Jakob Stämpfli

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Jakob Stämpfli

Jakob Stämpfli (* 23. Februar 1820 im Janzenhaus bei Wengi; † 15. Mai 1879 in Bern) war ein Schweizer Politiker, Jurist und Journalist. Nachdem er Regierungsrat des Kantons Bern und sowohl Nationalrat als auch Ständerat gewesen war, wurde der Vertreter der liberal-radikalen Fraktion (der heutigen FDP) 1854 in den Bundesrat gewählt. In den Jahren 1856, 1859 und 1862 war er Bundespräsident. Nach seinem Rücktritt war er Bankdirektor und Schiedsrichter in der Alabamafrage.

Biografie[Bearbeiten]

Jugend und Studium[Bearbeiten]

Der Sohn eines aus Schwanden bei Schüpfen stammenden Bauern besuchte in der Gemeinde Wengi, wo der elterliche Bauernhof Janzenhaus lag, die Primarschule. Nachdem er eine Zeitlang auf einem Hof in Cortébert gearbeitet hatte, um dort nebenbei die französische Sprache zu erlernen, begann er im Alter von 16 Jahren eine Lehre in der Amtsschreiberei von Büren an der Aare. Während seiner Freizeit betrieb er Selbststudium in Geschichte und Staatskunde.

Ab 1840 studierte Stämpfli Rechtswissenschaften an der Universität Bern, was für einen Mann seiner Herkunft wenige Jahre zuvor noch undenkbar gewesen wäre. Die Universität verlangte damals bewusst keine gymnasiale Vorbildung, da der liberale Kanton Bern Beamte und Lehrer benötigte, die vom Land und nicht aus dem bisher allein herrschenden städtischen Patriziat stammten. Beeinflusst durch Professor Wilhelm Snell, dessen Tochter Elise er 1845 heiratete, wurde Stämpfli zu einem überzeugten Anhänger des liberalen Radikalismus. In der Studentenverbindung Helvetia spielte er bald eine führende Rolle.

Kantons- und Bundespolitik[Bearbeiten]

Nach dem erfolgreichen Studienabschluss richtete Stämpfli 1843 ein Anwaltsbüro ein, zwei Jahre später gründete er die Berner-Zeitung (nicht zu verwechseln mit der weit später gegründeten und noch heute existierenden Berner Zeitung). Als Chefredaktor machte er diese Tageszeitung zu einem Sprachrohr der Radikalen, die in Opposition zu den damals regierenden gemässigten Liberalen standen. Ende März 1845 nahm Stämpfli als erklärter Gegner der Jesuiten am zweiten Freischarenzug teil. Beim nächtlichen Gefecht bei Malters wurde er abgedrängt, woraufhin er sich nach Zürich durchschlagen musste.

Stämpfli forderte die Totalrevision der Berner Kantonsverfassung und wurde in den auf seine Initiative hin einberufenen Verfassungsrat gewählt, in dem er zusammen mit Ulrich Ochsenbein sogleich eine Führungsrolle übernahm. Das Volk nahm am 31. Juli 1846 mit überwältigender Mehrheit die neue Verfassung an, mit der sich die Volkssouveränität endgültig durchsetzte. Daraufhin wurde Stämpfli im Alter von nur 26 Jahren in den Regierungsrat gewählt und übernahm die Leitung des Finanzdepartements. Für die Tagsatzungstruppen im Sonderbundskrieg stellte er 1847 aus der Staatskasse einen Vorschuss von zwei Millionen Franken zur Verfügung.

Stämpfli führte die direkte Besteuerung ein, vollzog die Aufhebung aller Feudallasten und leitete die Zentralisierung des Armenwesens. Die finanziellen Folgen des Sonderbundskriegs, stark erhöhte Ausgaben im Bildungsbereich und beim Strassenbau sowie die sozialen Folgekosten der Wirtschaftskrise führten von Jahr zu Jahr zu einem immer höheren Defizit in der Staatsrechnung und zu einem Erstarken der konservativen Opposition. 1849 wurde Stämpfli zwar Regierungspräsident, musste aber nach den Wahlen vom Mai 1850, bei denen die Radikalen eine Niederlage erlitten, zurücktreten.

1849 war Stämpfli vom Grossen Rat als Vertreter des Kantons Bern in den Ständerat gewählt worden. 1850 wählte ihn das Volk in den Nationalrat, wo er mehreren wichtigen Kommissionen angehörte (Finanzen, Budget, Organisation des Postwesens, Vereinheitlichung der Währung). Im Juli 1851 wurde er demonstrativ zum Nationalratspräsidenten gewählt, als Reaktion auf eine drohende Haftstrafe in seinem Heimatkanton wegen Vergehens gegen das Pressegesetz. Ende 1851, nach Verbüssung einer kurzen Haftstrafe, folgte die Wahl zum stellvertretenden Bundesrichter. Als das Parlament 1852 ein neues Eisenbahngesetz beriet, befürwortete Stämpfli den Bau von Staatsbahnen, musste sich aber der Mehrheit um Alfred Escher geschlagen geben, die für Privatbahnen eintrat.

Als nach den Berner Grossratswahlen im Mai 1854 das konservative und das radikale Lager praktisch gleich stark waren und eine völlige Blockierung der Kantonspolitik drohte, bildete sich eine parteiübergreifende Regierung, in die auch Stämpfli als Vizepräsident wieder Einsitz nahm. Als Baudirektor trieb er die Planung von Eisenbahnlinien und Gewässerkorrektionen voran. Doch schon am 6. Dezember 1854 wurde er an Stelle von Ulrich Ochsenbein in den Bundesrat gewählt. Erst im sechsten Wahlgang erhielt er mit 88 von 145 gültigen Stimmen die notwendige absolute Mehrheit. Stämpfli hatte nicht mit dieser Wahl gerechnet und bat das Parlament wegen seiner Verpflichtungen im Kanton Bern um einen Aufschub bis Ende März 1855, der ihm gewährt wurde.

Bundesrat[Bearbeiten]

Stämpfli stand als Bundesrat zunächst dem Justiz- und Polizeidepartement vor. Aufgrund seiner bäuerlichen Herkunft und seines bescheidenen Lebensstils war er bei der Bevölkerung bald äusserst beliebt, im Bundesratskollegium fiel er aber als radikaler Draufgänger und Zentralist auf. Bald überwarf er sich mit dem wirtschaftsliberalen Flügel. Bei der Frage um die Streckenführung der Bahnstrecke Lausanne–Bern befürwortete er die Variante über Oron und setzte sich damit gegen den Willen von Alfred Escher durch.

1856 war Stämpfli zum ersten Mal Bundespräsident und somit, wie es damals üblich war, als Vorsteher des Politischen Departements Aussenminister. In diesem Jahr hatte er mit dem Neuenburgerhandel eine ernste aussenpolitische Krise zu bewältigen. Den Konflikt mit Preussen um die Herrschaft über den Kanton Neuenburg liess er beinahe zu einer militärischen Auseinandersetzung eskalieren. Schliesslich konnte der Streit aber mit dem Vertrag von Paris im Sinne der Schweiz beigelegt werden.

1857 und 1858 war Stämpfli Vorsteher des Finanzdepartements, 1859 zum zweiten Mal Bundespräsident und Aussenminister. Nach dem raschen Ende des Sardinischen Kriegs, in welchem das Kaisertum Österreich dem Königreich Sardinien-Piemont und Frankreich unterlag, versuchte Stämpfli, zunächst auf diplomatischem Wege, die savoyischen Provinzen Chablais und Faucigny der Schweiz anzugliedern. Auf dem Höhepunkt der Krise, des Savoyerhandels, drängte er auf eine militärische Besetzung Hochsavoyens. Sein Vorhaben stiess im Parlament jedoch auf hartnäckigen Widerstand. Seine Bundesratskollegen Friedrich Frey-Herosé und Jakob Dubs setzten ihre Forderung durch, wonach die Schweiz sich in dieser Frage neutral verhalten müsse. Bei einer umstrittenen Volksabstimmung im April 1860 sprachen sich die Bewohner Hochsavoyens für den Anschluss an Frankreich aus.

Ab 1860 leitete Stämpfli das Militärdepartement. Er reorganisierte das Militär und begann ein strategisches Strassennetz in den Alpen zu planen. 1862 war er wiederum für ein Jahr Bundespräsident und Aussenminister. Stämpfli versuchte erneut, die Eisenbahnen zu verstaatlichen, konnte sich aber wiederum nicht gegen Alfred Escher durchsetzen. Resigniert gab er am 30. September 1863 seinen bevorstehenden Rücktritt bekannt und verkündete, er wolle die Leitung eines Finanzinstitutes übernehmen. Diese Absicht löste einige Verwunderung aus, da gerade er lange Zeit als volkstümlicher Kämpfer gegen mächtige Eisenbahn- und Finanzkreise galt.

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1863 trat Stämpfli als Bundesrat zurück.[1] Er war an der Gründung der Eidgenössischen Bank beteiligt und wurde deren erster Präsident. Mit dem Einstieg in die Finanzwelt versuchte er, Alfred Escher mit dessen eigenen Waffen zu schlagen. Doch die Eidgenössische Bank schrieb wiederholt rote Zahlen und trennte sich schliesslich 1877 von Stämpfli, woraufhin er wieder ein Advokaturbüro eröffnete. Politisch blieb Stämpfli weiterhin im Grossen Rat des Kantons Bern und im Nationalrat tätig.

Der Bundesrat wählte Stämpfli 1872 zum Mitglied des internationalen Schiedsgerichts in der Alabamafrage. Ausserdem beteiligte er sich an der Revision der Bundesverfassung, die 1874 angenommen wurde. 1875 präsidierte er ein zweites Mal den Nationalrat. Er investierte sein gesamtes Vermögen in die Landwirtschaftliche Gesellschaft Witzwil (die späteren Anstalten Witzwil), doch die Gesellschaft ging 1879 in Konkurs. Noch im selben Jahr starb Stämpfli, er wurde auf dem Berner Bremgartenfriedhof begraben.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Comeback des Jahres, Neue Zürcher Zeitung, 14. April 2009
Vorgänger Amt Nachfolger
Ulrich Ochsenbein Mitglied im Schweizer Bundesrat
1855–1863
Karl Schenk