Okertalsperre

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Okertalsperre
Okertalsperre, Staumauer, Stauseeseite
Okertalsperre, Staumauer, Stauseeseite
Lage: Niedersachsen, Deutschland
Zuflüsse: Oker, Kellwasser, Kalbe (Oker), Hune, Schalke (Oker), Lange (Oker)
Abflüsse: Oker
Größere Städte in der Nähe: Altenau, Schulenberg
Okertalsperre (Niedersachsen)
Okertalsperre
Koordinaten 51° 51′ 4″ N, 10° 27′ 33″ O51.85111111111110.459166666667Koordinaten: 51° 51′ 4″ N, 10° 27′ 33″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1938–1956
Höhe über Talsohle: 67 m
Höhe über Gründungssohle: 75 m
Höhe über Gewässersohle: 59 m
Höhe der Bauwerkskrone: 418,20 m ü. NN
Bauwerksvolumen: 140.000 m³
Kronenlänge: 260 m
Kronenbreite: 8,0 m
Basisbreite: 19 m
Krümmungsradius: 78 m
Böschungsneigung luftseitig: senkrecht, unten gebogen
Böschungsneigung wasserseitig: senkrecht
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 416,60 m ü. NN
Wasseroberfläche 225 hadep1
Speicherraum 47.400.000 m³
Einzugsgebiet 85 km²

Die Okertalsperre ist eine Talsperre im Harz (Niedersachsen). Sie wird durch den Fluss Oker gespeist.

Technik[Bearbeiten]

Die Staumauer in Bogenform (Bogengewichtsmauer) ist 75 Meter hoch, 260 Meter lang, kann bis zu 47 Millionen Kubikmeter Wasser stauen und dient der Stromerzeugung, Niedrigwassererhöhung und dem Hochwasserschutz. Indirekt wird sie auch zur Trinkwassergewinnung genutzt. Der mittlere Jahresabfluss beträgt 75 Millionen m³. Aus der Okertalsperre wird das Wasserkraftwerk Romkerhalle gespeist.

Bei der Entscheidung, eine Bogengewichtsmauer zu errichten, handelte es sich um einen Sondervorschlag der ausführenden Bauunternehmen Dykerhoff & Widmann AG, Hochtief AG und Philipp Holzmann AG. Sie konnten nachweisen, dass bei dieser Konstruktion erheblich Beton eingespart werden konnte.

Die Staumauer muss nur Druckkräfte aufnehmen und kann daher ganz ohne Bewehrung auskommen. Um die Wärmeentwicklung während des Abbinden des Betons zu minimieren, wurde ein Grobrüttelbeton eingesetzt. Hierzu wurden in relativ normalen Beton bis zu 40 cm große Diabas-Steine eingerüttelt. Dadurch verringerte sich der Zementanteil im Beton. Da die Diabassteine eine Dichte von fast 3,0 Tonnen pro Kubikmeter aufwiesen, erhöhte sich durch ihren Anteil auch das Betongewicht, was der Mauer zusätzliche Standsicherheit gab.

Geschichte und Lage[Bearbeiten]

Der Bau der Okertalsperre wurde in den Jahren von 1938 bis 1942 begonnen und dann von 1952 bis 1956 vollendet. Dringend wurde der Weiterbau auch, nachdem im schneereichen Winter 1946/47 verheerende Überschwemmungen vor allem in Wolfenbüttel und Braunschweig eingetreten waren. Vor der Errichtung musste die kleine Talortschaft Schulenberg aufgegeben werden; sie wurde oberhalb des Sees neu gebaut. In regenarmen Jahren kann der Pegel der Talsperre so stark absinken, dass Reste einzelner Häuser sowie die alte Talstraße mit ihren Brücken sichtbar werden.[1]

Die Okertalsperre liegt an der Bundesstraße 498, die zwischen Goslar und Altenau dem Verlauf der Oker folgt. Am Ostufer entlang führt eine Forststraße, die für den öffentlichen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt ist.

Mit ihren vielen Seitenarmen ähnelt die Okertalsperre der deutlich größeren Biggetalsperre im Sauerland. Aus demselben Grund wird sie auch „Vierwaldstättersee des Harzes“ genannt.

Fotos vom Bau[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Auf der Okertalsperre verkehrt jeweils von Anfang März bis Anfang Januar ein Linienschiff für Touristen (in der Nebensaison nur am Wochenende). Diese Linienschiffverbindung ist die Höchstgelegene (über Normalhöhennull) in Niedersachsen. Darüber hinaus wird der Okerstausee in den Sommermonaten von zahlreichen privaten, nicht motorisierten Wasserfahrzeugen befahren. Das Baden und Tauchen ist außerhalb abgesperrter Bereiche zum Beispiel im Bereich der Staumauer ebenfalls zulässig. Im Winter finden bei ausreichend tragfähiger Eisdicke Eisbadeveranstaltungen statt. Der Okerstausee kann zu Fuß und mit nichtmotorisierten Fahrzeugen auf Straßen und Wegen komplett umrundet werden. Zwischen Vorstaumauer und Hauptstaumauer existiert ein komplett asphaltierter Rundweg, der von Fahrradfahrern, Inline-Skatern und Skirollerfahrern genutzt wird. Lediglich der für Kraftfahrzeuge gesperrte Weg zwischen Vorstaumauer und Altenau ist nicht asphaltiert (Schotter- und Steinweg). Auf der Bundesstraße 498 herrscht in den Sommermonaten an Wochenenden starker Motorradverkehr (nördliche Anfahrt nach Torfhaus). Hier liegen entlang des Stausees mehrere Gastronomiebetriebe. Bei ungestörter Wasseroberfläche (kein Wind, kein Niederschlag, keine durch Menschen verursachten Störungen) bildet sich auf dem Stausee eine sehr glatte Wasseroberfläche aus, auf der sich die umgebende Landschaft klar spiegelt.

Fischfauna[Bearbeiten]

Die Okertalsperre ist vorwiegend ein Salmonidengewässer mit Bachsaiblingen, Äschen, Bach-, Regenbogen- und Seeforellen. Außerdem kommen Hechte, Zander, große Flussbarsche, Aale, Aalquappen, Karpfen, Schleien und zahlreiche Weißfische vor. Für den Angelsport werden Gastkarten ausgegeben.[2]

Zur Okertalsperre gehörende Einrichtungen[Bearbeiten]

Vorsperre[Bearbeiten]

Okertalsperre, Vorsperre
Blick über die Vorsperre in Richtung Altenau
Blick über die Vorsperre in Richtung Altenau
Lage: Niedersachsen, Deutschland
Zuflüsse: Oker, Kellwasser
Abflüsse: in den Okerstausee
Größere Städte in der Nähe: Altenau
Okertalsperre, Vorsperre (Niedersachsen)
Okertalsperre, Vorsperre
Koordinaten 51° 49′ 19″ N, 10° 26′ 42″ O51.82194444444410.445
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1953–1954
Höhe des Absperrbauwerks: 20,0 m
Bauwerksvolumen: 16.000 m³
Kronenlänge: 100 m
Basisbreite: 14,0 m
Böschungsneigung luftseitig: schräg
Böschungsneigung wasserseitig: senkrecht
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 415 m ü. NN
Wasseroberfläche 12 hadep1
Speicherraum 520.000 m³

Die Vorsperre der Okertalsperre ist mit einer Gewichtsstaumauer ausgestattet, die eine Höhe von 20,0 m aufweist. Die Vorsperre kann bis zu 520.000 m³ Wasser stauen und dient vor allem der Wasserstandsregulierung und Reinhaltung der Okertalsperre. Der Dauerstau (max. 15 m Wasserhöhe an der Vorstaumauer) wurde genutzt, um ein Feuchtgebiet im Kellwassertal anzulegen. Nur bei sehr hohem Wasserstand im Okerstausee sind Talsperre und Vorsperre auf gleichem Wasserniveau. Dann kann der Wasserspiegel in der Vorsperre auch um bis zu 1,60 m ansteigen.

Wasserkraftwerk Romkerhalle[Bearbeiten]

Wasserkraftwerk Romkerhalle

Das über eine Rohrleitung aus der Okertalsperre gespeiste Wasserkraftwerk in Romkerhalle besitzt eine Ausbauleistung von 4,14 MW. Es wurde 1956 in Betrieb genommen und ist mit einer einzelnen Francisturbine ausgestattet. Das Gefälle beträgt 80 m, der Nenndurchfluss 6,5 m³ pro Sekunde und die Jahresarbeit 12,5 Millionen kWh pro Jahr. Das Kraftwerk wird als Speicherkraftwerk etwa acht Stunden täglich betrieben. Es entwässert direkt in das Flussbett der Oker. An dieser Stelle beginnt die auf der Oker ausgewiesene Wildwasserstrecke, die vor allem für den Kanusport genutzt wird. Aus dem unregelmäßigen Kraftwerksbetrieb resultieren starke und zum Teil abrupte Wasserstandsänderungen in der Oker bis hin zum Ausgleichsbecken der Okertalsperre. Das Wasserkraftwerk Romkerhalle ist auch unter dem Namen „Wasserkraftwerk Oker“ bekannt.

Oker-Grane-Stollen[Bearbeiten]

Oker-Grane-Stollen, Zugang in Romkerhalle

Über den 7,4 km langen Oker-Grane-Stollen, dessen Einlauf bei Romkerhalle und dessen Auslauf am Ostufer der Granetalsperre liegt, kann Wasser aus der Okertalsperre (Kraftwerk oder Grundablass) in die Granetalsperre geleitet werden, wo es für Trinkwasser aufbereitet werden kann. Die Granetalsperre selbst hat nur ein verhältnismäßig kleines Einzugsgebiet und ist für ihre Trinkwassergewinnung auf weitere Zuflüsse angewiesen. Der Oker-Grane-Stollen wurde in der Zeit von 1968 bis 1970 erbaut.

Ausgleichsbecken der Okertalsperre[Bearbeiten]

Ausgleichsbecken der Okertalsperre
Blick auf die Staumauer des Ausgleichsbeckens von der Wasserseite
Blick auf die Staumauer des Ausgleichsbeckens von der Wasserseite
Lage: Niedersachsen, Deutschland
Zuflüsse: Oker
Abflüsse: Oker
Größere Städte in der Nähe: Oker
Ausgleichsbecken der Okertalsperre (Niedersachsen)
Ausgleichsbecken der Okertalsperre
Koordinaten 51° 52′ 11″ N, 10° 28′ 13″ O51.86972222222210.470277777778
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1953–1954
Höhe der Bauwerkskrone: 18 m
Bauwerksvolumen: 7.800 m³
Kronenlänge: 78 m
Böschungsneigung luftseitig: schräg
Böschungsneigung wasserseitig: senkrecht
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 313 m ü. NN
Wasseroberfläche 2 hadep1
Speicherraum 204.000 m³

Das etwa 3 km unterhalb der Staumauer der Okertalsperre und 2 km unterhalb des Wasserkraftwerks Romkerhalle gelegene Ausgleichsbecken ist mit einer Gewichtsstaumauer ausgestattet, die eine Höhe von 18 m aufweist. Das Ausgleichsbecken kann bis zu 204.000 m³ Wasser stauen und dient vor allem der Wasserstandsregulierung flussabwärts. Direkt unterhalb der Staumauer befindet sich kein Wasserkraftwerk. Bis zum nördlichen Harzrand werden aber mehrere an der Oker gelegene kleinere Wasserkraftwerke gespeist. Ähnlich wie auf dem Okerstausee bildet sich bei ungestörter Wasseroberfläche auf dem Stausee eine sehr glatte Wasseroberfläche aus, auf der sich die umgebende Landschaft klar spiegelt. Wegen der windgeschützten Lage des Ausgleichsbeckens tritt dieses Phänomen dort recht häufig auf.

Abwasserleitung[Bearbeiten]

Abwasserleitung, Kontrollschacht zwischen Staumauer und Romkerhalle

Um das Wasser in der Talsperre nicht unnötig zu belasten, wird das in Altenau und Schulenberg anfallende Abwasser in einer separaten Abwasserleitung um die Okertalsperre herum zur Kläranlage Goslar-Oker geleitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Okertalsperre – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Okertalsperre ist auf Grund gelaufen Hannoversche Allgemeine Zeitung
  2. www.harzwasserwerke.de, abgerufen am 1. Oktober 2012.