Liste der Tunnel auf den Färöern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Liste der Tunnel auf den Färöern nennt die Tunnel chronologisch nach dem Jahr ihrer Inbetriebnahme. Insgesamt sind 17 Straßentunnel in Betrieb.

Waren die ersten Tunnel noch einspurige, unbelüftete und unbeleuchtete Bergtunnel, so werden heute ehrgeizige hochmoderne Unterseetunnel realisiert. Ziel dieser über 40-jährigen konstanten Tätigkeit ist es nicht nur, die Ballungszentren miteinander zu verbinden, sondern auch kleine Dörfer vor der Entvölkerung zu bewahren. Im letzteren Fall sind es weiterhin zumeist unbeleuchtete einspurige Tunnel mit Ausweichbuchten.

Die etwa 48.800 Färinger leben abgeschieden im Nordatlantik. Das Straßennetz der Inseln umfasst etwa 500 Kilometer Landstraßen auf 1.400 Quadratkilometern. 2003 waren rund 24.000 Kraftfahrzeuge angemeldet, darunter 17.000 PKW bei etwa der gleichen Zahl an Privathaushalten. Ein biltúrur (Autotour) ist für viele Insulaner eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Regionalentwicklung 1960er bis heute[Bearbeiten]

Suðuroy[Bearbeiten]

Den Anfang machte 1963 der Tunnel auf der Südinsel Suðuroy für die Straße vom Hauptort Tvøroyri nach Hvalba im Norden. Diese Straße wurde 1969 mit einem zweiten Tunnel nach Sandvík vollendet, während in den Süden der Insel Küstenstraßen und Bergpässe führten. 1997 änderte sich das, als der Tunnel nach Sumba, dem südlichsten Ort des Landes, eröffnet wurde. Hierbei gab es erhebliche Verzögerungen durch eindringendes Wasser im porösen Fels. Norwegische Experten mussten herbei geholt werden. Erst nach zehn Jahren war der Tunnel fertig.

Am 23. Januar 2006 wurde die erste Sprengung für den vierten Tunnel auf der Südinsel ausgelöst, der die Fahrtzeit zwischen den beiden Städten Tvøroyri und Vágur über Øravík und Hov verkürzt und mehr Sicherheit gewährt. Der Tunnel wurde am 20. Oktober 2007 in Betrieb genommen. Er ist beleuchtet und bietet als erster färöischer Tunnel überall Radioempfang.

Nordinseln[Bearbeiten]

Einfahrt zum Hvannasundstunnilin (Hvannasund Tunnel) bei Norðdepil auf der Insel Borðoy.

Auf den sechs extrem bergigen Nordinseln wurde 1965 der erste Tunnel eingeweiht, der Teil der Straße von Klaksvík auf Borðoy nach Viðareiði auf Viðoy ist. Der erste Abschnitt führt nach Árnafjørður, wo die Straße nur kurz an das Tageslicht kommt. Dort führt diese in einem weiteren Tunnel, der 1967 den Weg nach Hvannasund ermöglichte und der durch einen Straßendamm zwischen beiden Inseln komplettiert wurde.

Um die wenig bewohnten Inseln Kalsoy und Kunoy vor der drohenden Entvölkerung zu bewahren, wurden in den 1980er Jahren alle Orte miteinander verbunden. Während von Kunoy (wo nur Haraldssund und Kunoy-Dorf durch einen Tunnel verbunden werden mussten) ein Straßendamm nach Borðoy existiert, ist Kalsoy nach wie vor durch eine Fähre mit Klaksvík verbunden. Fünf Tunnel gaben der länglichen Insel seitdem im Volksmund den Beinamen Blockflöte. Sie verbinden Húsar, Mikladalur und Trøllanes.

Am 29. April 2006 (drei Monate früher als ursprünglich angenommen) wurde der Norðoyatunnilin eröffnet, der mit über sechs Kilometern der längste und zweite unterseeische färöische Tunnel ist. Die Fähre nach Leirvík wurde damit überflüssig.

Eysturoy[Bearbeiten]

1976 entstand der erste zweispurige Tunnel der Färöer. Er ist Teil der Straße 10 von Tórshavn in den Norden Streymoys, über die Brücke am Sundini zur Ostinsel Eysturoy und weiter zum Ballungszentrum am Skálafjørður. Der Tunnel selbst beginnt gleich hinter der Brücke bei Norðskáli. Der Tunnel ist inzwischen modernisiert und hat jetzt Licht und Radioempfang.

1985 folgte der Tunnel von Gøta nach Leirvík, der die bisherige Küstenstraße zu diesem wichtigen Fährhafen abkürzt.

Der Norðoyatunnilin verbindet Leirvík seit 2006 mit der Fischereimetropole Klaksvík.

Streymoy[Bearbeiten]

1977 wurde der erste Tunnel auf der Hauptinsel Streymoy eingeweiht, der die schmale Uferstraße am Leynavatn umgeht. Damit ist die Fahrt von Kollafjørður und Tórshavn nach Leynar und weiter nach Vestmanna bequemer geworden. Inzwischen (2006) wird über einen Tunnel von Leynar nach Vestmanna nachgedacht, der die verschlungene Küstenstraße ablösen soll.

Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 206 nicht mehr aktuell zu sein: Denkphase beendet?
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend

Der Weg von der Hauptstadt in den Norden führte weiterhin über die Straße 10, die an diesem Abschnitt eine Bergstraße ist – häufig von Nebel eingehüllt und entsprechend gefährlich. Seit 1992 existiert dieses Problem nicht mehr, denn der gesamte Reiseverkehr wird an der Ostküste entlang geleitet, wo ein Tunnel ab Kaldbaksbotnur durch den Berg gebohrt wurde.

Bereits 1989 sollte mit der festen Querung nach Vágar begonnen werden. Finanzielle Schwierigkeiten ließen den Vágartunnel erst 2002 Wirklichkeit werden. Für färöische Verhältnisse ist er ein Tunnel der Superlative: der erste Tunnel unter dem Meer zwischen zwei Inseln, dabei gleichzeitig längster und teuerster Tunnel sowie der erste Tunnel, der durch Maut refinanziert wird. Allerdings ist die Maut nicht höher als der bisherige Fährpreis. Die Reise zum Flughafen Vágar verkürzt sich um eine Stunde. Gleichzeitig erfreut sich Vágar seitdem gestiegener Besucherzahlen.

2005 wurde eine Machbarkeitsstudie für den Sandoytunnel vorgelegt, der Streymoy künftig mit der südlichen Region von Sandoy verbinden soll. Dies würde der längste Straßentunnel unter dem Meer werden.

Vágar[Bearbeiten]

Während der britischen Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg wurde der Flughafen Vágar gebaut, sowie eine Straße, die alle großen Orte miteinander verbindet und nach Oyrargjógv im Osten führt, wo nach Streymoy übergesetzt wurde. Mit dem Vágartunnel von 2002 gehört diese Fähre der Geschichte an.

Ein Dorf wurde jedoch nicht angeschlossen: Gásadalur ganz im Westen der Insel. Dieser isolierte Ort war nach einem dänischer Dokumentarfilmtitel 1.700 Meter von der Zukunft entfernt. Inzwischen wurde der Ort mit dem Hubschrauber versorgt. Womöglich wäre er vollständig verlassen worden. Es ging nur um zwölf Bewohner, dennoch ermöglichte der färöische Staat diesen Landsleuten den Anschluss an die Außenwelt mit einem Tunnel, der 2004 fertig wurde. Bis zum 21. Dezember 2006 war er nur mit einem Schlüssel zu öffnen, der im Wesentlichen den Dorfbewohnern vorbehalten war. Die offizielle Freigabe für den Verkehr fand am 21. Dezember 2006 statt [1].

Damit sind alle Orte der Färöer durch Straßen miteinander verbunden.

Sandoy[Bearbeiten]

Bereits 1916 entstand auf der relativ flachen Sandinsel Sandoy die erste Landstraße. Sie verbindet Skopun im Norden mit dem Hauptort Sandur im Süden. Alle anderen Straßen zu den Orten Sandoys erforderten keinen Tunnel. Hier wird schon seit längerem ein stetiger Bevölkerungsrückgang in dieser kleinsten Region der Färöer beobachtet. Möglicherweise könnte der seit längerem diskutierte Sandoytunnel den Bevölkerungsrückgang aufhalten. Die feste Querung in die Hauptstadtregion würde es Pendlern ermöglichen, in Tórshavn zu arbeiten und auf Sandoy zu leben.

Zukunftsvisionen[Bearbeiten]

Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2012 nicht mehr aktuell zu sein: Fertigstellung?
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2012

Während dieser Tunnel kaum vor 2012 fertig sein wird, gehen die Gedanken vieler Färinger schon weiter: Der Anschluss nach Suðuroy. Aufgrund der Entfernung nach Sandoy (etwa 30 Kilometer) ist das weitab jeder konkreten Vorstellung. Sollte es eines Tages Realität werden, bestünde eine direkte Fahrtmöglichkeit mit dem Auto vom nördlichsten Ort Viðareiði bis zum südlichsten Ort Sumba - durch mindestens zwölf Tunnel auf einer Luftlinie von etwa 120 Kilometern.

Realistischer erscheint ein Tunnel zwischen Hvítanes auf Streymoy und Nes auf Eysturoy. Die beiden größten Ballungszentren – Tórshavn und der Skálafjørður – wären danach nur noch etwa sieben Kilometer Autofahrt voneinander entfernt.

Acht der 17 bewohnten Inseln der Färöer werden wahrscheinlich noch sehr lange auf einen unterseeischen Tunnelanschluss warten müssen oder ihn nie bekommen:

Liste der Tunnel[Bearbeiten]

Jahr Färöischer Name Länge (m) Insel(n) verbindet... Bemerkung
1963 Hvalbiartunnilin 1.450 Suðuroy Tvøroyri und Hvalba einspurig, unbeleuchtet
1965 Árnafjarðartunnilin 1.680 Borðoy Klaksvík und Árnafjørður einspurig, unbeleuchtet
1967 Hvannasundstunnilin 2.120 Borðoy Hvannasund und Árnafjørður einspurig, unbeleuchtet, Fortsetzung des Árnafjarðartunnilin
1969 Sandvíkartunnilin 1.500 Suðuroy Hvalba und Sandvík einspurig, unbeleuchtet, Fortsetzung des Hvalbiartunnilin
1976 Norðskálatunnilin 2.520 Eysturoy Ballungsgebiet am Skálafjørður und Norðskáli zweispurig, unbeleuchtet, Verlängerung der Brücke von Streymoy zum Ostteil Eysturoys
1977 Leynatunnilin 760 Streymoy Tórshavn und Kollafjørður mit Leynar und Vestmanna zweispurig, unbeleuchtet, löst eine schmale Uferstraße am Leynavatn ab
1979 Villingadalstunnilin 1.193 Kalsoy Húsar und Mikladalur einspurig, unbeleuchtet, erster Tunnel der „Blockflöte“ Kalsoy
1980 Ritudalstunnilin 683 Kalsoy Húsar und Mikladalur einspurig, unbeleuchtet, zweite Etappe
1980 Mikladalstunnilin 1.082 Kalsoy Húsar und Mikladalur einspurig, unbeleuchtet, dritte Etappe
1985 Trøllanestunnilin 2.248 Kalsoy Mikladalur und Trøllanes einspurig, unbeleuchtet, vierte Etappe, Vollendung der „Blockflöte“
1985 Teymur í Djúpadal 220 Kalsoy Mikladalur und Trøllanes einspurig, unbeleuchtet, Anbindung des unbewohnten Tals Djúpidalur
1985 Leirvíkartunnilin 2.238 Eysturoy Gøta und Leirvík zweispurig, beleuchtet, löst eine sehr schmale, fast gefährliche, Küstenstraße ab
1988 Kunoyartunnilin 3.031 Kunoy Haraldssund und Kunoy-Dorf einspurig, unbeleuchtet, Ergänzung zum Straßendamm nach Borðoy
1992 Kollfjarðartunnilin 2.816 Streymoy Tórshavn und Kollafjørður zweispurig, beleuchtet, löst die Bergstraße von Tórshavn in den Norden ab
1997 Sumbiartunnilin 3.240 Suðuroy Sumba und Lopra zweispurig, unbeleuchtet, löst 10 km Bergpass ab
2002 Vágatunnilin 4.940 Streymoy und Vágar Leynar und Sandavágur zweispurig, beleuchtet, mautpflichtig, verbindet die Hauptstadt mit dem mit Flughafen Vágar bei Sorvag, löst Fähre von Vestmanna nach Oyragjógv ab
2006 Norðoyatunnilin 6.300 Eysturoy und Borðoy Leirvík und Klaksvík zweispurig, beleuchtet, mautpflichtig, verbindet die Nordinseln mit dem Rest des Landes und löst Fähre ab
2006 Gásadalstunnilin 1.400 Vágar Bøur und Gásadalur einspurig, beleuchtet, verbindet einen der isoliertesten Flecken Europas mit der Außenwelt
2007 Hovstunnilin 2.437 Suðuroy Øravík und Hov zweispurig, löste einen neun Kilometer langen einspurigen Bergpassweg ab
? Sandoyartunnilin rund 12.000 Streymoy und Sandoy Tórshavn über Gamlarætt nach Skopun Machbarkeitsstudie April 2005, zweispurig, Ausschreibung nicht vor Einweihung des Norðoyartunnilin 2006, löst Fähre ab

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tunnel auf den Färöern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Tunnil.fo (auf Färöisch. Aktuelles über den Vágartunnel und den Nordinselntunnel)
  • Landsverk.fo (auf Färöisch. Nationaler Straßenbaubetrieb)
  • Hagstova.fo (auf Englisch und Färöisch. Statistisches Landesamt, Liste der Tunnel)
  1. http://www.portal.fo/?lg=35189 Portal.fo: Alment loyvt at koyra til Gásadals (Offiziell erlaubt, nach Gásadalur zu fahren), 19. Dezember 2006.