Hanns Seidel
Hanns Seidel, eigentlich Franz Wendelin Seidel (* 12. Oktober 1901 in Schweinheim, heute Stadtteil von Aschaffenburg; † 5. August 1961 in München), war ein deutscher Politiker (BVP und CSU). Von 1957 bis 1960 war er Bayerischer Ministerpräsident.
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Leben[Bearbeiten]
Seidel war das zweite von sechs Kindern des Kaufmanns Johann Seidel, der 1908 starb. Nach dem Abitur 1914 am Humanistischen Gymnasium Aschaffenburg studierte Seidel von 1921 bis 1925 Rechtswissenschaft, Germanistik und Volkswirtschaftslehre zunächst in Würzburg, wo er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Normannia Würzburg im KV wurde. Anschließend wechselte er nach Freiburg, hier wurde er Mitglied der KV-Verbindungen K.St.V. Brisgovia und 1924 -als Mitgründer- des KStV Flamberg (jetzt K.St.V. Flamberg in Bonn). Zum Schluss seines Studiums studierte er in Jena. Während seiner Referendarzeit promovierte er 1928 in Würzburg zum Dr. iur. et rer. pol. und ließ sich nach der Assessorprüfung 1930 als Rechtsanwalt in Aschaffenberg nieder. Von 1940 bis 1945 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und diente u.a. an der Ostfront, zuletzt als Leutnant der Reserve einer Panzerdivision. [1]
Politischer Werdegang[Bearbeiten]
1932 wurde Hanns Seidel Mitglied der Bayerischen Volkspartei (BVP). 1933 von den Nationalsozialisten verhaftet, emigrierte er für kurze Zeit nach Litauen, konnte dann aber unter Auflagen weiter als Rechtsanwalt arbeiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1945 zum Landrat des Landkreises Aschaffenburg ernannt. Dieses Amt, in dem er 1946 durch Wahl bestätigt wurde, übte er bis 1947 aus. 1945 trat er in die CSU ein. 1946 war er Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung in Bayern. Seidel gehörte von 1946 bis 1961 dem Bayerischen Landtag an und war von 1947 bis 1954 Bayerischer Wirtschaftsminister in den Kabinetten Ehard II und Ehard III und ab 1952 auch für Verkehrsfragen zuständig.
Politik[Bearbeiten]
Von 1954 bis 1957 war er Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und damit auch Oppositionsführer während der Regierungszeit von Wilhelm Hoegner. 1955 wurde Seidel in einer Kampfabstimmung gegen Franz Josef Strauß mit 53,4 % der abgegebenen Stimmen zum Parteivorsitzenden der CSU gewählt. Unter seinem Vorsitz kam es zu einer grundlegenden organisatorischen und personellen Erneuerung der CSU.
Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Seidel, als er nach dem Auseinanderbrechen von Hoegners Viererkoalition 1957 zum Bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wurde. Nach der Landtagswahl von 1958 konnte er mit einer Koalition aus CSU, FDP und GB/BHE seine Arbeit fortsetzen. Er trieb die Wandlung Bayerns vom Agrar- zum Industrieland voran und förderte in diesem Zusammenhang die Planung des ersten Großkraftwerks in Gundremmingen. 1958 wurde das Lehrerbildungsgesetz verabschiedet, das die Lehrerbildung neu regelte und zugleich das Festhalten an der Bekenntnisschule bestätigte. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde er mit dem Großkreuz des Gregoriusordens ausgezeichnet.
Seidel trat im Januar 1960 aus gesundheitlichen Gründen zurück, da er seit 1958 an einer Rückenwirbelverletzung infolge eines Autounfalls litt, die letztlich auch zu seinem Tode führte. Den CSU-Vorsitz gab er im Februar 1961 ab.
Hanns Seidel ist Namensgeber für das Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach bei Aschaffenburg und der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Des Weiteren ist das größte Haus der Studentenstadt Freimann in München nach ihm benannt.
Seidel wurde auf dem Münchner Westfriedhof beigesetzt.
Ehrungen[Bearbeiten]
- 1957: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland
- 1959: Großkreuz der Bundesrepublik Deutschland
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
- Weltanschauung und Politik. (1960)
- Zeitprobleme. Gesammelte Aufsätze und Vorträge. (1960)
- Vom Mythos der öffentlichen Meinung. (1961)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ Wolfgang Stump in Siegfried Koß, Wolfgang Löhr (Hrsg.): Biographisches Lexikon des KV. 1. Teil, Schernfeld 1991, S.95.ISBN 3-923621-55-8
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Hanns Seidel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Biografie und Online-Dokumentation bei der Hanns-Seidel-Stiftung
- Nachlass Hanns Seidels bei der Hanns-Seidel-Stiftung
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Wirtschaftsminister: Karl Arthur Lange | Ludwig Erhard | Rudolf Zorn
Verkehrsminister: Michael Helmerich | Otto Frommknecht | Hans Ehard
Wirtschafts- und Verkehrsminister: Hanns Seidel | Otto Bezold | Otto Schedl | Anton Jaumann | Gerold Tandler | August Lang | Otto Wiesheu | Erwin Huber | Emilia Müller | Martin Zeil
Josef Müller (1946–1949) | Hans Ehard (1949–1955) | Hanns Seidel (1955–1961) | Franz Josef Strauß (1961–1988) | Theodor Waigel (1988–1999) | Edmund Stoiber (1999–2007) | Erwin Huber (2007–2008) | Horst Seehofer (seit 2008)
Hanns Seidel (1945–1947) | Alfons Goppel (1947–1952) | Josef Kerpes (1952–1972) | Roland Eller (1972–2002) | Ulrich Reuter (seit 2002)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seidel, Hanns |
| ALTERNATIVNAMEN | Seidel, Franz Wendelin (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (BVP und CSU), MdL |
| GEBURTSDATUM | 12. Oktober 1901 |
| GEBURTSORT | Schweinheim (heute Stadtteil von Aschaffenburg) |
| STERBEDATUM | 5. August 1961 |
| STERBEORT | München |
- Ministerpräsident (Bayern)
- Wirtschaftsminister (Bayern)
- Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung (Bayern)
- Landtagsabgeordneter (Bayern)
- Landrat (Bayern)
- BVP-Mitglied
- Vorsitzender der CSU
- Korporierter im KV
- Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz)
- Träger des Gregoriusordens (Großkreuz)
- Träger des Bayerischen Verdienstordens
- Leutnant (Heer der Wehrmacht)
- Deutscher
- Person (Aschaffenburg)
- Geboren 1901
- Gestorben 1961
- Mann