Torfhaus
| Torfhaus
Bergstadt Altenau
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|---|---|
| Koordinaten: | 51° 48′ N, 10° 32′ O51.802510.536666666667780Koordinaten: 51° 48′ 9″ N, 10° 32′ 12″ O |
| Höhe: | 780–821 m ü. NN |
| Vorwahl: | 05320 |
Torfhaus ist ein Ortsteil der Bergstadt Altenau im Harz und liegt auf einer Höhe von etwa 800 m ü. NN.
Die kleine Ortschaft besteht vorwiegend aus Ausflugslokalen, Jugendheimen, Skihütten und großen Parkplätzen. Es ist die höchstgelegene Siedlung Niedersachsens. Die Bundesstraße 4 als Hauptverkehrsachse führt von Braunschweig im Norden her kommend über Torfhaus nach Braunlage und weiter in den Süd- und Ostharz.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geografie
Torfhaus liegt rund sieben Kilometer Luftlinie östlich von Altenau und etwa neun Kilometer Luftlinie südlich von Bad Harzburg entfernt im Oberharz. Östlich von Torfhaus entspringt die Radau aus dem Torfhausmoor (auch Radaubornmoor genannt).
[Bearbeiten] Tourismus und Sport
Torfhaus liegt inmitten des heutigen Nationalparks Harz und besitzt unter anderem ein 2009 eröffnetes Nationalpark-Besucherzentrum sowie eine Jugendherberge des Deutschen Jugendherbergswerks. Zahlreiche Wanderwege, so der Goetheweg, der zum Brocken weiterführt und Teil des Harzer Hexenstiegs ist, sowie einige Mountainbiketrails führen über Torfhaus. Renn- und Tourenradfahrer fahren Torfhaus bevorzugt über die von Altenau kommende Landstraße 504, die auch „Steile Wand“[1] genannt wird, an. Der Großparkplatz „Brockenblick“ ist ein von Motorradfahrern stark frequentierter Treffpunkt. Torfhaus verfügt im Winter neben den Wanderwegen über diverse Ski-Langlauf-Loipen. Daneben existieren eine Rodelbahn mit Lift sowie ein Skihang mit Schlepplift.
Der Goetheweg führt am Torfhausmoor, einem Hochmoor, entlang. Es ist über einen Holzsteg des Nationalparks begehbar und ermöglicht einen guten Blick zum Brocken.
[Bearbeiten] Geschichte
Der Name „Torfhaus“ stammt aus dem dort ab dem 16. Jahrhundert sporadisch erfolgenden Torfabbau. Dieser wurde 1786 endgültig aufgegeben, da der Torf bei der vorherrschenden Witterung nicht trocknete. Ein erstes Gebäude namens Borkenkrug wird 1713 in den Forstamtsprotokollen erwähnt. Es handelte sich offensichtlich um ein Wege- und/oder Forsthaus. Die Straße stellte schon seinerzeit eine viel befahrene Verbindung zwischen Harzburg und Nordhausen dar.
1842 wurde Torfhaus Poststation der Linie Bad Harzburg–Braunlage–Sankt Andreasberg. 1892 wurden zwei Gebäude (Ober- und Unterförsterei, Letztere ist auch Gastwirtschaft und Poststation) mit 22 Einwohnern gezählt.
Baedekers Reiseführer Harz nennt 1943 als empfehlenswerte Unterkunft das Berghotel „Torfhaus“ (35 Betten), den „Brockenkrug“ (50 Betten), das „Landhaus Brockenblick“ (26 Betten), eine Militärskihütte sowie ein Unterkunftshaus der Alpenvereinszweige Braunschweig und Hannover mit 21 Betten und 16 Lagern.
Am 14. April 1945 drangen US-amerikanische Truppen von Altenau aus in Richtung Torfhaus vor, trafen aber auf heftigen Widerstand durch SS-Truppen und zwei Panzer. Erst am 15. April konnte die Siedlung besetzt werden, stand danach aber unter Beschuss deutscher Artillerie. Es erfolgte nachmittags sogar noch ein deutscher Gegenangriff, der aber abgewehrt werden konnte. In den folgenden Tagen kam es immer wieder zu kleinen Gefechten und Hinterhalten durch versprengte deutsche Soldaten, die sich in den Wäldern versteckt hielten. Als am 25. April zwei US-amerikanische Soldaten beim Betreten einer Skihütte am Schubenstein erschossen wurden, glaubten die Amerikaner, dass die Bewohner von Torfhaus die Soldaten in diesen Hinterhalt gelockt hätten. Die Einwohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und die gesamte Siedlung in Brand gesteckt. Nur eine Schweizer Hütte, die durch eine Rot-Kreuz-Fahne geschützte Alpenvereinshütte sowie das Gästehaus „Walhall“ blieben von dieser Vergeltungsaktion verschont. Der Wiederaufbau des ersten Hotels erfolgte erst ab 1949.
Bis zur Deutschen Wiedervereinigung 1990 war Torfhaus bekannt vor allem als Aussichtspunkt auf den nahen, aber unerreichbaren Brocken, der bei guter Sicht zum Greifen nahe hinter mehrfachem Sperr- und Todesstreifen eingezäunt lag. Außerdem gab es hier ein Informationszentrum des Bundesgrenzschutzes über die Grenzsicherungsanlagen der damaligen DDR.
Heute ist Torfhaus ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen über den Goetheweg zum Brocken, aber auch zum Dreieckigen Pfahl und weiter über Wurmberg oder Achtermannshöhe bis nach Braunlage. Ein weiterer Wanderweg führt über den Magdeburger Weg Richtung Altenau, vorbei an der Steilen Wand zur Wiege des Dammgrabens (siehe Harzer Hexenstieg).
[Bearbeiten] Sendeanlagen
Torfhaus ist Standort von zwei großen Sendeanlagen, von denen eine vom NDR und die andere von der Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) betrieben wird.
Die Sendeanlage des NDR dient zur Verbreitung des digitalen Fernsehens DVB-T und von vier NDR-Hörfunkprogrammen im UKW-Bereich. Als Antennenträger fungiert ein 279,8 m hoher, abgespannter Stahlrohrmast, dessen Sendeantennen sich auf 243 m Höhe befinden. Ursprünglich war dieser Mast 25 m niedriger, wurde jedoch dann für die Ausstrahlung auf TV-Kanal 10 erhöht und die Sendeanlagen entsprechend nach oben versetzt. Am Fuß des Mastes befindet sich auch die Betriebszentrale für sämtliche NDR-Senderanlagen in Niedersachsen.
Der in den 1960er Jahren erbaute Rohrmast der Deutsche Funkturm GmbH dient der Verbreitung der Hörfunkprogramme Deutschlandfunk, Radio ffn und Hit-Radio Antenne im UKW-Bereich und ist auch Standort einer Richtfunkanlage.
Für die Abstrahlung der Hörfunkprogramme wird ein 130 m hoher abgespannter Stahlrohrmast verwendet, der ursprünglich 150 m hoch war und zu Beginn der 1990er Jahre um 20 m verkürzt wurde. Im Jahr 1984 plante man bei der „Genfer Wellenkonferenz“ auf der Frequenz 100,4 MHz mit 100 kW das Programm des RIAS zu übertragen. Allerdings wurde dieses nie verwirklicht, da WDR 4, welches auf 100,5 MHz vom Sender Bielstein im Teutoburger Wald übertragen wird, gestört worden wäre. Die von Torfhaus ausgestrahlten Radioprogramme sind mit handelsüblichen Radios auch im Osten Nordrhein-Westfalens, dem gesamten Norden Hessens, im Nordwesten Thüringens sowie im Westen Sachsen-Anhalts zu empfangen.
Die Richtfunkantennen sind auf einem 57 m hohen freistehenden Stahlfachwerkturm, der außergewöhnlich massiv erscheint, untergebracht. Dieser Turm trug bis 1994 übereinander zwei Parabolsegmentantennen (Cassegrain-Antennen) von je 18 m Durchmesser (Antennengewinn: 48 dB). Daneben stand seinerzeit ein nachträglich errichteter zweiter 45 m hoher Gittermast mit ebenfalls 2 Parabolsegmentantennen übereinander, jedoch von je 10 m Durchmesser. Diese vier Antennen realisierten das eine Ende einer der fünf Überhorizont-Richtfunkverbindung (Scatter-Verbindung) über ca. 200 km nach West-Berlin im Nordosten (genauer: Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg), welche in den Zeiten des Kalten Krieges eine entsprechende Notwendigkeit von westlicher Seite aus war, um einen Anschluss an das westdeutsche Telefonnetz möglichst unabhängig von der DDR zu ermöglichen. Der über diese Sender abgewickelte Telefonverkehr wurde zwar verschlüsselt, jedoch vom MfS (HA III) und der NVA in der DDR aufgeklärt (aber ungestört), übertragen. Im Frequenzbereich zwischen 1,7 und 2,1 GHz wurden über die beiden großen Antennen drei Betriebslinien zu je 960 analogen Fernsprechkanälen (V960-System) bei einer Senderausgangsleistung von 1 kW von der damaligen Deutsche Bundespost realisiert, die zusätzlich die Übertragung von zwei analoge Fernsehprogrammen erlaubten (Austauschleitung). Über die beiden kleinen Antennen wurden zusätzlich drei Betriebslinien zu je 120 analogen Fernsprechkanälen sowie eine Schutzlinie realisiert. Die massive Bauweise zollte dabei den bei in dieser exponierten Lage häufig durch Stürme auftretenden Windkräften Tribut. Die Anlage ist nicht mit einer ähnlichen auf dem nahegelegenen Bocksberg zu verwechseln, die auch für eine entsprechende militärisch genutzte Relais-Station nach Berlin 1948 vom britischen Militär errichtet wurde und später vom US-amerikanischen Militär betrieben wurde.
Außerdem befindet sich auf dem Sendemast des NDR eine Amateurfunk-Relaisstation (DB0HW), die im 70-cm-Band weite Gebiete der umliegenden Bundesländer abdeckt.
Vor der Wiedervereinigung bezogen große Teile der DDR von dieser Sendeanlage das „Westfernsehen“. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Brocken mit seinen Sendeanlagen in nur sehr geringer Entfernung auf dem Gebiet der damaligen DDR. Es war dadurch möglich, mit nur einer Antennenanlage sowohl ost- als auch westdeutsche Sender zu empfangen. Auch aus diesem Grund wurde dieser Standort in den 1950er Jahren für die Radio- und Fernsehsender des NDR gewählt.
Aus demselben Grund wird heute auch der ZDF-Multiplex nur vom nahen Brocken auf Kanal 30 für die Region ausgestrahlt.
Folgende UKW-Programme werden von den Sendern aus Torfhaus ausgestrahlt:
| Programm | Regionalversion | UKW | ERP | RDS PS |
|---|---|---|---|---|
| Vom NDR-Mast („Harz-West“) abgestrahlte Programme | ||||
| NDR Kultur | keine | 89,9 MHz | 100 kW | NDR Kult |
| NDR 2 | Niedersachsen | 92,1 MHz | 100 kW | NDR 2 bzw. NDR2 NDS |
| NDR 1 Niedersachsen | Braunschweig | 98,0 MHz | 100 kW | NDR1 NDS bzw. NDR 1 BS |
| NDR Info | keine | 99,5 MHz | 50 kW | NDR Info |
| Vom Sendemast der Deutsche Funkturm („Torfhaus“) abgestrahlte Programme | ||||
| Radio ffn | Braunschweig | 102,4 MHz | 100 kW | ffn bzw. ffn-BS |
| Deutschlandfunk (DLF) | keine | 103,5 MHz | 100 kW | DLF |
| Hit-Radio Antenne Niedersachsen | Braunschweig | 106,3 MHz | 100 kW | HitRadio/Antenne |
Folgende DVB-T-Programme werden vom NDR-Sender ausgestrahlt:[2]
| Kanal | Frequenz (MHz) |
Multiplex | Programme im Multiplex | ERP (kW) |
Antennendiagramm rund (ND)/ gerichtet (D) |
Polarisation horizontal (H)/ vertikal (V) |
Modulations- verfahren |
FEC | Guard- intervall |
Bitrate (MBit/s) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 46 | 674 | ARD regional (NDR) Niedersachsen |
|
32 | D | V | 16-QAM | 2/3 | 1/4 | 13,27 |
| 59 | 778 | ARD national (NDR) | 32 | D | V | 16-QAM | 2/3 | 1/4 | 13,27 |
Siehe auch: Liste bekannter Sendeanlagen
[Bearbeiten] Nationalpark-Denkmal
Am Rande des Parkplatzes „Brockenblick“ wurde anlässlich der EXPO im Jahr 2000 ein Nationalpark-Denkmal errichtet. In der Mitte des Monuments befindet sich eine Erdkugel aus Metall, darum stehen jeweils in einem Winkel von etwa 120° drei Felsblöcke aus den Gesteinen Diabas, Gabbro und Granit. An einem der Felsblöcke befindet sich eine Schrifttafel mit einer deutschsprachigen Beschreibung zum Monument. Zwischen den drei Felsblöcken ist jeweils eine Schrifttafel in den Boden eingelassen, auf denen in insgesamt 30 Sprachen der Satz „Nationalparke – das Naturerbe bewahren“ geschrieben steht:
- Tafel (zehn Sprachen): Albanisch, Arabisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch
- Tafel (zehn Sprachen): Hindi, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch
- Tafel (zehn Sprachen): Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Swahili, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Höhenprofil Steile Wand. Abgerufen am 22. August 2009.
- ↑ Datenblatt Mittel- und Süd-Niedersachsen. dvb-t-nord.de, abgerufen am 22. August 2011 (PDF).