Ludwig Emil Grimm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Selbstbildnis (1813)
Doppelporträt Brüder Grimm (1843)
Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof in Kassel
Ankunft in Heilbronn

Ludwig Emil Grimm (* 14. März 1790 in Hanau; † 4. April 1863 in Kassel) war ein deutscher Maler(-Professor), Radierer und Kupferstecher. Er war der Bruder von Jacob und Wilhelm Grimm.

Leben[Bearbeiten]

Geboren am 14. März 1790 in Hanau, begeisterte sich Ludwig Emil Grimm schon früh für die Natur und schreibt in den von Stoll 1911 herausgegebenen „Erinnerungen aus meinem Leben“ : „Das war eine wunderschöne Zeit, wie wir so in der Waldeinsamkeit herumschwärmten, wo es so einsam und still war!“[1] 1803 bis 1805 besuchte Grimm das Lyzeum in Kassel, anschließend studierte er an der Akademie in Kassel bei J. W. Kobold, kurz darauf wechselte er zu Professor Runge. Zusätzlich erhielt er Privatunterricht im Zeichnen bei Galerieinspektor Professor Ernst F. F. Robert.

Nach einer kurzen Unterrichtszeit in Heidelberg bei Professor Weise, in der er nach eigenen Aussagen nur wenig lernte [2] kam er um 1808 nach München zum Kupferstecher Carl Ernst Christoph Hess, „unter dessen Leitung er bald mit der Radiernadel und später auch mit dem Grabstichel Tüchtiges leistete; doch zog er später die Radiernadel vor und verband nur da, wo es Kraft und Harmonie erforderten, mit der erstern die kalte Nadel“. 1809 bis 1814 studierte er an der neugegründeten Kunstakademie München.

Nachdem er an den Befreiungskriegen teilgenommen hatte, kehrte er 1814 nach Kassel zurück, besuchte 1816 für nur zwei Monate Italien und arbeitete dann bis Anfang 1818 in München.

1829 verlobte sich Ludwig Emil Grimm mit der 26-jährigen Marie Böttner, die er 1832 heiratete. Ein Jahr darauf kam seine Tochter Friederike, auch „Ideken“ genannt, zur Welt. 1832 erhielt er die langersehnte Anstellung als Professor und Lehrer der historischen Malklasse an der „Akademie der Bildenden Künste“ in Kassel. Nachdem Marie 1842 verstorben war heiratete er 1844 die Tochter des Theologen und Generalsuperintendenten Christoph Friedrich W. Ernst, Friederike.

Seine letzten Arbeiten begann Ludwig Emil Grimm 1860, bis ihm gesundheitliche Probleme das Zeichnen unmöglich machten. Am 4. April 1863 verstarb er an den Folgen einer Lungenentzündung.

Werk[Bearbeiten]

Grimms künstlerische Tätigkeit bestand zunächst hauptsächlich im Zeichnen, Radieren und im Kopieren von Gemälden aus der Hofgalerie. Später radierte Grimm eigene Kompositionen, Landschaften, Tiere, am liebsten Bildnisse. Seine Behandlung der Nadel ist frei, die Gegenstände sind durchgehends rein, zierlich und zuweilen bis zur Vollendung ausgeführt. 1818 brachte er im Selbstverlag eine Mappe mit dem Titel „Radierte Blätter nach der Natur“ heraus, die zum größten Teil Radierungen von seiner Italienreise beinhaltete. Bekannt ist aus dieser Phase auch das Gemälde Madonna in einer Landschaft mit St. Joseph, St. Georg und St. Augustin[3]. Dank der Beziehungen seiner Brüder zu den akademischen Kreisen in Göttingen schuf der jüngste Grimm 1823 die erste Serie von Auftragsporträts von Gelehrten, Professoren und Doktoren; bereits 1826 folgte die zweite. Herman Grimm sieht in diesen Werken den Anstoß zu weiteren Aufträgen dieser Art. So porträtierte Ludwig später auch den Dichter Heinrich Heine und den Violinvirtuosen Niccolò Paganini. Mit Gerhardt Wilhelm von Reutern gründete er 1825 die Willingshäuser Malerkolonie.

Bekannt sind vor allem die Porträts seiner Brüder Wilhelm Grimm und Jacob Grimm, und die Zeichnung der "Märchenfrau" Dorothea Viehmann aus dem Jahre 1814, von der er 1819 auch eine Radierung anfertigte, die auf dem Einband der zweiten Auflage der "Kinder- und Hausmärchen" veröffentlicht wurde. Mehrere erhaltene Studien lassen die Entwicklung von Zeichnung zur fertigen Radierung erkennen. In dieser Auflage erschien auch sein erstes Bild zu einem Märchen der Grimms, das Titelkupfer zu "Brüderchen und Schwesterchen". Somit hatte der junge Grimmbruder maßgeblichen Anteil an der Ausgestaltung der "Kinder- und Hausmärchen", die noch heute zu den beliebtesten und meistgelesenen Büchern weltweit gezählt werden[4].

Nach der Anstellung an der Akademie zu Kassel verlief Grimms künstlerisches Leben eher ruhig und er arbeitete hauptsächlich an der Verfeinerung seiner Technik. Eine Sammlung radierter Blätter, enthaltend historische Darstellungen, Genrebilder, Köpfe, Bildnisse und Landschaften, gab er 1840 mit dem Titelblatt: Die Märchenerzählerin heraus. Auf einer Reise 1850 nach Steinau an der Straße und Nürnberg, auf der er von seiner Familie begleitete wurde, entstand eine Mappe von 83 Federzeichnungen als Reisetagebuch. 1854 folgten noch 30 Blätter als Supplement der Radierungssammlung von 1840.

Nachfahrenliste der Familie Grimm[Bearbeiten]

Heinrich Grimm (* 12. Dezember 1637 in Bergen-Enkheim; † 11. September 1713 in Dörnigheim) ∞ 2. Juni 1670 Juliane Marie Pezenius (* 2. Juli 1653 in Dillenburg; † 8. Februar 1692 in Hanau)

  1. Friedrich Grimm (der Ältere) (* 16. Oktober 1672 in Hanau; † 4. April 1748 in Hanau) ∞II. 27. Oktober 1701 Kunigunde Juliane Hake (* 6. August 1676 in Rotenburg an der Fulda; † 8. Dezember 1726 in Hanau)
    1. Friedrich Grimm (der Jüngere) (* 11. März 1708; † 20. März 1777) ∞ 6. Oktober 1734 Christine Elisabeth Heilmann (* 22. Oktober 1715 in Birstein; † 17. Februar 1754)
      1. Juliane Charlotte Friederike Grimm (* 3. August 1735; † 18. Dezember 1796 in Hanau) ∞ Jacob Ludwig Schlemmer († 19. April 1785 in Hanau)
      2. Philipp Wilhelm Grimm (* 9. September 1751; † 10. Januar 1796) ∞ 23. März 1783 Dorothea Zimmer (* 20. November 1755 in Kassel; † 27. Mai 1808 in Kassel)
        1. Friedrich Hermann Georg Grimm (* 12. Dezember 1783 in Hanau; † 16. März 1784 in Hanau)
        2. Jacob Ludwig Carl Grimm (* 4. Januar 1785 in Hanau; † 20. September 1863 in Berlin)
        3. Wilhelm Carl Grimm (* 24. Februar 1786 in Hanau; † 16. Dezember 1859 in Berlin) ∞ 15. Mai 1825 Henriette Dorothea (Dortchen) Wild (* 23. Mai 1793 in Kassel; † 22. August 1867 in Eisenach)
          1. Jacob Grimm (* 3. April 1826; † 15. Dezember 1826)
          2. Herman Friedrich Grimm (* 6. Januar 1828; † 16. Juni 1901) ∞ 25. Oktober 1859 Gisela von Arnim (* 30. August 1827; † 4. April 1889)
          3. Rudolf Georg Ludwig Grimm (* 31. März 1830; † 13. November 1889)
          4. Auguste Luise Pauline Marie Grimm (* 21. August 1832; † 9. Februar 1919)
        4. Carl Friedrich Grimm (* 24. April 1787 in Hanau; † 25. Mai 1852 in Kassel)
        5. Ferdinand Philipp Grimm (* 18. Dezember 1788 in Hanau; † 6. Januar 1845 in Wolfenbüttel)
        6. Ludwig Emil Grimm (* 14. März 1790 in Hanau; † 4. April 1863 in Kassel)
          1. ∞ 20. Mai 1832 Marie Böttner (* 9. August 1803; † 15. August 1842)
            1. Friederike (Ideke) Lotte Amalia Maria Grimm (* 23. Juli 1833; † 17. Dezember 1914) ∞ 19. August 1854 Rudolf von Eschwege (* 22. Januar 1821; † 24. November 1875)
          2. ∞ 14. April 1845 Friederike Ernst (* 24. Dezember 1806; † 2. April 1894)
        7. Friedrich Grimm (* 15. Juni 1791 in Steinau; † 20. August 1792 in Steinau)
        8. Charlotte Amalie Grimm (Lotte) (* 10. Mai 1793 in Steinau; † 15. Juni 1833 in Kassel) ∞ 2. Juli 1822 Hans Daniel Ludwig Friedrich Hassenpflug (* 26. Februar 1794 in Hanau; † 10. Oktober 1862 in Marburg)
          1. Karl Hassenpflug (* 5. Januar 1824; † 18. Februar 1890), Bildhauer, verheiratet, kinderlos
          2. Agnes (* 11. Dezember 1825; † 29. Oktober 1829)
          3. Friedrich (* 10. September 1827; † 23. Januar 1892 in Breslau). Oberlandesgerichtsrat in Breslau, verheiratet mit Anna Volmar, Tochter eines Ministerkollegen seines Vaters
          4. Bertha (* 27. April 1829; † 9. Juni 1830)
          5. Ludwig (Luis) (* 1. Dezember 1831; † 11. Oktober 1878 auf Malta), Offizier der Österreichischen Kriegsmarine, verheiratet, kinderlos
          6. Dorothea (* 23. Mai 1833; † 24. Januar 1898 in München)
        9. Georg Eduard Grimm (* 26. Juli 1794 in Steinau; † 19. April 1795 in Steinau)
      3. Neun weitere Kinder
    2. Sechs weitere Kinder


Ludwig-Emil-Grimm-Preis[Bearbeiten]

2012 vergab die Stadt Hanau erstmals den Ludwig Emil Grimm-Preis für Bildende Kunst an Hans Traxler (*1929), Zeichner, Journalist und Schriftsteller. Ab 2015 wird der Preis in Höhe von 2.500 Euro durch bürgerschaftliches Engagement getragen und von einer Werkschau begleitet.[5]

Bronzestatue von Ludwig Emil Grimm[Bearbeiten]

2014 wurde mit Förderung des Betreiberehepaars eine lebensgroße Bronzestatue von Grimm vor dem Hotel "Zum Riesen" in Hanau aufgestellt. Anlass ist ein Aufenthalt Grimms in diesem Hotel anlässlich des Silvesterballs 1819, an welchen er sich mit folgenden Worten erinnert: „Vor Neujahr wurde ich von Forstassessor Balde nach Hanau eingeladen, wo ich Karl Blum fand und den Geheimen Rat Leonardi von München. Wir brachten den Silvesterabend im „Riesen“ auf einem Ball zu, wo die Damen weit schöner als in Frankfurt waren, dazu sehr schön gewachsen“.[6] Entworfen und gebaut wurde die Figur von dem Hanauer Künstler Joerg Eyfferth, der damit als Maler bildhauerisch tätig wurde. Ludwig Emil Grimm sitzt, im Stile des Biedermeier gekleidet, mit Frack, geknotetem Halstuch und Zylinder auf einer Granitbank. Er scheint den Betrachter konzentriert zu fixieren, um ihn in seinem Skizzenbuch festzuhalten. Schaut man ihm über die Schulter, findet man einen Auszug seiner Lebenserinnerungen auf dem Blatte notiert.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Radierte Blätter nach der Natur, München 1818
  • Kurze Lebensbeschreibung einer merkwürdigen und liebevollen Sau, gezeichnet in Ihringshausen 1849
  • Reisetagebuch in Bildern, 1850
  • Carlemann u. Ideken, 28 Kinderzeichnungen
  • Erinnerungen aus meinem Leben. Hrsg. und ergänzt von Adolf Stoll. Hesse & Becker, Leipzig 1911 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwig Emil Grimm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ludwig Emil Grimm – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Stoll, Adolf (Hg.): Ludwig Emil Grimm. Erinnerungen aus meinem Leben. Leipzig 1911.
  2. Ebd. S.91. „In Heidelberg unterrichtete mich ein Maler, dessen Namen ich aber ganz und gar vergessen habe; aber er gefiel mir nicht, und seine Arbeiten noch weniger; es kam mir vor, als könne er nicht viel; später sah ich dann ein, daß ich auch ganz richtig geurteilt hatte.“
  3. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon S. 382
  4. Spanke Katrin 2009. „Ludwig Emil Grimm - Märchenillustrationen"
  5. Homepage der Stadt Hanau
  6. Ludwig Emil Grimm, Erinnerungen aus meinem Leben, Hamburg, Herausgeber Adolf Stoll, Severus Verlag, Hamburg 2012, S. 337.


Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt, dies belegt ist und er den heutigen sprachlichen Anforderungen genügt.

Um danach auf den Meyers-Artikel zu verweisen, kannst du {{Meyers Online|Band|Seite}} benutzen.