Kurt Furgler

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Kurt Furgler

Kurt Furgler (* 24. Juni 1924 in St. Gallen; † 23. Juli 2008 ebenda) war ein Schweizer Politiker (CVP) aus dem Kanton St. Gallen. Als Bundesrat war er zuerst Justiz-, dann Wirtschaftsminister und bekleidete dreimal das Amt des Bundespräsidenten.

Leben[Bearbeiten]

Furgler wuchs als Sohn eines Textilkaufmanns in St. Gallen auf. Sein Vater verlor während der Stickereikrise der Zwischenkriegszeit die Stelle und gründete daraufhin die Lebensversicherungsanstalt «Familia», um seiner Familie ein Auskommen zu ermöglichen. Kurt Furgler studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg, Zürich und Genf. Er promovierte 1948, erwarb das Anwaltspatent und war als Anwalt in St. Gallen tätig. Er war Brigadier der Schweizer Armee; das war der höchste militärische Dienstgrad eines Bundesrats nach dem Zweiten Weltkrieg. Furgler war Gründer des TSV St. Otmar St. Gallen, in dessen Handballabteilung er auch als Spieler und Trainer tätig wurde.

Heimatberechtigt in Valens, war Kurt Furgler ab 1950 verheiratet und hatte sechs Kinder. Er erlag im Alter von 84 Jahren einem Herzversagen. Zu seiner Trauerfeier in der Stiftskirche St. Gallen erschienen zwei aktive und mehrere ehemalige Mitglieder der Landesregierung.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Von 1955 bis 1971 gehörte Furgler dem Nationalrat an, ab 1963 als Präsident der CVP-Fraktion. Im Jahr 1964 wurde auf seinen Antrag hin die erste Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt. Unter seinem Vorsitz untersuchten zwanzig National- und zwölf Ständeräte den sogenannten Mirage-Skandal. Das Parlament folgte schliesslich den im Abschlussbericht vorgeschlagenen Forderungen, die eine Reduktion der Bestellung von 100 auf 57 Flugzeuge sowie Verbesserungen bei internen Abläufen vorsahen.

Am 8. Dezember 1971 wurde Furgler in den Bundesrat gewählt und übernahm das Justiz- und Polizeidepartement. Eine umstrittene Rolle spielte Furgler im Spionageskandal um Brigadier Jean-Louis Jeanmaire. Von 1983 an leitete Furgler das Volkswirtschaftsdepartement. Am 31. Dezember 1986 trat er aus dem Bundesrat zurück. Furgler war Bundespräsident in den Jahren 1977, 1981 und 1985 und Vizepräsident in den Jahren 1976, 1980 und 1984.

Furgler setzte sich ein für den Verfassungsartikel zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, reformierte das Familienrecht und die Raumplanung, initiierte eine – später gescheiterte – Totalrevision der Bundesverfassung und setzte sich tatkräftig für die Schaffung des Kantons Jura ein. Bekannt wurde er insbesondere durch die Lex Furgler, ein Gesetz, das den Immobilienerwerb durch Ausländer beschränkte. 1974 setzte sich Furgler in der Abtreibungsfrage über das bundesrätliche Kollegialitätsprinzip hinweg: Er verlangte, von der Vertretung der Vorlage der Indikationslösung vor dem Parlament entbunden zu werden.

Furgler war Mitglied im Club of Rome und im InterAction Council sowie Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Ausserdem erhielt er mehrere Ehrendoktorate, unter anderem 1987 eines von der Universität St. Gallen.

Wahlergebnisse in der Bundesversammlung[Bearbeiten]

  • 1971: Wahl in den Bundesrat mit 125 Stimmen (absolutes Mehr: 115 Stimmen)
  • 1975: Wiederwahl als Bundesrat mit 187 Stimmen (absolutes Mehr: 109 Stimmen)
  • 1975: Wahl zum Vizepräsidenten des Bundesrates mit 182 Stimmen (absolutes Mehr: 103 Stimmen)
  • 1976: Wahl zum Bundespräsidenten mit 190 Stimmen (absolutes Mehr: 97 Stimmen)
  • 1979: Wiederwahl als Bundesrat mit 206 Stimmen (absolutes Mehr: 111 Stimmen)
  • 1979: Wahl zum Vizepräsidenten des Bundesrates mit 156 Stimmen (absolutes Mehr: 98 Stimmen)
  • 1980: Wahl zum Bundespräsidenten mit 191 Stimmen (absolutes Mehr: 101 Stimmen)
  • 1983: Wiederwahl als Bundesrat mit 198 Stimmen (absolutes Mehr: 115 Stimmen)
  • 1983: Wahl zum Vizepräsidenten des Bundesrates mit 162 Stimmen (absolutes Mehr: 96 Stimmen)
  • 1984: Wahl zum Bundespräsidenten mit 177 Stimmen (absolutes Mehr: 100 Stimmen)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kurt Furgler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig von Moos Mitglied im Schweizer Bundesrat
1972–1986
Arnold Koller