Jeremy Rifkin

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Jeremy Rifkin (2009)
Jeremy Rifkin per Video auf dem Energy Storage Summit in Düsseldorf 2013

Jeremy Rifkin (* 26. Januar 1945 in Denver, Colorado) ist ein US-amerikanischer Soziologe, Ökonom, Publizist sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends (FOET; Sitz in Washington, D.C., USA). Er unterrichtet unter anderem an der Wharton School der Universität von Pennsylvania[1] und ist Berater diverser Regierungen und auch der EU-Kommission. Er gilt als Theoretiker der Zugangsgesellschaft.[2]

Werk und Einfluss[Bearbeiten]

In bis dato (2009) 17 Büchern schrieb Rifkin über die Auswirkungen des wissenschaftlichen und technischen Wandels auf Arbeitswelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Essays und Kommentare aus Rifkins Feder erscheinen in Blättern wie The Guardian und der Los Angeles Times, im deutschsprachigen Sprachraum zum Beispiel auch in der Süddeutschen Zeitung. Das National Journal bezeichnete ihn als einen der 150 einflussreichsten Intellektuellen der USA. Unter den Verfechtern neoliberaler Gesellschafts- und Wirtschaftskonzepte stößt er allerdings auf harsche Kritik,[3] und von Wissenschaftlern wurde er in den 1980er Jahren als Luddit charakterisiert.[4]

Am 14. November 2013 bekam Rifkin in Berlin für sein maßgebliches Wirken, Arbeiten und Gestalten bei weltweit energierelevanten Themen den Energy Award Sonderpreis "Energizer des Jahres" verliehen.[5]

Seine Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. In Deutschland ist er vor allem durch Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft (1997, das Original erschien 1995) bekannt geworden. Das Buch beeinflusste entscheidend die Debatte um Verkürzungen der Arbeitszeit, etwa in Frankreich.

Rifkin ist außerdem über lange Jahre ein engagierter Aktivist gegen Biotechnologie in den USA, vom Clonen, genetisch veränderten Pflanzen, Bio-Patenten bis Wachstumshormonen von Rindern in der Milch.[6]

Bücher und Aussagen[Bearbeiten]

Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft[Bearbeiten]

The End of Work (1995; deutsch Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft) zeigt, dass es durch den Produktivitätszuwachs in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem dramatischen Verschwinden von Fabrikarbeitsplätzen gekommen ist. Dies gilt trotz des Wirtschaftswachstums im selben Zeitraum. Anhand weltweiter Wirtschaftsdaten wird gezeigt, dass sich diese Entwicklung in Zukunft in dramatischer Form fortsetzen wird.[7] Rifkin erwartete, dass bis 2010 nur noch 12 % der Weltbevölkerung in der Produktion arbeiten würden. Bis 2020 sollten es nur noch 2 % der Weltbevölkerung sein.[8] Laut Rifkin ist hiermit von 2010 bis 2020 zu erwarten, dass es in der Produktion ein Rückgang der Werktätigen auf ca. 1/6 des heutigen Wertes geben wird. Für andere Wirtschaftsbereiche ist wegen der zunehmenden Automatisierung ein ähnlicher Rückgang abzusehen. Dies zeigt Rifkin anhand weltweiter Wirtschaftsdaten für die nicht produktiven Wirtschaftssektoren.

Access[Bearbeiten]

The Age of Access (2000; deutsch Access) beschäftigt sich mit dem Einfluss der Globalisierung auf die kulturelle Identität und warnt vor der vollständigen Ökonomisierung unseres Lebens. Kernthese: Das Industriezeitalter sei endgültig vorüber, der Kapitalismus ändere sich radikal. „Access“, der rasche Zugang und Zugriff auf Ideen, Güter und Dienstleistungen zähle in der bereits sich heute herausbildenden Zugangsgesellschaft mehr als dauerhafter und schwerfälliger Besitz. Das Buch wurde mit zwei bedeutenden Preisen ausgezeichnet: dem Arthur Andersen Business Book Award und dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch im Jahr 2000.

Die Wasserstoff-Revolution[Bearbeiten]

The Hydrogen Economy (2002; deutsch Wasserstoff-Revolution) trieb die Debatte zur Notwendigkeit des Wandels der Energiewirtschaft hin zu einer Wasserstoffwirtschaft entscheidend voran. In der derzeitigen Abhängigkeit der Wirtschaft vom Erdöl sieht Rifkin große Gefahren.[9]

Der europäische Traum[Bearbeiten]

In Der europäische Traum (2004) reflektierte Rifkin über transatlantische Unterschiede und skizzierte die Entwicklung der Europäischen Union (EU). Am 16. April 2003 war (im Beitrittsvertrag 2003) die EU-Erweiterung 2004 fixiert worden; zum 1. Mai 2004 trat diese in Kraft.

Auch dieses Buch provozierte kontroverse Debatten. Rifkin erhielt für das Buch 2005 in Deutschland den Literaturpreis Corine.

Rifkin popularisierte den Begriff Proteische Persönlichkeit, mit dem er durch moderne Kommunikationsmittel vernetzte Personen bezeichnet, die auf dem Weg zu einer Entindividualisierung sind.

Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft[Bearbeiten]

In dem im August 2014 auf deutsch erschienenen Buch vertritt Rifkin die These, dass sich angesichts nahezu kostenfrei möglicher weltweiter Vernetzung, Kommunikation sowie Datenerfassung und -austauschs die Zusatzkosten für Produkte (so genannte Grenzkosten) gegen Null entwickeln würden. Er spricht davon, dass mit der Entwicklung hin zu einer neuen Wirtschaftsordnung namens collaborative commons (engl., dt. „Kollaborative Commons“, sinngemäß etwa Gemeinsames Wirtschaften) die Voraussetzungen für eine „dritte industrielle Revolution“ vorlägen.[10]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Woodrow W. Clark II, Jeremy Rifkin, A green hydrogen economy. Energy Policy 34, Ausgabe 17, (2006), 2630–2639, doi:10.1016/j.enpol.2005.06.024.
  • Woodrow W. Clark, Jeremy Rifkin, Todd O'Connor, Joel Swisher, Tim Lipman, Glen Rambach, Hydrogen energy stations: along the roadside to the hydrogen economy. Utilities Policy 13, Ausgabe 1, (2005), 41–50, doi:10.1016/j.jup.2004.07.005.

Sonstige Aufsätze (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • André Gorz: Vom totalitären Vorhaben des Kapitals. Notizen zu Jeremy Rifkins „The Age of Access“. In: Widerspruch. 40, 2001 (Auszug im Freitag, 6. Juli 2001)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wharton Alumni Magazine: Wharton Leaders: Jeremy Rifkin, W’67. Winter 2008
  2. Das Kapital als Täufer. In: Freitag, 29. Juni 2001
  3. Center for Consumer Freedom: Profile: Foundation on Economic Trends
  4. The Most Hated Man In Science. In: Time, 4. Dezember 1989
  5. Energy Awards - Sonderpreis "Energizer des Jahres"
  6. Gary Stix: Profile: Dark Prophet of Biogenetics, Scientific American, August 1997
  7. Auflistung der wichtigsten von Rifkin benannten Weltwirtschaftsdaten.
  8. Interview in: Stuttgarter Zeitung, 29. April 2005.
  9. The perfect storm that’s about to hit. In: The Guardian, 24. März 2004
    Ölkrise verändert die Globalisierung. In: Die Zeit, 23/2008
  10. Interview in DER SPIEGEL 32/4. August 2014, S. 62