Stoewer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert den ehemaligen deutschen Auto- und Fahrradhersteller Stoewer. Weitere Träger des Namens Stoewer oder Stöwer sind unter Stöwer zu finden.
Emblem
Stoewer von 1910
Stoewer Sedina Cabriolet 1937–1940
Kühlerfigur Stoewer Sedina 1937–1940

Stoewer war ein von 1858 bis 1945 in Stettin ansässiges Unternehmen. Es wurde vorwiegend als Auto- und Fahrradhersteller bekannt.

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1858 von Bernhard Stoewer in Stettin als Feinmechanische Reparaturwerkstatt gegründet. Im gleichen Jahr wurde auch mit der Produktion von Nähmaschinen begonnen.

Ab 1893 wurde die Produktion von Fahrrädern und ab 1903 auch die Herstellung von Schreibmaschinen aufgenommen.

Im Jahre 1896 wurde das Stettiner Eisenwerk Bernhard Stoewer sen. ausgegründet, das die Stammfirma mit Teilen für die Fahrradproduktion belieferte und zusätzlich mit der Produktion von Gussöfen begann. Gleichzeitig wurde das Stammwerk unter dem Namen Nähmaschinen- und Fahrräder Fabrik Bernhard Stoewer in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Im Jahre 1899 wurde das Eisenwerk von den Söhnen (Bernhard Stoewer jun. und Emil Stoewer) übernommen, und in Gebrüder Stoewer, Fabrik für Motorfahrzeuge umbenannt. Im gleichen Jahr wurde als erstes Modell der Große Stoewer Motorwagen vorgestellt. Stoewer gehört damit zu den Pionieren des Autobaus in Deutschland.

Die Umwandlung in die Aktiengesellschaft Stoewer-Werke AG, vormals Gebr. Stoewer erfolgte 1916. Von 1917 bis 1926 baute Stoewer auch Traktoren. Ab 1926 war Fritz Fiedler im Unternehmen tätig und stellte 1927 als sein erstes Modell den gemeinsam mit Bernhard Stoewer jun. entwickelten F 6 (6/30 PS) mit 1,6-Liter-Vierzylindermotor vor. Stoewer-Chefkonstrukteur Fiedler ging Ende 1929 zunächst nach Zwickau zu Horch und wechselte Mitte 1932 ins BMW-Werk Eisenach.

In den 1920er Jahren machte sich das Unternehmen einen Namen als Kleinserienhersteller hochwertiger und sportlicher Luxuswagen, die auf Augenhöhe mit Horch und Mercedes konkurrierten. Der S 8 (8/45 PS) mit 45-PS-Achtzylinder-Reihenmotor und Hinterradantrieb stellte 1928 in seiner Klasse ein solides Angebot dar, gefolgt vom G 15 Gigant (15/80 PS) mit 80-PS-Achtzylindermotor, der bis 1933 in Produktion blieb. Spitzenmodell war der P 20 Repräsentant (20/100 PS) mit 100-PS-Achtzylinder, von dem jedoch von 1930 und 1933 nur 24 Fahrzeuge entstanden. Stoewer versuchte nie, auf dem Massenmarkt zu konkurrieren, und die solide Finanzbasis ermöglichte es, das große Sterben der Autohersteller in der Weltwirtschaftskrise zu überleben.

Arkona Cabriolet, 1939

Im Jahr 1930 begann Stoewer einen ersten kleinen Wagen mit Frontantrieb zu entwickeln. Der Stoewer V 5 mit Vierzylinder-V-Motor (1,2 Liter Hubraum, 25 PS) war im selben Jahr fertig zum Test. Ab Januar 1931 wurden in Serie 2100 Wagen bis 1932 gebaut. Vom Nachfolger Stoewer R 140 mit 1,4-l-Reihenmotor (30 PS) verließen 2310 Fahrzeuge das Werk in Stettin. Danach folgten die immer größer werdenden Mittelklassewagen R 150 (1,5-Liter, 35 PS, 1934) und R 180 (1,8-Liter, 45 PS, 1935) sowie 1934 der Stoewer Greif V8 mit einem 2,5-Liter Achtzylinder-V-Motor und 57 PS Leistung. Alle Wagen waren frontgetrieben.

Die späteren Modelle hatten wieder den konventionellen Hinterradantrieb: Greif Junior (1,5-Liter-Vierzylinder, 1935), Sedina (2,4-Liter-Vierzylinder, 1937) und als Nachfolger des Greif V8 der Arkona (3,6-Liter-Sechszylinder, 1937).

Das Stettiner Unternehmen war ab Mitte der 1930er Jahre im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht in die zentral gelenkte Rüstungsproduktion eingebunden. Der bei Stoewer entwickelte und dort von 1936 bis 1943 gefertigte Leichte Einheits-Pkw (LEPKW) mit Allradantrieb wurde mit 11.000 Wagen zum meistgebauten Stoewer-Fahrzeug. Als Lizenzbau stellte ihn auch das BMW-Werk Eisenach als BMW 325 sowie Hanomag in Hannover (Hanomag 20 B) her.

Auf Anordnung der NS-Regierung wurde 1937 der Stoewer-Flugmotorenbau in die Tochterfirma Pommersche Motorenbau GmbH in Arnimswalde[1] (heute Załom, Polen) ausgelagert. Im Jahre 1941 baute Stoewer Fahrgestelle des Panzerkampfwagen I zum Flakpanzer I um. Ab 1943 baute das Stettiner Werk in Lizenz das NSU-Kettenkrad.

Nach Kriegsende fiel Stettin an Polen und die Firmengeschichte endete. Die Werksanlagen wurden demontiert und in die UdSSR verbracht. Im Polytechnischen Museum in Moskau befindet sich das einzig erhaltene Exemplar des Großen Motorwagens.

PKW-Modelle[Bearbeiten]

Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung Vmax
10 PS 1901–1902 2 Reihe 1527 cm³ 18 PS (13,2 kW) 50 km/h
8/14 PS 1902–1905 2 Reihe 1527 cm³ 14 PS (10,3 kW) 50 km/h
20 PS 1904–1905 4 Reihe 7946 cm³ 45 PS (33 kW) 85 km/h
P4 (11/22 PS) 1905–1910 4 Reihe 3054 cm³ 22 PS (16,2 kW) 70 km/h
P2 (9/12 PS) 1906–1907 2 Reihe 2281 cm³ 16 PS (11,8 kW) 55 km/h
P4-1 (24/36 PS) 1906–1910 4 Reihe 5880 cm³ 40 PS (29 kW) 80 km/h
P6 (34/60 PS) 1906–1911 6 Reihe 8820 cm³ 60 PS (44 kW) 95 km/h
G4 (6/12 PS) 1907–1911 4 Reihe 1500 cm³ 12 PS (8,8 kW) 60 km/h
PK4 (11/20 PS) 1909–1912 4 Reihe 2544 cm³ 20 PS (14,7 kW) 70 km/h
C1 (6/18 PS) 1909–1915 4 Reihe 1546 cm³ 18 PS (13,2 kW) 70 km/h
B1 (6/16 PS) 1910–1912 4 Reihe 1556 cm³ 16 PS (11,8 kW) 65 km/h
B6 (9/22 PS) 1912–1914 4 Reihe 4900 cm³ 45 PS (33 kW) 95 km/h
C2 (10/28 PS) 1913–1914 4 Reihe 2412 cm³ 28 PS (20,6 kW) 75 km/h
C5 (6/18 PS) 1915–1919 4 Reihe 1546 cm³ 15 PS (11 kW) 70 km/h
D2 (6/18 PS) 1919–1920 4 Reihe 1593 cm³ 18 PS (13,2 kW) 70 km/h
D6 (19/55 PS) 1919–1921 6 Reihe 4960 cm³ 55 PS (40 kW) 100 km/h
D7 (42/120 PS) 1919–1921 6 Reihe 11.160 cm³ 120 PS (88 kW) 160 km/h
D3 (8/24 PS) 1920–1923 4 Reihe 2120 cm³ 24 PS (17,6 kW) 70 km/h
D5 (12/36 PS) 1920–1923 6 Reihe 3107 cm³ 36 PS (26,5 kW) 80 km/h
D9 (8/32 PS) 1923–1924 4 Reihe 2290 cm³ 32 PS (23,5 kW) 90 km/h
D12 (12/45 PS) 1923–1924 6 Reihe 3107 cm³ 45 PS (33 kW) 100 km/h
D10 (10/50 PS) 1924–1925 4 Reihe 2580 cm³ 50 PS (37 kW) 120 km/h
D9V (9/32 PS) 1925–1927 4 Reihe 2290 cm³ 32 PS (23,5 kW) 90 km/h
D12V (13/55 PS) 1925–1928 6 Reihe 3386 cm³ 55 PS (40 kW) 100 km/h
F6 (6/30 PS) 1927–1928 4 Reihe 1570 cm³ 30 PS (22 kW) 70 km/h
8 Typ S 8 (8/45 PS) 1928 8 Reihe 1999 cm³ 45 PS (33 kW) 85 km/h
8 Typ G 14 (14/70 PS) 1928 8 Reihe 3633 cm³ 70 PS (51 kW) 100 km/h
8 Typ S 10 (10/50 PS) 1928–1930 8 Reihe 2464 cm³ 50 PS (37 kW) 90 km/h
Gigant G 15 K (15/80 PS) 1928–1933 8 Reihe 3974 cm³ 80 PS (59 kW) 110 km/h
Gigant G 15 (15/80 PS) 1928–1933 8 Reihe 3974 cm³ 80 PS (59 kW) 100 km/h
Repräsentant P 20 (20/100 PS) 1930–1933 8 Reihe 4906 cm³ 100 PS (74 kW) 120 km/h
Marschall M 12 (12/60 PS) 1930–1934 8 Reihe 2963 cm³ 60 PS (44 kW) 90 km/h
V 5 1931–1932 4 V 1168 cm³ 25 PS (18,4 kW) 80 km/h
V 5 Sport 1931–1932 4 V 1168 cm³ 30 PS (22 kW) 100 km/h
R 140 1932–1933 4 Reihe 1355 cm³ 30 PS (22 kW) 85–105 km/h
R 140 1933–1934 4 Reihe 1466 cm³ 30 PS (22 kW) 85–105 km/h
R 150 1934–1935 4 Reihe 1466 cm³ 35 PS (25,7 kW) 90–110 km/h
Greif V8 1934–1937 8 V 2489 cm³ 55 PS (40 kW) 110 km/h
R 180 1935 4 Reihe 1769 cm³ 45 PS (33 kW) 105 km/h
Greif V8 Sport 1935–1937 8 V 2489 cm³ 57 PS (42 kW) 120 km/h
Greif Junior 1936–1939 4 Boxer 1484 cm³ 34 PS (25 kW) 100 km/h
Sedina 1937–1940 4 Reihe 2406 cm³ 55 PS (40 kW) 110 km/h
Arkona 1937–1940 6 Reihe 3610 cm³ 80 PS (59 kW) 120–140 km/h

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Maerz: Die Geschichte der Stoewer-Automobile. Kohlhammer Edition, Stuttgart u. a. 1983, ISBN 3-17-007931-X.
  • Paul Keienburg: Pionier aus Pommern: Stoewer V5. Deutschlands erster Serien-Fronttriebler. In: Oldtimer Markt 14, 2006, 8, ISSN 0943-7320, S. 156–163.
  • Halwart Schrader: Deutsche Autos. Band 1: 1885–1920. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02211-7.
  • Werner Oswald: Deutsche Autos. Band 2: 1920–1945. 2. Neuauflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-613-02170-6.
  • Pawel Migdalski, Udział samochodów z fabryki Stoewera w zawodach sportowych. Przyczynek do historii sportu samochodowego na Pomorzu w latach 1919–1939. [Die Autos aus der Stoewer-Fabrik in den Sportwettkämpfen. Ein Beitrag zur Geschichte des Autosports in Pommern in den Jahren 1919–1939]. In: Przegląd Zachodniopomorski 17, 2002, 2, ISSN 0552-4245, S. 39–60.

nur noch im Stoewer Museum erhältlich:

  • Hans Mai: Stoewer Automobile. 1896–1945. Vom Einzylinder zum Achtzylinder. Preuß, Darmstadt 1999, ISBN 3-928746-07-3.
  • Hans Falkenberg: Stoewer Automobile aus Pommern. Lebensgeschichte, Erfolge und Probleme eines ostdeutschen Industrieunternehmens. Bebildert mit alten Ansichtskarten und Photographien. Selbstverlag, Kiel 1986, (Stettiner Schriften 1, ZDB-ID 2169386-9), (nur noch im Stoewer Museum Wald-Michelbach und im Haus Stettin in Lübeck erhältlich).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stoewer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.architekten-portrait.de – Godber Nissen