Ludwig Emil Grimm

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Selbstbildnis von 1813
Selbstbildnis von 1808
Ankunft in Heilbronn
Dorothea Viehmann von Ludwig Grimm

Ludwig Emil Grimm (* 14. März 1790 in Hanau; † 4. April 1863 in Kassel) war Maler(-Professor), Radierer und Kupferstecher. Er war der Bruder von Jacob und Wilhelm Grimm.

Leben[Bearbeiten]

Geboren am 14. März 1790 in Hanau, begeisterte sich Ludwig Emil Grimm schon früh für die Natur und schreibt in den von Stoll 1911 herausgegebenen „Erinnerungen aus meinem Leben“ : „Das war eine wunderschöne Zeit, wie wir so in der Waldeinsamkeit herumschwärmten, wo es so einsam und still war!“[1] 1803 bis 1805 besuchte Grimm das Lyzeum in Kassel, anschließend studierte er an der Akademie in Kassel. 1809 bis 1817 studierte er an der neugegründeten Kunstakademie in München, welches von Januar 1814 bis Juni 1814 von einem freiwilligen Militärdienst unterbrochen wurde. 1829 verlobte sich Ludwig Emil Grimm mit der 26-jährigen Marie Böttner, die er 1832 heiratete. Ein Jahr darauf kam seine Tochter Friederike, auch "Idekchen" genannt, zur Welt. 1832 erhielt er die langersehnte Anstellung als Professor und Lehrer der historischen Malklasse an der „Akademie der Bildenden Künste“ in Kassel. Seine Frau verstarb 1842; 1844 heiratete er erneut, die Tochter des Theologen und Generalsuperintendenten Christoph Friedrich W. Ernst, Friederike Ernst. Seine letzten Arbeiten begann Ludwig Emil Grimm 1860, bis ihm die gesundheitlichen Probleme das Zeichnen unmöglich machten. Am 4. April 1863 verstarb er an den Folgen einer Lungenentzündung.

Werk[Bearbeiten]

Zunächst erhielt der junge Grimm Unterricht an der Akademie in Kassel von Professor Kobold, kurz darauf wechselte er zu Professor Runge. Zusätzlich erhielt er Privatunterricht im Zeichnen bei Galerieinspektor Professor Robert. Nach einer kurzen Unterrichtszeit, die er bei Professor Weise verbrachte und in der er nach eigenen Aussagen nur wenig lernte [2]. Ludwig Emil Grimm kam um 1808 nach München zum Kupferstecher Carl Ernst Christoph Hess, unter dessen Leitung er bald mit der Radiernadel und später auch mit dem Grabstichel Tüchtiges leistete; doch zog er später die Radiernadel vor und verband nur da, wo es Kraft und Harmonie erforderten, mit der erstern die kalte Nadel. In diesen Jahren bestand Grimms künstlerische Tätigkeit hauptsächlich im Zeichnen, Radieren und im Kopieren von Gemälden aus der Hofgalerie. Später radierte Grimm eigene Kompositionen, Landschaften, Tiere, am liebsten Bildnisse. Seine Behandlung der Nadel ist frei, die Gegenstände sind durchgehends rein, zierlich und zuweilen bis zur Vollendung ausgeführt. Nachdem er an den Befreiungskriegen teilgenommen, kehrte er 1814 nach Kassel zurück, besuchte 1816 für nur zwei Monate Italien und arbeitete dann bis Anfang 1818 in München. In diesem Jahr brachte er im Selbstverlag eine Mappe mit dem Titel „Radierte Blätter nach der Natur“ heraus, die zum größten Teil Radierungen von seiner Italienreise beinhaltete. Dank der Beziehungen seiner Brüder zu den akademischen Kreisen in Göttingen schuf der jüngste Grimm Auftragsporträts von Gelehrten, Professoren und Doktoren. So radierte Ludwig 1823 zunächst die erste Serie, 1826 folgte die zweite. Herman Grimm sieht in diesen Werken den Anstoß zu weiteren Aufträgen dieser Art. So porträtierte Ludwig später auch den Dichter Heinrich Heine und den Violinvirtuosen Niccolò Paganini. Mit Gerhardt Wilhelm von Reutern gründete er 1825 die Willingshäuser Malerkolonie. 1832 wurde er Professor an der Akademie zu Kassel. Von dieser Zeit an verlief sein künstlerisches Leben eher ruhig und er arbeitete hauptsächlich an der Verfeinerung seiner Technik. Auf der Reise 1850 nach Steinau und Nürnberg, auf der er von seiner Schwester, Tochter und zweiter Ehefrau begleitete wurde, eine Mappe, angefertigt als Reisetagebuch, die Exkursion. Ab 1860 kommt sein Schaffen aufgrund gesundheitlicher Probleme zum Erliegen. 1863 stirbt Ludwig Emil Grimm an den Folgen der Lungenentzündung.

Besonders bekannt sind vor allem die Porträts seiner Brüder Wilhelm Grimm und Jacob Grimm, als auch die Zeichnung der "Märchenfrau" Dorothea Viehmann aus dem Jahre 1814. 1819 wurde aus dieser Zeichnung eine Radierung. Diese unübliche Darstellung der Zierde eines Märchenbandes bedachte Wilhelm Grimm bereits in den Jahren 1815, verwirklichte dies jedoch erst 1819 bei der zweiten Auflage der "Kinder- und Hausmärchen". Mehrere existierende Studien zeigen hierbei die Entwicklung von Zeichnung zur fertigen Radierung durch Ludwig Emil Grimm. In der zweiten Auflage der Grimmschen Märchensammlung findet sich zusätzlich das erste Bild zu einem Märchen der Grimms, das Titelkupfer zu "Brüderchen und Schwesterchen", ebenfalls von Ludwig Emil Grimm geschaffen. Somit hatte der junge Grimmbruder maßgeblichen Anteil an der Ausgestaltung der "Kinder- und Hausmärchen", die noch heute zu den beliebtesten und meistgelesenen Büchern weltweit gezählt werden[3]. Bekannt ist ebenfalls seine Madonna in einer Landschaft mit Joseph, Georg und Augustin. Eine Sammlung radierter Blätter, enthaltend historische Darstellungen, Genrebilder, Köpfe, Bildnisse und Landschaften, gab er 1840 mit einem Titelblatt: die Märchenerzählerin, heraus, welchem Werk 1854 noch 30 Blätter als Supplement folgten.

Nachfahrenliste der Familie Grimm[Bearbeiten]

Heinrich Grimm (* 12. Dezember 1637 in Bergen-Enkheim; † 11. September 1713 in Dörnigheim) ∞ 2. Juni 1670 Juliane Marie Pezenius (* 2. Juli 1653 in Dillenburg; † 8. Februar 1692 in Hanau)

  1. Friedrich Grimm (der Ältere) (* 16. Oktober 1672 in Hanau; † 4. April 1748 in Hanau) ∞II. 27. Oktober 1701 Kunigunde Juliane Hake (* 6. August 1676 in Rotenburg an der Fulda; † 8. Dezember 1726 in Hanau)
    1. Friedrich Grimm (der Jüngere) (* 11. März 1708; † 20. März 1777) ∞ 6. Oktober 1734 Christine Elisabeth Heilmann (* 22. Oktober 1715 in Birstein; † 17. Februar 1754)
      1. Juliane Charlotte Friederike Grimm (* 3. August 1735; † 18. Dezember 1796 in Hanau) ∞ Jacob Ludwig Schlemmer († 19. April 1785 in Hanau)
      2. Philipp Wilhelm Grimm (* 9. September 1751; † 10. Januar 1796) ∞ 23. März 1783 Dorothea Zimmer (* 20. November 1755 in Kassel; † 27. Mai 1808 in Kassel)
        1. Friedrich Hermann Georg Grimm (* 12. Dezember 1783 in Hanau; † 16. März 1784 in Hanau)
        2. Jacob Ludwig Carl Grimm (* 4. Januar 1785 in Hanau; † 20. September 1863 in Berlin)
        3. Wilhelm Carl Grimm (* 24. Februar 1786 in Hanau; † 16. Dezember 1859 in Berlin) ∞ 15. Mai 1825 Henriette Dorothea (Dortchen) Wild (* 23. Mai 1793 in Kassel; † 22. August 1867 in Eisenach)
          1. Jacob Grimm (* 3. April 1826; † 15. Dezember 1826)
          2. Herman Friedrich Grimm (* 6. Januar 1828; † 16. Juni 1901) ∞ 25. Oktober 1859 Gisela von Arnim (* 30. August 1827; † 4. April 1889)
          3. Rudolf Georg Ludwig Grimm (* 31. März 1830; † 13. November 1889)
          4. Auguste Luise Pauline Marie Grimm (* 21. August 1832; † 9. Februar 1919)
        4. Carl Friedrich Grimm (* 24. April 1787 in Hanau; † 25. Mai 1852 in Kassel)
        5. Ferdinand Philipp Grimm (* 18. Dezember 1788 in Hanau; † 6. Januar 1845 in Wolfenbüttel)
        6. Ludwig Emil Grimm (* 14. März 1790 in Hanau; † 4. April 1863 in Kassel)
          1. ∞ 20. Mai 1832 Marie Böttner (* 9. August 1803; † 15. August 1842)
            1. Friederike (Ideke) Lotte Amalia Maria Grimm (* 23. Juli 1833; † 17. Dezember 1914) ∞ 19. August 1854 Rudolf von Eschwege (* 22. Januar 1821; † 24. November 1875)
          2. ∞ 14. April 1845 Friederike Ernst (* 24. Dezember 1806; † 2. April 1894)
        7. Friedrich Grimm (* 15. Juni 1791 in Steinau; † 20. August 1792 in Steinau)
        8. Charlotte Amalie Grimm (Lotte) (* 10. Mai 1793 in Steinau; † 15. Juni 1833 in Kassel) ∞ 2. Juli 1822 Hans Daniel Ludwig Friedrich Hassenpflug (* 26. Februar 1794 in Hanau; † 10. Oktober 1862 in Marburg)
          1. Karl Hassenpflug (* 5. Januar 1824; † 18. Februar 1890), Bildhauer, verheiratet, kinderlos
          2. Agnes (* 11. Dezember 1825; † 29. Oktober 1829)
          3. Friedrich (* 10. September 1827; † 23. Januar 1892 in Breslau). Oberlandesgerichtsrat in Breslau, verheiratet mit Anna Volmar, Tochter eines Ministerkollegen seines Vaters
          4. Bertha (* 27. April 1829; † 9. Juni 1830)
          5. Ludwig (Luis) (* 1. Dezember 1831; † 11. Oktober 1878 auf Malta), Offizier der Österreichischen Kriegsmarine, verheiratet, kinderlos
          6. Dorothea (* 23. Mai 1833; † 24. Januar 1898 in München)
        9. Georg Eduard Grimm (* 26. Juli 1794 in Steinau; † 19. April 1795 in Steinau)
      3. Neun weitere Kinder
    2. Sechs weitere Kinder


Ludwig-Emil-Grimm-Preis[Bearbeiten]

Seit 2012 vergibt die Stadt Hanau den Ludwig-Emil-Grimm-Preis. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert, von denen 7000 Euro auf den Hauptpreis entfallen. Der Nebenpreis von 3.000 Euro ist für junge Künstler bis zum Alter von 25 Jahren bestimmt. Haupt- und Nebenpreis werden jährlich alternierend vergeben.

Preisträger
  • 2012: Hauptpreis: Hans Traxler (* 1929), Zeichner, Journalist und Schriftsteller

Schriften[Bearbeiten]

  • Erinnerungen aus meinem Leben. Hrsg. und ergänzt von Adolf Stoll. Hesse & Becker, Leipzig 1911 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwig Emil Grimm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ludwig Emil Grimm – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Stoll, Adolf (Hg.): Ludwig Emil Grimm. Erinnerungen aus meinem Leben. Leipzig 1911.
  2. Ebd. S.91. „In Heidelberg unterrichtete mich ein Maler, dessen Namen ich aber ganz und gar vergessen habe; aber er gefiel mir nicht, und seine Arbeiten noch weniger; es kam mir vor, als könne er nicht viel; später sah ich dann ein, daß ich auch ganz richtig geurteilt hatte.“
  3. Spanke Katrin 2009. „Ludwig Emil Grimm - Märchenillustrationen"


Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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