschen Bahn, in dem jährlich etwa 180.000 Ladeeinheiten (überwiegend Container) von der Straße auf die Schiene und umgekehrt kommen. Am 5. November 2012 wurde ein drittes so genanntes Umschlagmodul mit 575 m kranbarer Nutzlänge, vier Ladegleisen und zwei Portalkränen sowie den zugehörigen straßenseitigen Lade- und Abstellspuren in Betrieb genommen.[3]

Seit 1934 stehen in Billwerder die Masten des Senders Billwerder-Moorfleet, dessen höchster Sendemast mit 304 m das höchste Bauwerk in Hamburg ist.

Verkehr[Bearbeiten]

Autobahn[Bearbeiten]

Die Bundesautobahn 1 unterquert die Bahnanlagen in einem 243 Meter langen Tunnel. In Moorfleet liegt das Autobahndreieck Hamburg-Südost, an dem die Bundesautobahn 25 abzweigt. Hamburg-Moorfleet ist eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 1 und speziell für die Industrie gebaut worden.

S-Bahn[Bearbeiten]

Drei S-Bahnhöfe, namentlich Billwerder-Moorfleet, Mittlerer Landweg und Allermöhe liegen in Billwerder.
Die Haltestelle Billwerder-Moorfleet wurde am 7. Mai 1842 als Bedarfshaltepunkt der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn eröffnet. Der S-Bahnbetrieb mit Gleichstromzügen begann am 1. Juni 1958. Die Hamburger Marschbahn kreuzte hier im rechten Winkel von 1928 bis 1952 auf der Strecke von Billbrook nach Zollenspieker.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 begann unmittelbar an der Bundesautobahn 1 auf einem fast 200.000 Quadratmeter großem Areal der Bau der Justizvollzugsanstalt Billwerder. Der erste Bauabschnitt wurde im Juni 2003 in Betrieb genommen und der zweite Bauabschnitt war im Februar 2006 abgeschlossen. Die neue, mit 803 Plätzen ausgestattete Anstalt ersetzte die Justizvollzugsanstalt Neuengamme, die zum Teil auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme stand.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Richert: 1395–1995: Die Marschlande 600 Jahre bei Hamburg. In Lichtwark-Heft Nr. 59, Dezember 1994. Hrsg. Lichtwark-Ausschuß, Bergedorf. (Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf. ISSN 1862-3549).
  • Hamburg von Altona bis Zollenspieker, Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 1. Auflage 2002, ISBN 3-455-11333-8
  • Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille: Billwerder lebt - 1395-1995 - vor 600 Jahren fiel der Billwärder an Hamburg, 1. Auflage 1995.
  • Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille: Aus Billwärder an der Bille, 20 Jahre Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille e.V. seit 4. Januar 1988, 1. Auflage 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Billwerder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Reinert: Höfe in Billwerder um 1435. In Lichtwark Nr. 48, Dezember 1984. Hrsg. Lichtwark-Ausschuß, Bergedorf. (Siehe jetzt: Verlag HB-Werbung, Hamburg-Bergedorf. ISSN 1862-3549).
  2. http://wahlen-hamburg.statistik-nord.de/frameset.php?file=status_karte&wahl=77&frame=true
  3. Erweiterung des Umschlagbahnhofs Hamburg-Billwerder ist abgeschlossen. Pressemitteilung Nr. 246/2012. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 5. November 2012, abgerufen am 19. Februar 2013 (html, deutsch).