Nakasone Yasuhiro

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Nakasone Yasuhiro (1983)

Nakasone Yasuhiro (jap. 中曽根 康弘; * 27. Mai 1918 in Takasaki, Japan) ist ein japanischer LDP-Politiker, der vom 27. November 1982 bis zum 6. November 1987 der 45. Premierminister Japans war.

Leben und Politik[Bearbeiten]

Nakasone Yasuhiro wurde in Takasaki (Präfektur Gunma) geboren und studierte an der Kaiserlichen Universität Tokio. Anschließend wurde er Beamter im Innenministerium. Im Zweiten Weltkrieg war er als Zahlmeister Offizier der japanischen Marine. Nach dem Ende des Krieges kehrte er ins Innenministerium zurück. Bei der Wahl von 1947 wurde er für die Demokratische Partei im 3. Wahlkreis Gunma[1] ins japanische Repräsentantenhaus gewählt. Später gehörte er zur „Demokratischen Volkspartei“ (Kokumin Minshutō), dann zur „Fortschrittspartei“ (Kaishintō). Dort wurde er 1952 dadurch bekannt, dass er Hirohito für die Niederlage im Weltkrieg verantwortlich machen wollte. Danach war er Mitglied der Demokratischen Partei Japans und schließlich nach der „Konservativen Fusion“ ab 1955 der Liberaldemokratischen Partei (LDP), innerhalb derer er sich wie andere Anhänger des Gründungsvorsitzenden Hatoyama Ichirō dem Shunjūkai anschloss. Nach dem Tod des Faktionsvorsitzenden Kōno Ichirō 1966 verließ Nakasone zusammen mit Gegnern der Wiederwahl von Satō Eisaku als Parteivorsitzender das Shunjūkai und begründete die Nakasone-Faktion, das spätere Seisaku Kagaku Kenkyūjo, das bis in die 1990er Jahre zu den großen fünf Faktionen der LDP zählte.

Er war von 1959 bis 1960 und 1972 Leiter der Behörde für Wissenschaft und Technologie, von 1967 bis 1968 Verkehrsminister, von 1970 bis 1971 Leiter der Verteidigungsbehörde, von 1972 bis 1974 Minister für Internationalen Handel und Industrie (MITI) und von 1980 bis 1982 Leiter der Behörde für Verwaltungsaufsicht. In der LDP war er zweimal Vorsitzender des Exekutivrats (1971–1972 und 1977–1978) und zwischen 1974 bis 1976 unter Miki Takeo Generalsekretär. Am 24. November 1982 wurde er zum Parteivorsitzenden gewählt.

Nakasone war von 1982 bis 1987 Premierminister Japans. Nach der Unterhauswahl 1983 musste die LDP erstmals in der Parteigeschichte eine Koalition eingehen – mit dem Neuen Liberalen Klub. Nakasones für japanische Verhältnisse lange Amtszeit wurde bereits zwei Jahre nach seinem Amtsantritt als bemerkenswert anerkannt.[2] Außenpolitisch arbeitete er trotz aufkommender Handelskonflikte eng mit US-President Ronald Reagan zusammen. 1985 unterzeichnete er das Plaza-Abkommen, das den steigenden Handelsbilanzüberschuss gegenüber den Vereinigten Staaten bremsen sollte. Im Juli 1986 konnte er und seine Partei bei der Wahl zum Unterhaus einen klaren Sieg erringen und die LDP-Alleinregierung wiederherstellen. Zu diesem Zeitpunkt schrieb zum Beispiel Der Spiegel: „Er bescherte seiner Partei einen Riesensieg - weil er anders ist als die anderen Parteileute“.[3]

1987 kam er wegen der geplanten Einführung der Mehrwertsteuer, die bis dahin in Japan unbekannt war, unter massiven Druck der Öffentlichkeit. Zudem rutschten die Umfragewerte zu seiner Beliebtheit in den Keller (Im Mai 1986 waren noch 54 % mit seiner Arbeit zufrieden, Anfang des Jahres 1987 nur noch 24 %).[4] In seine Regierungszeit fiel zudem die Privatisierung der defizitären japanischen Staatsbahn (engl. Japanese National Railways).

Nach seiner Zeit als Premierminister war er wieder als Parlamentarier tätig. 1990 verlor er in der Folge des Recruit-Skandals die Kontrolle über seine Faktion, die von Watanabe Michio übernommen wurde. Nach der Wahlrechtsreform von 1994 trat Nakasone nur noch über die neugeschaffene Verhältniswahl bei Unterhauswahlen an. 2003 führte die LDP unter dem Parteivorsitzenden Koizumi Jun’ichirō für die Kandidatur in den Verhältniswahlblöcken eine Altersgrenze von 73 Jahren ein.[5] Zur Wahl von 2003 schied Nakasone aus dem Parlament aus.

Nebens einer politischen Arbeit war er auch als Autor für verschiedene Medien tätig. So veröffentlichte der Spiegel 1999 einen Artikel von Nakasone Yasuhiro in dem er die Wirtschaftsmacht Japan beleuchtet.[6]

Nakasones Sohn Hirofumi ist seit 1986 LDP-Abgeordneter im Oberhaus und war von 2008 bis 2009 Außenminister.

Politische Ansichten[Bearbeiten]

Nakasone kündigte eine „Generalabrechnung der Nachkriegspolitik“ (戦後政治の総決算, Sengoseiji no sōkessan) an, wollte insbesondere die Pazifismusverpflichtungen aus der von den USA diktierten „Friedensverfassung“ revidieren und Japan die Möglichkeit geben, wie jeder andere souveräne Staat seine Interessen mit militärischen Mitteln zu wahren. Hierzu gehörte auch ein „gesundes nationales Selbstbewusstsein“, dem er u.a. durch offiziellen Besuch des Yasukuni-Schreins und durch militärische Metaphorik wie die von Japan als „unsinkbarem Flugzeugträger der freien Welt“ Ausdruck verlieh.[7]

Eine enge anti-sowjetische Allianz mit den USA, die sich ebenfalls eine Entlastung durch einen größeren Beitrag Japans zur kollektiven Verteidigung wünschten, half Nakasone, die Fesseln der Nachkriegsverfassung zu lockern. Nakasone pflegte über seine Amtszeit hinaus eine enge Freundschaft zu US-Präsident Ronald Reagan. Die Freundschaft, an die Nakasone nach Reagans Tod auch in seinen Memoiren schwärmend erinnert, wurde mit dem Begriff Ron-Yasu-Diplomatie umrissen und in dieser Intimität von den Zeitgenossen für neuartig und ungewöhnlich gehalten. Gleichzeitig demonstrierte Nakasone damit seine für einen japanischen Premierminister bis dato überdurchschnittlich guten Englisch-Kenntnisse.

Innerhalb und außerhalb Japans weckte Nakasone damit Ängste, die auch auf diplomatischem Parkett zu Ungunsten Japans genutzt wurden. Unter anderem aus diesem Grund fiel es Nakasone nicht leicht, seine ebenfalls demonstrativ herzliche Beziehung zum reformerischen Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas Hu Yaobang durchzuhalten. Als Hu innenpolitisch wegen seiner Japan-Freundlichkeit unter Druck zu kommen drohte, setzte Nakasone ihm zuliebe die Yasukuni-Besuche aus.

Nakasone versuchte, als charismatischer Politiker direkt das Volk anzusprechen und redete dabei offener und überschwänglicher als die meisten Premierminister vor ihm. Mitunter verrannte er sich in heikle Äußerungen, etwa solche über Flugzeugträger oder über die Vorzüge der ethnischen Homogenität Japans gegenüber den weniger homogenen USA (deren wirtschaftliche Leistungskraft wohl leider durch gewisse Minderheiten gedrückt werde). Dennoch gelang es Nakasone, zu einem populären Premierminister zu werden und für japanische Verhältnisse ungewöhnlich lange im Amt zu bleiben.

Kabinette[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format衆議院>第23回衆議院議員選挙>群馬県>群馬3区 . In: ザ・選挙. JANJAN (Japan Alternative News for Justices and New Cultures), 18. September 2008, abgerufen am 29. September 2009 (japanisch).
  2. Artikel: Heftig und schrill im Der Spiegel vom 12. November 1984.
  3. Artikel: Reifer Reis im Der Spiegel vom 14. Juli 1986.
  4. Artikel: Ungehorsame Kinder im Der Spiegel vom 23. März 1987.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSingle-seat constituencies offer refuge for LDP elders who refuse to retire. In: The Japan Times. 24. Oktober 2003, abgerufen am 29. September 2009 (englisch).
  6. Japan wird gesund von Yasuhiro Nakasone im Der Spiegel vom 12. Juli 1999.
  7. Artikel:Großes Haus in Der Spiegel vom 31. Januar 1983.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Zöllner: Geschichte Japans: Von 1800 bis zur Gegenwart, Schöningh Verlag, Paderborn 2009, 417ff. (auch hier bei GoogleBooks einsehbar).

Weblinks[Bearbeiten]

Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich, steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Nakasone der Familienname, Yasuhiro der Vorname.