Kaltenleutgeben

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Kaltenleutgeben
Wappen von Kaltenleutgeben
Kaltenleutgeben (Österreich)
Kaltenleutgeben
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mödling
Kfz-Kennzeichen: MD
Fläche: 17,48 km²
Koordinaten: 48° 7′ N, 16° 12′ O48.11527777777816.198611111111356Koordinaten: 48° 6′ 55″ N, 16° 11′ 55″ O
Höhe: 356 m ü. A.
Einwohner: 3.309 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 189 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2391
Vorwahl: 02238
Gemeindekennziffer: 3 17 13
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 78
2391 Kaltenleutgeben
Website: www.kaltenleutgeben.gv.at
Politik
Bürgermeister: Josef Graf (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
11 SPÖ, 9 ÖVP, 1 Grüne
Lage der Marktgemeinde Kaltenleutgeben im Bezirk Mödling
Achau Biedermannsdorf Breitenfurt bei Wien Brunn am Gebirge Gaaden Gießhübl Gumpoldskirchen Guntramsdorf Hennersdorf Hinterbrühl Kaltenleutgeben Laab im Walde Laxenburg Maria Enzersdorf Mödling Münchendorf Perchtoldsdorf Vösendorf Wiener Neudorf Wienerwald NiederösterreichLage der Gemeinde Kaltenleutgeben im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Rathaus
Rathaus
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Der Ort Kaltenleutgeben um das Jahr 1872 (rechts oben, Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Kaltenleutgeben ist eine Marktgemeinde im Bezirk Mödling in Niederösterreich mit 3309 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geografie[Bearbeiten]

Kaltenleutgeben liegt im Industrieviertel in Niederösterreich, im südlichen Wienerwald. 73,41 Prozent der Fläche sind bewaldet, wobei die Fläche der Marktgemeinde 17,5 Quadratkilometer umfasst. Die Gemeinde grenzt direkt an den äußersten Südwesten der Stadt Wien an und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet der Wiener Bevölkerung.

Die Bebauung Kaltenleutgebens befindet sich im Tal der Dürren Liesing, die nach Perchtoldsdorf (nach Osten) fließt. Das recht enge und bis zu 80 Meter tiefe Tal weist eine teilweise erhebliche Hangneigung auf. Das Kaltenleutgebener Tal dient aufgrund seiner Orographie dem Wiener Südraum als eine Frischluftschneise.

Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden außer Kaltenleutgeben.

Das Gebiet von Kaltenleutgeben ist wegen seiner komplizierten geologischen Struktur in einer Reihe geologischer Fachpublikationen eingehend untersucht worden.[1]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Breitenfurt bei Wien Wien
Wienerwald Nachbargemeinden Perchtoldsdorf
Hinterbrühl Gießhübl

Geschichte[Bearbeiten]

Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle Geschichte Österreichs. Am Lauf des Baches lagen eine Reihe von Mühlen, deren Namen (Waldmühle, Neumühle, Polsterer-Mühle) noch darauf hinweisen.[2]

Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde der Ort nach Groß-Wien zum 25. Bezirk eingemeindet.

Erst 1954 wurde der Ort wieder eigenständig und fiel an Niederösterreich zurück. Im Zuge der Ausgemeindung wurden die Gemeindegrenzen neu festgelegt. So kam ein Teil der Kuhheide zu Gießhübl, sowie die Rotte Wassergspreng zur damaligen Nachbargemeinde Weissenbach.

Bevölkerungsentwicklung

Volkszählung Einwohner
2011 3.357
2001 2.998
1991 2.699
1981 2.552
1971 2.520

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Zu Jahresbeginn 2012 tauschte Kaltenleutgeben mit Perchtoldsdorf einen kleinen Teil seines Gemeindegebietes in der Größe von 58 Hektar, wodurch sich die Gemeindegrenzen etwas verschoben. Einige Grundstücke der Perchtoldsdorfer Tirolerhofsiedlung lagen bis dahin auf Kaltenleutgebener Gebiet, obwohl die Bewohner alle Einrichtungen der Marktgemeinde Perchtoldsdorf und nicht ihrer Heimatgemeinde nutzten. Kaltenleutgeben war auf direktem Weg für sie nicht erreichbar. Perchtoldsdorf trat im Gegenzug eine ebenso große Fläche auf den Grundstücken der ehemaligen Perlmooser AG an Kaltenleutgeben ab.[3][4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche St. Jakobus, 1728–29 geplant und 1729–1732 ausgeführt, ist das Hauptwerk des Barockbaumeisters Jakob Oeckhl. Er errichtete und finanzierte den Bau nach dem Tode seiner zweiten Frau aufgrund eines Gelübdes zur Geburt seines Sohnes. Das Hochaltarbild entstammt der Heiligenkreuzer Schule um Martino Altomonte, die aus Lindenholz geschnitzte Dreifaltigkeitsgruppe wird Giovanni Giuliani zugerechnet.

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Kaltenleutgeben

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
60
50
40
30
20
10
0
49,27 %
(-8,41 %p)
42,11 %
(+1,59 %p)
8,62 %
(n. k.)
n. k.
(-1,81 %p)
2005

2010


Bürgermeister der Marktgemeinde ist Josef Graf (SPÖ). Amtsleiter und 1. Vizebürgermeister ist Peter Fuchs (SPÖ). Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 21 Sitzen folgende Mandatsverteilung: SPÖ 11,Liste ÖVP 9, Grüne 1

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 124, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 11. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1403. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 48,93 Prozent.

Der Hauptbetrieb in Kaltenleutgeben war über Jahrzehnte die Zementfabrik Perlmooser, die zum Konzern Lafarge gehört, für welche am Ortsbeginn von Kaltenleutgeben und östlich davon als Rohstoff der dort vorhandene Kalkstein (Jurahornsteinkalk, Schrambach-Neokomaptychenschichten) abgebaut wurde. Der Betrieb besteht nur mehr aus Lagerhallen, der Kern des Werkes wurde 2012/13 abgetragen. Für das Werk und die vor seiner Einrichtung verbreitete Kalkproduktion wurde auch die 2014 eingestellte Kaltenleutgebener Bahn zur Südbahn nach Liesing gebaut. Zwei Bergbaue auf Kohle östlich der Mündung des Flösselgrabens und an der Einmündung des Wienergrabens[5] sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls eingestellt.

Sonst ist die Gemeinde eher eine Wohnsitzgemeinde. Viele Wiener haben hier ihre Zweitwohnsitze aufgebaut, da Wien recht nahe liegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Personen mit Beziehung zum Ort:

  • Mark Twain (1835–1910), US-amerikanischer Schriftsteller, Autor der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, lebte 1898 ein halbes Jahr [6][7] in der Villa Paulhof in Kaltenleutgeben
  • Henryk Sienkiewicz (1846–1916), polnischer Schriftsteller, hielt sich ab 1885 mehrmals als Kurgast in Kaltenleutgeben auf.
  • Michael Pewny (* 1963), Pianist, Musiker, Komponist und Wirtschaftswissenschafter, spielte zwischen 1995 und 2000 im Kaltenleutgebener Hof.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Rosenberg: Der kalkalpine Wienerwald um Kaltenleutgeben (Niederösterreich und Wien). Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 108, Wien 1965. Seiten 115–153. [1] (PDF; 4,3 MB) mit umfangreichem Literaturverzeichnis und farbiger geologischer Karte 1:10.000.
  2. Ferdinand Opll: Karten als Quelle topographischer Erkenntnis. Der Liesinger Raum im Süden Wiens zur Zeit Maria Theresias. In: Wiener Geschichtsblätter. Hrsg. vom Verein für Geschichte der Stadt Wien. 68. Jahrgang. Heft 2/2013. ISSN 0043-5317 ZDB-ID 2245-7. S. 117.
  3. Alle Tirolerhofer nun "Landsleute" in der NÖN Ausgabe Mödling: Woche 04/2012
  4. grenzänderung zwischen den marktgemeinden kaltenleutgeben und perchtoldsdorf auf der Gemeindehomepage Perchtoldsdorf abgerufen am 28. Jänner 2012
  5. Rosenberg, Seite 120 und Tafel 1.
  6. in Kaltenleutgeben (Personalnachricht.) Badener Zeitung, 22. Oktober 1898, S. 4, links Mitte [2]
  7. Markgemeinde Kaltenleutgeben: Kaltenleutgeben von damals bis heute

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaltenleutgeben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien