Homosexualität in Tschechien

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Geografische Lage von Tschechien

Tschechien ist in Hinblick auf Homosexualität relativ liberal. 2006 wurden die Eingetragene Lebenspartnerschaft (registrované partnerství) für homosexuelle Paare eingeführt.

Legalität[Bearbeiten]

Homosexualität wurde zum 1. Januar 1962 durch das neue Strafgesetzbuch legalisiert. Im Jahre 1990 wurde die Homosexualität der Heterosexualität gleichgestellt und das Schutzalter auf 15 Jahre angeglichen. Homosexuelle Menschen können in der Armee dienen.

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Erste Antidiskriminierungsgesetzesänderungen fanden 1999 durch die Novellierung des Beschäftigungsgesetzes statt. Seit 2001 (Gesetz 273/2001 Sb.) wird die sexuelle Orientierung weiter infolge der Umsetzung der Antidiskriminierungsvorschriften der Europäischen Union geschützt.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften[Bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 2006 können gleichgeschlechtliche Paare eine Eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Das Gesetz Nr. 115/2006 Sb.[1] wurde am 16. Dezember 2005 vom tschechischen Abgeordnetenhaus[2] und am 26. Januar 2006 vom tschechischen Senat[3] verabschiedet. Nach einem Veto des tschechischen Präsidenten wurde dieses Veto vom tschechischen Abgeordnetenhaus am 15. März 2006 überstimmt.[4] Im August 2011 fand in Prag die erste Pride-Parade für die Rechte homosexueller Paare statt.[5]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Homolution-Party

Eine Eurobarometer-Umfrage in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union vom Dezember 2006 zeigte, dass Tschechien zu den aufgeschlossenen Ländern der EU gegenüber den Rechten von Schwulen und Lesben gehört. 52 Prozent der Tschechen befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe.[6] Eine homosexuelle Community findet sich vorrangig in der Hauptstadt Prag.

Umgang mit schwulen Asylanten[Bearbeiten]

In den Jahren 2006 bis 2009 wurden mehrere Menschen die in Tschechien Asyl beantragt hatten, da sie in ihrem Heimatland aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt wurden, einem Erektionstest, der sogenannten Phallometrie, unterzogen. Dabei wurde den Antragstellern pornografisches Material vorgeführt und die Durchblutung im Penis gemessen um die angegebene Homosexualität zu verifizieren.[7] Die Grundrechteagentur der Europäischen Union (EU) verurteilte die Praxis nach Bekanntwerden als unvereinbar mit der EU-Menschenrechtscharta. Das tschechische Innenministerium gab daraufhin an sie bereits nicht mehr anzuwenden.[8].

Umgang im Strafrecht[Bearbeiten]

Zur Feststellung der sexuellen Orientierung, insbesondere einer möglichen Deviation der Sexualpräferenz (Paraphilie) im Rahmen von Strafverfahren wird der sogenannte PPG-Test (Penile Plethysmographie) bis zum heutigen Tag angewandt. Sexualstraftäter, die sich in ständiger Therapie befinden, haben zudem die Möglichkeit einer lebenslangen Verwahrung in geschlossenen Anstalten zu entgehen, wenn sie der operativen Entfernung ihrer Keimdrüsen (Kastration) zustimmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Milana Hrušáková: Tschechisches Gesetz über die registrierte Partnerschaft. Zeitschrift für das gesamte Familienrecht – Ehe und Familie im privaten und öffentlichen Recht, Bielefeld 2006, Bd. 18, S. 1337-1339, ISSN 0044-2410

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz Nr. 115/2006 Sb. über die eingetragene Partnerschaft
  2. 365gay.com: Czech Republic, Austria Move To Legalize Gay Unions
  3. 365gay.com: Bill passes Senate
  4. 365gay.com: 365gay.com Czech Parliament Overrides Veto, Passes Gay Partner Law
  5. Queer:Erster CSD in Prag, 30. Mai 2011
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEurobarometer 66. Europäische Kommission, Dezember 2006, abgerufen am 8. Januar 2014., S. 42 (PDF-Dokument)
  7. Süddeutsche: Penis-Kontrollen bei Asylbewerbern, 10. Dezember 2010
  8. Die taz: EU rügt Tschechien wegen „Phallometrie“, 10. Dezember 2010