Heeresgruppe Südukraine

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Die Heeresgruppe Südukraine war ein Großverband des Heeres der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Sie war Oberkommando jeweils wechselnder Armeen sowie zahlreicher Spezialtruppen im Süden der Ostfront, nördlich des Schwarzen Meeres. Sie entstand durch Umbenennung der vorherigen Heeresgruppe A am 1. April 1944 und bestand zunächst aus der 8. Armee in der nördlichen Moldau, der 6. Armee in Bessarabien und der 17. Armee auf der Krim, sowie den verbündeten rumänischen Truppen. Ihr erster Oberbefehlshaber wurde Generaloberst Ferdinand Schörner.

Am 2. April 1944 dokumentierte Hitler mit dem Operationsbefehl Nr. 7 seine Fehleinschätzung der Lage:

Die russische Offensive im Süden der Ostfront hat ihren Höhepunkt überschritten. Der Russe hat seine Verbände abgenutzt. Es ist der Zeitpunkt gekommen, das russische Vorhaben endgültig zum Stehen zu bringen.[1]

Die Verteidigungslinie der Heeresgruppe Südukraine umfasste einen Frontbereich von 900 Kilometern Länge von den östlichen Karpaten über Jassy, Kischinew bis nach Tiraspol im damaligen Bessarabien.[2] Nach Auffassung des OKH waren weder bei der Heeresgruppe Nord, der Heeresgruppe Nordukraine noch bei der Heeresgruppe Südukraine Anzeichen einer bevorstehenden Großoffensive der Roten Armee erkennbar.[3]

Die Heeresgruppe war bereits in der Defensive und zuvor durch einen sowjetischen Angriff (→ Dnepr-Karpaten-Operation) bis an den Pruth von der Heeresgruppe Nordukraine (ehem. Heeresgruppe Süd) abgedrängt worden. Vom 8. April bis 9. Mai wurde die 17. Armee in der Schlacht um die Krim vernichtet; nur ein Teil der Truppen konnte ohne schwere Ausrüstung aus Sewastopol evakuiert werden.

Zusammenbruch der Heeresgruppe Südukraine[Bearbeiten]

Hitler verbot den Rückzug der Heeresgruppe Südukraine, befürchtete dennoch eine Wende in deren Abschnitt:

Ich hatte recht. Im Süden der Front entscheidet sich das Schicksal des Krieges.[1]

Rumänien wurde von der Armeegruppe Moldau (8. Armee und 4. rumänische Armee unter General Wöhler) und Armeegruppe Bessarabien (6. Armee und 3. rumänische Armee unter Generaloberst Dumitrescu) mit einer Truppenstärke von 21 deutschen[4] und 23 rumänischen Divisionen verteidigt.

Die Heeresgruppe Südukraine hatte den Befehl, die Erdölfelder Rumäniens zu sichern. Nach der Vernichtung der Heeresgruppe Mitte im Juni/Juli 1944 wurden im Abschnitt der Heeresgruppe Südukraine keine größeren Offensiven der Roten Armee vermutet, das OKW ging sogar von einem Kräfteabzug der sowjetischen Truppen aus. Im Hintergrund trainierte die Rote Armee einen blitzkriegartigen Feldzug gegen die Wehrmacht in Bessarabien und Rumänien.

Nachdem die sowjetischen Sommeroffensiven zuvor nacheinander die Heeresgruppen Nord, Mitte und Nordukraine getroffen hatten, erfolgte ab 20. August der Großangriff gegen die 8. und 6. Armee der Heeresgruppe Südukraine (→ Operation Jassy-Kischinew). Den sowjetischen Panzerarmeen gelang eine klassische Durchbruchs- und Kesselschlacht, in der die deutsche Front an mehreren Stellen durchbrochen wurde und die 6. Armee und Teile der 8. Armee (überwiegend pferdebespannte Infanteriedivisionen) sowie die rumänische 3. Armee durch mehrfache Umfassung vernichtet wurden. Der Angriff der 2. ukrainischen Front (Malinowskij) traf auf die Armeegruppe Wöhler am Pruth und Sereth und die 3. ukrainische Front (Tolbuchin) die Armeegruppe Dumitrescu von einem Brückenkopf am Dnjestr.

Der Überraschungsangriff begann mit starken Artillerieschlägen auf die deutschen Stellungen. Eine starke Staubentwicklung behinderte die Erkennung der sowjetischen Truppenkonzentration, die in den rumänischen Frontabschnitten einbrach und deren Angriffsspitzen nicht mehr abgeriegelt werden konnten. Der Einbruch wurde auf 267 Kilometer Breite ausgeweitet und innerhalb kurzer Zeit waren die deutschen Abwehrlinien nicht mehr zu halten. Beide sowjetischen Fronten konnten sich am Pruth bei den Ortschaften Leova und Cahul vereinigen. Am 23. August 1944 waren 16 deutsche Divisionen eingekesselt. Zur gleichen Zeit beendete König Michael von Rumänien offiziell seine Allianz mit Deutschland und somit wechselten die rumänischen Soldaten teilweise noch während der Gefechte die Seite. In der Pruthschlacht (20. – 25. August 1944) wurden 19 deutsche Infanterie-Divisionen, sowie eine Panzer- und eine Panzergrenadier-Division vernichtet. Während der Kampfhandlungen kamen vermutlich 150.000 Soldaten ums Leben und 106.000 gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Die Reste einiger deutscher Divisionen schlugen sich nach Westen durch. Das Kriegstagebuch der HG Südukraine vermerkte am 5. September 1944:

Es besteht keine Hoffnung mehr, daß sich noch irgendwelche geschlossenen Verbände durchschlagen werden. Es ist dies die größte Katastrophe, die die Heeresgruppe betroffen hat. Verloren sind 5 Korps-Stäbe und 18 Divisionen.“

Die 6. Armee war nach ihrem Untergang in Stalingrad am 25. August 1944 erneut vernichtend geschlagen worden.[5]

Hitler beschrieb die Vernichtung der Heeresgruppe Südukraine am 31. August 1944:

„Eine größere Krise als die, die wir in diesem Jahr schon einmal im Osten erlebten, kann man sich nicht vorstellen.“[6]

Die Rote Armee marschierte am 29. August 1944 in Ploesti[7], am 30. August 1944 in Konstanza und am 31. August 1944 in Bukarest ein. Der sowjetische Angriffserfolg führte zur Eroberung Rumäniens und zur kampflosen Besetzung Bulgariens Anfang September 1944. Rumänien und Bulgarien traten auf sowjetischer Seite in den Krieg gegen Deutschland ein. Das Eindringen der Roten Armee in den Balkan führte zur Räumung Griechenlands, Albaniens und Südjugoslawiens durch die deutschen Truppen ab September 1944. Am 5. September 1944 erfolgte die Vereinigung mit jugoslawischen Partisanen unter General Tito. Die Heeresgruppe Südukraine wurde aufgelöst.[8]

Der sowjetische Vormarsch wurde in den Karpaten zunächst verzögert, bis an der Theiß in Ungarn eine neue Front durch die am 23. September 1944 in Heeresgruppe Süd umbenannte Heeresgruppe behelfsmäßig aufgebaut werden konnte.

Oberbefehlshaber[Bearbeiten]

Chefs des Stabes[Bearbeiten]

Unterstellte Einheiten[Bearbeiten]

Datum Unterstellte Einheiten
April 1944 Armeegruppe Wöhler (8. Armee, 4. rumänische Armee), Armeegruppe Dumitrescu (6. Armee, 3. rumänische Armee), 17. Armee
Mai 1944 Armeegruppe Wöhler, Armeegruppe Dumitrescu
August 1944 8. Armee, 6. Armee
September 1944 8. Armee, Armeegruppe Fretter-Pico (6. Armee, 2. ungarische Armee), XXIX. Armeekorps

Zusammensetzung der Heeresgruppe Südukraine[Bearbeiten]

8. Armee (15. August 1944)

8. Armee (31. August 1944)

4. rumänische Armee[9]

  • VII. rumänisches Armeekorps: 103. rumänische Gebirgsjäger-Brigade, 104. rumänische Gebirgsjäger-Brigade
  • I. rumänisches Armeekorps: 20. und 6. rumänische Infanterie-Division, 46. Infanterie-Division
  • LVII. Panzerkorps „Gruppe Kirchner“: 13. und 1. rumänische Infanterie-Division
  • V. rumänisches Armeekorps: 1. rumänische Garde-Division, 4. rumänische Infanterie-Division
  • VI. rumänisches Armeekorps: 101. rumänische Gebirgsjäger-Brigade, 5. rumänische Infanterie-Division, 76. Infanterie-Division

6. Armee (15. August 1944)

6. Armee (31. August 1944)

6. Armee (28. September 1944)

  • Gruppe Breith
  • III. Panzerkorps: 23. Panzer-Division, 27. ungarische leichte Division
  • VII. ungarisches Armeekorps:[10] 4. ungarische Feldersatz-Division, 12. ungarische Infanterie-Division

Von den deutschen Verbänden wurden folgende Einheiten während der Operation Jassy-Kischinew vernichtet: 9., 15., 62., 76., 79., 106., 161., 257., 258., 282., 294., 302., 306., 320., 335. und 370. Infanterie-Division.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Raymond Cartier: Bd. II: 1942—1944; R. Piper Verlag, München; Titel der Originalausgabe: La Seconde Guerre mondiale, Paris, Larousse Paris Match, 1965, S. 831 ISBN 978-3492021661.
  2. http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/alteartikel/3442-ein-schwarzer-tag-fuer-die-deutschen.html
  3. Raymond Cartier: Bd. III: 1944—1945; R. Piper Verlag, München; Titel der Originalausgabe: La Seconde Guerre mondiale, Paris, Larousse Paris Match, 1965, S. 831 ISBN 978-3492021661.
  4. einschließlich der 13. und 20. Panzer-Division
  5.  Pruth-Schlacht: Staub im August. In: Der Spiegel. Nr. 9, 1965, S. 63–66 (online).
  6. Dr. Martin Seckendorf in http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Kriegsgeschichte/befreiung.html
  7. bedeutsam wegen seiner Erdölförderung
  8. Raymond Cartier: Bd. III: 1944—1945; R. Piper Verlag, München; Titel der Originalausgabe: La Seconde Guerre mondiale, Paris, Larousse Paris Match, 1965, S. 966-968 ISBN 978-3492021661.
  9. zusammen mit der 8. Armee als Armeegruppe Wöhler bezeichnet
  10. der Gruppe Breith unterstellt

Literatur[Bearbeiten]

W. A. Mazulenko: Die Zerschlagung der Heeresgruppe Südukraine. August -September 1944. Berlin, Verlag des Ministeriums für nationale Verteidigung 1959.