Heinrich Fink
Heinrich Fink (* 31. März 1935 in Korntal, heute im Gebiet des ukrainischen Landkreises Sarata), ist ein deutscher evangelischer Theologe und ehemaliger Hochschullehrer. Er war inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit und Bundestagsabgeordneter der PDS und ist Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.
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[Bearbeiten] Leben
[Bearbeiten] Jugend
Fink stammt aus einer bessarabiendeutschen pietistischen Bauernfamilie, die im Zweiten Weltkrieg in den annektierten Teil Polens umgesiedelt worden war und die es schließlich nach Glienicke (bei Ziesar) in Brandenburg verschlagen hatte. Bis 1954 besuchte Fink die Schule in Glienicke, Brandenburg (Havel) und Genthin, war aktiv in der Jungen Gemeinde und trat der Freien Deutschen Jugend bei.
[Bearbeiten] Wissenschaftliche Laufbahn
Von 1954 bis 1960 studierte Fink evangelische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und besuchte auch Lehrveranstaltungen an den Universitäten in Berlin (West). 1958/59 unterbrach er sein Studium für eine Tätigkeit als Reisesekretär der Evangelischen Studentengemeinde und arbeitete ab 1958 im Weißenseer Arbeitskreis mit. Nach einer 1960/1961 war er Vikar in Halle an der Saale und anschließend Wissenschaftlicher Assistent an der HU.
1966 wurde Fink mit einer Arbeit über Friedrich Schleiermacher an der HU promoviert. 1978 erfolgte dort die Habilitation mit einer B-Promotion über Karl Barth und die Bewegung "Freies Deutschland" in der Schweiz. 1979 wurde er an der HU zum Professor für Praktische Theologie berufen, 1980 wurde er Dekan der Theologischen Fakultät, 1990 wählte man ihn zum Rektor der HU. 1992 entließ ihn die Hochschule aufgrund seiner Rolle als Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit.
[Bearbeiten] Gesellschaft und Politik
1961 wurde Fink Mitglied der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) und saß deren staatsnahem DDR-Regionalausschuss zeitweise vor. Mehrere Dienst- und Vortragsreisen führten ihn dabei in das westliche Ausland.
Von 1978 bis 1990 war er Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Region Ost). Fink galt vor der Wende in der DDR als konform und staatsloyal[1], schloss sich dann aber den Demonstrationen gegen die SED-Herrschaft an. Am 8. Oktober 1989 wurde er beim Überfall von Kräften der Volkspolizei und der Staatssicherheit auf die Demonstranten vor der Berliner Berliner Gethsemane-Kirche verletzt, er arbeitete dann bei der diesbezüglichen Untersuchungskommission der Stadtverordnetenversammlung mit.[1] Im Dezember 1989 leitete er den Runden Tisch der HU.[1] 1992 war Fink Mitbegründer des „Komitees für Gerechtigkeit“[2]. Von 1998 bis 2001 war er für die PDS Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit November 2003 ist er Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.
[Bearbeiten] Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit
Am 11. Juni 1968 warb das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) Fink als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM). Seine IM-Akte dokumentiert das Anwerbegespräch am 11. Juni 1968, enthält Spitzelberichte, darunter auch einen handschriftlich in Ich-Form verfassten, Beurteilungen, Belege für Orden, Geldprämien, Geschenke, regelmäßige Treffen mit seinem Führungsoffizier bis zum letzten Treffbericht vom 7. Oktober 1989. Er berichtet der Staatssicherheit auch über seine Dienstreisen ins Ausland.[3] Die Stasi lobte, dass er „von sich aus auf Einzelpersonen aufmerksam“ gemacht und seine Informationen auch aus „Beichtgeheimnissen und vertraulichen seelsorgerlichen Gesprächen zur Verfügung“ gestellt habe.[4][5] Fink wurde bei der für die Bespitzelung der Kirchen zuständigen MfS-Hauptabteilung XX/4 unter dem Decknamen „Heiner“ mit der Kennziffer XV/1827/68 geführt.[6][7]
Auf Anweisung des Chefs der Abteilung, Oberst Wiegand, veranlasste Finks Führungsoffizier, Klaus Roßberg, die Vernichtung großer Teile der Akte von IM "Heiner" am 6. Dezember 1989.[8]
Nachdem 1991 Teile von Finks 1989 weitgehend zerrissener MfS-Akte aufgetaucht waren und ihn daraufhin die Gauck-Behörde als IM bezeichnete, kündigte ihm 1992 der Berliner Kultussenator fristlos die Anstellung an der HU. Fink behauptete, dass er vom MfS als Quelle unwissentlich abgeschöpft worden sei. Die Stasi-Offiziere Wiegand und Roßberg beteuerten dies im nachfolgenden Verfahren beim Landesarbeitsgericht Berlin, ihre Aussagen bewertete das Gericht als vollkommen unglaubhaft, abstrus und als bewusste Verschleierung und wies 1993 Finks Klage gegen die Kündigung ab.[9] Finks weitere Versuche, sich gegen den IM-Vorwurf gerichtlich zu wehren, scheiterten 1997 letztlich vor dem Bundesgerichtshof. Nach Feststellung der Gerichte war Fink als IM „wissentlich für das MfS tätig gewesen“.
2005 konnten etwa 600 Blatt der Akte der IM-Akte rekonstruiert werden. Der Sack mit Schipseln enthielt die zerstückelte Akte des Inoffiziellen Mitarbeiters (IM) mit dem Decknamen "Heiner" - geführt von der Hauptabteilung XX/4 des Ministeriums für Staatssicherheit. Und ein "Übersichtsblatt" vermerkt hinter dem Decknamen den Namen "Dr. theol. Heinrich Fink" - mit korrektem Geburtsdatum, Wohnanschrift und Arbeitsstelle.[10][11][12]
[Bearbeiten] Privates
Fink ist mit der Theologin Ilsegret Fink verheiratet und Vater dreier Kinder.
[Bearbeiten] Publikationen
- Dietrich Bonhoeffer - Gefährdetes Erbe (Hrsg.), Berlin, 1987
- Sich der Verantwortung stellen (Interviewband, Hrsg. B. Maleck), Berlin, 1992
[Bearbeiten] Literatur
- Guntolf Herzberg, Klaus Meier: Karrieremuster. Wissenschaftlerporträts. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-7466-0135-5, (Aufbau-Taschenbücher 137 Texte zur Zeit).
- Gisela Karau: Die „Affäre Heinrich Fink“. Spotless-Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-928999-05-2.
- Jan Wielgohs: Fink, Heinrich. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, Band 1.
[Bearbeiten] Weblinks
- Biographie beim Deutschen Bundestag
- Berliner Zeitung (16. Juni 2005): Renate Oschlies: Der Denunziant,
- Literatur von und über Heinrich Fink im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Dossier zu Heinrich Fink bei Spiegel Online
- Der Professor und die Stasi, Zeit-Online vom 14. März 1997
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c Jan Wielgohs: Heinrich Fink. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, Band 1.
- ↑ http://www.zeit.de/1997/12/Der_Professor_und_die_Stasi
- ↑ Sven Vollrath: Zwischen Selbstbestimmung und Intervention: der Umbau der Humboldt-Universität 1989-1996, S. 116
- ↑ Der Denunziant Berliner Zeitung vom 16. Juni 2005
- ↑ Akte aus dem Sack Der Spiegel vom 9. Mai 2005
- ↑ Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2005. Berlin 2006, S. 172.
- ↑ http://www.berliner-zeitung.de/archiv/pds-sprecher-reents--klage-vor-europa-gericht-abwarten-stasi-ueberpruefung-von-fink,10810590,9519428.html
- ↑ http://www.berliner-zeitung.de/archiv/pds-sprecher-reents--klage-vor-europa-gericht-abwarten-stasi-ueberpruefung-von-fink,10810590,9519428.html
- ↑ http://www.zeit.de/1997/12/Der_Professor_und_die_Stasi/seite-2
- ↑ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40325357.html
- ↑ http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2077/vergangenheit_in_fetzen.html
- ↑ Akte aus dem Sack Der Spiegel vom 9. Mai 2005
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fink, Heinrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Theologe, Hochschullehrer und Politiker (Die Linke), MdB |
| GEBURTSDATUM | 31. März 1935 |
| GEBURTSORT | Korntal, Bessarabien |