Torfhaus

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Torfhaus (Begriffsklärung) aufgeführt.

51.802510.536666666667Koordinaten: 51° 48′ 9″ N, 10° 32′ 12″ O

Torfhaus
Bergstadt Altenau
Höhe: 780–821 m ü. NN
Postleitzahl: 38667 oder 38707
Vorwahl: 05320
Torfhaus (Niedersachsen)
Torfhaus

Lage von Torfhaus in Niedersachsen

Blick vom Goetheweg zur Südkuppe der Lerchenköpfe mit Torfhaus und NDR-Sendeturm (Sender Torfhaus/Harz)

Blick vom Goetheweg zur Südkuppe der Lerchenköpfe mit Torfhaus und NDR-Sendeturm (Sender Torfhaus/Harz)

Torfhaus im Winter mit links sichtbarem NDR-Sendturm (Sender Torfhaus/Harz)
Blick nach Süden im Sommer, beide Gebäude wurden 2010 abgerissen
Blick nach Norden im Winter, das Gebäude rechts wurde 2010 abgerissen; im Hintergrund der DFMG-Sendeturm (Sender Torfhaus/Harz)

Torfhaus im Harz ist ein Ortsteil der Bergstadt Altenau im Landkreis Goslar. Mit etwa 800 m ü. NN ist es die höchstgelegene Siedlung Niedersachsens. Der Tourismusort besteht vorwiegend aus Ausflugslokalen, Jugendheimen, Skihütten und großen Parkplätzen. Im Juli 2013 wurde ein Ferienkomplex mit Hotel, Hütten und einem Outdoor-Geschäft eröffnet.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Torfhaus liegt im Oberharz, in einer kleinen so genannten Nutzungszone des Nationalparks Harz.[1] Es befindet sich rund sechs Kilometer östlich von Altenau und etwa neun Kilometer (je Luftlinie) südlich von Bad Harzburg. Östlich von Torfhaus entspringt im Torfhausmoor (auch Radaubornmoor genannt), einem Regenmoor (Hochmoor), die Radau. Die Bundesstraße 4 als Hauptverkehrsachse führt von Braunschweig her kommend durch Bad Harzburg am Nordharzrand, Torfhaus und Braunlage nach Nordhausen etwa am Südharzrand. Westlich bis nordnordwestlich von Torfhaus befindet sich der zweikuppige Höhenzug Lerchenköpfe mit den beiden Sendern Harz-West und Torfhaus/Harz.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name „Torfhaus“ stammt aus dem dort ab dem 16. Jahrhundert sporadisch erfolgenden Torfabbau. Dieser wurde 1786 endgültig aufgegeben, da der Torf bei der vorherrschenden Witterung nicht trocknete. Ein erstes Gebäude namens Borkenkrug wird 1713 in den Forstamtsprotokollen erwähnt. Es handelte sich offensichtlich um ein Wege- und/oder Forsthaus. Die Straße stellte schon seinerzeit eine viel befahrene Verbindung zwischen Harzburg und Nordhausen dar.

1842 wurde Torfhaus Poststation der Linie Bad Harzburg–Braunlage–Sankt Andreasberg. 1892 wurden zwei Gebäude (Ober- und Unterförsterei, Letztere war auch Gastwirtschaft und Poststation) mit 22 Einwohnern gezählt.

Baedekers Reiseführer Harz nennt 1943 als empfehlenswerte Unterkunft das Berghotel „Torfhaus“ (35 Betten), den „Brockenkrug“ (50 Betten), das „Landhaus Brockenblick“ (26 Betten), eine Militärskihütte sowie ein Unterkunftshaus der Alpenvereinszweige Braunschweig und Hannover mit 21 Betten und 16 Lagern.

Am 14. April 1945 drangen US-amerikanische Truppen von Altenau aus in Richtung Torfhaus vor, trafen aber auf heftigen Widerstand durch SS-Truppen und zwei Panzer. Erst am 15. April konnte die Siedlung besetzt werden, stand danach aber unter Beschuss deutscher Artillerie. Es erfolgte nachmittags sogar noch ein deutscher Gegenangriff, der aber abgewehrt werden konnte. In den folgenden Tagen kam es immer wieder zu kleinen Gefechten und Hinterhalten durch versprengte deutsche Soldaten, die sich in den Wäldern versteckt hielten. Als am 25. April zwei US-amerikanische Soldaten beim Betreten einer Skihütte am Schubenstein erschossen wurden, glaubten die Amerikaner, dass die Bewohner von Torfhaus die Soldaten in diesen Hinterhalt gelockt hätten. Am 27. April wurden die Einwohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und die gesamte Siedlung wurde in Brand gesteckt. Nur eine Schweizer Hütte, die durch eine Rot-Kreuz-Fahne geschützte Alpenvereinshütte sowie das Gästehaus „Wilhelmsburg", blieben von dieser Vergeltungsaktion verschont. Der Wiederaufbau des ersten Hotels erfolgte erst ab 1949.

Bis zur Deutschen Wiedervereinigung 1990 war Torfhaus bekannt vor allem als Aussichtspunkt auf den nahen, aber unerreichbaren Brocken, der bei guter Sicht zum Greifen nahe hinter der innerdeutschen Grenze lag. Außerdem gab es hier ein Informationszentrum des Bundesgrenzschutzes über die Grenzsicherungsanlagen der damaligen DDR.

Tourismus und Sport[Bearbeiten]

Torfhaus besitzt seit 2009 das Nationalpark-Besucherzentrum TorfHaus des Nationalparks Harz. Des Weiteren steht dort eine Jugendherberge des Deutschen Jugendherbergswerks.

Torfhaus ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen. Zum Beispiel kann man auf dem Goetheweg, der Teil des Harzer Hexenstiegs ist, vorbei am Torfhausmoor und am Quitschenberg zum Brocken, aber auch zum Dreieckigen Pfahl laufen. Andere Wege führen über Wurmberg oder Achtermannshöhe nach Braunlage, weitere als Magdeburger Weg Richtung Altenau oder vorbei an der Steilen Wand zur Wiege des Dammgrabens. Zudem führen mehrere Mountainbiketrails durch Torfhaus. Renn- und Tourenradfahrer fahren die Ortschaft bevorzugt über die von Altenau kommende Landesstraße 504, die auch „Steile Wand“[2] genannt wird, an. Der Großparkplatz „Brockenblick“ ist ein von Motorradfahrern stark frequentierter Treffpunkt.

Ferner gibt es an den Lerchenköpfen Loipen für Skilanglauf. Daneben existieren eine Rodelbahn mit Lift sowie ein Skihang mit Schlepplift.

Blick über das Torfhausmoor (auch Radaubornmoor genannt) zum Brocken

Nationalpark-Denkmal[Bearbeiten]

Monument für Nationalparks

Am Rande des Parkplatzes „Brockenblick“ wurde anlässlich der EXPO im Jahr 2000 ein Nationalpark-Denkmal errichtet. In der Mitte des Monuments befindet sich eine Erdkugel aus Metall, darum stehen jeweils in einem Winkel von etwa 120° drei Felsblöcke aus den Gesteinen Diabas, Gabbro und Granit. An einem der Felsblöcke befindet sich eine Schrifttafel mit einer deutschsprachigen Beschreibung zum Monument. Zwischen den drei Felsblöcken ist jeweils eine Schrifttafel in den Boden eingelassen, auf denen in insgesamt 30 Sprachen der Satz „Nationalparke – das Naturerbe bewahren“ geschrieben steht:

  1. Tafel (zehn Sprachen): Albanisch, Arabisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch
  2. Tafel (zehn Sprachen): Hindi, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch
  3. Tafel (zehn Sprachen): Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Swahili, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch

Sender Torfhaus/Harz[Bearbeiten]

Torfhaus ist im Rahmen beider Kuppen der Lerchenköpfe Standort der beiden Sender Harz-West und Torfhaus mit einem bzw. zwei Sendetürmen. Der eine Sender wird vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) und der andere von der Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) betrieben. Der NDR-Turm (Südkuppe), der zur Verbreitung des digitalen Fernsehens DVB-T und von UKW-Hörfunk dient, ist 279,8 m hoch. Der DFMG-Turm (Nordkuppe), der zur Verbreitung von UKW-Hörfunk und Richtfunk dient, ist 130 m hoch.

Hauptartikel: Sender Harz-West
Hauptartikel: Sender Torfhaus

Brockenpanorama[Bearbeiten]

Blick aus Richtung des Nationalpark-Besucherzentrums TorfHaus in Torfhaus zum Brocken (ca. 5 km) mit rechts befindlichem Königsberg;
die dem Königsberg vorgelagerte Anhöhe (halb rechts) ist der Quitschenberg; im Vordergrund links die Rodelbahn am Rodellift Brockenblick

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Torfhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Torfhaus – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nationalpark Harz
  2. Fahrradroute im Harz mit „Steiler Wand“ und Höhenprofil, abgerufen am 7. Oktober 2012.