Meterspur

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Diesellokomotive der SNCFT im Bahnhof Sfax, dem Endbahnhof der schnellsten Meterspurstrecke weltweit

Der Begriff Meterspur bezeichnet bei Eisen- und Straßenbahnen eine Variante der Schmalspur mit einer Spurweite von tausend Millimetern, also einem Meter. Mit Ausnahme von Ozeanien und Nordamerika findet man diese Spurweite auf allen Kontinenten, oft auch als Spurweite der Hauptbahnen.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Attergaubahn ist eine der wenigen meterspurigen Bahnstrecken in Österreich.

In Europa besitzt heute Spanien das größte Meterspurnetz, vor allem in Nordspanien gelegen – siehe FEVE. Auch auf der Peloponnes in Griechenland und bis Ende der 1940er Jahre gab es sie auch in Frankreich und Norditalien.

In Deutschland wurde die Meterspur erstmals bei der Feldabahn und anderen Nebenbahnen wie der Chiemsee-Bahn sowie bei Straßenbahnen verwendet. Die größten zusammenhängenden Meterspurnetze Deutschlands betreiben die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) zwischen den Städten Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen am Rhein mit der Oberrheinische Eisenbahn (OEG) und der Rhein-Haardtbahn (RHB) sowie die Harzer Schmalspurbahnen, deren Netz zudem mit dem der Straßenbahn Nordhausen verbunden ist.

Ein weiteres großes und zusammenhängendes Meterspurnetz findet man in der Schweiz. Die Bergstrecken, auf denen auch Fernzüge wie z. B. der Glacier-Express verkehren, werden unter anderem von der Rhätischen Bahn (RhB) betrieben. In diesem Netz befindet sich auch der längste Meterspurtunnel der Welt, der Vereinatunnel. Im Gegensatz dazu ist in Österreich die Bosnische Spurweite mit 760 Millimetern vorherrschend. Hier existieren nur einige wenige kurze straßenbahnähnliche meterspurige Lokalbahnen, wie die Stubaitalbahn, die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn, die Attergaubahn und die Traunseebahn. In Gmunden und Innsbruck verkehren meterspurige Straßenbahnen.

Ein Teil des indischen Eisenbahnnetzes ist in Meterspur ausgeführt. Seit 1992 werden einige dieser Strecken auf die dortige Breitspur umgebaut. Die Thailändische Staatseisenbahn betreibt ein Schienennetz von mehr als 4000 Kilometern in Meterspur, welches sternförmig von Bangkok ausgeht. Auch in Vietnam wird die Eisenbahn hauptsächlich als Meterspurbahn betrieben, so z. B. die mehr als 1700 Kilometer lange Hauptstrecke von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) sowie die Yunnan-Bahn von Hải Phòng über Hanoi zur chinesischen Grenze bei Loa Cai und von dort weiter nach Kunming über insgesamt 855 Kilometer.

Weitere bedeutende Meterspurnetze gibt es in Tansania, Kenia und Uganda (siehe auch Uganda-Bahn). Dort fuhr auch die größte Meterspurlokomotive der Welt, die Klasse 59 der ehemaligen East African Railways, eine Garratt-Gelenklokomotive. Das Eisenbahnnetz der tunesischen Staatsbahn SNCFT besteht ebenfalls zum Großteil aus Meterspurstrecken.

In Tunesien besteht südlich von Tunis ein grosses Meterspurnetz unter anderem mit der Bahnstrecke TunisSfax welche die Hauptachse im Nord–Süd-Verkehr ist. [1] Das grosse Lichtraumprofil entspricht in etwa dem europäischen Lichtraumprofil für Normalspur. Mit Dieselloks bespannte Personenzüge verkehren mit bis zu 130 km/h, was wahrscheinlich einem Rekord für Meterspur entspricht.

In Südamerika gibt es ein umfangreiches Meterspurnetz in Brasilien.

Wie bei vielen Schmalspurbahnen werden an Meterspurbahnen geringere technische Anforderungen gestellt als an Normalspurbahnen. Durch kleinere Kurvenradien können in Meterspur gebaute Eisenbahnstrecken besser dem Geländeverlauf angepasst werden. Brücken und Tunnel können durch den meist kleineren Regelquerschnitt entsprechend kleiner dimensioniert werden. Andererseits ist die Laufruhe und Stabilität geringer, so dass sich die Meterspur schlecht für Hochgeschwindigkeitstrassen eignet.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Fahrplancenter.com