Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2012

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Landtagswahl 2012
Amtliches Endergebnis (in %) [1]
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Gewinne und Verluste
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Von 69 Sitzen entfallen auf:

Die Wahl zum 18. Landtag von Schleswig-Holstein fand am 6. Mai 2012 statt.[2][3] Sie war eine vorzeitige Wahl, die nach Abbruch der Legislaturperiode durch ein Urteil des Landesverfassungsgerichts vom 30. August 2010 nötig geworden war. Es war die zweite vorgezogene Landtagswahl in Folge, nachdem bereits für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2009 aufgrund einer Vertrauensfrage des Ministerpräsidenten der Landtag vor dem regulären Ablauf der Legislaturperiode aufgelöst worden war.

Wahlergebnis[Bearbeiten]

Das Endergebnis[1] der Landtagswahl 2012:

Zweitstimmen
2012
Prozent
2012
Differenz zu
2009 (%-Pkt.)
Direktmandate
2012
Sitze
2012
CDU 408.637 30,8 -0,7 22 22
SPD 404.048 30,4 +5,0 13 22
GRÜNE 174.953 13,2 +0,8 0 10
FDP 108.953 8,2 -6,7 0 6
PIRATEN 108.902 8,2 +6,4 0 6
SSW 61.025 4,6 +0,3 0 3
LINKE 29.900 2,2 -3,8 0 0
Familie 12.758 1,0 +0,2 0 0
NPD 9.832 0,7 -0,2 0 0
Freie Wähler 7.823 0,6 -0,4 0 0
MUD 1.621 0,1 +0,1 0 0
Wahlbeteiligung[4] 1.347.911 60,1 -13,5 35 69

Die FDP lag um genau 51 Stimmen vor der Piratenpartei, was die Besetzung von Landtagsausschüssen beeinflussen kann. Die Familienpartei verfehlte mit 0,96% sehr knapp das Überspringen der auf Landesebene geltenden Ein-Prozent-Hürde für Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung.

Ausgangslage[Bearbeiten]

Landtagswahl 2009
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Anmerkungen:
f von der Sperrklausel ausgenommen

Die 17. Wahl zum Schleswig-Holsteinischen Landtag fand am 27. September 2009 gleichzeitig mit der Bundestagswahl statt. Die Wahl kennzeichneten Verluste der beiden Partner in der großen Koalition, CDU und SPD, und entsprechende Gewinne der kleineren Parteien. CDU und FDP erreichten zusammen 46,4 Prozent der Stimmen, die übrigen Parteien im Landtag (SPD, Grüne, Linke und SSW) insgesamt 48,1 Prozent. Trotzdem hatte die schwarz-gelbe Koalition mit 48 von 95 Sitzen die Mehrheit im Landtag, vor allem durch 11 Überhangmandate der CDU.[5] Die Vergabe von Ausgleichsmandaten für die anderen Parteien war jedoch in der Landeswahlordnung ungenau geregelt. Der Landeswahlausschuss entschied sich am 16. Oktober 2009 für die von der Landeswahlleiterin präferierte Auslegung mit 14 Ausgleichsmandaten, die CDU und FDP die Mehrheit sicherte.[6][7] Grüne und SSW klagten vor dem Landesverfassungsgericht gegen die Mandatsverteilung, die Linken schlossen sich nach dem Zusammentreten des neuen Landtags der Klage an.[8] Das Gericht stellte in seinem Urteil vom 30. August 2010 die Verfassungswidrigkeit des Landeswahlgesetzes wegen ungleicher Stimmengewichtung und der Möglichkeit deutlicher Überschreitung der in der Verfassung vorgesehenen Höchstzahl an Abgeordneten fest. Das Wahlgesetz müsse bis zum 31. Mai 2011 geändert werden und eine Neuwahl des Landtages bis spätestens 30. September 2012 erfolgen.[9] Die bisherige Sitzverteilung im 2009 gewählten Landtag blieb bestehen.[10]

Wähler und Entscheidungsfindung[Bearbeiten]

Wahlberechtigte[Bearbeiten]

Mit rund 2.240.000 Wahlberechtigten stieg ihre Zahl um 19.000 im Vergleich zum Jahr 2009. Das war die größte Zahl seit der ersten Landtagswahl 1947. Unter den Wählern fanden sich 76.000 Erstwähler.[11]

Wahlwerbung[Bearbeiten]

Anleitung: Neutraler Standpunkt Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite im Abschnitt „Wahlwerbung“. Weitere Informationen erhältst du hier.

Die CDU und ihre Jugendorganisation Junge Union starteten während des Wahlkampfes eine Kampagne gegen die sogenannte „Dänen-Ampel[12] Die SPD verteilte 32.000 Plakate, wobei auf etwa der Hälfte Spitzenkandidat Torsten Albig abgebildet war. Die GRÜNEN setzten auf ihren Wahlplakaten vor allem auf den Spitzenkandidaten Robert Habeck und kritisierten zugleich die Wahlwerbung der FDP, da die FDP-Fraktion Postwurfsendungen an schleswig-holsteinische Haushalte versendet hatte, welche auf Erfolge der FDP hinwiesen. Dabei war jedoch nicht kenntlich gemacht worden, dass es sich dabei um Werbung der Partei selbst handelte.[13][14] Die Piratenpartei hängte im ganzen Land 18.000 Wahlplakate auf. Freie Wähler und Familienpartei präsentierten sich als bürgerliche Alternative zu CDU und FDP.[15]

Eine Besonderheit gab es in Flensburg, wo Parteien nur auf wenigen offiziellen Stellwänden werben dürfen, die von der Stadt freigegeben werden.[16] Eine weitere Eigenart besteht auf den Nordfriesischen Inseln Föhr, Amrum, Pellworm und den Halligen, auf denen seit rund 40 Jahren auf Wahlplakate offiziell verzichtet wird. Die Föhrer SPD verweigerte sich erstmals diesem Boykott und stellte sechs Wahlplakate auf.[17]

Internet[Bearbeiten]

Neben der Wahlentscheidungshilfe Wahl-o-mat[18], die knapp 250.000-mal genutzt wurde, wurden zur Landtagswahl auf den Websites von PESM Wahlbörse, Wahlfieber und Wahlrecht Tippspiel-Börsen zur Voraussage der Ergebnisse der Parteien geschaltet,[19] bei denen sich insgesamt rund 1.500 Menschen beteiligt haben.

Zudem bot Abgeordnetenwatch wieder eine direkte Kandidatenbefragung an.[20]

Medien[Bearbeiten]

Am 2. Mai 2012 fand im NDR-Fernsehen ein TV-Duell mit den Spitzenkandidaten der beiden großen Parteien, Jost de Jager (CDU) und Torsten Albig (SPD), statt, das laut Angaben des NDR allein in Schleswig-Holstein von etwa 80.000 Zuschauern verfolgt wurde.[21] Gesondert hiervon fand am gleichen Tag auch ein TV-Duell mit den Spitzenkandidaten der kleineren im Landtag vertretenen Parteien, Wolfgang Kubicki (FDP), Robert Habeck (Grüne), Anke Spoorendonk (SSW) und Antje Jansen (Linke) statt.[22]

Wahlkreise und -verfahren[Bearbeiten]

Zur Umsetzung der verfassungsgerichtlichen Vorgaben einigten sich die Fraktionen von CDU, SPD und FDP im Frühjahr 2011 auf eine Änderung der Landesverfassung und des Landeswahlgesetzes. Der Landtag verabschiedete das entsprechende Gesetz am 29. März 2011. Die zuvor in Artikel 10 der Landesverfassung normierte Sollgröße des Landtages mit 69 Abgeordneten wurde in das Landeswahlgesetz übernommen. Statt bisher in 40 wurde nunmehr in 35 Wahlkreisen jeweils ein Direktkandidat oder eine -kandidatin gewählt. Überhangmandate, die aus einer Mehrzahl von Direktmandaten gegenüber dem sich aus dem Zweitstimmenergebnis berechnenden Anteil resultieren, werden voll ausgeglichen. Wahlkreise können statt zuvor 25 jetzt nur noch 20 % mehr Wahlberechtigte als ein durchschnittlicher Wahlkreis aufweisen. Das Zweistimmenwahlrecht wurde beibehalten. Das Sitzzuteilungssystem wurde geändert. Statt bisher nach D'Hondt werden die Sitze jetzt nach dem Verteilungsprinzip nach Sainte-Laguë vergeben.[23] Bei unveränderter Anwendung des Verfahrens nach D'Hondt hätte die CDU einen Sitz mehr erhalten, die Grünen entsprechend einen Sitz weniger.

Es gilt die Fünf-Prozent-Hürde für die bei der Wahl teilnehmenden Parteien. Infolge der Bonn-Kopenhagener Erklärungen sind Parteien der dänischen Minderheit hiervon jedoch ausgenommen, was für den SSW zutrifft.

Parteien und Kandidaten[Bearbeiten]

Folgende Parteien wurden von der Landeswahlleiterin bzw. den Kreiswahlleitern zugelassen:[24]

Partei Kürzel Mitglieder Ergebnis 2009 Direktkandidaten Spitzenkandidat
Christlich Demokratische Union Deutschlands CDU 24.000 31,5 % 35 Jost de Jager
Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD 19.000 25,4 % 35 Torsten Albig
Freie Demokratische Partei FDP 2.280 14,9 % 35 Wolfgang Kubicki
Bündnis 90/Die Grünen GRÜNE 2.074 12,4 % 35 Robert Habeck
Die Linke DIE LINKE 987 6,0 % 35 Antje Jansen
Südschleswigscher Wählerverband SSW 3.900[25] 4,3 % 11 Anke Spoorendonk
Piratenpartei PIRATEN 901[26] 1,8 % 34 Torge Schmidt
Freie Wähler FREIE WÄHLER 65 1,0 % 0 Wolfgang Warwel
Nationaldemokratische Partei Deutschlands NPD 220 0,9 % 5 Jens Lütke
Familien-Partei Deutschlands FAMILIE 108 0,8 % 0 Matthias Kortüm
Maritime Union Deutschland MUD 78 0 Konrad Fischer

Nicht im Landtag vertretene Parteien hatten 1000 Unterstützungsunterschriften vorzulegen. Die Liste der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative wurde nicht zugelassen, trat aber in zwei Wahlkreisen mit Kandidaten an.

Wahlkreiskandidaten[Bearbeiten]

CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und die Linke stellten in allen 35 Wahlkreisen Kandidaten für die Direktwahl. Für den SSW traten in 11 Wahlkreisen Direktkandidaten an.[27]

Unter den nicht im Landtag vertretenen Parteien stellten nur die Piraten Wahlkreiskandidaten in größerem Umfang auf. Sie waren in allen Wahlkreisen mit Ausnahme des Wahlkreises 18 (Ostholstein-Nord) vertreten.

Die NPD hatte in fünf Wahlkreisen Direktkandidaten. Die nicht mit ihrer Landesliste zugelassene „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ stellte in zwei Wahlkreisen Direktkandidaten. Die übrigen Parteien stellten nur für die Landesliste Kandidaten auf.

Weiterhin gab es insgesamt fünf parteilose Kandidaten, davon zwei im Wahlkreis 3 (Flensburg) und je einen in den Wahlkreisen 2 (Husum), 17 (Plön-Süd/Eutin) und 21 (Steinburg-Ost).

Ministerpräsidentenkandidaten[Bearbeiten]

Angela Merkel und Jost de Jager sowie Susanne Herold in Flensburg zur Landtagswahl

Die CDU nominierte auf dem Landesparteitag am 6. Mai 2011 in Norderstedt zunächst Fraktionschef Christian von Boetticher zum Spitzenkandidaten, nachdem Amtsinhaber Peter Harry Carstensen bereits im Herbst 2010 angekündigt hatte, nicht wieder anzutreten.[28] Von Boetticher trat am 14. August 2011 von der Spitzenkandidatur zurück, nachdem eine frühere Intimbeziehung zu einer damals 16-jährigen Schülerin bekannt geworden war. Als neuen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl nominierte der CDU-Landesvorstand am 16. August 2011 den derzeitigen Wirtschaftsminister Jost de Jager.[29] Am 4. November 2011 wurde er vom CDU-Landesparteitag zum Spitzenkandidaten bestimmt. De Jager war der erste Ministerpräsidentenkandidat in der Geschichte Schleswig-Holsteins, der kein Mandat für den Landtag erhielt, da er nur auf Platz eins der Landesliste kandidierte und die CDU nur ihre 22 Direktkandidaten in den Landtag entsenden konnte.[30]

Die SPD hatte in einem Mitgliederentscheid den Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig zum Herausforderer bestimmt.[31] Er setzte sich mit 57,2 Prozent der Stimmen gegen den Landes- und Fraktionsvorsitzenden der SPD, Ralf Stegner (32,2 Prozent), die Elmshorner Bürgermeisterin Brigitte Fronzek (9,1 Prozent) und Matthias Stein (1,3 Prozent) durch. Der Mitgliederbefragung war ein Bewerbungsverfahren vorausgegangen, das 16 öffentliche Mitgliederversammlungen in allen Kreisen und kreisfreien Städten des Landes vorsah. An diesen konnten auch Gäste teilnehmen, die kein SPD-Parteibuch hatten.

Umfragen[Bearbeiten]

Bereits die Vorwahlumfragen prognostizierten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden CDU und der oppositionellen SPD. Demnach wurden für die CDU leichte Verluste, für die SPD dagegen erhebliche Zugewinne vorhergesagt. Die FDP, die lange um den Wiedereinzug in den Landtag fürchten musste, legte im Wahlkampfendspurt hinzu und übersprang trotz deutlicher Stimmverluste die Fünf-Prozent-Hürde klar. Grüne und SSW lagen in den Prognosen nahe ihren Ergebnissen der vorangegangenen Wahl. Starke Zugewinne und einen deutlichen Einzug in den Landtag sah die Meinungsforschung für die Piratenpartei voraus.[32]

Für die Sonntagsfrage, welche Partei die Schleswig-Holsteiner wählen würden, wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, gaben die Demoskopen bei den einzelnen Umfragen folgende Anteile an:

Institut Datum CDU SPD FDP GRÜNE LINKE SSW Piraten Sonstige
GMS[33] 02.05.2012 32 % 33 % 6 % 12 % 2 % 4 % 8 % 3 %
Forschungsgruppe Wahlen[33] 27.04.2012 31 % 31 % 7 % 12,5 % 2,5 % 4 % 9 % 3 %
Infratest dimap[33] 26.04.2012 30 % 32 % 6 % 13 % 2,5 % 4,5 % 9 % 3 %
Infratest dimap[33] 19.04.2012 31 % 32 % 5 % 13 % 2 % 4 % 10 % 3 %
Infratest dimap[33] 12.04.2012 32 % 32 % 4 % 12 % 3 % 4 % 11 % 2 %
Infratest dimap[33] 29.03.2012 34 % 32 % 4 % 15 % 4 % 4 % 5 % 2 %
Infratest dimap[33] 16.03.2012 34 % 33 % 4 % 15 % 3 % 4 % 5 % 2 %
Forsa[33] 05.03.2012 35 % 35 % 2 % 13 % 3 % 4 % 5 % 3 %
Infratest dimap[33] 17.02.2012 33 % 33 % 3 % 16 % 3 % 3 % 5 % 4 %
Emnid[33] 20.01.2012 34 % 32 % 4 % 15 % 3 % 3 % 7 % 2 %
Forsa[33] 18.11.2011 33 % 32 % 3 % 17 % 3 % 3 % 6 % 3 %
Infratest dimap[33] 28.09.2011 30 % 34 % 3 % 21 % 2 % 3 % 4 % 3 %
Forsa[34] 17.08.2011 30 % 32 % 4 % 19 % 4 % 4 % 7 %
Infratest dimap[33] 17.05.2011 33 % 31 % 4 % 22 % 2 % 4 % 1 %[35] 3 %

Auf die Frage, wen die Schleswig-Holsteiner direkt zum Ministerpräsidenten wählen würden, gaben die Demoskopen folgende Anteile an:

Institut Datum Jost de Jager
(CDU)
Torsten Albig
(SPD)
Forschungsgruppe Wahlen[36] 06.05.2012 30 % 42 %
Infratest dimap[37] 06.05.2012 32 % 57 %
Forschungsgruppe Wahlen[38] 27.04.2012 29 % 44 %
Infratest dimap[35] 26.04.2012 27 % 49 %
Infratest dimap[35] 19.04.2012 32 % 56 %
Infratest dimap[35] 12.04.2012 31 % 53 %
Infratest dimap[35] 29.03.2012 33 % 49 %
Infratest dimap[35] 17.02.2012 29 % 45 %
Infratest dimap[35] 28.09.2011 27 % 45 %
Forsa[34] 17.08.2011 30 % 34 %

Auf die Frage, welche Koalition die Schleswig-Holsteiner präferieren, gaben die Demoskopen folgende Anteile an:

Institut Datum Rot-Grün Große Koalition SPD Schwarz-Gelb Schwarz-Grün CDU
Infratest dimap[35] 17.02.2012 28 % 22 % 1 % 9 % 6 % 2 %
Infratest dimap[35] 28.09.2011 32 % 17 % 3 % 7 % 9 % 3 %
Infratest dimap[35] 28.09.2010 28 % 12 % 1 % 12 % 7 % 4 %

Wahlabend[Bearbeiten]

Die ersten Prognosen von ARD (Infratest dimap) und ZDF (Forschungsgruppe Wahlen) um 18 Uhr sahen die CDU bei 30,5 Prozent, die SPD zwischen 29,5 und 30,5 Prozent, die FDP bei 8,5 Prozent, die Grünen zwischen 13 und 14 Prozent, die Linke bei 2,5 Prozent, den SSW bei 4,5 Prozent und die Piraten zwischen 8 und 8,5 Prozent. Daraus errechneten beide Sender für CDU und SPD jeweils 22 Landtagssitze, für die Grünen zehn Sitze, für die FDP und die Piraten jeweils sechs Sitze und für den SSW drei Sitze im Landtag – eine Sitzverteilung, die sich den gesamten Abend in den Hochrechnungen nicht verändern sollte und schließlich vom vorläufigen amtlichen Endergebnis auch bestätigt wurde. Einzig Kiel TV errechnete zwischenzeitlich auf der Grundlage des vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Zahlen ein viertes Landtagsmandat für den SSW zulasten der Grünen.

Der selbst gegenüber den letzten Umfragen, die die FDP bei sechs bis sieben Prozent sahen, hohe Stimmenanteil der Liberalen wurde vor allem dem „Kubicki-Effekt“ zugeschrieben (73 Prozent laut Infrast dimap): Der in Schleswig-Holstein sehr populäre FDP-Spitzenmann Wolfgang Kubicki erreichte danach einen Zuspruch von 54 Prozent (im Vergleich zu 18 Prozent für Philipp Rösler), zudem wurde von Schleswig-Holsteinern überwiegend die Landes-FDP als eine andere Partei als die Bundes-FDP empfunden (63 Prozent)[39]; bundesweit lag zum Zeitpunkt der Schleswig-Holstein-Wahl in Umfragen die FDP nur bei drei bis fünf Prozent; die Partei war zuvor hintereinander aus sechs Landtagen ausgeschieden.

Trotz des Zugewinnes von fünf Prozentpunkten Stimmenanteil zeigte sich der Spitzenkandidat der SPD Torsten Albig vom Ergebnis für die SPD enttäuscht – er hatte einen Stimmenanteil um die 40 Prozent angestrebt. Albig wie auch die Spitzenkandidaten von Grünen und SSW Robert Habeck und Anke Spoorendonk betonten am Abend, an ihrem Vorhaben eine gemeinsame Koalition zu bilden – die so genannte „Dänen-Ampel“ (auch „Schleswig-Holstein-Ampel“ genannt) – trotz der nur knappen Ein-Sitz-Mehrheit festzuhalten und sie weiterhin anzustreben. Torge Schmidt, der Spitzenkandidat der Piraten, kündigte am Abend im NDR Fernsehen an, dass die Piratenpartei abhängig von Gesprächen mit diesen Parteien möglicherweise die „Dänen-Ampel“ tolerieren könne.

Der Spitzenkandidat der CDU Jost de Jager bot zur Bildung einer tragfähigen, stabilen Landesregierung SPD, FDP und den Grünen Gespräche an - ein Angebot, das aber weder bei SPD und Grünen noch beim bisherigen Koalitionspartner FDP auf Gegenliebe stieß[40]. De Jager selbst gewann bei der Wahl kein Landtagsmandat, da die CDU alle ihre 22 Landtagsmandate direkt gewann und dadurch die CDU-Landesliste, auf der er den ersten Platz belegte, nicht zum Tragen kam.[41]

Koalitionsverhandlungen[Bearbeiten]

Nach erfolgreichen Sondierungsgesprächen kam es zu Koalitionsverhandlungen zur Dänen-Ampel aus SPD, Grünen und SSW. Nach erfolgreichem Abschluss der Koalitionsverhandlungen wurde Torsten Albig (SPD) mit 37 von 69 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. Er erhielt damit mindestens zwei Stimmen aus den Reihen der Opposition, da die Regierungsfraktionen insgesamt nur 35 Mitglieder haben.

Siehe auch: Kabinett Albig

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Amtliches Endergebnis (PDF; 25 kB) Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein
  2. Artikel auf Welt Online zur Landtagswahl
  3. Mitteilung der Landesregierung über die Festlegung des Wahltages
  4. Für die Wahlbeteiligung werden gültige und ungültige Stimmen zusammengezählt.
  5. Vorläufiges amtliches Endergebnis mit Berechnung der Ausgleichsmandate
  6. News Adhoc zur Bestätigung der Sitzverteilung (Link nicht mehr abrufbar)
  7. Kieler Nachrichten zur Bestätigung der Schwarz Gelben Mehrheit (Link nicht mehr abrufbar)
  8. tagesspiegel.de: Koalition steht – Wahlergebnis wackelt - Artikel vom 16. Oktober 2009
  9. Landeswahlrecht - Begrenzung des Sitzausgleichs, Urteil vom 30. August 2010. Landesverfassungsgericht Schleswig-Holstein, abgerufen am 9. April 2011.
  10. Parlament muss verfassungswidriges Landeswahlrecht zügig ändern. Presseerklärung des Landesverfassungsgerichts Schleswig-Holstein vom 30. August 2010
  11. Noch nie so viele Wahlberechtigte im Norden. In: ndr.de. 24. April 2012, abgerufen am 6. Mai 2012.
  12. CDU muss Flugblatt gegen eine Dänen-Ampel korrigieren. 27. April 2012, abgerufen am 5. Mai 2012.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Blechschmidt und Bernd Dörris: Grüne werfen FDP unzulässige Wahlwerbung vor. In: Süddeutsche.de. 15. Mai 2012, abgerufen am 26. März 2014.
  14. Grüne fordern von FDP Stopp von Postwurfsendungen und Kino-Spot. In: Welt.de. 4. Mai 2012, abgerufen am 5. Mai 2012.
  15. Freie Wähler hoffen auf Erfolg in Schleswig-Holstein. Abgerufen am 5. Mai 2012.
  16. Wahlplakate - Slogan-Galerie am Straßenrand. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFrank Jung: Wahlkampf auf den Nordfriesischen Inseln: Das erste Plakat seit über 30 Jahren. In: Schlei-Bote. 3. Mai 2012, abgerufen am 26. März 2014.
  18. [Wahl-o-Mat]
  19. PESM Wahlbörse, Wahlfieber, Wahlrecht
  20. abgeordnetenwatch
  21. Faires TV-Duell zwischen Albig und de Jager. Norddeutscher Rundfunk (NDR), abgerufen am 3. Mai 2012.
  22. Wahlrunde: Streit um Bildung und Haushalt. Norddeutscher Rundfunk (NDR), abgerufen am 3. Mai 2012.
  23. Ein neues Wahlrecht für Schleswig-Holstein – Fakten, Aspekte, Konsequenzen. Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein vom 7. März 2011, abgerufen am 9. April 2011.
  24. http://www.bpb.de/node/77512
  25. http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/landtagswahlen_schleswig_holstein_2012/portrait/spoorendonk121.html
  26. http://wiki.piratenpartei.de/Mitglieder
  27. Liste der zugelassenen Kandidaten von der Internetseite der Landeswahlleiterin
  28. NDR.de: Von Boetticher will CDU-Spitzenkandidat werden
  29. Artikel des NDR zum Rücktritt von Christian von Boetticher und zur Nominierung von Jost de Jager, abgerufen am 14. August 2011
  30. Jost de Jager fliegt aus dem Kieler Landtag Hamburger Abendblatt 7. Mai 2012 abgerufen
  31. SPD Schleswig Holstein: Torsten Albig gewinnt Mitgliederentscheid
  32. Umfragen Schleswig-Holstein. Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre … Wahlrecht.de, Wilko Zicht und Matthias Cantow, abgerufen am 29. März 2012.
  33. a b ln-online.de: LN-Umfrage: Schleswig-Holsteiner strafen CDU für Sex-Affäre ab, abgerufen am 17. August 2011
  34. a b c d e f g h i j Umfragen von Infratest dimap zur Landtagswahl
  35. Wahlanalyse der Forschungsgruppe Wahlen, abgerufen am 6. Mai 2012
  36. Wahlanalyse von Infratest Dimap, abgerufen am 6. Mai 2012
  37. ZDF Politbarometer Extra: Unklare Mehrheitsverhältnisse in Kiel, abgerufen am 27. April 2012
  38. die Infrastest dimap-Zahlen sind unter tagesschau.de online abrufbar
  39. Schleswig-Holsteinische Landeszeitung vom 10. März 2012 (online)
  40. CDU-Spitzenkandidat de Jager verpasst Einzug ins Kieler Parlament Landespolitik Schleswig-Holstein / KN - Kieler Nachrichten (abgerufen 7. Mai 2012)