Nisyros

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Gemeinde Nisyros
Δήμος Νισύρου (Νίσυρος)
Nisyros (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Südliche Ägäis
Regionalbezirk: Kos
Geographische Koordinaten: 36° 35′ N, 27° 10′ O36.58666666666727.167222222222Koordinaten: 36° 35′ N, 27° 10′ O
Fläche: 50,055 km²
Einwohner: 1.008 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 20,1 Ew./km²
Sitz: Mandraki
LAU-1-Code-Nr.: 811900
Gemeindebezirke: f12
Ortschaften: 3 Ortschaften
Website: www.nisyros.gr
Lage in der Region Südliche Ägäis
Bild:2011 Dimos Nisyrou.png

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Die griechische Insel Nisyros (griechisch Νίσυρος (f. sg)) bildet zusammen mit mehreren unbewohnten kleinen Inseln eine Gemeinde (δήμος, Dimos) innerhalb der Region Südliche Ägäis.

Nach der letzten Volkszählung im Jahr 2011 zählte Nisyros 1008 Einwohner. Die Inselfläche beträgt 41,263 km².[2]

Lage und Geographie[Bearbeiten]

Die Dodekanes-Insel Nisyros liegt im südöstlichen Ägäischen Meer etwa 17,5 km westlich der kleinasiatischen Datça-Halbinsel. Die Entfernung zur nächstgrößeren Insel Kos beträgt etwa 16,5 km nach Norden, Tilos liegt rund 17 km südöstlich. In der näheren Umgebung liegen einige kleinere unbewohnte Inseln, entgegen dem Uhrzeigersinn von Norden nach Südwesten Stongyli, Agios Andonios, Gyali, Pergousa, Pachia und Kandelioussa.

Die annähernd runde Insel weist einen Durchmesser um acht Kilometer auf. Das Gelände an der West- und Südküste ist relativ steil. Kleine Buchten und Steilufer wechseln sich im Süden ab. Die Nord- und Ostküsten sind von mehreren kleinen flachen Sandbuchten durchsetzt.

Das Inselzentrum wird von einer Caldera mit einem Durchmesser von 3,8 km dominiert. Der Calderarand erreicht Höhen über 250 m die höchste Erhebung liegt bei 588 m. Der Westen und Nordwesten der Caldera wird von fünf Lavadomen eingenommen, von denen der Profitis Ilias (Προφήτης Ηλίας) mit 698 m die höchste Erhebung der Insel darstellt. In der südöstlichen Caldera prägt der Stefanos-Krater mit 300 m Durchmesser ein 0,9 km² großes Geothermalgebiet mit Schlammkratern und Fumarolen.

Außerhalb der Caldera ist im Südwesten der Lavadom Karaviotis (Καραβιώτης) mit 539 m die höchste Erhebung.

Die einzelnen Inseln:

Name griechischer Name Fläche km² Lage
Nisyros Νίσυρος (f. sg) 41,263[2] 36° 35′ 12″ N, 27° 10′ 2″ O36.58666666666727.167222222222
Strongyli Στρογγύλη (f. sg) (Στρογγυλή) 00,217[3] 36° 40′ 51″ N, 27° 10′ 47″ O36.68083333333327.179722222222
Gyali Γυαλί (n. sg.) 04,558[2] 36° 39′ 54″ N, 27° 7′ 14″ O36.66527.120555555556
Agios Andonios Άγιος Αντώνιος (m. sg.) 36° 39′ 48″ N, 27° 8′ 10″ O36.66322222222227.136194444444
Pergousa
(Pergoussa)
Περγούσα (f. sg)
(Περγούσσα)
01,169[3] 36° 35′ 15″ N, 27° 2′ 18″ O36.587527.038333333333
Pachia Παχειά (f. sg)
(Παχιά)
01,184[3] 36° 34′ 11″ N, 27° 4′ 23″ O36.56972222222227.073055555556
Kandelioussa Κανδελιούσσα (f. sg) 01,363[3] 36° 30′ 10″ N, 26° 58′ 15″ O36.50277777777826.970833333333

Geologie[Bearbeiten]

Bimssteinfelder auf Nisyros (August 2007)
Vulkankrater von Nisyros
Stefanos-Krater: Fumarole mit Schwefelkristallen

Nisyros ist eine rein vulkanisch gebildete Insel, die wesentlich jünger ist als das benachbarte Kos. Die ältesten Laven finden sich im Nordwesten der Insel, nahe Mandraki. Es sind untermeerisch gebildete Basalt-Kissenlaven, die durch tektonische Aktivität soweit angehoben wurden, dass sie jetzt an der Meeresoberfläche liegen. Der untermeerische Sockel von Nisyros besteht aus Gesteinen des Erdmittelalters (Kalkgesteine). Zum Teil kann man diese Gesteine als Auswurfprodukte der Eruptionen entdecken. Teilweise sind diese Gesteine metamorph durch Kontakt mit dem Magma verändert (Skarn). Die überseeischen Gesteine von Nisyros sind Andesit- bis Dacit-Lavaströme im Wechsel mit pyroklastischen Aschen und Schlacken ähnlicher Zusammensetzung. Relativ spät in der Geschichte der Insel kam es zu zwei gewaltigen plinianischen Eruptionen von Bimsstein, in deren Folge die zentrale Caldera einbrach, die jetzt das Zentrum von Nisyros dominiert. Ablagerungen der Aschen und Bimse von Nisyros finden sich auch auf der Insel Tilos im Süden von Nisyros. Die jüngste „echte“ vulkanische Aktivität war das Aufdringen der sehr zähflüssigen Dacit-Dome in der westlichen Hälfte der Caldera, die jetzt die höchsten Erhebungen der Insel bilden. Das genaue Alter dieser Dome ist unbekannt, liegt aber vermutlich im Bereich einiger Zig-Tausend Jahre. Die momentane vulkanische Aktivität beschränkt sich auf heiße schwefelreiche Dämpfe im Stefanos-Krater am Südende der Caldera. Der Krater Polyvotis geht auf eine historisch überlieferte Dampfexplosion im Spätmittelalter zurück. Neben Santorin (1950), Milos (ca. 200 n. Chr.) und Methana (270 v. Chr. und 1700 n. Chr.) gehört Nisyros zu den als aktiv geltenden Vulkaninseln des Kykladenbogens in Griechenland. Die letzten hydrothermale Explosionen gab es 1871–1873 und 1887.[4] Nisyros wird seit 1980 intensiv erforscht und seit 2000 geophysikalisch überwacht, nachdem es 1996/1997 zu signifikanten Änderungen in der Zusammensetzung der exhalierten Gase gekommen war. Für die Zukunft hält man Vulkanausbrüche für möglich.[5]

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Schwefel im Bereich der Schlammkrater im Südwesten der Caldera abgebaut und über einen kleinen Hafen (bei Agia Irini) an der Südküste verschifft; im 20. Jahrhundert wurde der Bims im Norden der Insel abgebaut und über eine Ladestation nahe Pali als Baumaterial verschifft. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es Bemühungen, eine Geothermal-Bohrung zur Energie-Gewinnung zu nutzen, was sich jedoch nicht als praktikabel erwies. In Zukunft möchte man die geothermale Energie bei Agia Irini mit moderneren Mitteln nutzen.

Am 21. Juni 2008 wurde im Dorf Nikia das erste Vulkanologische Museum Griechenlands eröffnet.

Mineralien[Bearbeiten]

Durch die vulkanische Tätigkeit und insbesondere phreatische Ausbrüche wurden an einigen Stellen (Avlaki, Lies-Strand) zusammen mit Bims seltene Skarn-Gesteine an die Oberfläche befördert. Dies sind Kalksteine aus dem nicht-vulkanischen, sedimentären Sockel, auf dem Nisyros aufsteigt. Diese Kalkgesteine wurden bei Temperaturen von ca. 600 bis 800 °C durch Kontaktmetamorphose chemisch und strukturell verändert. In und auf diesen körnigen, sandsteinähnlichen Brocken findet man rotbraunen Granat (Grossular), tiefgrünen Pyroxen, weißen Wollastonit, Diopsit und extrem selten hellbläuliche bis grüne Spinell-Kristalle.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Nisyros wurde bei der Verwaltungsreform von 2010 unverändert gelassen. Die drei Gemeindebezirke wurden in Ortsgemeinschaften (Ez. gr. topiki kinotita) umbenannt. Die Einwohnerzahlen stammen aus den Volkszählungen von 2001[6] und 2011.[1]

Ortsgemeinschaft griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Dörfer und Inseln
Mandraki Τοπική Κοινότητα Μανδρακίου 64020001 25,275 708 681 Mandraki, Gyali, Kandelioussa, Loutra
Emborios Τοπική Κοινότητα Εμπορειού 64020002 13,425 192 266 Emborios, Agios Andonios, Pali, Strongyli
Nikia Τοπική Κοινότητα Νικιών 64020003 11,355 48 61 Nikia, Avlaki, Pachia, Pergousa
Gesamt 50,055 6402 948 1008

Dörfer[Bearbeiten]

Blick vom Kastell auf den Ort Mandraki auf der griechischen Insel Nisyros (August 2000)

Der Hauptort Mandraki liegt an der Nordküste der Insel. Oberhalb Mandraki liegt das im 14. Jahrhundert an Stelle antiker Vorgängerbauten erbaute Johanniterkastell mit dem Höhlenkloster Panagia Spiliani. In südwestlicher Richtung liegt die antike Akropolis Paliokastro mit ihren Mauern aus Basalt, eine der besterhaltenen Festungen aus der Zeit des 4. Jahrhunderts v. Chr. Die Anlage wurde zwischen 2003 und 2008 rekonstruiert und ist Besuchern heute frei zugänglich. Im Zentrum Mandrakis zeigt das Archäologische Museum Funde, die die Zeit vom Neolithikum bis zur postbyzantinischen Periode abdecken.

Etwa zwei Kilometer östlich von Mandraki entfernt befindet sich das Fischerdorf Pali mit etwa 239 Einwohnern.

Nikia (Mai 2008)

Auf dem östlichen Kraterrand in etwa 250 m Höhe liegt das kleine Dorf Emborios, das in den letzten Jahren mit EU-Hilfe renoviert wird. Dort befindet sich auch das am 22. Juni 2008 eingeweihte Vulkanobservatorium mit Blick auf den Kraterkessel.

Das Dorf Nikia, welches in etwa 400 m Höhe liegt ist ebenfalls auf dem Kraterrand gebaut. Dort befindet sich seit 2008 das Vulkanmuseum Nisyros mit anschaulichem Material zum Vulkanismus (nicht nur) der Insel.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Der Hauptort Mandraki unterhält seit 1996 eine städtepartnerschaftliche Beziehung mit dem nordzyprischen Dorf Lapithos.[7]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Hafen von Mandraki

Nisyros ist nur mit Fähren über Rhodos oder Kos erreichbar. Verbindungen mit Piräus bestehen in den Sommermonaten zweimal und in den Wintermonaten einmal wöchentlich. Ausflugsboote von Kardamena an der Südküste der Insel Kos verkehren in den Sommermonaten täglich. Vor allem in den Wintermonaten ist bei ungünstigen Wetterbedingungen der Personen- und Gütertransport nicht gewährleistet.

Trotz seiner rauen Topographie mit schnell ansteigenden Höhen verfügt die Insel über ein angemessen ausgebautes Straßennetz, nahezu jeder Inselteil ist gut erreichbar. Die Gesamtlänge des Straßen- und Wegenetzes beträgt fast 100 km, die Hälfte entfällt dabei auf Wirtschaftswege. Die Inselhauptstraße hat einschließlich der Abzweigungen in die Dörfer Pali und Emborios eine Gesamtlänge von 20 km, wovon die Strecke vom Hafenort Mandraki ins fast 400 m hoch gelegene Dorf Nikia etwa 15 km beträgt. Zunächst verläuft die Straße entlang der Nordküste und wendet sich kurz vor Pali südwärts kurvenreich hoch zu einem Sattel an der Caldera. Nur noch leicht ansteigend führt sie an der Caldera-Außenseite weiter bis Nikia. Der Anteil der Nebenstraßen liegt bei 28 km, unter anderem in die verlassene Fischersiedlung Avlaki an der Südküste.

Der gemeindeeigene Bus verkehrt mehrmals täglich und ist zunächst an den Bedürfnissen von Schulkindern sowie lokaler Bevölkerung ausgerichtet, wird in den Sommermonaten auch als öffentliches Verkehrsmittel eingesetzt.

Über die Flughäfen in Kos und Rhodos erfolgt die Anbindung an den nationalen und internationalen Flugverkehr. Südlich oberhalb von Mandraki befindet sich für Notfälle ein Hubschrauberlandeplatz.

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Nisyros ist aufgrund fehlender Grundwasservorkommen und geringer Niederschläge eine wasserarme Insel. Der jährliche Wasserbedarf beträgt etwa 100.000 m³. Die Schüttung der einzigen Trinkwasserquelle im Osten der Insel beim Kloster Kyra Panagia ist unbedeutend. Das Problem wurde in der Vergangenheit mit Zisternen für die Speicherung von Niederschlägen gelöst, auch gegenwärtig verfügen viele Haushalte über Zisternen. Wassertransporte durch Tankschiffe vom griechischen Festland oder von Rhodos verursachen dauerhaft hohe Kosten, 1991 erfolgte der Bau einer Anlage zur Meerwasserentsalzung. Zu einer Verbesserung der Situation führte im Jahr 2002 die Inbetriebnahme einer Umkehrosmoseanlage zur Meerwasserentsalzung mit einer täglichen Kapazität von 340 m³.

Energieversorgung[Bearbeiten]

Obwohl die Insel Nisyros über Potenziale an erneuerbarer Energien verfügt, um den eigenen Energiebedarf und der umliegenden Inseln zu decken, wird die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen betrieben. Die Nutzung der Solarenergie in der Südostägäis, mit mehr als 3000 Sonnenstunden pro Jahr eines der sonnenreichsten Gebiete Europas, spielt keine Rolle. Die Erschließung der zweitgrößten Geothermie-Lagerstätte Griechenlands scheiterte bisher an Vorbehalten und am Widerstand der Bevölkerung. Erste Erkundungsbohrungen von 1982 bis 1983 durch das Institut für Geologische und Bergbau-Forschung (IGME ΙΓΜΕ) fanden unter Führung des staatlichen griechischen Energieversorgers DEI (ΔΕΗ) in der südlichen Lakki-Ebene statt. Das geothermische Potenzial des Gebiets liegt bei etwa 50 MW und würde für die Stromversorgung benachbarter Inseln, wie Kos, Tilos, Kalymnos und Leros für zehn Jahre ausreichen. In einem Referendum vom 11. Mai 1997 entschied die Bevölkerung gegen die Nutzung der Geothermie.[8] Nach neuen Verhandlungen zwischen dem Stromversorger DEI und der Gemeinde wird ein 5-MW-Geothermie-Kraftwerk durch die Tochtergesellschaft PPC Renewables S. A. errichtet und betrieben.[9] Dagegen konnten die Vorbehalte der Bevölkerung nicht ausgeräumt werden.[10] Gegenwärtig erfolgt die Stromversorgung von Nisyros über ein Unterwasserkabel vom Ölkraftwerk auf Kos.

Mythologie[Bearbeiten]

In der griechischen Mythologie wird erzählt, dass der Meeresgott Poseidon bei der Gigantomachie, dem großen Kampf der Götter mit den Giganten, den Giganten Polybotes besiegte, indem er die Insel Nisyros auf ihn warf.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nisyros – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. a b c  Ελληνική Στατιστική Αρχή (EΛΣΤΑΤ) (Hrsg.): Στατιστική Επετηρίδα της Eλλάδος (Statistical Yearbook of Greece) 2009 & 2010. Piräus 2011, S. 47.
  3. a b c d  Charles Arnold (Hrsg.): Die Inseln des Mittelmeers. Ein einzigartiger und vollständiger Überblick. 2. Auflage. marebuchverlag, Hamburg 2008, ISBN 3866480962.
  4.  L. Marini et. al.: Hydrothermal eruptions of Nisyros (Dodecanese, Greece). Past events and present hazard. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research. 56, Elsevier, 1993, S. 71–94.
  5.  Giovanni Chiodini, Tatjana Brombach, Stefano Caliro, Carlo Cardellini, Luigi Marini, Volker Dietrich: Geochemical indicators of possible ongoing volcanic unrest at Nisyros Island (Greece) (PDF; 282 kB). In: Geophysical Research Letters. 29, Elsevier, 2002, S. 1759–1762, doi:10.1029/2001GL014355.
  6. Nationaler Statistischer Dienst Griechenlands (ΕΣΥΕ), S.76f, griechisch (PDF; 1 MB)
  7. Twinning of the Municipalities of Lapithos-Cyprus and Mandraki-Nisyros
  8. Eleftherotypia (www.iospress.gr) Οταν αποφασίζουν οι κάτοικοι online vom 31. Mai 1997 (griechisch)
  9. Geothermal Power, PPC Renewables S.A.
  10. The exploitation of the geothermal field of Nisyros, Nisyrian Studies Society