Ilse Aigner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ilse Aigner, 2009

Ilse Aigner (* 7. Dezember 1964 in Feldkirchen-Westerham) ist eine deutsche Politikerin (CSU). Sie war von 1998 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags und von Oktober 2008 bis September 2013 Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Bei der Wahl in Bayern am 15. September 2013 erhielt sie ein Mandat für den Landtag und wurde anschließend stellvertretende Ministerpräsidentin und Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie im Kabinett Seehofer II.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung und Privates[Bearbeiten]

Ilse Aigner wuchs in Bad Aibling auf. Ihr Vater war Elektriker. Sie wechselte vom Gymnasium auf die Wilhelm-Leibl-Realschule in Bad Aibling,[1] auf der sie dann 1981 die Mittlere Reife erwarb. Im Anschluss absolvierte Aigner bis 1985 eine Berufsausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin im elterlichen Betrieb, welche sie mit der Gesellenprüfung im Elektrohandwerk abschloss. Aigner arbeitete bis 1988 im elterlichen Betrieb als Handwerksgesellin. Von 1988 bis 1990 belegte sie an einer Fachschule für Technik eine Aufstiegsfortbildung zur Staatlich geprüften Technikerin Fachrichtung Elektrotechnik. Anschließend war sie bis 1994 bei der Eurocopter Group in der Entwicklung von Systemelektrik für Hubschrauber tätig. Aigner ist römisch-katholisch, ledig und kinderlos.[1]

CSU-Politikerin[Bearbeiten]

Ilse Aigner nach ihrer Wahl zur Bezirksvorsitzenden 2011 mit Peter Ramsauer

Aigner trat 1983 in die Junge Union (JU) und 1985 auch in die CSU ein. Sie war von 1993 bis 1999 stellvertretende JU-Landesvorsitzende in Bayern und von 1995 bis 1999 stellvertretende Vorsitzende des CSU-Kreisverbandes Rosenheim-Land. Von 1999 bis 2011 war sie stellvertretende Vorsitzende des CSU-Bezirksverbandes Oberbayern. Am 23. Juli 2011 wurde sie mit 98,2 % der Delegiertenstimmen zur Bezirksvorsitzenden gewählt. Den Vorsitz hatte sie seit 17. März 2011 auf Vorstandsbeschluss hin kommissarisch inne. Seit 1995 gehört sie dem CSU-Parteivorstand an und wurde 2007 als Schriftführerin ins CSU-Präsidium gewählt.

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten]

Ilse Aigner 2009 in Baiern

Von 1990 bis 1998 gehörte Aigner dem Gemeinderat Feldkirchen-Westerham und von 1990 bis 1999 dem Kreistag des Landkreises Rosenheim an. Von 1994 bis 1998 war sie Mitglied des Bayerischen Landtages. Dort war sie unter anderem im

  • Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport,
  • Ausschuss für Eingaben und Beschwerden und
  • Landessportbeirat tätig.[2]

Aigner ist seit 1998 immer als direkt gewählte Abgeordnete des Bundestagswahlkreis Starnberg (Nr. 224, vormals 225; umfasst die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Starnberg) in den Bundestag eingezogen. Hier war sie von 1998 bis 2002 Obfrau der CDU/CSU-Fraktion in der Enquête-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ und von 2002 bis 2005 stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe. Im Haushaltsausschuss war Aigner Berichterstatterin für den Etat des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Von 2005 bis zu ihrer Ernennung zur Bundesministerin war Aigner Vorsitzende der Fraktionsarbeitsgruppe Bildung und Forschung.

Im Deutschen Bundestag war sie

  • 1998–2002
    • Sprecherin der CDU/CSU in der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“
    • Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
    • Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Tourismus
    • Stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss
    • Schriftführerin im Bundestag
  • 2002–2005
    • Stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe
    • Mitglied im Haushaltsausschuss (Berichterstatterin für den Einzelplan des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft)
    • Stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss
  • 2005–2008
    • Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung
    • Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
    • Stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss
    • Fraktionsvorstand[2]
Erststimmenergebnisse (Wahl zum Deutschen Bundestag)
Bundestags-

wahl

Wahlkreis Ilse Aigner Erststimmen-

vorsprung

1998 Starnberg 57,0 % 30,8 %
2002 Starnberg 63,5 % 41,6 %
2005 Starnberg 59,7 % 37,7 %
2009[3] Starnberg 54,0 % 38,2 %

Bei den Bundestagswahlen 2005 und 2009 erreichte Aigner die meisten Erststimmen unter den deutschen Bundestagskandidatinnen. Zur Bundestagswahl 2013 trat Aigner nicht wieder an. Sie wechselte wieder in die bayerische Landespolitik[4] und kandidierte bei der Landtagswahl in Bayern (15. September 2013) im Stimmkreis Miesbach.[5]

Erststimmenergebnisse (Wahl zum Bayerischen Landtag)
Landtags-

wahl

Wahlkreis Ilse Aigner Erststimmen-

vorsprung

2013[6] Miesbach 56,8 % 42,8 %

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Am 31. Oktober 2008 wurde Aigner als Nachfolgerin von Horst Seehofer zur Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ernannt.[7] Die Vereidigung vor dem Deutschen Bundestag fand am 4. November statt. Auch im Kabinett Merkel II (2009-2013, CDU/CSU-FDP-Koalition) blieb Aigner Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ihre zweite Vereidigung fand am 28. Oktober 2009 statt. Sie trat auf eigenen Wunsch am 30. September 2013 von ihrem Amt zurück, um wieder in die bayerische Landespolitik zu wechseln. Dort wurde sie im Oktober 2013 stellvertretende Ministerpräsidentin sowie Wirtschaftsministerin im Kabinett Seehofer II.

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Aigner ist Vizepräsidentin des Landesverbandes Oberbayern im Bund Deutscher Karneval (BDK). Von 2001 bis 2009 war sie Landesvorsitzende der BRK-Wasserwacht. Als Bundesministerin gehörte Aigner dem Verwaltungsrat der Landwirtschaftlichen Rentenbank an.[8]

Positionen[Bearbeiten]

Preisgestaltung der Nahrungsmittelindustrie[Bearbeiten]

Ilse Aigner mit einem Bio-Apfel am Münchner Viktualienmarkt

Im April 2011 kritisierte Aigner, dass die Nahrungsmittelindustrie jede Preiserhöhung mit gestiegenen Rohstoffkosten begründe. Sie betonte, dass die Kostenfaktoren so unterschiedlich wie die einzelnen Produkte sind und nannte in diesem Zusammenhang die Höhe des Anteils der Futtermittelkosten an den Produktionskosten eines Rindersteaks als Beispiel: „Während der Anteil der Futtermittelkosten beim Landwirt noch rund 40 Prozent beträgt, sind es nur noch etwa 15 Prozent der Gesamtkosten, wenn das Fleisch in der Kühltheke der Metzgers angekommen ist.“[9]

Gebühren für Verfügungen an Geldausgabeautomaten[Bearbeiten]

Besonders engagiert Aigner sich im Kampf gegen erhöhte Gebühren an Geldausgabeautomaten.[10] Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die 80 % der Geldausgabeautomaten in Deutschland betreiben und insbesondere auch in der Fläche mit ihren Automaten präsent sind, erhoben lange Zeit erhöhte Gebühren für Barabhebungen von Kunden, die kein Konto bei der Bank oder im entsprechenden Verbund hatten. Aigner setzte mit Unterstützung des Bundeskartellamts diese Banken unter Druck, ihre Gebühren zu senken. Seit Anfang 2011 haben die meisten Banken ihre Gebühren für Fremdkunden drastisch gesenkt.[11][12][13]

Kabinette[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ilse Aigner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Almauftrieb. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. August 2013. Abgerufen am 19. März 2014.
  2. a b Lebenslauf. Ilse Aigner. Abgerufen am 19. März 2014.
  3. Wahlkreisergebnis Bundesland Bayern Wahlkreis 224 - Starnberg. Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 25. März 2014.
  4. Und mit uns geht die Zeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. Januar 2013. Abgerufen am 25. März 2014.
  5. Einigkeit im Wahlkreis. Das Gelbe Blatt. 5. Februar 2013. Abgerufen am 25. März 2014.
  6. Stimmkreis 120 Miesbach. Der Landeswahlleiter des Freistaates Bayern. 2013. Abgerufen am 25. März 2014.
  7. Die neue bayerische Staatsregierung. CSU. 30. Oktober 2008. Abgerufen am 25. März 2014.
  8. Personalie: Joachim Rukwied neuer Vorsitzender des Verwaltungsrats der Rentenbank. Landwirtschaftliche Rentenbank. 7. November 2013. Abgerufen am 25. März 2014.
  9. Interview mit Ilse Aigner: „Tank und Teller zählen“, fr-online.de, 11. April 2011
  10. http://www.bmelv.de/SharedDocs/Interviews/2010/2010-05-29-RheinischePost.html
  11. http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/0,2828,738919,00.html
  12. http://www.gelon.de/finanzen-nachrichten/verbraucherzentralen-fuerchten-abzocke-am-geldautomat_20013.html
  13. http://www.sueddeutsche.de/geld/geldautomaten-abgehobene-gebuehren-1.1054618
  14. Aigner ist "Dinosaurier des Jahres". tagesschau.de, 27. Dezember 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012.
  15. Dinosaurier des Jahres 2012 – Ilse Aigner erhält Negativpreis für umweltschädliche Agrarpolitik. Naturschutzbund Deutschland, 27. Dezember 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012.