Jawa

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Motorradhersteller Jawa. Für weitere Bedeutungen siehe Jawa (Begriffsklärung) und Java.
Entwicklung welche zu JaWa von Wanderer-Werke AG überging
Erste Eigenentwicklung von JaWa auf der Grundlage der letzten Wanderer Motorradentwicklung
Jawa 350 aus den 1950er-Jahren
Jawa 350 Californian aus den 1970er-Jahren
Jawa 50 Mustang
Jawa 50 Jet, bereits mit Doppelsitzbank
Jawa
Jawa Typ 353 (1956)
Jawa Minor (1938)
Jawa 600 cm³ (1962)

Jawa ist ein tschechischer Motorrad- und Autohersteller.

Zweiräder[Bearbeiten]

Die Firma entstand im Jahr 1929 aus einer Munitions- und Waffenfabrik, als der Besitzer František Janeček die Lizenz zur Produktion eines Motorrads mit 500 cm³ von der Chemnitzer Wanderer-Werke AG erwarb, welche die Produktion motorisierter Zweiräder aufgab. Aus den Namen „Janeček“ und „Wanderer“ wurde dann der Name „Jawa“ gebildet. Die Wanderer Konstruktion war nicht ausgereift und der Erfolg nur mäßig, zeigte jedoch trotzdem die Richtigkeit des neu eingeschlagenen Wegs auf. Aus diesen Schwierigkeiten klug geworden, vollzog das Unternehmen mit der Anstellung des englischen Motorradrennfahrers und Konstrukteurs George William Patchetts sowie breiten Bauteileinkäufen und weiteren Lizenzerwerbungen – hauptsächlich in England (namentlich primär bei Villiers Engineering Ltd.) – den Übergang zur Produktion von Eigenentwicklungen.

Motorräder[Bearbeiten]

Den Schwerpunkt der Produktion bildeten dann bis weit in die 1990er-Jahre Motorräder mit Zweitaktmotor und Hubräumen zwischen 125 und 350 cm³. Seit 1954 war es die sogenannte „Kývačka“, wegen einer neuartigen Federung mit Hinterrad-(Doppel-)schwinge (= kývačka, sprich kiewatschka) so bezeichnet. Diese Lösung mit zwei seitlichen hohen Federbeinen prägte in der Folge über Jahrzehnte hinweg das Erscheinungsbild der Motorräder weltweit, bevor sie im laufe der 1980er- und 1990er-Jahre durch die Federung mit einem einzigen zentralen Federbein vor dem Hinterrad weitgehend abgelöst wurde. Es waren durchweg Zweitakter – 125 bis 175 Einzylinder, Jawa 350 mit zwei Zylindern, 250 sowohl 1- als auch 2-Zylinder mit Jawa- oder ČZ-Motoren unter dem Markenname Jawa bzw. Jawa-ČZ. Ab etwa 1968 erfuhren die Jawa-Modelle eine Auffrischungskur mit modernisiertem Design und um etwa 60 % gesteigerten Motorenleistungen (die 250er von 1954 hatte knapp 9 kW und die angegebene Höchstgeschwindigkeit lag bei 105 km/h). Man nennt sie jetzt nicht mehr Kývačka, das Grundkonzept bleibt aber vorläufig weiterhin derselbe. Allerdings konzentriert man sich mit der Marke Jawa bei den Maschinen für den Konsummarkt auf den Hubraum von 350 cm³, die Kleineren aus dieser Modellreihe werden mehr oder weniger der Schwestermarke ČZ überlassen.

Kleinkrafträder[Bearbeiten]

In den Mopeds von Jawa wurden in den 1950er-Jahren einige fortschrittliche und international richtungsweisende Konstruktionstendenzen erstmals verwirklicht. Der ursprüngliche Typ 550[1], der ab 1954 gefertigt wurde, war ein halbverkleidetes Moped mit 1,5 PS und 50 km/h Höchstgeschwindigkeit und verfügte bereits über ein fußgeschaltetes Dreigang-Getriebe. Im Westen wurde dies an Mopeds 1956 beim DKW Hummel erstmals verwendet. Auch der Übergang auf Kickstarter und Fußrasten vollzog sich bei den Jawa-Mopeds frühzeitig bereits im Jahre 1956[2]. 1957 wurde ein neuer Moped-Typ "Jawa" vorgestellt, welcher wieder ein Moped im klassischen Sinne mit Pedalen war. Das nur 37,5 kg schwere Fahrzeug verfügte über 2 Gänge und einen 50 cm³-Motor mit 2 PS. [3] Der Typ 550 bzw. 555 (Jawa 50 oder auch "Pionier") wurde 1958 optisch neu gestaltet und die Leistung auf 2,2 PS erhöht. [4] Dieser Typ wurde auch in die DDR importiert. In Testberichten wurde die Klemmneigung des liegenden Zylinders, sowie die ungünstige Getriebeabstufung mit einem "Loch" zwischen zweitem und drittem Gang bemängelt. Andererseits wurde dadurch eine beachtliche Endgeschwindigkeit von 60 km/h erzielt, welche aufgrund mangelhafter Vollgasfestigkeit jedoch nicht dauerhaft gehalten werden konnte. Die Federung des Hinterrads durch eine ungedämpfte Schwinge wurde als zu hart befunden. [5]

Kennzeichnend für die Jawa-Kleinkrafträder war von Anfang an der liegende langhubige Zylinder (Hub: 44 mm, Bohrung: 38 mm). Dieser ermöglichte ein gutes Ausdrehen des Motors, gleichzeitig war die Elastizität jedoch begrenzt. Diese Charakteristik, die zum Fahren mit hohen Drehzahlen zwang, brachte den kleinen Jawas den Spitznamen „Zwiebacksäge“ ein. Zum wahrhaftigen Renner wurden die Fahrzeuge, nachdem sie ab dem Modell 05 einen Soziussitz erhielten. Die Leistung des Motors wurde gesteigert, 1968 erreichte die im Motorrad-Look gehaltene Jawa Mustang 4 PS und 65 km/h. Gegen die in der DDR verbreiteten Simson-Mokicks konnten sich die Jawas jedoch nicht durchsetzen. Erstere hatten einen weitaus durchzugsstärkeren Motor, waren ausgereifter und gut ausgestattet. Die Jawa Mustang verfügte dagegen weder über Bremslicht und Blinker noch über eine Lichthupe. Der Import in die DDR wurde Mitte der 1970er-Jahre eingestellt. Noch länger verkaufen ließen sich die Fahrzeuge in Westdeutschland, wo sie von Neckermann unter dem Namen Jawa 50 vertrieben wurden. Auch das Mofa Jawa Babetta verkaufte sich dort relativ gut. Die Produktion im Werk Považské Strojárne in Považská Bystrica in der Slowakei lief insgesamt von 1954 bis 1982.

Im Jahr 1968 – zur Zeit der teilweisen politischen und wirtschaftlichen Öffnung der Tschechoslowakei dem Westen gegenüber – wurden in Kooperation mit Italien drei Modelle etwas größerer Kleinmotorräder mit einem Hubraum von 90 cm³ entwickelt (Jawa 90 Roadster, Trail und Cross). Sie wurden bis 1972 produziert.

Gespannbetrieb und Motorsport[Bearbeiten]

Bekannt sind auch die Jawa-Gespanne mit Beiwagen von Velorex. Ebenso von Velorex wurden dreirädige Miniautos mit zwei Plätzen auf Basis des kompletten Jawa-Motorradantriebs hergestellt. Die Karosserie bestand aus einem mit abnehmbarem Kunstleder bespannten Stahlröhrenskelett. Populär wurden sie unter den Spitznamen „Netopýr“ („Fledermaus“) oder „Montgomerák“ („Montgomery-Rock“, nach dem General Montgomery, dessen Mantel in charakteristischer Farbe und aus ähnlichem Material berühmt gewesen sein soll).

Fahrer mit Motorrädern von Jawa erreichten zahlreiche Erfolge im Motorradsport. Hervorzuheben sind 15 Siege um die Haupttrophäe bei den Sechs-Tage-Fahrten in den Jahren 1947 bis 1982 und mehrere Grand-Prix-Siege in den 1960er-Jahren in der Motorrad-Weltmeisterschaft.

Historische Autos[Bearbeiten]

Ab 1934 wurden außerdem Automobile hergestellt. Hierbei wurde sich Herr Janeček reletiv schnell mit der Chemnitzer Auto Union AG einig, zu der das DKW Werk in Zschopau gehörte. Damit begann JaWa mit der modifizierten Lizenzfertigung des Typs DKW Meisterklasse unter der Modellbezeichnung Jawa 700, der einen Zweitaktmotor besahs. 1937 wurde ein eigenes Modell Jawa Minor entwickelt (mit Zweitaktmotor 616 cm³, 15 kW, Dreigang-Getriebe, später Jawa Minor I genannt). Bis zum Kriegsausbruch wurden knapp 2000 Exemplare in verschiedenen Modellvarianten gebaut, unmittelbar nach dem Kriegsende noch etwa 700 Stück aus dem zum Kriegsbeginn gesicherten Material. Das unter abenteuerlichen Bedingungen während der deutschen Besatzung des Landes heimlich entwickelte Nachfolgermodell Jawa Minor II ging nach dem Krieg − nicht zuletzt durch die politische Lage bedingt − aus marktstrategischen Gründen unter dem Markennamen Aero Minor in Serie (ebenfalls ein Zweitakter mit 616 cm³, 15 kW, jedoch mit einem komplett umgebauten Fahrgestell und Karosserie und einem Viergang-Getriebe, eher bekannt unter der Bezeichnung Aero-Minor II). Seine Produktion wurde auf zwei Standorte verschiedener Auto- und Flugzeughersteller (weder Jawa- noch Aero-eigen) verteilt. Sowohl in der Straßenausführung als auch in einer zweisitzigen „Zigarren“-Version als Rennwagen konnte er beachtenswerte Erfolge bei verschiedenen namhaften Autorennen verbuchen (Rallye Monte Carlo, 24-Stunden-Rennen von Le Mans). Seine technische Tauglichkeit wurde unter anderem mit Erprobungs-/Propagandafernfahrten durch die Sahara und zum nördlichen Polarkreis (im Winter) wie auch mit dem erfolgreichen Export in verschiedene Länder Europas belegt. So wurden diese von der Garage Rebmann in Aarau in die Schweiz importiert. Es wurde dafür ein Aufbereitungs- und Auslieferungslager in Safenwil AG gebaut, welches nach dem Ende des Minor-Importes von der Emil Frey AG übernommen wurde. Insgesamt wurden etwa 15.000 Stück hergestellt.

Trotz einer wahren Erfolgsgeschichte des Aero Minor und obwohl bereits ein Prototyp des Nachfolgemodells Minor III gebaut worden war (nach einigen Quellen mit einem 650-cm³-Zweitaktmotor, nach anderen mit einem Viertakter), entschied die politische Führung der verstaatlichten Autoindustrie in der damaligen Tschechoslowakei, die Produktion 1951 einzustellen. Somit sollte keine Modellreihe weiterverfolgt werden, die mit vergleichbaren Fabrikaten (namentlich der Marke Škoda) hätte konkurrieren können. Noch mehr Gewicht dürften aber bei dieser Entscheidung auch Kapazitätsgründe gehabt haben, da man Produktionsanlagen für militärische Zwecke zu benötigen glaubte. An der Entscheidung änderte auch das Interesse nichts, das aus westlichen Ländern an einer eigenen Weiterproduktion unter Lizenz bekundet worden sein soll.

Alle Automodelle der Serienproduktion wurden neben der zweitürigen verschlossenen Grundversion (Tudor) in verschiedenen Modifikationen hergestellt − unter anderem als Cabrio, Roadster, Kombi und als Pickup. Es wurden auch zahlreiche interessante Prototypen erstellt, die allerdings nicht in Serie gingen. Auch Sodomka, Hersteller von exklusiv-eleganten Karosserien für alle möglichen Marken, hinterließ seine Kreationen bei Jawa. Mit verschiedenen Rennversionen konnten sportliche Erfolge erzielt werden, insbesondere mit den auf Basis des Minor II entstandenen Fahrzeugen. Diese hatten einen auf 750 cm³ erhöhten Hubraum; ein solcher Wagen mit einem 772-cm³-Dreizylinder nahm im Jahr 1949 unter der Bezeichnung „Aero-Minor III am 24-Stunden-Rennen von Le Mans“ teil. Der letzte dieser „Spider“ wurde 1955 gebaut.

Gegenwart[Bearbeiten]

Gegenwärtig (2005) wird eine breite Modellpalette an Motorrädern in den Hubraumklassen von 50 bis 650 cm³ angeboten. Außer mit den hauseigenen Zweitaktern sind die Maschinen auch mit Viertaktmotoren ausgestattet; dies sind chinesische Nachbauten der Honda-Motoren von Jincheng Motors in Nanjing mit 50 bis 125 cm³ sowie der 650er-Einzylinder von Rotax.

Zeitweilig werden auch italienische Miniautos mit einem 500-cm³-Diesel-Motor und einem Variator-Getriebe bei Jawa für den einheimischen Markt vervollständigt und unter eigener Marke geliefert.

Bekannte Motorrad-Modelle[Bearbeiten]

Jawa Speedway-Maschine mit 500-cm³-Motor
  • Jawa 500 OHV (1929) genannt Rumpál = Hubwinde, Einzylinder und Kardanantrieb, Lizenz Wanderer
  • Jawa 175 Villiers (1932), Zweitakter-Einzylinder, Motoren und weitere Komponenten wurden von Villiers geliefert, später fertigte Jawa Motoren in Lizenz
  • Jawa 350 SV (1934), Einzylinder
  • Jawa 350 OHV (1935), Einzylinder
  • Jawa 250 (1935), Zweitakt-Einzylinder
  • Jawa 100 Robot (1937), Zweitakt-Einzylinder
  • Jawa 250 Duplex Block (1939), Zweitakt-Einzylinder, Getriebe ist mit Motorblock verblockt
  • Jawa 250 typ 11 (1946), genannt Pérák = Federmann, Zweitakt-Einzylinder, Geradewegfederung am Hinterrad
  • Jawa 350 typ 12 (1948), genannt Pérák = Federmann, ursprünglich unter dem Markennamen Ogar 350, Zweitakt-Zweizylinder, Geradewegfederung am Hinterrad
  • Jawa 500 OHC Typ 15/00, /01 Viertakt−Zweizylinder, Königswelle mit Schneckengetriebe (1952−1956) und Typ 15/02, Königswelle mit Kegelradgetriebe (1956–1959), Geradewegfederung am Hinterrad
  • Jawa 250, 350 (Zweizylinder), 125, 150 und 175 (ab 1954), genannt „Kývačka“ (sprich kiewatschka)
  • Jawa 350 Californian
  • Jawa 50 Pionýr typ 550 (1954), einsitzig, auch „Pařez“ (sprich Parschäss) = Baumstrunk genannt
  • Jawa 50 Pionýr typ 555 (1958), einsitzig, Vollverkleidung mit Gepäckträger über dem Hinterrad
  • Čezeta 175 (Motorroller, 1956), genannt auch „Prase“ (Schwein)
  • Jawa 500 Rennsport (Speedway, 1964, ex ESO S45 (ab 1953) OHV, ab 1976 DOHC)
  • Jawa 90 Cross, Trail und Roadster (1968–1972)
  • Jawa 50 Typ 23 „Mustang“ (bis 1982, zweisitzig, Antriebsaggregat identisch mit Modell 20, 21)
  • Jawa 50 Typ 05, 20, 21 „Pionýr“ (zweisitzig, Halbmotorroller mit oder ohne Trittbretter/Knieschutz, Dreigang-Getriebe, Fußschaltung)
  • Jawa 50 „Stadion“ (1955, Mofa, Zweigang-Getriebe, Handschaltung, Leichtbau)
  • Jawa 50 „Jawetta“ (um 1960, Mofa, Zweigang-Getriebe, Handschaltung, verkleidet)
  • Jawa 50 „Babetta“ (ab ca. 1970, Mofa, Eingang-Getriebe, automatische Kupplung, Transistorzündung)
Jawa Minor I

Automodelle[Bearbeiten]

Alle Angaben für die Grundversion als zweitürige Limousine (Tudor)

  • Jawa 700 (1934) − Wassergekühlter Reihen-Zweizylinder, 684 cm³, 15 kW, quer hinter der Vorderradachse, Dreigang-Getriebe, Frontantrieb, Leermasse 720 kg, max. 80 km/h; modifizierte Lizenzversion DKW Meisterklasse
  • Jawa Minor I (1937−1939, 1945) − Wassergekühlter Reihen-Zweizylinder, 616 cm³, 15 kW, längs hinter der Vorderradachse, Dreigang-Getriebe, Frontantrieb, Leermasse 700 kg, max. 90 km/h
  • Aero Minor II (1946−1951) − Wassergekühlter Reihen-Zweizylinder, 616 cm³, 15 kW, längs vor der Vorderradachse, Viergang-Getriebe, Frontantrieb, Leermasse 700 kg, max. 90−100 km/h
  • Aero Minor III (1951) − Wassergekühlter Reihen-Zweizylinder, 651 cm³, 17 kW, Viergang-Getriebe, Frontantrieb, max. 100 km/h. Ein Prototyp, wohl für eine Serienproduktion beabsichtigt, die jedoch wegen der abrupten Einstellung des Minor-Programms 1951 nicht mehr verwirklicht wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jawa Motorräder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neues tschechoslowakisches Kleinstmotorrad. In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1955, S. 61–63.
  2. Kraftfahrzeuge auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1956. In:Kraftfahrzeugtechnik 5/1956, S. 168.
  3. KFT 3/1957, S. 107.
  4. Tschechoslowakischer Kraftfahrzeugbau auf der Leipziger Frühjahrsmesse. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1958, S. 103.
  5. Gebrauchsprüfung des Jawa-Pionier. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1959, S. 165