Jakob Dubs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jakob Dubs

Jakob Dubs (* 26. Juli 1822 in Affoltern am Albis; † 13. Januar 1879 in Lausanne) war ein Schweizer Politiker, Journalist, Staatsanwalt und Richter.

Nach seinem Studium war Dubs als Kantonsrat, Regierungsrat, Nationalrat und Ständerat tätig. 1861 wurde der Vertreter der liberal-radikalen Fraktion (der heutigen FDP) in den Bundesrat gewählt. In den Jahren 1864, 1868 und 1870 war er Bundespräsident. 1872 trat Dubs zurück, blieb aber als Nationalrat weiterhin politisch aktiv. Er bekämpfte erfolgreich eine zentralistische Verfassungsrevision und gehörte darüber hinaus dem Bundesgericht an. Von 1866 bis 1872 war er Präsident des «Hülfsvereins für schweizerische Wehrmänner und deren Familien», aus dem später das Schweizerische Rote Kreuz entstand.

Biografie[Bearbeiten]

Familie und Studium[Bearbeiten]

Dubs wurde in Affoltern am Albis in die Familie eines Metzgers geboren, der auch als Wirt und Posthalter tätig war. Er besuchte das Gymnasium in Zürich und begann danach das Studium der Rechtswissenschaft, zunächst an der Universität Bern unter Wilhelm Snell, anschliessend an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg unter Carl Mittermaier. In Heidelberg wurde er 1842 Mitglied des Corps Helvetia.[1] 1843 promovierte er an der Universität Zürich und nahm drei Jahre später eine Stelle als Verhörrichter an.

Als Mitglied der Studentenverbindung Helvetia, des damaligen Sammelbeckens des politischen Radikalismus in der Schweizerischen Eidgenossenschaft, wurde Dubs schon früh in die politischen Ereignisse hineingezogen und engagierte sich für die Ablösung des losen Staatenbundes durch einen Bundesstaat liberaler Prägung. Zusammen mit dem Dichter Gottfried Keller nahm er 1845 am zweiten Freischarenzug gegen die konservative Regierung des Kantons Luzern teil, 1847 als Dragonerfeldweibel am Sonderbundskrieg.

Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau Franziska Kämpfer (1825–1850) heiratete er 1856 Paulina Heitz (1837–1895), die Tochter eines Seidenfabrikanten aus Stäfa.

Beruf und Politik[Bearbeiten]

Dubs wurde 1847 in den Kantonsrat gewählt, zwei Jahre später folgte die Wahl zum nebenamtlichen Staatsanwalt. Er war massgeblich an einem neuen Strafgesetzbuch beteiligt und widmete sich auch der Gesetzgebung in den Bereichen Schulen, Fabriken und Kirchenorganisation. Grosse Beachtung fand Dubs als Redaktor des Schweizerischen Republikaners und des Landboten aus Winterthur (damals ein liberales Wochenblatt), für die er zahlreiche Artikel schrieb.

1849 wurde Dubs in den Nationalrat gewählt. 1854 schaffte er, nicht zuletzt dank der Unterstützung des einflussreichen Alfred Escher, die Wahl in den Ständerat und in den Zürcher Regierungsrat. Im Ständerat, den er 1856 präsidierte, stellte er sich als Vertreter der liberalen Richtung um Alfred Escher gegen die radikale Gruppe um Bundesrat Jakob Stämpfli, deren Vorgehen beim Neuenburgerhandel (1856/57) und beim Savoyerhandel (1859/60) er als zu ungestüm empfand. Im Kanton Zürich war Dubs als Vorsteher der Erziehungsdirektion an der Ausarbeitung des neuen Schulgesetzes von 1859 beteiligt. Zusätzlich hatte er von 1854 bis 1861 das Amt eines nebenamtlichen Bundesrichters inne.

Nach Jonas Furrers Tod galt Dubs als aussichtsreichster Kandidat für dessen Nachfolge. Stämpflis Berner Zeitung lancierte eine Kampagne gegen ihn und bezeichnete Dubs’ mögliche Wahl als «politische Todsünde», da die Schweiz damit in der Savoyerfrage «das schmachvolle Unrecht hinnehmen wolle und gleichsam Abbitte leiste». Doch die Attacken bewirkten das Gegenteil: Am 30. Juli 1861 wählte ihn die vereinigte Bundesversammlung im ersten Wahlgang und mit 90 von 124 Stimmen in den Bundesrat.

Bundesrat[Bearbeiten]

Während seiner Amtszeit wechselte Dubs fast jedes Jahr das Departement. Als Bundespräsident stand er in den Jahren 1864, 1868 und 1870 – wie damals üblich – dem Politischen Departement (Aussenministerium) vor. Von 1861 bis 1863 und wieder 1866 leitete er das Justiz- und Polizeidepartement, in den Jahren 1867 und 1869 das Postdepartement, 1865 sowie von 1871 bis 1872 das Departement des Innern.

Im Zentrum seines Wirkens als Bundesrat stand vor allem der Ausbau der Beziehungen zu den Nachbarstaaten. 1864 schloss Dubs einen umfassenden Handelsvertrag mit Frankreich ab, 1868/69 mit Italien, Österreich-Ungarn und dem Deutschen Zollverein weitere Verträge in den Bereichen Handel, Niederlassung, Post und Telegrafenverkehr. Im Gegensatz zur Meinung, die er noch als Ständerat vertreten hatte, befürwortete Dubs nun eine weitaus aktivere Aussenpolitik. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 plante er die militärische Besetzung Hochsavoyens, obwohl er zehn Jahre zuvor ähnliche Gedankenspiele Stämpflis vehement bekämpft hatte. Er befasste sich auch eingehend mit dem Problem, dem Binnenstaat Schweiz einen Zugang zu Hafenanlagen am Meer und Schiffe unter eigener Flagge zu sichern (siehe Schweizer Hochseeschifffahrt).

In der Frage des Eisenbahnbaus versuchte Dubs eine vermittelnde Rolle zwischen Anhängern einer Staatsbahn und der vollständigen Liberalisierung zu finden. Die Entscheidung über eine Alpentransversale wollte er Deutschland und Italien überlassen. Dubs, ein überzeugter Anhänger des Föderalismus, galt nach Stämpflis Rücktritt im Jahr 1863 als führende Persönlichkeit im Bundesratskollegium. Dies änderte sich jedoch ab 1867 mit dem Eintritt von Emil Welti, dem die Teilrevision der Bundesverfassung von 1866 zu wenig weit gegangen war und der einen weitaus zentralistischeren Staat forderte.

Dubs verlor zunehmend an Einfluss, zerrieb sich in internen Machtkämpfen und erklärte schliesslich im März 1872 seinen Rücktritt. Die Bundesversammlung beschloss mit 76 zu 63 Stimmen, nicht auf sein Rücktrittsgesuch einzugehen. Doch Dubs hielt an seiner Entscheidung fest und wies darauf hin, dass es zwischen ihm und der Mehrheit des Parlaments in wichtigen Fragen keine Übereinstimmung gebe. Am 28. Mai 1872 übergab er sein Amt an Johann Jakob Scherer.

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten]

Denkmal in Affoltern

Dubs führte die aus Föderalisten aus der Romandie und Katholisch-Konservativen zusammengesetzte Koalition an, welche die Totalrevision der Bundesverfassung ablehnte. Erstere befürchteten eine zu starke Zentralisierung, während letztere verschiedene vom Geist des Kulturkampfs geprägte Bestimmungen ablehnten. Am 12. Mai 1872, knapp zwei Wochen vor Dubs’ Rücktritt aus dem Bundesrat, wurde die Totalrevision in der Volksabstimmung mit 50,5 % der Stimmen abgelehnt. Bei den darauf folgenden Nationalratswahlen verlor Dubs im eher zentralistisch orientierten Kanton Zürich sein Nationalratsmandat, wurde aber im Kanton Waadt gewählt.

Daraufhin gründete er eine national-föderalistische Partei und brachte ein Kampfblatt namens Die Eidgenossenschaft heraus. Die neue Partei zerbrach aber bereits 1874 am Kulturkampf und an den zu unterschiedlichen Vorstellungen der Parteigänger. Da der zweite Entwurf einer totalrevidierten Bundesverfassung wieder mehr föderalistische Elemente enthielt, wechselte er ins Lager der Befürworter. Die neue Verfassung wurde am 19. April 1874 mit klarer Mehrheit angenommen.

Nach der Gründung des Hülfsvereins für schweizerische Wehrmänner und deren Familien im Juli 1866, an dem Dubs neben dem Juristen Gustave Moynier und dem General Guillaume-Henri Dufour wesentlich beteiligt war, übernahm er bis 1872 die Leitung der Vereins. Da aus diesem später das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) entstand, gilt er als erster Präsident in der Geschichte des SRK. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Karl Schenk.

1875 wurde Dubs zum vollamtlichen Bundesrichter gewählt, übersiedelte nach Lausanne und wurde 1878 Vizepräsident des Bundesgerichts. Daneben setzte er sich für die Förderung von Schmalspur- und Regionalbahnen in der Schweiz ein. Kurz vor seinem Tod im Alter von 56 Jahren veröffentlichte er eine populärwissenschaftliche Darstellung des öffentlichen Rechts in der Schweiz.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 115, 149
Vorgänger Amt Nachfolger
Jonas Furrer Mitglied im Schweizer Bundesrat
1861–1872
Johann Jakob Scherer