Die Blechtrommel

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Dieser Artikel behandelt den Roman Die Blechtrommel. Zu dem gleichnamigen Film siehe Die Blechtrommel (Film).

Die Blechtrommel ist ein Roman von Günter Grass. Er erschien 1959 als Teil der Danziger Trilogie und gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur.

Günter Grass: Die Blechtrommel

Der Erzähler[Bearbeiten]

Der Ich-Erzähler der Blechtrommel ist der Sonderling Oskar Matzerath. Er kommt 1924 in Danzig zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt ist sein Verstand bereits vollständig entwickelt. Da er seit seinem dritten Geburtstag nicht mehr wächst, kann er somit als scheinbar ewiges Kind aus der Perspektive von unten über die Welt der Erwachsenen berichten. Dank seiner Blechtrommel kann er sich auch Ereignisse, an denen er nicht unmittelbar beteiligt war, vergegenwärtigen und so etwa auch darüber berichten, wie seine Mutter auf einem kaschubischen Kartoffelacker gezeugt wurde. (Ein ähnliches Motiv von einer berichtenden Trommel findet sich bereits in Heinrich Heines „Ideen. Das Buch le Grand.“) Damit wird Oskar zeitweise zu einer Art auktorialem Erzähler, der sich auch häufig in der dritten Person als „Oskar“ anspricht.

Oskar sagt von sich selbst, er habe zu jenen „hellhörigen Säuglingen gehört“, deren „geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur bestätigen muss“. Er verweigert sich der Welt der Erwachsenen und beschließt im Alter von drei Jahren, nicht mehr zu wachsen. Gleichwohl fühlt er sich, da „innerlich und äußerlich vollkommen fertig“, den Erwachsenen weit überlegen. An seinem dritten Geburtstag bekommt er von seiner Mutter eine Blechtrommel geschenkt, die zu seinem ständigen Begleiter wird.

Der Wahrheitsgehalt von Oskars Geschichten erscheint oft zweifelhaft. Zunächst ist er zum Zeitpunkt, an dem sein Bericht 1952 beginnt, Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt und als solcher möglicherweise verrückt und demnach nicht sehr vertrauenswürdig. Außerdem bleibt unsicher, ob er nicht mehr wächst, weil er die Kellertreppe hinabfiel, oder ob er aus eigenem Entschluss das Wachstum einstellte und den Kellersturz nur fingierte, um Fragen zu vermeiden. Auch seine Selbstvorwürfe, er sei schuld am Tod seiner Eltern und an dem seines Onkels Jan Bronski, werden durch den Verlauf der Handlung kaum erhärtet. Damit steht aber die Glaubwürdigkeit aller seiner Erzählungen in Frage.

Handlung[Bearbeiten]

Oskar Matzerath befindet sich 1954 in einer Heil- und Pflegeanstalt, in der er seine Lebensgeschichte zu Papier bringt und dabei auch von aktuellen Geschehnissen berichtet, so beschreibt er die Gespräche mit seinem Pfleger Bruno und die Besuchstage, an denen ihn Freunde und Verwandte besuchen. Die eigentliche Handlung besteht aus oft nur locker zusammengefügten Episoden.

Erstes Buch[Bearbeiten]

Die Geschichte beginnt mit der Zeugung von Oskars Mutter Agnes. Anna, Agnes’ Mutter und damit Oskars Großmutter, erntet Kartoffeln und beobachtet, wie Joseph Koljaicek, ein Brandstifter, vor der Polizei flüchtet. Auf der Suche nach einem Versteck rettet sich der etwas kurz geratene Joseph unter Annas Röcke. Anna gewährt ihm ohne geringsten Widerwillen Schutz. Nachdem dann die Polizisten verschwunden sind, kriecht Joseph unter den Röcken hervor, wobei angedeutet wird, dass Joseph mit Anna unter den Röcken Sex hatte, woraus wohl Agnes hervorgeht, Oskars Mutter.

Joseph nimmt die Identität eines Ertrunkenen an, heiratet Anna und beginnt eine ehrliche Arbeit als Flößer. Dabei trifft Joseph auf jemanden, den er aus seiner Vergangenheit als Brandstifter kennt. Während eines Festes gerät er in Panik und taucht unter schwimmende Baumstämme. Er taucht nie wieder auf. Möglicherweise ist er ertrunken, Oskar erwähnt aber auch Spekulationen, dass er nach Amerika ausgewandert und dort reich geworden sei.

Agnes wächst heran und vermählt sich mit Alfred Matzerath, einem Hobbykoch und Soldaten. Zusammen eröffnen sie einen kleinen Lebensmittelladen. Hier beginnt die eigentliche Geschichte mit der Geburt Oskars. Dabei erblickt er als erstes einen Falter, der um eine brennende Glühbirne schwirrt. Er beschreibt dies im Nachhinein als ein Trommeln auf der Glühbirne. Agnes verspricht ihm zum dritten Geburtstag eine Blechtrommel, auf welche Oskar mit Sehnsucht wartet. Sie hält ihr Versprechen und Oskar erhält eine kleine rot und weiß gestrichene Trommel.

Zu dieser Zeit machen sich aber seine Eltern Sorgen um sein Wachstum. Oskar scheint eine Wachstumsstörung aufzuweisen. Um seinen Eltern eine Erklärung zu liefern, steigt Oskar, der beschlossen hat, ewig ein Dreijähriger zu sein, in den Vorratskeller des Lebensmittelladens hinab und fällt beim Versuch, eine Flasche Himbeersirup aus dem Regal zu nehmen, auf den Kopf.

Jetzt, da er seinen Eltern einen scheinbaren Grund gegeben hat, kann er sich wieder ungestört seiner Trommel widmen. Matzerath und Agnes befürchten, dass Oskar sich an der nun schon ziemlich ramponierten Trommel verletzt, und versuchen, sie ihm zu entreißen. Oskar leistet erbitterten Widerstand, wobei er seine Gabe entdeckt, Glas zu zerschreien. Die Glasscheibe der Standuhr geht zu Bruch. Entsetzt und erschrocken besorgt Jan Bronski, ein alter Bekannter der Familie, Oskar umgehend eine neue Trommel. Oskars Abnormität macht sich immer mehr bemerkbar, weswegen Agnes mit ihm einen Arzt aufsucht. In dessen Praxis zerschreit Oskar sämtliche Glasobjekte im Zimmer. Seltsamerweise reagiert der Arzt aber nicht erbost, sondern fasziniert. Er wittert eine Möglichkeit, sich einen Lehrstuhl zu sichern. Er wendet sich an die Presse und versucht, sich auf Oskars Kosten einen Namen zu machen.

Oskars Wachstumsstörung aber bleibt unbehandelt. Seine Eltern schicken ihn auf eine polnische Schule, aber schon am ersten Schultag zerschreit er alle Scheiben im Zimmer sowie die Brillengläser seiner Lehrerin, weil sie versuchte, ihm seine Trommel abzunehmen. Seine Eltern geben es schließlich auf, eine geeignete Schule zu finden.

Schnell wird Oskar klar, dass er ohne Schulbildung ins Hintertreffen gerät. So macht er sich auf, jemanden zu finden, der ihn unterrichten will. Bei seiner Suche gerät er an die Bäckersfrau, Gretchen Scheffer. Sie und ihr Mann sind kinderlos, weswegen sie gerne mit Oskar Zeit verbringt. Ebenso hegt sie eine Vorliebe fürs Stricken. Bei seinen Besuchen gelingt es Oskar geschickt, Gretchen dazu zu bringen, ihm aus dem Buch „Rasputin und die Frauen“ vorzulesen. Später kommt ein Buch über Johann Wolfgang von Goethe dazu. Oftmals reißt er einige vorgelesene Seiten aus beiden Büchern, um sie später alleine studieren zu können. So lernt Oskar lesen und schreiben, was er aber niemandem offenbart.

Jeden Donnerstag setzt Agnes den kleinen Oskar beim Spielwarenverkäufer ab, um ungestört einige Stunden mit Jan Bronski in einem Zimmer zu verbringen. Oskar bleibt dies nicht unbemerkt, aber er hegt sowieso den Verdacht, dass er in Wahrheit von Jan Bronski und nicht von Herrn Matzerath gezeugt wurde. Er hält sich deshalb heraus und genießt stattdessen die Zeit, in der er unbeaufsichtigt ist. Dabei steigt er auf einen Stockturm, von wo aus er die Scheiben des Stadttheaters zersingt. Agnes schöpft Verdacht, dass diese Tat Oskar zuzuschreiben ist, schweigt aber.

Agnes entwickelt eine Vorliebe für Theaterstücke, Opern, aber auch für den Zirkus. Dort trifft Oskar auf Bebra, einen Kleinwüchsigen wie er, welcher im Zirkus angestellt ist. Bebra erkennt eine große Macht in Oskar und gibt ihm den Rat, niemals vor der Tribüne zu stehen, sondern stets darauf oder darunter. Zum Abschied küsst Bebra ihn auf die Stirn. Einige Zeit darauf, schleicht sich Oskar unter die Bühne eines NSDAP-Treffens und bringt mit seiner Trommel alle Musiker auf der Bühne dazu, nach seinem Takt zu spielen.

Oskar beginnt nun, seine Fähigkeiten gezielt einzusetzen. Er benutzt seine Stimme dazu, aus einfachen ehrlichen Bürgern Diebe zu machen, indem er gerade dann Löcher in Schaufenster singt, wenn Passanten davor stehen. In seiner Boshaftigkeit macht er sogar Jan Bronski zu einem Dieb, welcher dazu verführt wird, ein Collier für Agnes zu stehlen.

Oskar wird getauft, doch weicht das Böse in ihm, welches er als Teufel definiert, nicht. Trotzdem bekehrt er sich zum Katholizismus und findet großen Gefallen an der prunkvollen Ausstattung der Kirche. Am meisten fasziniert ihn eine Gipsdarstellung von Jesus. Es zeigt Maria, wie sie Jesus in den Armen hält. Oskar ist so verblüfft von der Ähnlichkeit zwischen ihm und der Figur, dass er ihr seine Trommel umhängt. Er möchte Jesus trommeln hören, doch geschieht nichts. Er wird wütend und versucht ergebnislos, die Scheiben der Kirche zu zersingen. Weinend bricht Oskar zusammen.

An einem Karfreitag machen Jan, Herr Matzerath, seine Frau Agnes und Oskar einen Ausflug auf eine Mole. Sie begegnen einem Aalfänger, welcher mittels eines Pferdekopfs Aale anlockt. Die Aale schlängeln sich im toten Kopf des Pferdes, was für Agnes zu viel ist. Sie übergibt sich, woraufhin Jan sie vom Schauplatz wegführt. Matzerath ist dagegen von der Arbeit des Aalfängers fasziniert und ersteht zwei Aale von ihm. Er will sie zum Abendessen zubereiten, wodurch er einen heftigen Streit mit Agnes auslöst. Wieder tritt Jan zur Stelle und tröstet Agnes, indem er sie mit seinen Fingern zwischen ihren Beinen sexuell befriedigt. Oskar sitzt unbemerkt die ganze Zeit im Schrank und beobachtet das Geschehen. Währenddessen bereitet Matzerath die beiden Aale zu. Als alle wieder zu Tisch sitzen, kommt es zwischen den Zerstrittenen zu einer scheinbaren Versöhnung. Agnes beginnt plötzlich, unaufhörlich Fisch zu essen. Sie stirbt letztendlich an einer Fischvergiftung. Später findet man heraus, dass sie schwanger war, möglicherweise von Jan.

Bald trifft Oskar wieder auf Bebra, der in Begleitung einer anderen Kleinwüchsigen namens Roswitha ist. Alle drei gehen zusammen in ein Café, wo Bebra versucht, Oskar für ein Leben im Zirkus zu gewinnen. Er aber lehnt dankend ab und fertigt zum Abschied aus einem Glasboden ein Herz mit der Inschrift „Oskar für Roswitha“.

Später trifft Oskar auf Herbert, welcher in einem Gasthaus arbeitet. Eines Tages tötete Herbert aus Notwehr einen Gasthausbesucher und gab daraufhin seine Arbeit auf. Sein Rücken hat viele Narben von den Schlägereien davongetragen. Da Oskar sehr wissbegierig ist, bringt er Herbert dazu, ihm von den Geschichten hinter den Narben zu erzählen. Herbert und Oskar freunden sich an. Sie begehen sogar mit Hilfe von Oskars Fähigkeiten einige Diebstähle, doch sucht sich Herbert alsbald wieder eine ordentliche Arbeit.

Er wird Aufpasser im Schiffsmuseum, wo er ein Zimmer bewacht, in welchem die grüne Galionsfigur Niobe steht. Sie soll verflucht sein und den Tod bringen. Dennoch spielen Oskar und Herbert mit ihr. Da man Oskar aber nicht in der Nähe der Galionsfigur haben will, verrichtet Herbert seine Arbeit bald alleine. Eines Tages wird er dann beim Versuch, die Figur zu besteigen, durch ein Beil, welches er zunächst in die Figur treibt, getötet.

Bestürzt vom Tod Herberts betrinkt sich Meyn, ein Trompeter und alter Freund Herberts. Er tötet seine vier Katzen und steckt sie draußen in den Mülleimer. Seine Katzen sind aber noch nicht tot. Sie bewegen sich noch, was ein Uhrmacher, der im selben Haus wohnt, sieht. Der Uhrmacher klagt Meyn an, woraufhin er von der SA verstoßen wird.

Am Tag der Novemberpogrome entschwindet Oskar, um nach dem Spielzeugladen zu sehen, von dem er immer neue Blechtrommeln bezog. Dort angekommen sieht Oskar, wie SA-Truppen gerade dabei sind, den Laden zu verwüsten. Der jüdische Besitzer des Ladens hat sich selbst getötet.

Zweites Buch[Bearbeiten]

Oskars Trommelvorrat neigt sich dem Ende zu. In seiner Not wendet er sich an Jan Bronski. Er bittet ihn, seine Trommel in der Post von einem Kollegen reparieren zu lassen, der dies früher schon einmal angeboten hatte. Die Post wird bereits von den Nationalsozialisten belagert, die Belegschaft rüstet sich zum Kampf. Auch Jan wird in das Geschehen hineingezogen.

Oskar sieht sich im Gebäude um. Als er dann an einer Wanduhr abliest, dass es Schlafenszeit für ihn ist, legt er sich in einen Wäschekorb voller Briefe. Durch fallende Schüsse geweckt, wacht er wieder auf. Aus Angst um seine Trommel versteckt er sie unter den Briefen im Wäschekorb. Rasch findet er Jan Bronski in einem Kinderzimmer der Post. Jan und Kobyella, der Angestellte, der seine Trommel reparieren könnte, schießen aus den Fenstern. Jan hat panische Angst und versucht sich sogar selbst zu verwunden, um der Situation zu entfliehen.

Oskar macht ihm aber Mut, schafft es aber nicht, Jans Aufmerksamkeit auf eine neue Trommel zu richten, die er auf dem Regal sieht – sie befinden sich offenbar in einem Kinderzimmer. Oskar kommt wegen seiner Größe nicht heran und erhofft sich Hilfe von Jan.

Eine Granate detoniert, Kobyella wird verletzt und die Trommel fällt vom Regal. Entzückt bemächtigt sich Oskar sofort der neuen Trommel. Jan schleppt Kobyella in den Lagerraum, welcher zur Aufnahmestation für Verwundete umfunktioniert wurde. Oskar folgt ihnen. Im Lagerraum vertreiben sich Oskar, Jan und Kobyella die Zeit mit Kartenspielen.

Dabei offenbart Oskar Jan ganz offensichtlich, dass er sprechen kann, sogar Skat beherrscht. Jan beginnt während des Spielens zu halluzinieren. Kobyella stirbt an seinen Verletzungen, woraufhin Jan beginnt, ein Kartenhaus zu bauen. Die Deutschen fallen in den Lagerraum ein. Um nicht zu sterben, hintergeht Oskar Jan und spielt den Deutschen ein weinendes entführtes Kind vor. Jan wird weggeschafft und ermordet. Oskar kommt ins Krankenhaus. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus trifft er auf Schugger Leo, welcher auf dem Friedhof arbeitet, wo auch Oskars Mutter begraben wurde. Er lockt Oskar mittels einer leeren Patronenhülse bis nach Saspe, wo Oskar noch viele andere Patronenhülsen findet, aber auch eine Skatkarte. Ihm wird sofort klar, dass man Jan Bronski hierher geschafft hat, um ihn zu erschießen und zu verscharren.

Mit diesem Wissen, der Hülse und der Skatkarte macht er sich auf den Weg zu Anna Bronski, seiner Großmutter. Schnell überreicht er ihr die beiden Gegenstände und flüstert ihr dabei ins Ohr, dass „er“ auf Saspe liegt. Danach rennt er weg.

Oskar verbringt seine Zeit bei Herberts Mutter und ihrer Tochter Maria. Sie ist wenig älter als Oskar und arbeitet für Herrn Matzerath im Laden. Auch ist sie Oskars erste Liebe. Herr Matzerath bringt Maria dazu, sich um Oskar zu kümmern, da er selbst wenig Zeit hat. Sie wird zu einer Art Ersatzmutter. Bei einem Besuch am Strand riecht Oskar den Duft von Vanille, woraufhin er Maria zwischen die Beine geht. Ihm ist aber unklar, was er eigentlich will. Verwirrt von seiner ersten Erektion beginnt er zu weinen.

Die beiden gehen noch öfters an den Strand, wobei eines Tages eine Tüte mit Brausepulver aus der Tasche fällt. Maria schüttet ein wenig vom Pulver in ihre hohle Hand, dann bittet sie Oskar, ihr aufs Pulver zu spucken: Es beginnt in ihrer Hand zu sprudeln. Sie leckt es ab. Eines Abends übergibt Matzerath Oskar Marias Obhut. Oskar schläft diese Nacht bei Maria im Bett. Sie finden eine Tüte mit Brausepulver im Bett. Sie wiederholen das Spiel vom Strand, doch dann leert Oskar einen Teil in ihren Bauchnabel und spuckt drauf. Das Zischen und Sprudeln des Pulvers im Bauchnabel bringt sie in Erregung. Es kommt zum Geschlechtsverkehr.

Als er Maria und Matzerath eines Tages auf dem Sofa beim Geschlechtsakt erwischt, springt Oskar erbost auf Matzerath. Daraufhin verschwindet Matzerath allein aus der Tür. Als Maria sich dann an den Tisch setzt, versucht Oskar sich ihr sexuell zu nähern. Es misslingt, und sie geraten in einen heftigen Streit, bis beide weinen. Erst jetzt wird ihm klar, dass er Maria an Matzerath verloren hat.

Seiner Ohnmacht bewusst verbringt er nun seine Zeit bei Frau Greff, der Frau des Gemüsehändlers, im Bett. Dabei studiert Oskar die weibliche Anatomie. Herrn Greff stört das wenig, er stellt lediglich eine Schüssel Wasser mit einer Seife hin, da Frau Greff einen starken Eigengeruch aufweist.

Zum Schreck aller erhängt sich Herr Greff im Keller und wiegt gleichzeitig sein Gewicht in Kartoffeln. Greff hat ständig Probleme wegen seiner modifizierten Waagen im Laden; als dann noch eine Vorladung wegen seiner unkonformen Beziehung zu Kindern – insbesondere Jungen – folgt, bringt er sich um.

Maria bringt ein Kind auf die Welt, wobei Oskar felsenfest davon überzeugt ist, dass es sein Sohn ist. Er verspricht ihm eine Trommel zu seinem dritten Geburtstag wie einst Agnes ihm. Doch statt „seinen“ Sohn bei seinem Werdegang zu begleiten, trifft er ein zweites Mal auf Bebra, welcher Oskar dazu überreden kann, beim Fronttheater einzusteigen. Es führt Oskar durch viele Städte, und auch Roswitha, ebenfalls Liliputanerin, ist dabei. Die beiden verbringen viel intime Zeit miteinander. Zuletzt treten sie an der Küste Frankreichs in Trowille auf. Sie besichtigen die Betonbauten in Begleitung eines Soldaten namens Lankes. Als vier Nonnen gesichtet werden, welche über den Strand spazieren, wird der Soldat von einem Ranghöheren dazu aufgefordert, sie zu töten. Nach kurzem Einwand erschießt er sie. Am Abend treten Oskar und die andern vom Fronttheater für die Soldaten auf.

Es kommt zum Angriff der Alliierten, Roswitha stirbt. Innerlich erschüttert durch den Verlust seiner Geliebten macht sich Oskar auf den Heimweg. Glücklicherweise schafft er es noch zu seinem Sohn Kurt, bevor er drei Jahre alt wird. Feierlich und stolz überreicht Oskar Kurt eine Trommel, doch der findet wenig Gefallen daran und verprügelt Oskar lieber.

Schnell lebt sich Oskar wieder bei Matzerath und Maria ein. Angaben zu seinem Verschwinden macht er jedoch keine. Selbst spricht er in ihrer Gegenwart immer noch nicht.

Der Alltag nimmt seinen gewohnten Lauf, bis Maria die Nachricht ereilt, dass noch einer ihrer Brüder verstorben ist. Betroffen vom Verlust sucht sie Halt im Protestantismus, doch er reicht ihr nicht und so sucht sie bald eine katholische Kirche mit Oskar auf. Dies eröffnet Oskar die Möglichkeit für ein Wiedersehen mit der Nachbildung Jesu als Baby. In einem unbeobachteten Moment hängt er ihr wieder seine Trommel um, doch dieses Mal, um sich über die Gipsfigur lustig zu machen. Er kullert sich vor Lachen auf dem Boden, plötzlich aber vernimmt er ein Trommeln. Die Figur trommelt. Als Jesus ihn fragt, ob er ihn liebt, gibt ihm Oskar ein klares „Nein“ zur Antwort. Außer sich vor Wut nimmt er Jesus seine Trommel ab und bricht ihr absichtlich einen ihrer Gipszehen ab. Seit dieser Offenbarung zieht es Oskar jede Nacht in die Kirche. Auf seinem Weg zersingt er alles, was aus Glas besteht. Er macht vor keinem Fenster halt, nicht einmal vor den Straßenlampen. Die Jesusfigur trommelt aber nicht mehr für Oskar.

Als er eines nachts wieder unterwegs ist, trifft er auf eine Diebesbande, welche sich „die Stäuber“ nennt. Diese Bande besteht ausschließlich aus Kindern und Jugendlichen. Nach einer Machtdemonstration seiner Stimme wird Oskar in die Gruppe aufgenommen. Innerhalb der Gruppierung nennt sich Oskar Jesus. Mit ihm an der Spitze der Stäuber wächst ihr Diebesimperium. Innere Spannungen aber rufen eine Spaltung hervor. Der eine Teil beginnt sich politisch zu engagieren, während der andere Teil mit Oskar zusammen pseudoreligiöse Anwandlungen entwickelt. So steigen sie eines nachts in die Kirche, um die Figuren zu entwenden, die Polizei kommt ihnen aber zuvor. Die gesamte Bande wird zu einer Strafe verurteilt, doch Oskar kann sich retten, indem er vor Gericht ein debiles Kind vorspielt, das von den Jugendlichen verführt wurde.

Der Zweite Weltkrieg erreicht Danzig. Oskar und seine Familie verstecken sich im Lagerkeller des Lebensmittelladens. Marias Mutter stirbt vorher und wird beerdigt.

Matzerath, der noch über ein Abzeichen der NSDAP verfügt, fürchtet sich. Als die Russen in ihren Keller einfallen, lässt er sein Abzeichen auf den Boden fallen. Während Greffs Frau von drei Russen vergewaltigt wird, schnappt Oskar sich das Abzeichen, um es Matzerath in einem ungünstigen Moment zurückzugeben, woraufhin dieser es in seiner Not verschluckt. Die Nadel des Abzeichens verhakt sich in seinem Hals, weshalb Matzerath zu ersticken droht. Einem der Russen ist das nicht geheuer, er erschießt Matzerath.

Ein Herr Fajngold übernimmt das gesamte Besitztum der Familie, ist aber so zuvorkommend und gewährt den Überlebenden bis auf Weiteres bei sich Unterkunft und Arbeit. Bei der Beerdigung Matzeraths spielt Oskar mit dem Gedanken, seine Trommel ins Grabloch zu werfen als Zeichen der Abkehr von seiner Trommelei und des Willens, wieder zu wachsen.

Während Oskar vor dem Loch die Entscheidung gefällt hat und die Trommel ins Grab schmeißt, wirft ihm Kurt einen Stein an den Kopf, wodurch Oskar ins Grab fällt. Mit diesem Vorfall beginnt ebenso sein Wachstum wieder einzusetzen. Seine Trommel lässt er im Grab zurück.

Es schmerzt Oskar in den Gelenken, da er wieder wächst. Herr Fajngold stellt sich dabei als hilfsbereiter Mensch heraus und pflegt Oskar nach seinem besten Wissen. Maria lehnt aber den plötzlichen Heiratsantrag von Herrn Fajngold ab. Sie will mit Oskar und Kurt ins Rheinland zu ihrer Schwester Guste reisen. Auf der Zugfahrt dahin werden sie mehrmals überfallen, erreichen ihr Ziel aber unbeschadet. Oskar wächst noch immer und wird wegen seiner Schmerzen in ein Krankenhaus gebracht. Maria findet eine Anstellung als Putzfrau. Oskar selbst gibt an, dass dies der Moment war, an dem er seine Fähigkeit verlor, Glas zu zersingen.

Drittes Buch[Bearbeiten]

Nach einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus wird Oskar endlich entlassen. Seine Körpergröße beträgt nun 121 cm (vorher 91 cm). Er bricht jetzt sein Schweigen und spricht ganz normal in der Öffentlichkeit.

Maria, Kurt und Oskar wohnen jetzt bei Marias Schwester Guste. Um sich über Wasser zu halten, betreiben Maria und Kurt regen Schwarzmarkthandel. Maria verkauft künstlichen Honig und Kurt Feuersteine. Per Zufall hat er eine Quelle entdeckt, deren Standort er aber niemandem verrät. Oskar hält sich aus diesen Dingen raus, er liest dafür sehr viel. Maria wird das aber eines Tages zu bunt, weshalb sie Oskar dazu auffordert, aktiv mit Hand anzulegen oder sonstwie Geld zu verdienen. Um sich den Vorwürfen zu entziehen, verkauft Oskar das Collier seiner Mutter Agnes, was die Anderen für den Anfang ruhigstellt. Ihm ist aber klar, dass dies nicht lange so bleiben wird, und so sucht er sich eine Arbeit. Er beginnt als Praktikant beim Steinmetz Korneff, wo er Schriftzeichen in Grabsteine meißelt.

Durch einen Auftrag gelangt Oskar an einen maßgeschneiderten Anzug, wodurch er sich beschwingt fühlt, eine seiner ehemaligen Krankenschwestern zu einem Rendezvous einzuladen. Obwohl sie – peinlich berührt durch die Blicke der Anderen auf das seltsame Paar – während des Rendezvous verschwindet, hat Oskar seinen Spaß.

Während seiner Arbeit bringt ihn der plötzliche Anblick einer toten Frau ins Grübeln. Sie trägt einen Ring am Finger, welcher Oskar dazu bewegt Maria einen Antrag zu machen. Sie lehnt jedoch ab. Niedergeschlagen von dieser Antwort gibt Oskar seinen Beruf auf. Er setzt sich vor das Arbeitsamt auf eine Bank. Dort wird er von Kunststudenten entdeckt, die ihn bitten, als Aktmodell zu posieren. Er willigt ein und schon bald steht er für einen ausgehandelten Stundenlohn Modell. Später trifft er auf einem Karneval wieder auf Lankes, den ehemaligen Soldaten. Er ist jetzt Kunststudent und überredet Oskar, zusammen mit seiner Muse Ulla für ein Porträt Modell zu stehen.

So entsteht das Bild „Madonna 49“, welches Oskar mit einer Trommel in den Händen in Ullas Armen darstellt. Es ist das erste Mal, dass Oskar seit dem Tod von Herrn Matzerath wieder eine Trommel hält. Er behält sie, spielt aber vorerst nicht darauf.

Durch die Anstellung an der Universität hat Oskar genug verdient, um sich eine Mietwohnung zu leisten. Seine Wahl fällt auf ein Zimmer, welches an das Zimmer einer Krankenschwester grenzt. Er ist schon von Anfang an von der Frau fasziniert, die neben ihm wohnt, obwohl er nur ihren Namen (Dorothea) kennt und weiß, dass sie nicht immer hier übernachtet. Das spornt Oskar nur dazu an, mehr über sie in Erfahrung zu bringen, weswegen er sogar ihre Post öffnet. Über einen ihrer Briefe erfährt er von einem Dr. Werner, den Oskar für ihren Geliebten hält. Er will mehr wissen und versucht in ihr Zimmer zu gelangen. Er hofft Tag für Tag, dass sie einmal vergessen hat, ihr Zimmer abzuschließen. Dabei ist Oskar so beharrlich, dass er selbst nach Wochen nicht aufhört, es zu versuchen. Das Glück ist ihm letztendlich eines Morgens hold. Er entwendet einige Haare von Dorotheas Kamm und setzt sich dann in ihren Kleiderschrank, wo er masturbiert. In seiner Begierde vertieft stellt er sich vor, Teil ihres Lebens zu sein.

Als er Dorotheas Zimmer wieder verlässt, trifft er auf Herrn Münzer, auch genannt Klepp. Dieser befindet sich augenscheinlich gerade in einer Schaffenskrise und lebt äußerst heruntergekommen. Klepp ist Musiker und spielt verschiedene Blasinstrumente. Oskar und Klepp kommen ins Gespräch, wobei Oskar seine Trommel hervorholt. Sie beginnen zu musizieren, bis sie sich dazu entschließen, gemeinsam eine Band zu gründen. Klepp beginnt, wieder Ordnung in sein Leben zu bringen. Beide sind aber einer Meinung, dass sie noch einen Gitarristen brauchen, und so machen sie sich auf die Suche.

Als sich Klepp und Oskar gerade wieder auf den Weg machen wollen, werden sie vom Mietsherrn Zeidler, den Oskar ob seiner Frisur auch als „Igel“ bezeichnet, abgefangen. Er bittet sie, beim Verlegen eines Kokosläufers zu helfen. Da sie schlecht ablehnen können, lassen sie sich darauf ein, wobei ein Reststück des Teppichs in Oskars Besitz übergeht. Oskar benutzt ihn als Bettvorleger. Als er noch am selben Tag in der Nacht auf die Toilette muss, bindet er sich nackt den Vorleger um. Auf seinem Weg zur Toilette stößt er mit Dorothea zusammen. Schockiert über den plötzlichen Zusammenprall kommt Dorothea unter Oskar auf dem Boden zu liegen. Verwirrt fragt sie nach Oskars Namen, der gibt sich als Satan aus. Benommen und erregt durch den rauen Kokosteppich auf der Haut, bittet sie Oskar um Penetration.

Er bringt es aber mental nicht fertig und der Schwindel fliegt auf. Bestürzt flüchtet Dorothea aus dem Haus. Im Gegensatz dazu ist Oskar noch zu mitgenommen von der Situation, weswegen er nackt auf dem Boden liegen bleibt. Erst als Klepp mit einem neuen Gitarristen namens Scholle auftaucht, regt er sich. Alle drei gehen zusammen ans Ufer des Rheins, wo sie beginnen zu musizieren. Fortan nennen sie sich „The Rhine River Three“.

Nach einigen kleineren Auftritten ergattern sie eine feste Anstellung im „Zwiebelkeller“, einem Lokal, in dem Schneidbretter, Messer und Zwiebeln unter den Besuchern verteilt werden. Durch das Zerschneiden der Zwiebeln sollen die Besucher dazu gebracht werden, ihren persönlichen Problemen Ausdruck zu verleihen. Kurz gesagt, im ganzen Lokal wird geweint. Mit diesem Programm ist es dem Lokal bislang möglich gewesen, zwischenmenschliche Beziehungen zu festigen, Neue zu knüpfen und sogar Zerstrittene wieder zu versöhnen.

Der eigentliche Job der „Rhine River Three“ ist es dabei, die Situation unter den Besuchern nicht ausufern zu lassen. Eines Abends jedoch, nach einer zweiten Runde Zwiebeln, gerät die Situation außer Kontrolle. Es steht eine Orgie bevor. Klepp und Scholle können sich nicht retten vor Lachen beim Anblick, der sich ihnen bietet. Nur Oskar bleibt Herr der Lage und beginnt zu trommeln. Sein Rhythmus versetzt die Gäste zurück in ihre Kindheit, einige benässen sich sogar.

Tage später verunglückt der Besitzer des Zwiebelkellers mit seinem Wagen. Bei der Beerdigung trifft Oskar auf Dr. Dosch, den Besitzer einer Konzertagentur. Er war an jenem Abend ebenfalls im Zwiebelkeller und versucht, Oskar unter Vertrag zu nehmen. Oskar bittet um Bedenkzeit, nimmt aber gerne schon einmal einen Vorschuss an. Damit gedenkt er, mit Lankes’ Muse Ulla eine Reise zu unternehmen. Sie kann nicht, und deshalb besucht er mit Lankes selbst die Bunker von damals an der Küste Frankreichs. Beim Grillen zweier Fische begegnen ihnen wieder Nonnen, welche vor den Bunkern spazieren gehen. Lankes verführt eine davon. Als diese danach Suizid durch Ertrinken begeht, ist es Lankes vollkommen egal.

Zurück im Rheinland begibt sich Oskar in die Agentur, da ihm wohl bewusst ist, dass er nicht einfach so Geld kassieren kann, ohne dafür einen Finger zu rühren. Es erwartet ihn ein unverhofftes Wiedersehen mit Bebra. Unter Tränen unterschreibt Oskar den Vertrag.

Seine Trommelei bringt ihm schnell Ruhm und Reichtum ein. Mit dem Geld bringt er Maria dazu, von ihrem momentanen Geliebten abzulassen und eine Ladenkette zu eröffnen. Trotz seines Geldes aber fühlt sich Oskar oft alleine. Er leiht sich einen Hund, um mit ihm spazieren zu gehen. Auf einem dieser Spaziergänge kommt eines Tages der Hund mit einem Ringfinger angelaufen. Oskar mustert ihn und steckt ihn dann ein. Er wird jedoch von Vittlar, einem Dekorateur, von einem Baum aus beobachtet. Oskar freundet sich mit Vittlar an, wodurch Vittlar ihn bald überall hin begleitet. Den Finger legt Oskar in einem Weckglas ein, lässt aber vorher einige Abdrücke davon machen, unter anderem sogar einen aus Gold. Oskar erzählt Vittlar, dass er manchmal den Finger im Weckglas anbetet. Vittlar zeichnet eines dieser Gebete schriftlich auf.

Eines Abends kapern die beiden eine leere Straßenbahn. Auf ihrer Fahrt durch die Stadt steigen drei Herren zu. Zwei von denen sind ehemalige Soldaten, welche den Dritten töten wollen. Der Dritte ist ein ehemaliger Postbeamter aus Danzig, den Oskar sogar persönlich kennt. Oskar kann den Mordversuch verhindern, woraufhin Vittlar seinen Neid gegenüber Oskar zum Ausdruck bringt. Dieser jedoch fordert Vittlar dazu auf, ihn anzuzeigen. Mit dem Finger im Weckglas geht Vittlar zur Polizei. Oskar bleibt auf dem Boden liegen. Erst als ihm am Morgen darauf eine Kuh das Gesicht ableckt, flüchtet er. In Paris wird er geschnappt. Später wird er vom Gericht zum Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt verurteilt, wo er auch jetzt noch mit dreißig Jahren sitzt. In den Augen des Gerichts soll er der Mörder von Dorothea sein. Beweise dafür sollen der Finger und das von Vittlar niedergeschriebene Gebet Oskars sein. Spätere Untersuchungen stellen seine Schuld aber in Frage, weswegen er möglicherweise bald freikommt. Oskar fürchtet seine Entlassung.

Der Finger gehört tatsächlich Dorothea. Sie wurde durch Beate, eine andere Krankenschwester ermordet. Ihr Tatmotiv war Eifersucht, weil Dr. Werner nicht sie, sondern Dorothea liebte. Dorothea versuchte Beate zu beruhigen, da sie nichts von Dr. Werner wollte. Nachdem Dorothea verschwand (bzw. ermordet wurde) wurde Dr. Werner krank. Beate war klar, dass er ihr nur dann gehören würde, solange er krank ist. Sie pflegte ihn zu Tode.

Danzig[Bearbeiten]

Die Stadt Danzig spielt mit ihren teils polnischen, teils deutschen Einwohnern eine wichtige Rolle für den Roman. Oskar stammt mütterlicherseits aus einer kaschubischen Familie, von der gesagt wird, sie sei den Polen nicht polnisch und den Deutschen nicht deutsch genug. Oskar bekennt sich zwar immer wieder zu seinen polnischen Wurzeln – seine Trommel ist nicht zufällig rot-weiß gemustert –, geht aber nach 1945 doch in den Westen.

Immer wieder kommt Grass auf die Geschichte der Stadt Danzig und ihre wechselnden Herren zu sprechen, ausführlich etwa in einem Kapitel, das im Stadtmuseum spielt.

Düsseldorf[Bearbeiten]

Auch die Jahre 1947 bis 1953, in denen Grass in Düsseldorf in eine Steinmetzlehre ging, ein Kunststudium aufnahm, als Kneipenmusikant wirkte und das beginnende Wirtschaftswunder erlebte, verarbeitet er in der Blechtrommel. Szenen des Romans sind autobiografisch geprägt von etlichen realen Düsseldorfer Erlebnissen, etwa von Besuchen bei seiner Schwester, die in einem Düsseldorfer Spital als Hebamme tätig war und ihn dort „in jeder Hinsicht verköstigt“ haben soll. Mit den Figuren Maruhn und Kuchen karikiert er den Bildhauer Sepp Mages und den Maler Otto Pankok. Bei ihnen lernte er an der Kunstakademie Düsseldorf modellieren und zeichnen.[1]

Bearbeitungen für Theater, Film und Hörfunk[Bearbeiten]

Die Verfilmung der Literatur-Vorlage durch Volker Schlöndorff war ein weltweiter Erfolg. Erst 2010 erfuhr das Buch auch erstmals eine Fassung für die Theaterbühne. Die Inszenierung von Jan Bosse und Armin Petras für die Ruhrtriennale 2010 entwickelte bei aller Nacherzählung der Geschichte eine wirklich eigenständige Form. Das gilt besonders für die Idee, mit sieben Schauspielern die Hauptfiguren des Romans und sieben Oskar-Erzähl-Figuren auf die Bühne zu stellen. Damit wird der Grass’sche Held, der ständig mehrere Interpretationen seiner Geschichte liefert, nachvollziehbar abgebildet. Über eine von den Schauspielern offen als Mittel eingesetzte Mini-Kamera werden Fotos und Effekte auf eine große Leinwand im Hintergrund projiziert.[2][3]

Die Blechtrommel in der Literaturkritik[Bearbeiten]

Der Stil von Günter Grass unterscheidet sich von zeitgenössischer Nachkriegsliteratur hauptsächlich durch seine lebensnahe, von überbordender Fabulierlust gekennzeichnete Erzählweise von der sonst betont rationalen Reflexion der deutschen Vergangenheit. Er löste in der Kritik kontroverse Diskussionen aus. Während Walter Widmer in den Basler Nachrichten vom 18. Dezember 1959 das Werk „als Prototyp des neuen Romans“ neben Goethes Wilhelm Meister stellte, verweigerte Bremens Senat dem Autor den von einer unabhängigen Jury zugesprochenen Bremer Literaturpreis.

Hans Magnus Enzensberger prophezeite in seiner Besprechung im Süddeutschen Rundfunk vom 18. November 1959 „Schreie der Freude und der Empörung“. Mit Bezug auf die lebensnahe Schilderung der Lebenswirklichkeit des Kleinbürgertums während des Zweiten Weltkrieges in der Blechtrommel kommentierte er: „Der Skandal, der darin liegt, ist letzten Endes an keinen Stoff gebunden: er ist der Skandal der realistischen Erzählweise überhaupt.

Von Enzensberger stammen auch die vielzitierten Worte, Grass habe eine „Aura des Miefs“ gezeichnet. Diese Worte sind später Leitmotiv vieler Interpretationen geworden, die in der Blechtrommel ein Sittenbild des Einzelnen sehen, der im Nationalsozialismus seinen Teil dazu beiträgt, der NSDAP zu ihrer Macht zu verhelfen. So ist etwa Alfred Matzerath ein typischer Parteigänger, der im Mief seiner kleinbürgerlichen Welt nicht die Auswirkung des eigenen Handelns überblickt, aber individuelle Schuld auf sich lädt.

Weiter sieht Enzensberger in dem Werk einen Bildungsroman, der von „den besten Traditionen deutscher Erzählprosa“ zehrt.

Marcel Reich-Ranickis Kritik in der Zeit vom 1. Januar 1960 ist mit den Worten „Auf gut Glück getrommelt[4] überschrieben. Ranicki wirft dem Roman vor, dass „seine große stilistische Begabung […] dem Grass zum Verhängnis“ wird. Er sah damals in dem Roman eine Vielzahl vielversprechender Motive, die allerdings inkonsequent ausgeführt und nicht in das übergeordnete Gesamtgefüge einmontiert würden:

Nichts Menschliches und Allzumenschliches braucht der Schriftsteller zu umgehen. Aber er muß uns durch sein Werk überzeugen, daß die Berücksichtigung dieser Vorgänge notwendig oder zumindest nützlich war. Das vermag Grass nicht.

Reich-Ranicki widerrief die oben zitierte Kritik drei Jahre später im Westdeutschen Rundfunk. In dem Essay „Selbstkritik eines Kritikers“ – in dem er auch einige bemerkenswerte Gedanken zur Aufgabe des Kritikers allgemein äußert – nimmt er Teile seiner damaligen Meinung zurück und gibt an, dass er „heute die Akzente anders setzen“ und sich „insbesondere mit dem Neuartigen in der Prosa von Grass viel eingehender befassen“ würde.

Neben einer vielschichtigen Analyse der Grass’schen Erzählweise bemerkt er über die Intention des Buches:

Oskar protestiert physiologisch und psychisch gegen die Existenz schlechthin. Er beschuldigt den Menschen unserer Zeit, indem er sich zu einer Karikatur macht. Der totale Infantilismus ist sein Programm.

Eckhard Henscheid bezeichnete den Roman 1984 im Merkur als „Riesenschmonsus, bei dem vor lauter Barock und Allegorie und Realismus und Vergangenheitsbewältigung und Großmannssucht nichts, aber auch gar nichts stimmt“, das Buch sei „ein Synthetikprodukt des wäßrigsten Zeitgeistes, das zu allem Überfluß sich auch noch genialisch gibt“.

Heute gilt die Blechtrommel neben anderen großen Werken wie etwa Der Zauberberg als Jahrhundertwerk, das den Roman in eine neue Generation transportiert hat. Der Erfolg der Blechtrommel verhalf der bis dahin im Ausland wenig beachteten deutschen Nachkriegsliteratur auch über die Grenzen hinweg zu Aufmerksamkeit.

Die Blechtrommel wurde in die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher aufgenommen.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Rainer Diederichs: Strukturen des Schelmischen im modernen deutschen Roman. Eine Untersuchung an den Romanen von Thomas Mann Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull und Günter Grass Die Blechtrommel. 1971.
  • Georg Just: Darstellung und Appell in der Blechtrommel von Günter Grass. Darstellungsästhetik versus Wirkungsästhetik. 1972.
  • Robert LeRoy: Die Blechtrommel von Günter Grass. Eine Interpretation. 1973.
  • Gisbert Ter-Nedden: Das Problem des zeitkritischen Romans nach dem Historismus. Eine Untersuchung zum Roman Die Blechtrommel von Günter Grass. 1973.
  • Irmela Schneider: Kritische Rezeption. Die Blechtrommel als Modell. 1975.
  • Lore Ferguson: Die Blechtrommel von Günter Grass. Versuch einer Interpretation. 1976.
  • Elisabeth Pflanz: Sexualität und Sexualideologie des Ich-Erzählers in Günter Grass‘ Roman Die Blechtrommel. 1976.
  • Hanspeter Brode: Die Zeitgeschichte im erzählenden Werk von Günter Grass. Versuch einer Deutung der Blechtrommel und der Danziger Trilogie. 1977.
  • Silke Jendrowiak: Günter Grass und die Hybris des Kleinbürgers. Die Blechtrommel – Bruch mit der Tradition einer irrationalistischen Kunst- und Wirklichkeitsinterpretation. 1979.
  • Die Blechtrommel. Attraktion und Ärgernis. Ein Kapitel deutscher Literaturkritik. Hrsg. v. Franz Josef Görtz. 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zunge heraus. Titelbericht/Literaturkritik vom 4. September 1963 in DER SPIEGEL, Heft 36/1963, abgerufen im Portal spiegel.de am 12. Januar 2012
  2. Deutschlandfunk vom 10 September 2010: Rezension „Kein Scherbenhaufen“ Jan Bosse und Armin Petras bringen bei der Ruhrtriennale Günter Grassens Blechtrommel auf die Bühne
  3. Kritik und Kritikenrundschau zur Welturaufführung des Romans auf nachtkritik.de
  4. Auf gut Glück getrommelt. Kritik vom 1. Januar 1960 in Die Zeit, 01/1960, abgerufen im Portal zeit.de am 22. Oktober 2013