Kolonialmacht
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Ein Land wird zur Kolonialmacht, wenn es über Kolonien herrscht, also auch Regionen außerhalb seiner Landesgrenzen regiert. Kolonialmacht kann daher nur ein Territorialstaat sein. Länder, in denen die Herrschaft über das Gefolgschaftssystem ausgeübt wird, haben dagegen keine Kolonien, sondern allenfalls Tributländer.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] In der Geschichte
[Bearbeiten] Antike
Bereits die Griechen und Phönizier gründeten zahlreiche Pflanzstädte am Mittelmeer und am Schwarzen Meer (Griechische Kolonisation). Als erste Kolonialmacht der Geschichte gilt das Imperium Romanum, das auch als klassisches Beispiel für ein Weltreich gilt.
[Bearbeiten] Mittelalter
Auch die mittelalterlichen Stadtrepubliken Genua und Venedig verfügten über ein ausgedehntes Handelsreich mit Stützpunkten im Mittelmeerraum und im Schwarzen Meer (Genueser Kolonien, Venezianische Kolonien). Norwegen besaß ein kolonialähnliches Reich auf den Britischen Inseln, Grönland, Island und den Färöer (Norwegische Besitzungen).
[Bearbeiten] Neuzeit
Mit dem Beginn der Neuzeit erlebte der Kolonialgedanke aufgrund der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus seinen eigentlichen Beginn. Es folgten weitere Entdeckungsfahrten spanischer und portugiesischer Seefahrer, die dazu beitrugen, dass die iberischen Länder große Teile des amerikanischen Kontinents eroberten und in ihren Herrschaftsbereich integrierten. Später gesellten sich England und die Niederlande dazu mit ihren Siedlungen in Nordamerika, Indien und Südostasien. Sogar Brandenburg-Preußen, Kurland und Schweden besaßen für kurze Zeit einige Niederlassungen in Übersee. Der Staatenbund Dänemark-Norwegen war ebenfalls eine Kolonialmacht, zu der neben den Besitzungen im Nordostatlantik auch die dänischen Kolonien in der Karibik, in Westafrika sowie in Ostindien zählten. Das Russische Reich versuchte seine Herrschaftsgebiet zu erweitern, indem es sich im Zuge des so genannten Binnenkolonialismus über Sibirien bis nach Alaska und Kalifornien ausdehnte.
Frankreichs Status als Kolonialmacht beruhte zunächst auf seinen Besitzungen in Kanada und Louisiana, später verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Kolonien in Westafrika und Indochina. Italien, Deutschland und Belgien, die erst spät ihre nationale Einheit erlangten, suchten im so genannten „Wettlauf um Afrika“ mit den anderen europäischen Mächten mitzuhalten und erwarben ebenfalls Kolonien in Afrika (Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Togo, Belgisch-Kongo) sowie in Ostasien und Ozeanien. Lediglich die kolonialen Ambitionen Italiens wurden deutlich gedämpft (Niederlage bei Adua 1896 in Äthiopien). Dennoch umfassten die italienischen Kolonien schließlich große Gebiete in Nord- und Ostafrika.
Auch die USA, selbst teilweise aus Kolonien hervorgegangen, wollten nun Kolonien erwerben, indem sie nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg versuchten, viele vormals spanische Kolonien zu übernehmen (Kuba, Puerto Rico, Philippinen, Guam). Die Kolonien waren für ihre Machtstellung und ihre Wirtschaftskraft aber zweitrangig. In Asien gelang es Japan mit der so genannten Großostasiatischen Wohlstandssphäre ein Kolonialreich aufzubauen, das weite Teile der heutigen VR China sowie Indochina und zahlreiche pazifische Inseln umfasste.
Nach den Weltkriegen, die den Prozess der Dekolonisation einleiteten, verlor der Kolonialgedanke an Bedeutung. Einige Staaten ließen von ihrem Status als Kolonialmacht erst nach massiven kriegerischen Auseinandersetzungen ab (so etwa Frankreich nach dem Indochina- und Algerienkrieg. Obwohl Frankreich (Französische Überseegebiete, zum Beispiel Französisch-Guayana, Réunion, Neukaledonien), Großbritannien (Britische Überseegebiete, zum Beispiel Falklandinseln), die Niederlande (Niederländische Antillen, Aruba) und die USA (Außengebiete der Vereinigten Staaten, zum Beispiel Guam, Puerto Rico) noch über Territorien außerhalb des Mutterlandes verfügen, spricht man heute nicht mehr von Kolonialmächten, weil der Besitz solcher Territorien keinen Einfluss mehr auf die Stellung im internationalen Staatensystem hat. Dennoch kam es bis in die jüngere Geschichte zu Konflikten um Kolonialgebiete, wie z.B. im Falklandkrieg.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- David Kenneth Fieldhouse: Die Kolonialreiche seit dem 18. Jahrhundert. Fischer Weltgeschichte Band 29, Frankfurt am Main: Fischer Bücherei, 1965.
Europäische Kolonialmächte des Spätmittelalters
Genua | Venedig
Europäische Kolonialmächte der Neuzeit
Belgien | Dänemark | Deutsches Reich | Frankreich | Italien | Niederlande | Portugal | Russland | Spanien | Vereinigtes Königreich / England
Außereuropäische Kolonialmächte der Neuzeit
Japan | Vereinigte Staaten