Klein-Neusiedl

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Klein-Neusiedl
Wappen von Klein-Neusiedl
Klein-Neusiedl (Österreich)
Klein-Neusiedl
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wien-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: WU
Fläche: 5,96 km²
Koordinaten: 48° 5′ N, 16° 36′ O48.09083333333316.604444444444159Koordinaten: 48° 5′ 27″ N, 16° 36′ 16″ O
Höhe: 159 m ü. A.
Einwohner: 800 (1. Jän. 2013)
Bevölkerungsdichte: 134 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2431
Vorwahl: 02230
Gemeindekennziffer: 3 24 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Fischamender Straße 2
2431 Klein-Neusiedl
Website: www.klein-neusiedl.gv.at
Politik
Bürgermeister: Leopold Winkler (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(15 Mitglieder)
13
2
13 
Von 15 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Klein-Neusiedl im Bezirk Wien-Umgebung
Ebergassing Fischamend Gablitz Gerasdorf Gramatneusiedl Himberg Klein-Neusiedl Klosterneuburg Lanzendorf Leopoldsdorf (Bezirk Wien-Umgebung) Maria-Lanzendorf Mauerbach Moosbrunn Pressbaum Purkersdorf Rauchenwarth Schwadorf Schwechat Tullnerbach Wolfsgraben Zwölfaxing Wien NiederösterreichLage der Gemeinde Klein-Neusiedl im Bezirk Wien-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Klein-Neusiedl ist eine Gemeinde mit 800 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) im Bezirk Wien-Umgebung in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Klein-Neusiedl liegt südlich von Fischamend im Industrieviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst 5,96 Quadratkilometer. 2,19 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Die Gemeinde Klein-Neusiedl umfasst die Katastralgemeinde Kleinneusiedl . Neben Klein-Neusiedl existieren im Gemeindegebiet keine weiteren Ortschaften.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle Geschichte Österreichs.

Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes Kleinneusiedl findet sich in einer 1203 verfassten Urkunde des Bischofs Wolfker von Passau für das Stift Heiligenkreuz. In ihr wird auf einen Gütertausch zwischen dem Bistum Passau und dem Herzog Leopold V. (Österreich) in Kleinneusiedl (damals Niusiddele) hingewiesen der sich Ende 1191 Anfang 1192 zugetragen haben soll.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich im Jahre 1938 wurde der Ort als Teil des neugeschaffenen 23. Bezirk Schwechat nach Groß-Wien eingegliedert. Die Gemeinde wurde 1954 durch die Abtrennung von Wien wieder selbständig.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 854 Einwohner. 1991 hatte die Gemeinde 864 Einwohner, 1981 915 und im Jahr 1971 1011 Einwohner.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde ist Leopold Winkler, Amtsleiter Friedrich Ladits.

Im Gemeinderat gibt es nach der Gemeinderatswahl vom 14. März 2010 bei insgesamt 15 Sitzen folgende Mandatsverteilung: SPÖ 13, ÖVP 2, andere Parteien haben keine Sitze.

Das Wappen Kleinneusiedls ziert ein roter Wolf, das Wappentier Passaus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Klein-Neusiedl
(ehem.) Papierfabrik Kleinneusiedl, Zugang zum Park (Englische Anlage) östlich des Fischa-Kanals (1981)

Am Standort eines 1683 durch die Türken zerstörten Schlosses in Kleinneusiedl wurde 1793[1] von dem aus Leonfelden in Oberösterreich stammenden Großhändler Ignaz Theodor Pachner Edler von Eggenstorf[2] die größte Papierfabrik im Wiener Becken gegründet. Die Errichtung der Fabrik beanspruchte drei Jahre und beschäftigte 350 Arbeiter; zum Antrieb der Papierholländer wurde von der Fischa ein Werkskanal abgezweigt. Im weitläufigen Betriebsareal wurden einige zeilenartige Wohnhäuser für die Arbeiter gebaut sowie ein Fabrikspark mit barocken Steinskulpturen angelegt.

Die Architektur des Produktionsgebäudes war wesentlich bestimmt vom Produktionsvorgang: drei Wasserräder betrieben die Papierholländer sowie ein Walzwerk zur Glättung des Papiers, die im untersten Geschoßtrakt aufgestellt waren; das gewaltige Mansarddach diente als weitläufiger Trockenraum für das handgeschöpfte Büttenpapier. Das Unternehmen lieferte Papier an die k.k. Notenbank, es war das Stammhaus der späteren Neusiedler AG für Papierfabrikation, die im 21. Jahrhundert zur Mondi Neusiedler GmbH (→ Mondi AG) wurde.

Nach dem Tod des Fabriksgründers am 14. März 1814 führten die Witwe, Anna Maria, sowie der Sohn des Verstorbenen, Anton, den Betrieb weiter. Am 2. April 1837 wurde die Fabrik mangels Investitionskapitals an den Großhändler Georg Borckenstein verkauft, der das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte (k.k. priv. Aktiengesellschaft der Papierfabrik Kleinneusiedl). Die Kleinneusiedler Fabrik war nunmehr die umfassendste Maschinenpapierfabrik in ganz Europa.[2]

Eine produktionstechnisch entscheidende Veränderung erfuhr die Fabrik unter der neuen Geschäftsführung, als 1837 zwei mit Dampf betriebene Papiermaschinen des Engländers Bryan Donkin angeschafft wurden und 1841 eine dritte dazukam. Diese Aggregate waren in der Lage, das mühsame Handschöpfen durch mechanisches Schöpfen zu ersetzen und „endlose Papierbahnen“ zu erzeugen. Das Technische Museum Wien zeigt noch eine dieser Dampfmaschinen. — Neben dem Einsatz der technischen Neuerungen blieb die Erzeugung handgeschöpften Papiers bis 1898 bestehen.[3]

In den folgenden Jahrzehnten wurden zunächst eine Reihe von Papierfabriken in der „feuchten Ebene“ (Wiener Becken südlich der Donau) erworben. Mit der Einführung von Zellulose und Holzschliff als Grundstoff der Papierherstellung wurde dann die Kleinneusiedler AG sukzessive zum Großkonzern umgebildet, der alle in Frage kommenden Produktionsstufen umfasste. Die Papiererzeugung wurde zu Beginn der 1930er-Jahre eingestellt, die Gebäude 1938 vom Unternehmen Polsterer erworben. Die Gebäude wurden nach 1945 für eine Baumwollspinnerei verwendet.

Heute kann man hinter dem Kirchenplatz Teile der spätbarocken Papierfabriksanlage besichtigen. Neben dem Werkskanal steht das dreigeschoßige Fabriksgebäude aus dem Jahre 1795 mit dem mächtigen Mansarddach; schräg vis á vis der verwilderte ehemalige Fabrikspark mit einigen Steinskulpturen (Säulen mit Vasenaufsätzen, obeliskartiger Pfeiler, verfallene Grotte) und im hinteren Geländeteil eine Zeile ebenerdiger Arbeiterwohnhäuser. An der Brücke über die Fischa befinden sich Steinskulpturen (Löwen und Sphingen).

Außerdem fand man in den Feldern zwischen Kleinneusiedl und Fischamend mehrere Langobardengräber.[4]

Klein-Neusiedl um das Jahr 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 39, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 8. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 394. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47,42 Prozent.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Matis: Die Manufaktur und frühe Fabrik im Viertel unter dem Wiener Wald. Eine Untersuchung der großbetrieblichen Anfänge vom Zeitalter des Merkantilismus bis 1848. Teil 3: Die Manufakturen und Fabriken nach den einzelnen Produktionszweigen. Wien, Univ., Diss., 1965.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matis: Manufaktur, 3. T., S. 404.
  2. a b Matis: Manufaktur, 3. T., S. 405.
  3. Matis: Manufaktur, 3. T., S. 406.
  4. Peter Aichinger-Rosenberger, Evelyn Benesch u. a.: Dehio-Handbuch Niederösterreich südlich der Donau, Teil 1 A bis L. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Verlag Berger, Horn, Wien 2003. Seiten 986–987. ISBN 3-85028-364-X.
  5. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klein-Neusiedl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien