Homosexualität in Finnland

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Geografische Lage von Finnland

Der Staat Finnland wird bezüglich seiner Auffassung zum Thema Homosexualität als liberaler Staat Europas bewertet. Trotzdem ist die Ehe noch nicht für homosexuelle Partner zugänglich; die Eingetragene Partnerschaft in Finnland ist der traditionellen Ehe aber praktisch weitestgehend gleichbedeutend.

Legalität[Bearbeiten]

Homosexualität wurde 1971 legalisiert. Das Schutzalter ist angeglichen.

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Seit 1995 ist die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung gesetzlich verboten. Homosexuelle Personen werden nicht vom Militärdienst ausgeschlossen.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Ehe[Bearbeiten]

Seit 2002 ist es für gleichgeschlechtliche Paare möglich, ihre Partnerschaft anerkennen zu lassen. Eingetragene Partnerschaften wurden gesetzlich erlaubt. Am 8. März 2002 heirateten die ersten gleichgeschlechtlichen Paare in Finnland. Lesbischen Paaren und Frauen ist seit 2006 der Weg zur Insemination eröffnet. Im Mai 2009 ermöglichte ein weiteres Gesetz die Adoption der Kinder des Partners.

Im Juli 2010 kündigte die finnische Justizministerin Tuija Brax an, ebenso wie Island, Norwegen und Schweden die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen zu wollen.[1][2] Im März 2012 wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf im Parlament eingebracht.[3] Eine Abstimmung darüber scheiterte im Februar 2013 knapp. [4]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Helsinki Pride 2007

Eine Eurobarometer-Umfrage in allen Mitgliedsstaaten der EU vom Dezember 2006 zeigte, dass Finnland zu den aufgeschlossenen Ländern der EU gegenüber den Rechten von Schwulen und Lesben gehört. 45 % der Finnen befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe.[5] Eine homosexuelle Gemeinschaft findet sich vorrangig in der Hauptstadt Helsinki. Jährlich findet in Helsinki ein Christopher Street Day statt.[6]

Im September 2009 stellte die einzige finnische Schwulenzeitschrift Voltti des Akilles-Verlag aus finanziellen Gründen zumindest vorläufig ihr Erscheinen ein, nachdem es im selben Jahr noch vom finnischen Verband der Zeitschriftenredakteure mit dem Salli-Journalistenpreis als Anerkennung für den hohen Anspruch seinen Konzepts und die Qualität der Umsetzung ausgezeichnet wurde. Damit erscheint erstmals seit 40 Jahren keine LGBT-Thematische finnische Zeitschrift.[7][8]

Der Bischof des Bistum Tampere Matti Repo und die Politikerin Päivi Räsänen äußerten im Jahr 2010 ihre Ablehnung gegenüber Homosexuellen in einer Fernsehsendung, was zu einem außergewöhnlichen Anstieg von Kirchenaustritten führte. Der Erzbischof des Erzbistums Turku Kari Mäkinen entschuldigte sich 2014 uneingeschränkt für eine „grausame Behandlung“ Homosexueller und anderer sexueller Minderheiten durch die Kirche.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Finnland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. QX: Finlands justitieminister Tuija Brax vill utreda en könsneutral äktenskapslag, 2. Juli 2010 (schwedisch)
  2. Yle Uutiset: Gender-Neutral Marriage Law Possible by 2012. 2. Juli 2010 (englisch)
  3. Eero Vassinen: Finnish MPs seek to legalize same-sex marriage. Reuters, 21. März 2012 (englisch)
  4. Parliamentary comittee narrowly blocks same-sex marriage
  5. Eurobarometer-Umfrage (Version vom 17. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF-Dokument)
  6. Helsinkipride
  7. Suomen ainoa homolehti Voltti lopettaa, hs.fi, 14. September 2009
  8. Finnlands einzige Schwulenzeitschrift gibt auf, finn-land.net, 14. September 2009
  9. Chef der finnischen Kirche entschuldigt sich bei Schwulen und Lesben, queer.de vom 14. Juni 2014