Jean-Baptiste Charcot
Jean-Baptiste Étienne Auguste Charcot (* 15. Juli 1867 in Neuilly-sur-Seine; † 16. September 1936 vor der Küste Islands) war ein französischer Wissenschaftler, Arzt und Polarforscher. Sein Vater war der Neurologe Jean-Martin Charcot.
Dem Willen seines Vaters folgend wurde Jean-Baptiste Charcot Arzt. Nach dessen Tod erbte er 1893 ein beträchtliches Vermögen, das es ihm erlaubte, seinem Interesse für das Meer und die Seefahrt nachzugehen. Er schloss seine Ausbildung zwar noch ab, gab die Medizin aber 1897 endgültig auf. Mit seinen Yachten, die er meistens Pourquoi-Pas (deutsch Warum nicht?) nannte, unternahm er Reisen, die ihn 1902 auch nach Jan Mayen brachten, wo er seine Liebe zur Arktis entdeckte.[1] Mit seinem neuen Schiff, der Français, wollte er 1903 nach Nowaja Semlja fahren. Das Ausbleiben von Otto Nordenskjölds Schwedischer Antarktisexpedition ließ ihn jedoch seine Pläne ändern und eine Rettungsexpedition in die Antarktis unternehmen.[2] In Buenos Aires traf er den bereits von der argentinischen Korvette Uruguay geretteten Nordenskjöld, dessen Kapitän Carl Anton Larsen und den Leiter der Schottischen Antarktisexpedition, William Speirs Bruce, an, die ihm wertvolle Hinweise für seine eigene Expedition geben konnten. Bis 1905 erforschte Charcot die Westküste des Graham-Landes. Er gelangte schließlich bis zur Adelaide-Insel und konnte fotografische Aufnahmen des Palmer-Archipels und der Loubet-Küste machen. Von 1908 bis 1910 folgte eine weitere Expedition auf der Pourquoi-Pas, bei der er die Bellingshausen-See und die Amundsen-See erforschte. Er entdeckte dabei die Marguerite Bay sowie die Charcot-Insel, die er nach seinem Vater benannte.[3] Anschließend unternahm Charcot mit der Pourquoi-Pas zwei Expeditionen nach Jan Mayen.
Im Ersten Weltkrieg diente Charcot zunächst als Marinearzt, später befehligte er ein Q-Schiff. In den Nachkriegsjahren unternahm er zu wissenschaftlichen Zwecken jährlich Schiffsreisen in verschiedene Teile des Atlantiks. Von 1925 bis 1936 widmete er sich der Erforschung Ostgrönlands, weshalb Scoresbysund auch als Standort für die französische Station im Zweiten Internationalen Polarjahr 1932–1933 ausgewählt wurde.[4] Bei einem Schiffsunglück vor Island kam er 1936 ums Leben.
Schiffe [Bearbeiten]
Es existieren oder existierten fünf Schiffe, die den Namen Pourquoi-Pas tragen.
Vier Schiffe gehörten Jean-Baptiste Charcot:
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- Pourquoi-Pas (1893), ein Kutter, der von Charcot 1893 gebaut wurde und der 1894 eine zweiwöchige Expedition machte. Dieser wurde 1896 verkauft und die Pourquoi Pas? II gekauft.
- Pourquoi-Pas (1896), ein Holz-Schoner.
- Pourquoi-Pas (1897), ein Eisen-Schoner mit einer Dampfmaschine, mit dem er 1897 eine Fahrt zum Nil mit dem Millionär Vanderbilt unternahm.
- Pourquoi-Pas (1908), das bekannteste der vier Schiffe.
- Das fünfte Schiff ist die FMN Pourquoi Pas? ein Forschungsschiff, das 2005 in Saint-Nazaire von Alstom für das französische Meeresforschungsinstitut Ifremer und die nationale Marine gebaut wurde.
Werke [Bearbeiten]
- Le „Pourquoi pas ?“ dans l’Antarctique 1908–1910, Arthaud, Paris 1996, ISBN 2-7003-1088-8
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Beau Riffenburgh: Charcot, Jean-Baptiste. In: Beau Riffenburgh (Hrsg): Encyclopedia of the Antarctic, Routledge, New York und London 2007, S. 220 f, ISBN 0-415-97024-5 (englisch)
- ↑ David E. Yelverton: Quest for a Phantom Strait. The Saga of the Pioneer Antarctic Peninsula Expeditions 1897–1905. Polar Publishing Ltd., 2004, S. 41 f (englisch)
- ↑ John Stewart: Antarctica – An Encyclopedia. Bd. 1, McFarland & Co., Jefferson und London 2011, ISBN 978-0-7864-3590-6, S. 306 (englisch)
- ↑ Susan Barr: The French expedition to Greenland. In: Susan Barr, Cornelia Lüdecke (Hrsg.): The History of the International Polar Years (IPYs), Springer-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-12401-3, S. 183 (englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Charcot, Jean-Baptiste |
| ALTERNATIVNAMEN | Charcot, Jean-Baptiste Étienne Auguste (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Wissenschaftler und Polarforscher |
| GEBURTSDATUM | 15. Juli 1867 |
| GEBURTSORT | Neuilly-sur-Seine |
| STERBEDATUM | 16. September 1936 |