Ginetta

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Das Logo der Firma Ginetta

Ginetta Cars ist ein britisches Unternehmen, das 1957 von den Brüdern Bob, Ivor, Trevers und Douglas Walklett in Witham, Essex gegründet wurde. Ginetta produziert seitdem Sportwagen in sehr geringer Stückzahl, teils in Bausatzform, teils komplett montiert. Einige Modelle waren reine Wettbewerbsfahrzeuge, andere waren auch für den Straßenverkehr zugelassen. Die Fahrzeuge von Ginetta haben in der Regel einen Stahlrohrrahmen, tragen eine Fiberglaskarosserie und sind für die Aufnahme verschiedener Vier-, Sechs- oder Achtzylindermotoren ausgelegt. Die Markenbezeichnung Ginetta, die mit der G2[1] eingeführt wurde, nimmt Bezug auf die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida.[2]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen Ginetta Cars hat seine Wurzeln in der Landmaschinenproduktion. 1957 begannen die Inhaber, nebenbei einzelne Sportwagen zu konstruieren, die anfänglich für den Eigenbedarf gedacht waren. 1962 veräußerten die Walklett-Brüder den Landmaschinenbau und konzentrierten sich auf die Herstellung von Sportwagen. Ein Jahr zuvor hatten sie die Ginetta G4 vorgestellt, der bis 1969 produziert wurde und mit mehr als 500 Exemplaren zu den erfolgreichsten Fahrzeugen der Marke gehört. Noch erfolgreicher war der 1968 vorgestellte Ginetta G15, von dem bis 1974 mehr als 800 Fahrzeuge entstanden. Abgesehen von den sportlichen Leistungen der Wagen war die weite Verbreitung der Modelle vor allem auf den Umstand zurückzuführen, dass sie üblicherweise als steuerlich begünstige Bausätze vertrieben wurden, sodass der Verkaufspreis weit unter denen konkurrierender Modelle - wie beispielsweise des MGB - lag. Dies änderte sich im April 1973, als in Großbritannien die Mehrwertsteuer eingeführt wurde. Da sie auch auf Bausatzfahrzeuge erhoben wurde, war der Preisvorteil der Ginetta-Modelle künftig deutlich geringer. Ginetta stellte daher ab 1974 auf die Produktion vollständig montierter Fahrzeuge um. Der Absatz ließ in den folgenden Jahren deutlich nach.

In den 1980er Jahren konzentrierte sich das Unternehmen auf Komplettfahrzeuge, die technische Komponenten und Karosserieteile der britischen Ford-Niederlassung verwendeten. Das Ausgangsmodell hieß Ginetta G26; von ihr wurden weitere Versionen abgeleitet.

1989 verkauften die Walklett-Brüder Ginetta Cars an eine Investorengruppe. Ivor Walklett blieb zunächst als Berater für das Unternehmen tätig, zog sich aber nach nur einem Jahr nach Unstimmigkeiten über die Zukunftsplanung zurück. 1992 gründete er zusammen mit seinem Bruder Trevers das Unternehmen Dare (Design and Research Engineering), das im Auftrag eines japanischen Importeurs, der zwischenzeitlich die Produktionsrechte erworben hatte, Ginetta G4- und G12-Modelle nach alten Konstruktionsplänen als Neufahrzeuge produziert. Nach einem weiteren Eigentümerwechsel Mitte der 1990er-Jahre wurde Ginetta Cars 2005 von dem britischen Unternehmer Lawrence Tomlison übernommen. Unter seiner Leitung entstanden ab 2007 einige Sport- und Rennwagen, die in höheren Klassen bzw. Marktnischen antraten als die früheren Ginetta-Modelle.

Aktuelle Modelle[Bearbeiten]

Für das Modelljahr 2012 bietet Ginetta mehrere Straßen- und Rennsportfahrzeuge an.

Ginetta G40[Bearbeiten]

Ginetta G40

Die Ginetta G40 wird in einer Straßenversion (G40R) und in unterschiedlich stark überarbeiteten Rennversionen angeboten. Es handelt sich um ein zweisitziges Fließheckcoupé, das auf einem Stahlrohrrahmen basiert. Die Karosserie wird aus Kunststoff gefertigt. In der Straßenversion wird das Auto von einem 140 PS starken Vierzylindermotor von Ford angetrieben, der einen Hubraum von 1,8 Litern aufweist. Die G40 wiegt fahrbereit 850 Kilogramm. Die Höchstgeschwindigkeit wird werksseitig mit 140 Meilen pro Stunde (ca. 225 km/h) angegeben; die Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen pro Stunde absolviert das Auto in 5,8 Sekunden.

Ginetta G60[Bearbeiten]

Die Ginetta G60 ist ein Mittelmotorsportwagen mit einem 3,7 Liter großen Sechszylindertriebwerk. Das Auto ist die Weiterentwicklung eines zunächst als Farboud GTS bekannt gewordenen Sportwagens. Dessen Hersteller, das in Bath ansässige Unternehmen Farbio, war 2010 von Ginetta übernommen worden. Die Höchstgeschwindigkeit der G60 wird mit 165 Meilen pro Stunde (ca. 265 km/h) angegeben.

Rennsportwagen[Bearbeiten]

Die Ginetta G50 bei einem Renneinsatz in der Schwedischen GT-Serie 2011

Für Rennsporteinsätze bietet Ginetta außerdem die Modelle G50 und G55 an. Sie sind Weiterentwicklungen der G40, die mit größeren Motoren ausgestattet sind. Im Fall der G50 handelt es sich um einen 3,5 Liter großen Sechszylindermotor mit einer Leistung von 300 PS, beim G55 ist es ein 3,7 Liter großer Sechszylinder mit 370 PS.

Frühere Modelle[Bearbeiten]

Die Ginetta G4[Bearbeiten]

Ginetta G4 im Renneinsatz

Bekanntestes Modell ist die 1961 präsentierte G4, die in den 1980er-Jahren als G27 wieder aufgelegt wurde. Die Ginetta G4 wurde auch in Deutschland bekannt, einmal durch den Rennfahrer und Tuner für DKW-Motoren, Wolf-Dieter Mantzel, der, vom Werk in Whitham beauftragt, eine an ihn gelieferte G4 mit einem seiner präparierten DKW-Zweitaktmotoren bestückte und am 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring 1963[3] teilnahm, ein anderes Mal durch den seinerzeit als ZDF-Sportstudio-Moderator bekannten Wim Thoelke, der den Vertrieb des Coupés in Deutschland zusammen mit der neu gegründeten Motorsportzeitschrift Rallye Racing plante, ein Projekt, das auch beim Magazin Stern interessiert verfolgt wurde (ein Ginetta G4 wurde zu diesem Zweck schrittweise zusammengebaut, der Vorgang fotografisch begleitet und publiziert). Als Weiterentwicklung wurde ab Mitte der 1960er-Jahre auch ein G4 IRS (Independant rear Suspension) mit hinterer Einzelradaufhängung und Lotus-Twin-Cam-Motor angeboten.

Spätere Modelle der Marke griffen das technische Konzept der G4 und ihr Design wieder auf. Zu ihnen gehörten die Ginetta G27 und die G33.

Ginetta G12[Bearbeiten]

Das Modell G 12 war ein kühner Entwurf von 1966, hervorgegangen aus den großen Erfolgen mit dem G4 Coupé. Die Absicht war, den florierenden Verkauf mit einem neuen, technisch auf dem neuesten Stand stehenden Mittelmotorsportwagen fortzusetzen. Damit plante Ginetta eine Serienfertigung in diese Richtung noch vor Lotus (Lotus Europa) und Matra (Matra Djet), die jeweils 1967 ihr Debüt gaben. Anfangs wurde der Cosworth-SCA-Motor mit 1 Liter Hubraum, später der 1,6 Liter Lotus-Twin-Cam Motor eingebaut, der jeweils mit einem auf einem Volkswagen Typ 1 basierenden Hewland Getriebe verblockt war. Die Verkaufszahlen waren aber nicht wie erwartet, weil die kompromisslose Renntechnik für den Straßengebrauch nur bedingt tauglich war, der weitaus überwiegende Teil aller Exemplare (ca. 40) wurde im Rennsport eingesetzt.

Ginetta G10 und G11[Bearbeiten]

In formaler Anlehnung an den MG B wurde, zeitgleich mit dem G12, das Modell G 10/G11 entwickelt, ein üppig wirkender Frontmotor-Sportwagen. Als Motor kamen wahlweise das 1,8-Liter-Aggregat des MGB (G11) oder, in Analogie zum Sunbeam Tiger oder TVR Griffith, der amerikanische 4,7-Liter-Ford-Achtzylinder zum Einsatz (G10). Im Gegensatz zur Konkurrenz hatte das Produkt nur geringen Erfolg - vom G10 wurden nur sechs Exemplare produziert -, wodurch das mittlerweile gewachsene Unternehmen der Walkletts in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Die geringe Produktion war im Wesentlichen auf die verzögerte Teileversorgung durch British Leyland zurückzuführen, die in dem G11 einen Konkurrenten zum MGB sahen.

Ginetta G16[Bearbeiten]

Die Ginetta G16 war der erste und gleichzeitig letzte Versuch, am Motorsport in den größeren Hubraumklasse teilzunehmen. Für die 2-Liter-Klasse kamen Motoren von Cosworth, BMW, und B.R.M. zum Einsatz, für die große Hubraumklasse (über 3 Liter) der 3,5-Liter-V8-Oldsmobile. Wahrscheinlich wurden höchstens zehn Exemplare des G16 gebaut.

Ginetta G15[Bearbeiten]

Ginetta G15

Erfolgreichstes Modell der Marke war die 1968 vorgestellte G15, ein kleines zweisitziges Heckmotor-Coupé, das mit einem 1,0 Liter großen Motor des Hillman Imp ausgestattet war. Vom Imp kam auch die komplette Antriebstechnik. Bis 1974 wurden etwas mehr als 800 Exemplare als Fertigfahrzeuge verkauft. Besonderheit der G15 ist ein vollständig hochklappbares Heck, das den Fahrschemel samt der Einheit Motor-Getriebe-Hinterachse vollständig freilegt und einen Ausbau mit geringstem Aufwand ermöglicht. Gestalterisch ähnlich war die 1973 vorgestellte Ginetta G21, die wie eine Fließheckversion der G15 aussah, aber über einen Frontmotor verfügte. Sie wurde bis 1978 in etwa 180 Exemplaren produziert.

Weitere Modelle[Bearbeiten]

  • Ginetta G2
  • Ginetta G3
  • Ginetta G22
  • Ginetta G23
  • Ginetta GRS
  • Ginetta G25
  • Ginetta G28
  • Ginetta G31
  • Ginetta G32

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Michael Schäfer: Kit for Fun. Geschichte des Unternehmens in: Oldtimer Markt, Heft 6/2010, S. 12 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ginetta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Fahrzeuge der Marke Ginetta sind im deutschen Sprachraum üblicherweise weiblichen Geschlechts.
  2. Oldtimer Markt, Heft 6/2010, S. 21.
  3. Michael Behrndt/Jörg-Thomas Födisch/Matthias Behrndt: ADAC 1000 km Rennen. Heel Verlag, Königswinter 2008, ISBN 978-3-89880-903-0.