Le-Mans-Prototyp

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Moderne LMP2-Rennwagen in der American Le Mans Series, im Vordergrund zwei Porsche RS Spyder

Ein Le-Mans-Prototyp ist ein speziell für den Automobilrennsport, insbesondere für Sportwagenrennen wie die 24-Stunden-Rennen von Le Mans, die American Le Mans Series und die Le Mans Series, angefertigter Prototyp. Geschaffen vom Automobile Club de l’Ouest (ACO) sind sie die schnellsten Rennwagen mit geschlossenen Radkästen, die heute bei Rundkursrennen eingesetzt werden. Sie sind eine Klasse über den serienbasierten GT-Wagen angesiedelt. Ihre Kosten und ihre Technologie machen sie mit den Fahrzeugen der Formel 1 vergleichbar.

Obwohl sie gemeinhin als Le-Mans-Prototypen bekannt sind, wurden für diesen Fahrzeugtyp, je nach Rennserie, verschiedene Namen gebraucht. Seit 2004 werden sie in allen Klassen als Le-Mans-Prototypen bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Den ersten Eindruck, was Le-Mans-Prototypen einmal werden würden, erhielt man beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1992. Im Bestreben, die Anzahl der Teilnehmer über die kleine Kategorie der Gruppe-C-Wagen hinaus zu vergrößern, wurden die älteren Porsche 962 für die Kategorie 3 zugelassen. Außerdem wurden kleinere Rennwagen mit offenem Cockpit und normalen Straßenmotoren, wie sie auch in kleineren, nationalen Rennserien zum Einsatz kamen, in der Kategorie 4 zugelassen. Nur drei Fahrzeuge wurden angemeldet, die alle durch Defekte ausfielen.

Schließlich endeten sowohl die World Sportscar Championship als auch die All Japan Sports Prototype Championship und ließen den teuren Gruppe-C-Prototypen wenig Spielraum zu Wettbewerbseinsätzen außerhalb der 24 Stunden von Le Mans.

Joest TWR-Porsche WSC 95 – erster LMP Gesamtsieger beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans

Mit dem Auslaufen der Gruppe C erlaubte der ACO, dass das erste Mal seit vielen Jahren wieder seriennahe Rennwagen zum Einsatz kommen durften. Zudem schuf er die Le-Mans-Prototypen-Klasse (LMP). Die Wagen hatten dieselbe Bauart wie 1992. Der ACO verkündete auch, dass die Le-Mans-Prototypen bis 1994 die Gruppe-C-Wagen ersetzen sollten. Es wurden zwei Klassen geschaffen. Einmal die speziell entwickelten, hubraumstarken und normalerweise mit Turboladern ausgestatteten LMP1 und die LMP2, die kleinere seriennahe Motoren verwendete.

Technik[Bearbeiten]

Bentley Speed 8 – Le Mans Prototyp als Coupé
Audi R10 TDI – erfolgreicher Dieselprototyp

Die Hauptregulierungen [1] sind unten aufgelistet:

LMP1- für Werkteams: Mindestgewicht von 900 kg, Saugmotoren max. 3.400 cm³, Turbolader mit Benzin max. 2.000 cm³ bzw. Dieselmotoren max. 3.700 cm³. Nicht limitiert ist die Anzahl der Zylinder jeglicher Bauart. Tankinhalt max. 75 l Benzin, bzw. 60 l Diesel. Max. Reifendurchmesser rund 72 cm (28,5“), max. Breite rund 36 cm (14“). LMP1-Fahrzeuge verwenden die führenden Technologien im Sportwagenrennsport. Konzepte wie Front- / Heckmotoren, Benziner oder Diesel, Sauger oder Turboaufgeladen, Hybridsysteme (die sowohl Vorderräder als auch Hinterräder antreiben), sind erlaubt.

LMP2- für Privatteams: Mindestgewicht von 900 kg. Serienmotoren max. 5.000 cm³ mit 8 Zylindern - mindestens 1000 homologisierte Motoren. Turbolader bis zu 3.200 cm³ mit 6 Zylindern erlaubt. Max. Tankinhalt 75 l. Max. Raddurchmesser rund 71 cm (28“), max. Breite 36 cm (14“). LMP2-Fahrzeuge haben generell eine ähnliche Charakteristik wie LMP1 (carbon-fiber monocoque chassis), müssen aber strengere Kostenvorgaben einhalten: Kosten für Chassis max. 362.100 € ; Kosten Motor max. 78.750 €. Außerdem muss jede Fahrerpaarung mind. einen Amateurfahrer aufweisen (Silver or Bronze license class).

Biokraftstoffe sind in beiden Klassen erlaubt.

Die Größe ist auf 4650 mm Länge, 2000 mm Breite und 1030 mm Höhe (vom tiefsten Punkt der Karosserie, nicht vom Boden) limitiert. Die Karosserie muss alle mechanischen Teile verdecken, sodass sie weder direkt von vorne, oben oder der Seite gesehen werden können.

Fahrzeugtypen[Bearbeiten]

Man unterscheidet offene Le Mans Roadster (LMR) und geschlossene Le Mans Prototypen (LMP). Beide Fahrzeugtypen können in beiden Leistungsklassen, z. B. LMR1 oder LMR2, homologiert werden. Geschlossene Fahrzeuge müssen eine Windschutzscheibe, ein Dach und an jeder Seite eine Tür haben, also über ein geschlossenes Cockpit verfügen. Obwohl kein Passagiersitz eingebaut sein muss, ist die minimale Cockpitgröße so festgelegt, dass neben dem Fahrer ein Passagier Platz finden würde. Der dadurch entstehende freie Bereich im Cockpit wird meistens für Kühlung, Funk, Feuerlöscher und andere Elemente genutzt. Beim Roadster spielt der offene Bereich eine wichtige Rolle, weil oft der abgebende Fahrer im Cockpit „auf der Beifahrerseite“ verbleibt, um dem einwechselnden Fahrer beim Anschnallen etc. zu helfen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.lemanszone.de/dieregeln/dieregeln_ger.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Le-Mans-Prototypen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien