Homosexualität in Estland

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Geografische Lage von Estland

In Estland wird Homosexualität in zunehmendem Maße akzeptiert. Das Land gilt als liberaler als seine benachbarten baltischen Staaten Lettland und Litauen und beschloss im Oktober 2014 als erste der ehemaligen Sowjetrepubliken die Einführung der gleichgeschlechtliche Partnerschaft.[1]

Legalität[Bearbeiten]

Homosexualität wurde 1992 legalisiert. Sie ist hinsichtlich des Schutzalters der Heterosexualität gleichgestellt. Das Schutzalter wurde 2001 auf 14 Jahre angeglichen.[2][3]

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Seit 2004 besteht ein Antidiskriminierungsgesetz, das eine Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in den Bereichen Beschäftigung, Bildung, Eigentum, Gesundheitswesen sowie Zugang zu Waren und Dienstleistungen verbietet.[4] Das Gesetz erging als Umsetzung der Antidiskriminierungsvorschriften der Europäischen Union. Homosexuelle können Militärdienst leisten.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften[Bearbeiten]

In Estland ist derzeit weder eine gleichgeschlechtliche Ehe noch eine eingetragene Partnerschaft gesetzlich zugelassen. Im Parlament wird seit Juli 2008 ein Gesetzesentwurf zur Zulassung einer eingetragenen Partnerschaft in Estland diskutiert.[5] Seit 2012 wird ein Gesetzentwurf vom estnischen Justizminister zur Zulassung eines Lebenspartnerschaftsinstitutes erarbeitet.[6] Eine Abstimmung über die Einführung von eingetragenen Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare wurde planmäßig am 9. Oktober 2014 durchgeführt.[7] Das geplante Gesetz wurde mit einer knappen Mehrheit von 40 Stimmen angenommen. 38 Abgeordnete stimmten gegen den Entwurf, 10 enthielten sich, 13 waren nicht anwesend. Das Gesetz gibt gleichgeschlechtlichen Paaren fast alle Rechte wie verheirateten Paaren außer die Möglichkeit der Ehe,der Leihmutterschaft und der Fremdkindadoption. Das Gesetz wurde am gleichen Tag vom Präsidenten Toomas Hendrik Ilves unterzeichnet, das Gesetz soll am 1. Januar 2016 in Kraft treten.[8][9][10]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Eine homosexuelle Community findet sich vorrangig aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte bisher nur in der Hauptstadt Tallinn. Seit 2004 findet dort in unregelmäßiger Folge ein Christopher Street Day statt, bei dem es 2006 zu Gewaltdelikten durch Rechtsradikale kam.[11][12] Eine Umfrage im Jahre 2012 ergab das 34% der Esten die gleichgeschlechtliche Ehe und 46% die eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare befürworten.[13] Eine neue Umfrage die im Oktober 2014 durchgeführt wurde stimmen 49 Prozent der Esten für eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare und 51 Prozent lehnen diese ab. Die Umfrage ergab eine ethnische Kluft: Während 54 % der estnischen Esten die eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare befürworten tun das nur 38 % der russischen Esten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mehr Rechte für Lesben und Schwule Eingetragene Partnerschaften in Estland, Tagesschau vom 9. Oktober 2014
  2. ILGA: Estonia
  3. Rechtskomitee Lambda: Estland hebt Sonderaltersgrenze für homosexuelle Kontakte auf (PDF; 10 kB), 11. Juni 2001
  4. ILGA Europe: Accessing Health: the Context and the Challenges for LGBT People in Central and Eastern Europe, 2006 (PDF-Dokument)
  5. Phoebe Ferris-Rotman: Estonia debates same-sex partnerships, Pinknews, 30. Juli 2008
  6. News Estland:Ministry Floats Idea of Same-Sex Partnership Without Adoption
  7. Gender-Neutral Civil Union Bill Survives Early Morning Vote
  8. Parlament võttis napilt vastu tulise kooseluseaduse (auf Estnisch)
  9. Queer.de:'
  10. Tagesschau.de:Eingetragene Partnerschaften für homosexuelle Paare in Estland
  11. Süddeutsche: Gewalt gegen Homosexuelle - Mit Eiern beworfen, mit Stöcken verprügelt
  12. Queer.de: Estland: Gay-Pride-Parade attackiert, 13. August 2006
  13. Postimees.ee:Uuring eestnased pole samasooliste kooselu reistreerimise vastu