Mars-Werke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Emblem an einen Automobil von Mars
Mars A 20 („Weiße Mars“)
Mars Automobil von 1903
Mars-Motorrad mit 174 cm³-Motor von Fichtel & Sachs
Mars-Monza mit 49 cm³-JLO-Motor

Die Mars-Werke waren ein Unternehmen der Fahrzeugproduktion aus Nürnberg.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1873 gründete Paul Reissmann die Firma Mars zur Herstellung von gusseisernen, sogenannten amerikanischen Öfen in der Siegmundstraße in Nürnberg-Doos. Es folgte die Produktion von Hand-, Riemen- und Motorsirenen, Schleifmaschinen und auch Fahrrädern. 1903 begann man mit dem Bau von Motorrädern und startete im gleichen Jahr mit der Herstellung von wenigen Automobilen, für deren Antrieb 1000-cm³-De-Dion-Bouton-Motoren mit einem Zylinder Verwendung fanden. Der Automobilbau endete jedoch bereits im Jahr 1909. Für die Motorräder kamen Schweizer Motosacoche- und Zedelmotoren zum Einbau.

Die berühmteste Konstruktion war die von Ing. Claus Richard Franzenburg 1920 entworfene, legendäre Weiße Mars, die, entgegen der Bezeichnung, auch in roter oder grüner Farbe erhältlich war. Der ebenfalls von Franzenburg konstruierte Zweizylinder-Boxermotor wurde bei der renommierten Firma Maybach in Friedrichshafen ausschließlich für Mars hergestellt. Der luftgekühlte, seitengesteuerte Motor wurde mit Handkurbel gestartet, hatte einen Hubraum von 956 cm³ und wurde längs in den aus Stahlblechen geschweißten und genieteten Kastenrahmen eingebaut. Das Getriebe befand sich über dem hinteren, der Magnet über dem vorderen Zylinder.

Mars baute auch Wettbewerbsmachinen dieses Typs, die große sportliche Erfolge ermöglichten. Die Werksrennfahrer Ernst Schulz und Heinz Wilhelm errangen 1921 die Plätze 1 und 2 der Bayerischen Meisterschaft.

Das Werk kam während der Inflation 1923/1924 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Brüder Johann und Karl Müller, die als Betriebsleiter und Konstrukteur bei Mars tätig waren, übernahmen das Werk, nicht jedoch den Markennamen. Die Maschinen wurden nach diesem Eigentümerwechsel unter dem Namen „M.A.“ vertrieben.

Vom Ende der 1920er Jahre an bis zum Zweiten Weltkrieg baute man bei Mars Motorräder mit Einbaumotoren von Motosacoche, Villiers, Sachs, J. A. P. und Sturmey-Archer. Es handelte sich sowohl um Zweitakt- als auch um Viertaktmaschinen verschiedener Hubräume.

Nach 1945 konstruierte Ing. Rudi Albert, der vorher als Chefkonstrukteur bei Allright in Köln und Phänomen in Zittau wirkte, die Stella mit 147, 174 und 198 cm³ Sachs-Motoren und das letzte Leichtmotorrad von Mars, die Monza mit einem 49-cm³-Motor. Im Jahre 1958 war Mars gezwungen, wie sehr viele deutsche Zweiradhersteller in dieser Zeit, Konkurs anzumelden. Die Gritzner-Kayser AG in Karlsruhe-Durlach hat noch kurzzeitig den Bau der Monza weitergeführt und auch die Fertigungsanlagen eines weiteren Mopeds erhalten, der Milano. Die Mopedproduktion wurde bei Gritzner bis in die 1960er Jahre aufrechterhalten.

Lizenzen[Bearbeiten]

Slatiňanská továrna automobilů R. A. Smekal aus Slatiňany, damals Österreich-Ungarn, fertigte Fahrzeuge nach einer Lizenz von Mars.

Literatur[Bearbeiten]

Briefmarke 1983
  • Erwin Tragatsch: Alle Motorräder 1894 bis heute. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-410-7.
  • Tilman Werner: Von Ardie bis Zündapp. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-613-01287-1.
  • Matthias Murko: Motorrad Legenden. W. Tümmels, Nürnberg 1994, ISBN 3-921590-27-2.
  • Thomas Reinwald: Motorräder aus Nürnberg. ZWEIRAD-Verlag, Erlangen 1994, ISBN 3-929136-03-1.
  • Thomas Reinwald: Nürnberger Motorradindustrie. PODSZUN, Brilon 2002, ISBN 3-86133-299-X.
  • Halwart Schrader: Deutsche Autos 1885-1920. Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02211-7
  • G. N. Georgano: Autos. Encyclopédie complète. 1885 à nos jours, Courtille, 1975 (französisch)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien