Homosexualität in Portugal

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Geografische Lage von Portugal

In der Zeit nach der Diktatur unter Salazar hat sich die portugiesische Gesellschaft liberalisiert und die Akzeptanz der Homosexualität ist insbesondere im letzten Jahrzehnt gewachsen.

Inhaltsverzeichnis

Legalität [Bearbeiten]

Acht Jahre nach der Nelkenrevolution wurde Homosexualität 1982 legalisiert.[1] Das Schutzalter wurde überarbeitet und einheitlich angeglichen, nachdem es zuvor uneinheitlich ausgestaltet war. Das Schutzalter lag zuvor bei heterosexuellen Personen bei 14 Jahren und bei homosexuellen Personen bei 16 Jahren.

Antidiskriminierungsgesetze [Bearbeiten]

Die portugiesische Verfassung verbietet Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung[2]. In Portugal bestehen seit 2004 Antidiskriminierungsgesetze zum Schutze der sexuellen Identität im Arbeitsrecht. Homosexuelle portugiesische Staatsbürger können in der Armee dienen.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen [Bearbeiten]

Im Gesetz Nr. 7/2001 vom 11. Mai 2001 zum Schutz der faktischen Lebenspartnerschaften (uniões de facto) werden Paare, die seit mehr als zwei Jahren zusammen leben, unabhängig von ihrem Geschlecht unter einen ähnlichen Schutz gestellt und mit ähnlichen Pflichten versehen, wie die heterosexuelle Ehe.[3] Dies gilt also für heterosexuelle und homosexuelle Konkubinatspaare.

Die Adoption von Kindern ist hingegen nur andersgeschlechtlichen Paaren in einer faktischen Partnerschaft erlaubt (Art. 7).

Ein Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt, das auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften erfasst, wurde verabschiedet.

Am 8. Januar 2010 befürwortete das Parlament Portugals die gleichgeschlechtliche Ehe (exklusive Adoption) mit den Stimmen der regierenden sozialdemokratischen Partei Partido Socialista sowie der unterstützenden befürwortenden linken Partei Bloco de Esquerda sowie der links-ökologischen Coligação Democrática Unitária.[4] Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva legte das Gesetz am 15. März dem Verfassungsgericht (Tribunal Constitutional) vor, um die Verfassungsmäßigkeit aller Teile, außer der Ausnahme der Adoption, überprüfen zu lassen.[5] Am 8. April 2010 stimmten 11 von 13 Richtern für die von Berichterstatter Victor Gomes vorbereitete Erklärung der Verfassungsmäßigkeit. In der Begründung hieß es, die bisherige Ehe dürfe laut Verfassung nicht abgeschafft werden, aber es stehe dem Gesetzgeber frei, die Regeln anzupassen und weiterzuentwickeln.[6] Der portugiesische Präsident Aníbal Cavaco Silva erklärte am 17. Mai 2010, das Gesetz zu unterzeichnen und nicht von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen.[7]

Die erste Homo-Ehe wurde im Juni 2010 zwischen einem lesbischen Paar in Lissabon geschlossen.[8]

Gesellschaftliche Situation [Bearbeiten]

Die portugiesische Gesellschaft ist generell tolerant gegenüber LGBT-Personen. Homophobe Gewalt war in den vergangenen Jahren sehr selten. Die Community und LGBT-Szene findet sich in Lissabon und in Porto sowie an der Algarve mit verschiedenen Bars, Kneipen und Nachtclubs. In Lissabon ist das Lesben- und Schwulenviertel rund um den Bairro Alto und der Principe Real angesiedelt. In Lissabon und Porto finden jährlich Gay-Pride-Veranstaltungen statt, an denen Zehntausende Besucher teilnehmen.[9] In Lissabon ist jährlich im September ein europäisches LGBT Filmfestival, das Queer Lisboa - Lisbon Gay & Lesbian Film Festival, zu sehen.[9]

Prominente Homosexuelle [Bearbeiten]

Bei König Dom Sebastian I. wurde immer wieder eine Homosexualität vermutet, vor allem, da er niemals geheiratet hatte und als impotent galt. Sicher wußte man es bei König König Affonso VI. der angeblich die Ehe nicht vollziehen konnte und unter anderem deswegen auf die Azoren verbannt wurde. In seiner Regierungszeit blühte das "Sodomitertum" trotz Kirche und Inquisition in Portugal stark. Der König und viele Adlige und Bürger der gehobenen Stände trafen sich heimlich und huldigten vor allem der Travestie und der Kosenamensgebung. In dieser Zeit wirkte auch der Küster Francisco Correa Netto, dessen Liebesbriefe an den Marques de Vilhena und an den Musiker Manuel Viegas als die ersten offenen Liebesbriefe in einer modernen Sprache in Europa galten.

Der traurige und dramatische Fall von Tomas Cabreira Junior, aus der Aristokratie stammend und später Selbstmord begehend- auch wegen seiner Homosexualität- war ein intimer Freund des Dichters Mario de Sa-Carneiro. Obwohl von ihm nur ein Werk als Co-Autor erhalten ist, gilt er als ein exemplarischer Fall von Dramatik und Homosexualität eines jungen Menschen im Portugal der Umbruchsphase zur Ersten Republik.

In Portugal ist die Anzahl der homosexuellen Prominenten überschaubar. Vor allem Literaten waren es, die als erstes als Homosexuelle in der Öffentlichkeit auftraten: António Botto, Raul Leal, Augusto Ferreira Gomes, Judithe Teixeira, Al Berto, Mario Cesariny. Der Dramatiker Bernardo Santareno war Stammgast in der legendären Lissaboner Schwulenkneipe Pastelaria Paradiso. Auch der Sänger António Variações gehörte zu den noch in den 80er Jahren wenigen Homosexuellen, die sich öffentlich outeten. Der Schauspieler Mario Viegas starb an Aids.

Auch offiziell nicht-homosexuelle Künstler schrieben über das Thema. Der Dichter und Diplomat Abel Botelho schrieb eine Erzählung mit homosexuellem Inhalt, Julio Dantas ein Theaterstück mit der gleichen Konnotation. Auch der Schriftsteller José Régio brachte das Thema mit dem Roman Blinde-Kuh in den 1930er Jahren in die Öffentlichkeit. Fernando Pessoa, über dessen wahre Sexualität niemand richtig bescheid weiß, war mit vielen Homosexuellen befreundet und schrieb auch homosexuelle Gedichte (so "Antinous", "Meeresode", "Trauermarsch für Ludwig II.", "Gruß an Walt Whitman").

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Portugal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. PortugalPride.org
  2. Verfassung der Republik Portugal: Portugiesisch und Englisch (PDF; 291 kB): Gleichheitsartikel: Art. 13, Abs. 2
  3. Lei n.o 7/2001 de 11 de Maio: Adopta medidas de protecção das uniões de facto in: DIÁRIO DA REPÚBLICA (Amtsblatt) N.o 109 — 11. Mai 2001
  4. Reiner Wandler: Portugal führt Homoehe ein in Die taz, 8. Januar 2010. (Abgerufen am 28. Mai 2010)
  5. Rui Pedro Antunes: Casamento ‘gay’ depende da cor política dos juízes, 15. März 2010, DN Portugal
  6. Comunicado de 8 de Abril de 2010 - Acórdão nº 121/2010 - Processo nº 192/2010, 8. April 2010, Tribunal Constitutional
  7. Advocate: Portugal's President Approves Gay Marriage, 17. Mai 2010
  8. Erste Homo-Ehe in Portugal
  9. a b Portugal Pride