Kaschubei

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Die Kaschubei als Raum der kaschubischen Dialekte (nach Bernard Sychta)
Die Kaschubei (nach Jan Mordawski)
Landkarte von 1910 mit deutschen Ortsnamen: Ostseeküste von Kolberg (linker Bildrand) bis Danzig (nahe dem rechten Bildrand). Die Kaschubei entspricht der Region Pommerellen (Schriftzug rechts der Bildmitte).
Die Seen Klodno (links), Biale und Rekowo (rechts)
Zweisprachiges Ortsschild Polnisch/Kaschubisch

Die Kaschubei (auch Kaschubien, kaschubisch Kaszëbë oder Kaszëbskô, polnisch Kaszuby) ist ein Landstrich in der historischen Region Pommerellen in Polen, westlich und südwestlich der Städte Danzig und Gdynia, in der Kaschubisch gesprochen wird.

Geografie[Bearbeiten]

Die Kaschubei bildet den östlichsten Teil der pommerschen Seenplatte auf dem baltischen Landrücken. Etwa 40 km südwestlich von Danzig erreicht dieser mit 331 m seinen höchsten Punkt im Turmberg. Er ist der Mittelpunkt der kaschubischen Schweiz, des schönsten und bekanntesten Teils der Kaschubei. Die Kaschubei ist ein hoch gelegenes Hügelland auf eiszeitlichen Grund- und Endmoränen. Nach Westen fehlt eine scharfe Grenze, sowohl geologisch als auch ethnographisch, im Norden grenzt sie an die Ostsee, im Osten an die Danziger Niederung, und im Süden bilden die sandigen Flächen der Tucheler Heide ihren Abschluss.

Der größte Teil der in der Kaschubei entspringenden Flüsse gehört zum Stromgebiet der Weichsel. Zu ihr strömen die Brda (Brahe) mit ihren Zuflüssen, das Schwarzwasser, das den großen Weitsee entwässert, ferner die Ferse mit der Fietze und schließlich der Hauptfluss der Kaschubei, die Radunia (Radaune), die die Gewässer zahlreicher Seen erst der Mottlau und dann der Weichsel zuführt.

In der Kaschubei gibt es mehrere hundert Seen, sie sind meist schmal und langgestreckt.

Kaschuben[Bearbeiten]

Benannt wurde die Kaschubei nach der Volksgruppe der Kaschuben, die hier lebt. In seiner Arbeit Geografia współczesnych Kaszub [Geographie der heutigen Kaschubei] (Gdańsk 1999) hat der Danziger Wissenschaftler Jan Modrawski ethnologische Kriterien erstellt, nach denen Gebiete des heutigen Polens als Kaschubei angesehen werden dürfen. Die Bedingung, dass mindestens ein Drittel der Bewohner Kaschuben sind, erfüllen 43 Gemeinden in der Wojewodschaft Pommern. Die Gemeinden (Gmina) befinden sich in den folgenden Kreisen/Powiats (in Klammern die deutschen bzw. kaschubischen Namen):

Traditionelle kaschubische Kleidung
  • Powiat Pucki (Kreis Putzig, kaschubisch Pùcczi kréz):
    • Stadt Hel (Hela, kaschubisch Hél)
    • Gmina Jastarnia (Heisternest, kaschubisch Jastarniô)
    • Stadt und Gmina Puck (Putzig, kaschubisch Pùck)
    • Gmina Władysławowo (Großendorf, kaschubisch Wiôlgô Wies)
    • Gmina Kosakowo (Kossakau, kaschubischKòsôkòwò)
    • Gmina Krokowa (Krockow, kaschubisch Krokòwa)
  • Powiat Wejherowski (Kreis Neustadt, kaschubisch Wejrowsczi kréz):
    • Stadt Reda (Rheda, kaschubisch Réda)
    • Stadt Rumia (Rahmel, kaschubisch Rëmiô)
    • Stadt und Gmina Wejherowo (Neustadt in Westpreußen, kaschubisch Wejrowò)
    • Teil der Gmina Choczewo (Chottschow, 1938-1945 Gotendorf, kaschubisch Chòczewò)
    • Gmina Gniewino (Gnewin, kaschubisch Gniewino)
    • Gmina Linia (Linde, kaschubisch Lëniô)
    • Gmina Luzino (Lusin, kaschubisch Lëzëno)
    • Gmina Łęczyce (Lanz, Kreis Lauenburg/Pommern, kaschubisch Łãczëce)
    • Gmina Szemud (Schönwalde, kaschubisch Szëmôłd)
  • Powiat Lęborski (Kreis Lauenburg i. Pom., kaschubisch Lãbòrsczi kréz):
    • Teil der Gmina Cewice (Zewitz, kaschubisch Céwice)
  • Powiat Bytowski (Kreis Bütow, kaschubisch Bëtowsczi kréz):
    • Stadt und Gmina Bytów (Bütow, kaschubisch Bëtowò)
    • Gmina Czarna Dąbrówka (Schwarz Damerkow, kaschubisch Czôrnô Dãbrówka)
    • Gmina Lipnica (Liepnitz, kaschubisch Lëpnica,)
    • Gmina Parchowo (Parchau, kaschubisch Parchòwò)
    • Gmina Tuchomie (Groß Tuchen, kaschubisch Tëchòmié)
  • Powiat Kartuski (Kreis Karthaus, kaschubisch Kartësczi kréz):
    • Stadt und Gmina Kartuzy (Karthaus, kaschubisch Kartuzë)
    • Stadt und Gmina Żukowo (Zuckau, kaschubisch Żukòwò)
    • Gmina Chmielno (Chmelno, kaschubisch Chmielno)
    • Gmina Przodkowo (Seefeld, kaschubisch Przedkòwò)
    • Gmina Sulęczyno (Sullenschin, kaschubisch Sëlëczëno)
    • Gmina Sierakowice (Sierakowitz, kaschubisch Sërakòjce)
    • Gmina Somonino (Semlin, kaschubisch Somònino)
    • Gmina Stężyca (Stendsitz, kaschubisch Stãżëca)
  • Powiat Kościerski (Kreis Berent, kaschubisch Kòscérsczi kréz):
    • Stadt und Gmina Kościerzyna (Berent, kaschubisch Kòscérzëna)
    • Gmina Dziemiany (Dzimianen, kaschubisch Dzemiónë)
    • Teil der Gmina Karsin (Karschin, kaschubisch Kôrsëno)
    • Gmina Lipusz (Lippusch, kaschubisch Lëpùsz)
    • Teil der Gmina Nowa Karczma (Neukrug, kaschubisch Nowô Karczma)
  • Powiat Chojnicki (Kreis Konitz, kaschubisch Chònicczi kréz):
    • Stadt und Gmina Brusy (Bruß, kaschubisch Brusë)
    • Nördlicher Teil der Gmina Chojnice (Konitz, kaschubisch Chojnice)
    • Gmina Konarzyny (Groß Konarczyn, kaschubisch Kònarzënë)
  • Städte:
    • Danzig (Gdańsk, kaschubisch Gduńsk) (mit Ausnahme des östlichen Teils)
    • Gdynia (Gdingen, kaschubisch Gdiniô)
    • Sopot (Zoppot, kaschubisch Sopòt), in denen ungefähr 70.000 Kaschuben wohnen.

Innerhalb so bemessener Grenzen beträgt das Gebiet der Kaschubei annähernd 6.200 km².

Aufnahme in die Weltliteratur fand die Kaschubei in Günter Grass' Werk „Die Blechtrommel“. Der Schriftsteller Werner Bergengruen hat das Kaschubenland in seinem Gedicht Kaschubisches Weihnachtslied verewigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • J. Bòrzëszkòwsczi, J. Mòrdawsczi, J. Tréder: Historia, geògrafia, jãzëk i pismienizna Kaszëbów. Wëdowizna M. Rôżok przë wespółrobòce z Institutã Kaszëbsczim, Gdańsk/Gduńsk 1999.
  • M. Borzyszkowska-Szewczyk, C. Pletzing: Śladami żydowskimi po Kaszubach. Przewodnik/Jüdische Spuren in der Kaschubei. Ein Reisehandbuch, Lübeck/Gdańsk/München/Warszawa 2010.
  • Friedrich Lorentz: Geschichte der Kaschuben. Berlin 1926.
  • Aleksander Majkowski: Historia Kaszubów, Gdańsk 1991, ISBN 83-85011-37-4.
  • Jan Mòrdawsczi : Geografia Kaszub/Geògrafia Kaszëb. dolmaczënk: Ida Czajinô, Róman Drzéżdżón, Marian Jelińsczi, Karól Rhode, Gdańsk Wydawn. Zrzeszenia Kaszubsko-Pomorskiego, Gduńsk 2008, ISBN 978-83-87258-13-9.
  • R. Ostrowska, I. Trojanowska: Bedeker kaszubski. Gdańsk 1978.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kaschubei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien