Kölner Werkschulen

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Die Kölner Werkschulen waren eine von 1926 bis 1971 bestehende (Hoch)Schule für Bildende Kunst, Architektur und Formgebung (Design).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Werkschulen entwickelten sich aus der 1879 gegründeten Abteilung für Kunstgewerbe der „Gewerblichen Fachschule der Stadt Köln“, deren Vorgängerin 1833 als „Königlich Preußische Provinzial-Gewerbeschule Cöln“ gegründet wurde. Die Kunstabteilung geht zurück auf die Gründung einer Sonntagsschule des Malers Egidius Mengelberg im Jahr 1822 im Jesuitengebäude. 1910 wurde Emil Thormählen nach Köln berufen an die Kunstgewerbeschule, die er auf- und ausbauen sollte im Sinne der Deutschen Werkbundbewegung. Vieles verhinderte der bald ausbrechende Erste Weltkrieg. Als auch nach Ende des Krieges kein Fortschritt zu erkennen war, zog er sich 1919 frühzeitig zurück.

Im April 1924 konnte die Kölner Kunstgewerbeschule unter dem Direktorat von Martin Elsaesser das von ihm entworfene „Rote Haus“, einen expressionistischen, roten Backsteinbau am Ubierring 40 beziehen. Die Schule wurde umstrukturiert und erhielt 1926 vom damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer – als Parallele zum Bauhaus – die Bezeichnung „Kölner Werkschulen“. (Zitat): „...in Bonn is de Wissenschaft(= Universität) un in Düsseldorf de Kunst (= Akademie) un in Kölle will ich Beides...“. (Während in Düsseldorf die Freie Kunst an der Akademie und die Angewandte Kunst an der Kunstgewerbeschule gelehrt wurde, sollte man an den Kölner Werkschulen (Plural) das ganze Spektrum studieren können.) Adenauer setzte seinen Willen durch: 1919 mit seiner Universität zu Köln und 1926 mit seiner Kölner Kunst(hoch)schule – beide Gebäude fast in Sichtweite beieinander.

1926–1933[Bearbeiten]

Die Werkschulen waren ein rein stadtkölnisches Kunstinstitut, eine Stätte der praktischen Werkbetätigung (Hand-werk/Kunst-werk), die sich in ihrem Programm dem Werkbundgedanken verpflichtet sahen (Kölner Werkbundausstellung) und die enge Verbindung von Entwurf und Ausführung, freier und angewandter Kunst, von Atelier und Werkstatt in den Vordergrund stellten. (Zitat): „… der Kopf erfindet´s und die Hände machen´s …“

Die Verbindung der Werkbundschulen mit der Industrie wurde sehr gefördert. Die Industrie vergab Aufträge an die Werkstätten der Kölner Werkschulen. So stammen beispielsweise das Gehäuse des Volksempfängers, Schrifttypen für Schreibmaschinen (Erbar und Candida), der Entwurf und die Ausführung der Deutschen Meisterschale und des Deutschen Fußballpokals von Kölner Studierenden – unter Anleitung der Professoren.

Architektur, Innenarchitektur, Malerei, Bildhauerei und Bauplastik, Bühnenbild, Kostümbildnerei und Paramentik waren an den Kölner Werkschulen vertreten. Später wurden zusätzliche Klassen für freie und angewandte Graphik (sowie „Photographik“) und für künstlerische und technische Formgebung unter der Leitung von Richard Riemerschmid eingerichtet und das Kölner Institut für religiöse Kunst angegliedert. Riemerschmid orientierte sich – mit Genehmigung des preußischen Kultusministeriums – an den 1924 gegründeten Berliner Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (VS, heute Universität der Künste, Berlin), die von seinem Kollegen und Werkbundmitbegründer Bruno Paul geleitet wurden.

1931 lief Riemerschmieds Vertrag ohne Verlängerung aus. Mit dem Erstarken der Nazis auch in Köln ging Adenauers Einfluss zurück. Es gelang ihm aber, den Kölner Museumsdirektor Karl With (von 1925 bis 1928 Professor für Kunstgeschichte an den Kölner Werkschulen) zum Nachfolger zu berufen. 1933 wurde With genau wie Adenauer aus dem Amt entlassen.

1933–1945[Bearbeiten]

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde sie unter Karl Berthold zur „Kölner Meisterschule“ degradiert, verlor Namen und Bedeutung und der Deutsche Werkbund wurde aufgelöst und verboten.

Die Gebäude der Kölner Werkschulen wurde während des Zweiten Weltkriegs am 2. März 1945 zu über 70 Prozent beschädigt. Als Architekt leitete Stefan Leuer den Wiederaufbau der Kölner Werkschulen, an dem sich viele Studierende aktiv beteiligten. Die Kölner Werkschulen nahmen den Studienbetrieb mit einer Feierstunde am 4. November 1946 wieder auf. Dies wurde in der 1. Ausgabe des „Spiegels“ vom Januar 1947 auf Seite 13 erwähnt: „Professor Wallner eröffnet wieder die Kölner Werkschulen“.

Nach 1946[Bearbeiten]

Unter dem Direktorat von August Hoff kehrte Dominikus Böhm zurück und übernahm wieder (wie vor 1933) bis 1953 die Abteilung Kirchenbau; danach wurde sie von Stefan Leuer als Abteilung „Profan- und Kirchenbau“ geleitet. Friedrich Vordemberge und Otto Gerster lehrten Malerei, Ludwig Gies Plastik, Wolfgang Wallner Bildhauerei, Josef Jaekel Metalltreiben, Alfred Will Freie Grafik (wie vor 1933), Georg Lünenborg Architektur/Innenarchitektur, Wilhelm Teuwen Glasmalerei, Elisabeth Treskow Goldschmiedekunst, Heinrich Hußmann Grafik.

Der Bundesadler im Bonner Bundestag wurde hier in Köln von Ludwig Gies entworfen und die erste Wahlurne von Josef Jaekel in Kupfer getrieben. Bundeskanzler Adenauer und Bundespräsident Theodor Heuss (von 1918 bis 1933 Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Deutschen Werkbundes) interessierten sich für die Entwicklung der Kölner Werkschulen. So wurden ständig Besucherführungen in- und ausländischer Honorationen durchgeführt. Porträtköpfe von Politikern, vorort in Bonn gezeichnet, wurden Grundlagen für Wahlplakate und Werbeschriften der Regierung.

In den 1950er Jahren – unter Vordemberges Leitung – entwickelte sich der Schwerpunkt Freie Kunst und die Werkschulen wurden so zur „Kölschen Kunstakademie“.

In den 1960er Jahren war Köln (mit 5 Abteilungen, 21 Lehrbereichen und knapp 500 Studenten) das größte Kunstinstitut in Nordrhein-Westfalen und gehörte neben Hamburg, Berlin und München zu den größten der Bundesrepublik. Von 1962 an arbeiteten Kölner Studierende in einem „Außen-Studio“ der Werkschulen in Vinci in der Toscana (Italien) als Stipendiaten für einen Monat „in“ und „nach“ der Natur.

Köln praktizierte das Modell einer „Kommunalen Kunsthochschule“. Das Hochschulwesen fällt aber als Teilbereich der Kultur unter die Kulturhoheit der Bundesländer, und der nordrhein-westfälische Landtag sträubte sich dagegen, im Landesteil „Nordrhein“ eine zweite Kunsthochschule bzw. Kunstakademie (neben Düsseldorf) zu haben. Eher schon hielten die Abgeordneten eine solche in Münster im Landesteil „Westfalen“ für realisierbar. 1968 erfolgte die Umbenennung in Akademie der Bildenden Künste Köln – (Kölner Werkschulen).

1970 bat die Stadt Köln durch einstimmigen Ratsbeschluss das Land Nordrhein-Westfalen, „... zur Erhaltung des Ranges und des Rufes'...“ die Kölner Werkschulen in eine „Staatliche Hochschule für Bildende Künste“ umzuwandeln. Der zuständige Wissenschaftsminister Johannes Rau überführte jedoch die Werkkunstschule seiner Heimatstadt in die Bergische Universität Wuppertal , die Kölner Werkschulen hingegen gliederte er in die neu gegründete Fachhochschule Köln ein.

In den 1980er Jahren gab es eine kulturpolitische Landtagsinitiative, nach der die Kölner Werkschulen zusammen mit der 1971 gegründeten Kunstakademie Münster als Unterabteilung der Kunstakademie Düsseldorf geführt werden sollten, die jedoch erfolglos blieb, da die Akademien überwiegend Kunsterzieher ausbilden.

Die Kölner Werkschulen wurden zerlegt: Die Architekturabteilung wurde räumlich ausgelagert nach Deutz und dann mit der Bauingenieur-Ausbildung zusammengefasst. Als Folge des 1987 beschlossenen Kunsthochschulgesetzes wurde die freie Kunst als Studienfach endgültig aufgegeben und das bisherige Lehrangebot des Grafikdesigns im so genannten „Kölner Modell“ (Köln International School of Design) in eine heute international renommierte reine Design-Hochschule umgewandelt. Neben dem integrierten Studiengang Design, der sich durch keine Trennung von Kommunikations- und Produktdesign auszeichnet, wird seit 2001 auch der europäische Bachelor/Masterstudiengang „European Studies in Design“ angeboten.

Nach der Neuordnung im Hochschulbereich gingen aus den ehemaligen Kölner Werkschulen und dem Fachbereich Kunst und Design an der Fachhochschule zwei Hochschulen in Köln hervor:

Struktur von 1971[Bearbeiten]

Im letzten Jahr der Eigenständigkeit lehrten 65 Dozenten und Professoren an den Kölner Werkschulen, die in sechs Abteilungen gegliedert war:

  • Grundlehre: Zeichnen, Formen, Malen, Akt
  • Architektur: Profan- und Kirchenbau, Architektur und Innenarchitektur
  • Bildende Künste: Bildhauerei und Bauplastik, Metallbildhauerei, Studio für Metallgestalung, Kunstschmiede, Gold- und Silberschmiede, Sakrale und profane Malerei, Wandmalerei, Freie Grafik, Fotografie, Textile Gestaltung, Freie Malerei, Fläche und Raum, Bühnenbild, Kostümgestaltung
  • Visuelle Kommunikation: Graphik-Design, Typographie, Photografik, Illustration
  • Formgebung: Keramik, Gestaltung von Maschinen und Gerät, Gestaltung von Gebrauchsgütern
  • Vorlesungen und Seminare in: Kunsthistorik, Anatomie, Philosophie, Soziologie, Psychologie, Dramaturgie, Kybernetik,

Direktoren[Bearbeiten]

Bekannte Künstlerlehrer der Kölner Werkschulen[Bearbeiten]

Architektur/Innenarchitektur[Bearbeiten]

Malerei[Bearbeiten]

Plastik/Bildhauerei[Bearbeiten]

Graphik[Bearbeiten]

Goldschmiede[Bearbeiten]

Fotografie[Bearbeiten]

Kunstgeschichte[Bearbeiten]

Keramik und Industriedesign[Bearbeiten]

Gastdozenten[Bearbeiten]

Weitere[Bearbeiten]

Bekannte Absolventen der Kölner Werkschulen[Bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten]

Malerei[Bearbeiten]

Plastik/Bildhauerei[Bearbeiten]

Grafik[Bearbeiten]

Fotografie[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

  • Kölner Werkschulen/FB Kunst und Design (Hrsg.): 100 Jahre Kölner Werkschulen. Katalog. Verlag Greven & Bechtold, Köln 1979.