Bernard Montgomery

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Bernard Montgomery (ca. 1943)

Bernard Law Montgomery, 1. Viscount Montgomery of Alamein KG, GCB, DSO, PC (* 17. November 1887 in Kennington/London; † 24. März 1976 in Isington Mill, Hampshire) war ein britischer Berufsoffizier.

Als Sieger über Erwin Rommels Afrikakorps in der Schlacht von El Alamein erlangte Montgomery Weltruhm und avancierte zum populärsten britischen Heerführer des Zweiten Weltkriegs. Im folgenden Kriegsverlauf war er entscheidend an der alliierten Landung in der Normandie, der Operation Market Garden und der Besetzung Nazi-Deutschlands beteiligt.

Aufgrund seiner militärischen Verdienste wurde Montgomery in den Adelsstand erhoben und bekleidete den Posten des britischen Generalstabschefs sowie hohe Positionen in der NATO.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Geboren wurde Bernard Law Montgomery am 17. November 1887 im Londoner Stadtteil Kennington als viertes von neun Kindern des anglikanischen Priesters Henry Montgomery und dessen Gemahlin Maud. Als der Vater 1889 zum Bischof von Tasmanien ernannt wurde, siedelte die Familie auf die entlegene britische Inselkolonie vor der australischen Südküste um, wo Montgomery den Großteil seiner Kindheit verbrachte. Erst 1901 kehrten die Montgomerys nach London zurück.

Nach dem Besuch der St. Paul's School strebte Montgomery eine Karriere als Berufsoffizier an und wurde in der Folge sogar an der königlichen Militärakademie Sandhurst aufgenommen. Obwohl er die Akademie aufgrund schlechten Benehmens fast verlassen musste, bestand er die Abschlussprüfungen und wurde im September 1908 als Second Lieutenant in das Royal Warwickshire Regiment übernommen. Zunächst wurde er nach Britisch-Indien versetzt, 1910 zum Lieutenant befördert und kehrte 1912 nach vier Jahren in Indien zur Garnison nach Shorncliffe zurück.

Militärkarriere[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Als im August 1914 das Britische Empire in den Ersten Weltkrieg eintrat, wurde Montgomery mit seinem Regiment an die entstehende Westfront verlegt. In den Ebenen Flanderns und Nordfrankreichs lernte er die Hölle des Grabenkrieges kennen und wurde am 13. Oktober im Rahmen einer britischen Gegenoffensive bei Bailleul durch einen Lungenschuss schwer verwundet. Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen wurde der Verwundete mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet. Bis zu seiner vollständigen Genesung dauerte es mehrere Monate und erst im Frühjahr 1915 konnte Montgomery den Dienst wieder aufnehmen. Nach einer Verwendung als Instrukteur einer Ausbildungseinheit in Lancashire kehrte Montgomery 1916 als Stabsoffizier der 33rd Division an die Westfront zurück (Teilnahme an der Schlacht von Arras). Im Juli 1917 wurde er dem Stab der 2nd Army unter General Herbert Plumer zugewiesen. Das Kriegsende 1918 erlebte Montgomery, inzwischen Lieutenant Colonel, als Stabsoffizier der 47th Division.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Gemäß den Waffenstillstandsbedingungen von Compiègne rückte Montgomery mit den britischen Besatzungstruppen (Britische Rheinarmee) in Deutschland ein und besetzte das linksrheinische Ufer. 1919 wurde er zu Fortbildungsmaßnahmen vorübergehend an das Staff College in Camberley abgeordnet und verrichtete anschließend Dienst bei verschiedenen Einheiten in Großbritannien und Irland (Verwendung im Irischer Unabhängigkeitskrieg). Nach seiner Beförderung zum Major hielt Montgomery von 1926 bis 1929 selbst Vorträge als Dozent am Staff College und erarbeitete in dieser Funktion Ausbildungs- und Trainingsprogramme für die Infanterie.

1931 erfolgte die Beförderung zum Colonel sowie die Übernahme des Kommandos über das 1st Bataillon des Royal Warwickshire Regiments mit Dienstzeiten in Palästina und abermals Britisch-Indien. Von 1934 bis 1937 war Montgomery Dozent am Indian Staff College in Quetta. 1937 kehrte er nach Großbritannien zurück und als Brigadier der 9th Infantry Brigade organisierte er in einem Manöver eine kombinierte Landung mit Amphibienfahrzeugen, die den Generalstabschef des Südkommandos, General Archibald Wavell beeindruckte. Daher wurde Montgomery im Oktober 1937 zum Major General befördert und wiederum nach Palästina versetzt. Als Befehlshaber der 8th Infantry Division nahm er an der Niederschlagung des Arabischen Aufstandes teil,[1] bevor er im Juli 1939 aufgrund einer Erkrankung nach Großbritannien zurückkehren musste.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 3. September 1939 erklärte das Britische Empire als Reaktion auf den Überfall auf Polen dem nationalsozialistischen Deutschen Reich den Krieg. Montgomery, als Kommandeur der 3rd Division, wurde als Teil der British Expeditionary Force (BEF) nach Belgien verlegt, um die Verbündeten im Falle eines deutschen Einmarsches zu unterstützen. Nach quälenden Monaten des Sitzkrieges begannen mit dem deutschen Angriff am 10. Mai 1940 die Kampfhandlungen im Westen, in deren Verlauf sich die alliierten Streitkräfte rasch an die Kanalküste zurückziehen mussten. Durch eine geschickte Rückzugstaktik gelang es Montgomery, seine Division ohne nennenswerte Verluste nach Dunkerque zu verlegen, von wo sie im Rahmen der Operation Dynamo nach Großbritannien evakuiert wurde. Nach der Niederlage Frankreichs befürchtete die britische Regierung nun auch eine deutsche Invasion auf den Britischen Inseln und organisierte eilig deren Verteidigung. Montgomery sollte die Verteidigung von Hampshire und Dorset übernehmen. Dabei präsentierte er sich einmal mehr als unbequemer Offizier, der ständig Unstimmigkeiten mit seinen Vorgesetzten austrug. Ab Dezember 1941 war er als Kommandeur des Süd-Ost-Abschnitts verantwortlich für eine mögliche Verteidigung der Grafschaften Kent, Sussex und Surrey.

Montgomery auf einem „Medium Tank M3“ in Nord-Afrika

Premierminister Winston Churchill ernannte Montgomery am 13. August 1942 zum Oberbefehlshaber der 8th Army, die sich auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz vor den Achsenmächten unter dem legendären Erwin Rommel bis nach Ägypten hatte zurückziehen müssen. Eine wichtige Aufgabe, da der für das Empire lebenswichtige Sueskanal bedroht war. Montgomery begab sich umgehend zu seiner Armee und strukturierte seine Einheiten um, denn er war der Ansicht, dass Army, Navy und Air Force gemeinsam agieren sollten. Durch häufige Besuche bei den Frontsoldaten gelang es „Monty“, wie er von ihnen genannt wurde, die angeschlagene Moral entscheidend zu heben. Nach sorgfältiger und gewissenhafter Vorbereitung befahl er am 23. Oktober bei el-Alamein den lang erwarteten Angriff auf die deutsch-italienische Front. Die Achsenmächte konnten der Übermacht der Commonwealth-Truppen nicht standhalten und mussten sich zurückziehen (Zweite Schlacht von El Alamein). Der Nimbus des als unbesiegbar geltenden Rommel war gebrochen und die 8th Army drängte ihn im Laufe des Jahres bis nach Tunesien zurück, wo die Achsenmächte im März 1943 kapitulierten. Durch diesen Sieg, insbesondere in der Schlacht von El Alamein, avancierte Montgomery zu einem der populärsten Kriegshelden Großbritanniens und wurde von der Propaganda gefeiert. Gemeinsam mit den in Algerien gelandeten US-Truppen (Operation Torch) setzte Montgomerys 8th Army im Sommer 1943 nach Sizilien über (Operation Husky). Unter dem alliierten Oberkommando Dwight D. Eisenhowers eroberten Montgomery und US-General George S. Patton Sizilien, wobei das Geltungsbedürfnis beider Heerführer zu einem Wettlauf mit unnötig hohen Verlusten führte. Die alliierte Invasion Süditaliens führte schließlich zum Ausscheiden Italiens aus dem Verbund der Achsenmächte und der Absetzung Mussolinis am 25. Juli 1943.

Admiral von Friedeburg und Feldmarschall Montgomery bei der Unterzeichnung der Kapitulationserklärung

Anfang Januar 1944 wurde Montgomery von seinem Posten als Oberbefehlshaber der 8th Army abberufen und nach Großbritannien zurückbeordert, wo die Vorbereitungen einer alliierten Landung in Frankreich in vollem Gange waren. In der Folge war er entscheidend an der Planung der Operation Overlord beteiligt, die die entscheidende Kriegswende zugunsten der Alliierten bringen sollte. Oberbefehlshaber aller alliierten Streitkräfte in Europa wurde nun Eisenhower, während Montgomery das Kommando der britisch-kanadischen 21st Army Group übertragen bekam. Gleichzeitig sollte er alle Bodentruppen befehligen und wurde von Churchill zum Field Marshal ernannt. Die Landung in der Normandie (6. Juni 1944) gelang und nach heftigen Abwehrkämpfen (Kessel von Falaise) rückten die alliierten Armeen auf Paris vor, das am 25. August befreit wurde. Anschließend war Montgomery verantwortlich für die Operation Market Garden (September 1944), die jedoch erfolglos war und hohe Verluste kostete. Weiterhin gab es zunehmend Differenzen mit den Amerikanern, da Montgomery nach der Ardennenoffensive in einer Pressekonferenz den Sieg verkündete, während die Amerikaner der Ansicht waren, er habe seine Kräfte zu lange zurückgehalten. Trotz allem setzten die Alliierten ihren Vormarsch auf das Deutsche Reich fort, erreichten im Februar/März 1945 den Rhein und am 23. März setzte Montgomery mit seiner Heeresgruppe auf das rechte Ufer über (Operation Plunder). Dann zog er Richtung Norden, besetzte u. a. Hamburg und verhinderte so ein Eindringen der Roten Armee nach Dänemark. Während des Vormarsches durch Norddeutschland befreiten seine Einheiten das Konzentrationslager Bergen-Belsen (15. April 1945) und verhafteten die Mitglieder der Regierung Dönitz. Am 4. Mai 1945 nahm Montgomery in seinem Lüneburger Hauptquartier die Kapitulation der Wehrmacht in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden entgegen. Teilweise wurde kritisiert, dass Montgomerys Pläne einfallslos und starr seien, so begann er meist erst eine Schlacht, wenn die eigene Überlegenheit schon erdrückend und so der Ausgang des Gefechts von vornherein klar war. Wenn er mit überlegenen Kräften angreifen konnte, machte sich die sorgfältige, auf geringe Verluste ausgerichtete Planung positiv bemerkbar.

Nach der deutschen Gesamtkapitulation (VE-Day) blieb Montgomery bis Ende Januar 1946 Oberbefehlshaber der britischen Besatzungstruppen in Deutschland und war somit Teil des Alliierten Kontrollrats.

Späte Jahre[Bearbeiten]

Der überaus populäre Montgomery wurde am 31. Januar 1946 feierlich als Viscount Montgomery of Alamein, of Hindehead in der Grafschaft Surrey von König Georg VI. zum Peer erhoben und in den Hosenbandorden aufgenommen. Von 1946 bis 1948 bekleidete er den Posten als Chef des Generalstabs (Chief of the Imperial Staff), dem höchsten militärischen Posten der britischen Streitkräfte. Nach den Anschlägen auf das King David Hotel 1946 durch die Irgun warf er der Regierung Attlee vor, der Armee nicht die nötigen Befugnisse zu erteilen, um die Ordnung im Mandatsgebiet Palästina wiederherzustellen. Montgomery erklärte, falls dazu der politische Wille nicht bestehe, solle sich Großbritannien eher ganz aus dem Gebiet zurückziehen.[2] Insgesamt wurde seine Amtszeit als Generalstabschef kritisiert, da ihm die notwendigen strategischen und politischen Fähigkeiten abgesprochen wurden.

Anschließend befehligte er die Landstreitkräfte der NATO, von 1951 bis 1958 war er stellvertretender Oberbefehlshaber der NATO. 1958, nach insgesamt 50 Jahren im aktiven Militärdienst, nahm der 71-jährige Montgomery seinen Abschied aus der Army.

Lebensende[Bearbeiten]

Nach seinem Abschied aus dem Dienst verfasste Montgomery in verschiedenen Werken seine Kriegserlebnisse: El Alamein (1948), The Memoirs of Field Marshal Montgomery (1958), Normandy to the Baltic (1968) und History of Warfare (1968). Darin bezeichnete er General Dwight D. Eisenhower als „zweitklassigen Soldaten, der die Strategie des Normandie-Feldzuges nie richtig verstanden hat.“

Am 24. März 1976 verstarb Montgomery in seinem Haus in Isington Mill, nahe Alton in der Grafschaft Hampshire im Alter von 88 Jahren. Nach einer Zeremonie in der St. George’s Chapel, Windsor, wurde er auf dem Holy Cross Churchyard in Binsted beigesetzt.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • 1948: El Alamein (1948)
  • 1958: The memoirs of field-marshal the Visc. Montgomery of Alamein. Collins. Wiederveröffentlicht 2005: ISBN 978-1844153305, Pen & Sword Books; Deutsche Übersetzung: 1958: Marshall Montgomery - Memoiren. Paul List Verlag, München (1958)
  • Normandy to the Baltic (1968)
  • History of Warfare (1968)

Literatur[Bearbeiten]

  • Alun Chalfont (Lord Chalfont): Der Sieger von El Alamein. Feldmarschall Montgomery, der Gegner von Rommel (= Ullstein Nr. 33150 Zeitgeschichte). Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 1991, ISBN 3-548-33150-5 (Originalausgabe: Montgomery of Alamein. Weidenfeld & Nicholson, London 1976, ISBN 0-297-77081-0).

Film[Bearbeiten]

  • "Vier Kriegsherren gegen Hitler - Bernard L. Montgomery: Verloren im Triumph" von Wolfgang Schoen, TV Schoenfilm D 2001 [3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernard Montgomery – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tom Segev: Es war einmal ein Palästina, München, 4. Auflage, 2006 S. 473f
  2. Tom Segev : Es war einmal ein Palästina, München, 2006, S. 522f
  3. TV Schoenfilm, siehe Filmographie
Vorgänger Amt Nachfolger
–– Militärgouverneur in der Britischen Besatzungszone
1945–1946
Sholto Douglas, 1. Baron Douglas of Kirtleside
Alan Brooke Chef des Imperialen Generalstabes
1946–1948
William Slim
Titel neu geschaffen Viscount Montgomery of Alamein
1946–1976
David Montgomery