Luigi Lucheni

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Luigi Lucheni
Das Attentat auf Kaiserin Elisabeth
Luigi Lucheni wird von Polizisten zum Verhör geführt
Die Tatwaffe Luchenis

Luigi Lucheni (* 22. April 1873 in Paris; † 19. Oktober 1910 in Genf), auch Louis Lucheni, war der Mörder der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi).

Leben[Bearbeiten]

Lucheni wurde als Sohn einer alleinstehenden italienischstämmigen Arbeiterin in Frankreich geboren, wuchs zunächst im Waisenhaus und dann bei verschiedenen Familien auf, die jedoch wahrscheinlich bloß Interesse am Pflegegeld für ihn hatten. Er durfte nur selten die Schule besuchen, da man auf seine Arbeitskraft nicht verzichten wollte. Der schwächliche Junge war u. a. bei einem Steinmetz tätig, für den er schwere Eisenbahnschwellen schleppen musste.[1] Seit seinem zehnten Lebensjahr musste er hart arbeiten und fand nach langer Suche schließlich aushilfsweise Beschäftigungen auf Baustellen in der Schweiz. 1896 nahm Lucheni in der italienischen Kavallerie am Abessinienfeldzug teil und wurde ausgezeichnet. Seine drei Jahre Militärdienst waren ein Lichtblick in seinem Leben, da er ordentliche Kleidung und regelmäßiges Essen bekam, auch wenn er wegen seiner Aufmüpfigkeit von den Ausbildern schikaniert wurde. Doch der erhoffte Aufstieg im zivilen Leben blieb nach der erfolgreichen Militärzeit aus. Der Prinz von Aragon hatte ihn zwar nach dem Ende der Militärzeit als Diener mit nach Palermo genommen und er war gut von dessen Familie aufgenommen worden, aber er war nicht in der Lage, über eine längere Zeit einer ordentlichen Beschäftigung nachzugehen.

So schlug sich Lucheni nach einiger Zeit nach Genua durch, wo er auf Gleichgesinnte, die ebenfalls Monarchiefeinde waren, traf. Schließlich wanderte er mit einigen Kumpanen in die Schweiz aus, wo es angeblich gute Verdienstmöglichkeiten gab. Ohne Geld schaffte er es mitten im Winter, die Füße nur mit Lumpen umwickelt, bis nach Genf, wo er eine Anstellung fand.[1]

Die Armut der unteren Schichten und sein eigenes Leben am Existenzminimum ließen in Lucheni Hass auf die Obrigkeit wachsen. Er begann, sich für den Anarchismus zu öffnen und die Werke entsprechender Theoretiker zu studieren. Bald sah er in Monarchen und Fürsten nur noch lästige Parasiten. Als der italienische König Umberto I. im Mai 1898 einen Arbeiteraufstand in Mailand blutig niederschlagen ließ, schwor Lucheni Rache und fasste Attentatspläne, hatte allerdings kein Geld für eine Reise nach Italien. Auch sein Plan, den Prinzen Henri Philippe Marie d’Orléans zu ermorden, scheiterte an dessen kurzfristig gestrichenem Aufenthalt in Genf.

Von einer Ankündigungstafel des Fremdenverkehrsamtes von Genf und durch Gerüchte erfuhr er schließlich vom Besuch der österreichischen Kaiserin. Geduldig wartete er am 10. September 1898 vor dem Luxushotel Beau-Rivage. Als Elisabeth mit ihrer Hofdame Gräfin Irma Sztáray auf dem Weg zu einem Dampfer am Genfersee war, versetzte er ihr mit einer Feile eine 85 mm tiefe Stichwunde in den Herzbeutel. Nachdem die Wunde zunächst unbemerkt blieb, starb die Kaiserin nach mehreren Ohnmachtsanfällen am gleichen Nachmittag. Lucheni hatte damit sein Ziel erreicht, ein Mitglied der ihm verhassten Aristokratie zu ermorden und die Öffentlichkeit zu schockieren.

Wenige Minuten nach dem Übergriff, den man zunächst für die Attacke eines Rowdys hielt, wurde er von Passanten festgehalten und der Polizei übergeben. Er bekannte sich sofort stolz zu der Tat. Als gegen 14.50 Uhr der Tod Elisabeths gemeldet wurde, triumphierte Lucheni vollkommen. Am 10. November wurde er wegen Mordes an der Kaiserin zu lebenslanger Haft verurteilt. Lucheni selbst hatte für sich – mit dem zweischneidigen, auch gegen den Adel gerichteten Argument, wer nicht arbeite, soll auch nicht essen – die Todesstrafe gefordert, möglicherweise auch, um einen letzten öffentlichen Auftritt unter der Guillotine zu haben und als Märtyrer in die Anarchistenbewegung einzugehen. Daher hatte der Attentäter seine Auslieferung an Italien verlangt, wo die Todesstrafe nicht, wie im Kanton Genf, abgeschafft war. Dem wurde jedoch nicht entsprochen. Seine Tat hatte noch im selben Jahr die Internationale Konferenz von Rom für die soziale Verteidigung gegen Anarchisten zur Folge.

Lucheni griff wiederholt Gefängniswärter und den Gefängnisdirektor an. Letzteren versuchte er mit einer Ahle zu erstechen, mit der er während des Pantoffelflechtens in seiner Zelle arbeitete. In einer Gefängniszelle (Einzelhaft), in die er zum wiederholten Male wegen seines aggressiven Verhaltens – nachdem man ihm seine Lebenserinnerungen weggenommen hatte – gebracht worden war, erhängte sich Lucheni am 19. Oktober 1910 mit einem Gürtel.[2]

Luchenis Kopf wurde abgetrennt und von der Schweiz an Österreich-Ungarn übergeben. Er befand sich bis 2000, ohne dass es zu der beabsichtigten phrenologischen Untersuchung gekommen war, im Wiener Narrenturm.[3] Anschließend wurde der Schädel in aller Stille auf dem Wiener Zentralfriedhof in den so genannten Anatomiegräbern beigesetzt.[4]

Die Tatwaffe[Bearbeiten]

Eigentlich wollte Lucheni sich einen Revolver kaufen, allerdings fehlten ihm für diese Anschaffung die Mittel. Auch für einen Dolch reichte sein Geld nicht, lediglich für eine Feile, die auf drei Seiten geschliffen war und die gerade so lang war, dass man mit einem präzisen Stich mitten ins Herz einen tödlichen Treffer setzen konnte. Ein Bekannter Luchenis, Martinelli, brachte ihm einen festen Griff an der Feile an.[1] Die originale Tatwaffe wird im Sisi-Museum in der Wiener Hofburg ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Matray, Answald Krüger: Das Attentat. Der Tod der Kaiserin Elisabeth und die Tat des Anarchisten Lucheni. Langen Müller, München 1998², ISBN 3-7844-2694-8
  • Santo Cappon (Hrsg.): Ich bereue nichts!. Die Aufzeichnungen des Sisi-Mörders. Paul Zsolnay Verlag, Wien 1998, ISBN 3-552-04913-4
  • Stefan Thomas Kunze: Luigi Lucheni oder die Zerlegung des Zufallsprinzips. Fischer Verlag, Aachen 2013. ISBN 978-3-8422-4113-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Luigi Lucheni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Sigrid-Maria Größing: AEIOU Glück und Unglück des österreichischen Kaiserhauses, Amalthea Verlag
  2. Sigrid-Maria Größing: Mord im Hause Habsburg
  3. Wiener Medizinische Wochenschrift, Band 158/11–12, 2008, S. 312–313
  4. http://www.springermedizin.at/artikel/6099-der-kopf-des-moerders-narrenturm-22