Homosexualität in Italien

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Geografische Lage von Italien

In Italien ist das Thema gesetzliche Anerkennung homosexueller Paare auf politischer Ebene stark umkämpft.[1]

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Legalität[Bearbeiten]

Seit der Einführung des ersten Strafgesetzbuches in Italien im Jahre 1889 (in Kraft getreten 1890) bestehen keine Strafbarkeitsbestimmungen zur Homosexualität. Nur in der Regierungszeit des faschistischen Regimes von Mussolini[2] sowie während der Jahre 1943 bis 1945 (Italienische Sozialrepublik) wurden homosexuelle Männer in Italien hingerichtet.[3] Das Schutzalter ist einheitlich auf 14 Jahre festgelegt.

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Verschiedene Regionen in Italien haben Antidiskriminierungsgesetze erlassen (beispielsweise Toskana oder Piemont). Mit dem Ablauf der Umsetzungsfrist der europäischen Richtlinien zur Antidiskriminierung ist seit 2005 die sexuelle Orientierung landesweit in Italien im Arbeitsrecht gegen Diskriminierung geschützt.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare[Bearbeiten]

Eine Öffnung der Ehe oder eine Lebenspartnerschaft ist in Italien gesetzlich nicht vorgesehen. Seit 2004 wird das Thema der gesetzlichen Anerkennung homosexueller Paare in Italien auf politischer Ebene stark diskutiert und in den Medien thematisiert. Mehrere Regionen haben symbolische Beschlüsse zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare in ihren mitte-links dominierten Regionalparlamenten seit 2005 verabschiedet (beispielsweise Umbrien, Emilia-Romagna, Kalabrien und Toskana). Eine starke Diskussion über dieses Thema beschäftigt derzeit auch andere Regionen wie z.B. Apulien, Sizilien und Lombardei. Außerdem haben die Stadträte einiger Städten ähnliche symbolische Beschlüsse für schwule und lesbische Paare verabschiedet und zwar Florenz, Empoli, Turin, Neapel und seit kurzem Mailand . Andere große Städte sind in der gleichen Richtung wie z.B. Palermo oder Genua. Rechtsbereiche wie Eigentum, soziale Absicherung und Erbrecht können hingegen nur durch das Parlament in Rom verändert werden. Unter der Regierung Berlusconi, die bis Frühjahr 2006 bestand, wurden hierzu keine Gesetze zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare in Rom verabschiedet. Die Regierung unter Prodi brachte im Frühjahr 2006 einen Gesetzesentwurf zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare ein.[4][5] Die Bezeichnung für dieses familienrechtliche Institut[6] war Diritti e doveri delle persone stabilmente COnviventi (DICO, „Rechte und Pflichten fest zusammenlebender Personen“).[7] Aufgrund der erneuten Regierung Berlusconi - Bossi wurde der Entwurf fallen gelassen.

Im April 2010 lehnte das italienische Verfassungsgericht drei Klagen für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ab.[8]

Ministerpräsident Matteo Renzi kündigte 2014 einen weiteren Anlauf an, in Italien ein Lebenspartnerschaftsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare zu ermöglichen. Sein Koalitionspartner NCD kündigte dagegen Widerstand an.[9][10]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Gay Pride in Rom 2007

Eine homosexuelle Gemeinschaft findet sich vorrangig in der Hauptstadt Rom sowie in den Städten Mailand, Turin, Genua , Bologna, Florenz, in Norditalien und Neapel, Bari, Palermo und Catania im Süden und auf Sizilien. Weitere mittelgroße Städten mit einer zunehmend bedeutenden Gaylesbian Community sind Padua, Venedig, Triest, Rimini, Perugia, Reggio Calabria, Messina, Syracus und Cagliari. Jährlich startet ein Christopher Street Day in Rom, Mailand und in Turin. In Turin findet das International Gay & Lesbian Film Festival statt. Viele kleine Städte Nord-, sowie Süditaliens und teilweise auch die Inseln werden toleranter, auch wenn es noch kaum Lokale und Orte für Schwule und Lesben in diesen Städten gibt. Dennoch sind die LGBT-Bewegungen in den letzten Jahren zunehmend aktiver geworden (z.B. Alessandria , Asti, Savona, Pisa, Cremona, Campobasso , Lecce, Salerno, Cosenza, Caltanissetta, Agrigento, Sassari u .a.). Trotz des starken Einflusses der katholischen Kirche ist das Volk in den letzten Jahren immer toleranter und offener gegenüber Schwulen und Lesben geworden. Die Einmischung des Vatikan, einer politischen Klasse, die in den vergangenen Jahren traditionelle Geschlechterklischees eher unterstützt hat, und soziale Spannungen, wie bspw. die hohe Arbeitslosigkeit besonders in Süditalien, behindern dennoch nach wie vor eine intensive Auseinandersetzung mit den Rechten der Schwulen und Lesben in Italien.

Im September 2013 sagte Guido Barilla, der Chef des italienischen Nahrungsmittelherstellers Barilla, in einem Interview mit dem italienischen Sender Radio24, dass sein Unternehmen keinen Wert auf homosexuelle Kunden lege: „Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen.“ Er betonte, sein Unternehmen unterstütze ausschließlich die "heilige Familie". Die Äußerungen führten in Italien zu Boykottaufrufen. Barilla relativierte seine Aussage anschließend.[11][12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Italien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. BBC News: Italians clash on gay ‘marriage’, 14. Januar 2006
  2. L’omosessualità in Italia (Version vom 4. August 2008 im Internet Archive)
  3. The Independent: Italy finally ready to recognise the suffering of gays in Holocaust, 21. Januar 2005
  4. Italian Parliament Moves Forward On Gay Unions Bill, 365gay.com, 28. September 2006
  5. Miles de personas exigen a Prodi en Roma que regule las parejas de hecho, El Pais. 10. März 2007. 
  6. Disciplina del patto civile di solidarietà e delle unioni di fatto (PDF-Dokument; 198 kB)
  7. Corriere.it: DICOs For De Facto Unions, 9. Februar 2007
  8. Yahoo News: Verfassungsgericht in Italien lehnt Anerkennung von Homo-Ehe ab
  9. Ansa.it:Pd verso Speranza Zanda capigruppo Camera Senato (italienisch)
  10. Salto.bz:Italien, Homo-Ehe soll gleichgestellt werden
  11. queer.de: Barilla lehnt Homosexuelle ab, 26. September 2013.
  12. Reuters: Provokante Äußerung des Barilla-Chefs, Tagesschau vom 26. September 2013.