Pieta (2012)

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Filmdaten
Deutscher Titel Pieta
Originaltitel 피에타 (Pieta)
Produktionsland Südkorea
Originalsprache Koreanisch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Kim Ki-duk
Drehbuch Kim Ki-duk[2]
Produktion Kim Soon-mo[3]
Musik Park In-young[3]
Kamera Jo Yeong-jik[3]
Schnitt Kim Ki-duk[3]
Besetzung

Pieta (Koreanisch: 피에타; italienischer Festivaltitel: Pietà) ist ein Spielfilm des südkoreanischen Filmemachers Kim Ki-duk aus dem Jahr 2012. Das Drama, nach der gleichnamigen Darstellung Marias mit dem Leichnam Jesu Christi benannt, stellt einen brutalen Schuldeneintreiber aus Seoul (gespielt von Lee Jung-jin) in den Mittelpunkt, der durch das Zusammentreffen mit seiner angeblichen Mutter (Cho Min-soo), die er nie gekannt hat, geläutert wird.[5] Die Low-Budget-Produktion, für die Kim auch das Drehbuch verfasste sowie als Cutter tätig war, entstand nach einer dreijährigen Schaffenskrise des Regisseurs und steht eigenen Angaben zufolge für einen Neubeginn seiner Karriere.

Der von Kim als Kapitalismuskritik[5] konzipierte Film, mit vielen Gewaltszenen und christlicher Symbolik, wurde am 4. September 2012 im Rahmen des Wettbewerbs der 69. Internationalen Filmfestspiele von Venedig öffentlich uraufgeführt und gewann als erster koreanischer Beitrag den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Festivals. In Südkorea lief Pieta am 6. September 2012 in den Kinos an, in Deutschland am 8. November 2012.

Handlung[Bearbeiten]

Der Cheonggyecheon in der Innenstadt von Seoul. Eine Hochhaussiedlung bedroht auch das im Film vorgestellte Industrieviertel.

Kang-do arbeitet als Geldeintreiber für einen Kredithai in Seoul. Jeden Tag sucht der junge Mann die in der Innenstadt gelegenen heruntergekommenen Gewerbebetriebe am Fluss Cheonggyecheon auf. In dem ärmlichen Industrieviertel, das durch den geplanten Bau einer Hochhaussiedlung verdrängt zu werden droht, kassiert er für seinen Chef die fälligen Geldbeträge ein. Können die säumigen Kleinunternehmer nicht zahlen, rechnet der als „Teufel“ verschriene Kang-do brutal mit ihnen ab. Ohne jede Skrupel verkrüppelt er die Schuldner vor ihren Familienmitgliedern. Wahlweise nutzt er dazu ihr eigenen Maschinen bzw. wirft sie von hohen Gebäuden, um ihnen dauerhaft die Beine zu brechen. Dadurch kommt Kang-dos Chef in den Genuss der fällig werdenden Invaliditätsversicherung, die die Zahlungsunfähigen neben ihrem Kredit abgeschlossen haben. Die verkrüppelten Handwerker enden meist als Bettler auf der Straße oder verfallen dem Alkohol.

Bei einem seiner Rundgänge am Cheonggyecheon bemerkt Kang-do eines Tages eine ältere, attraktive Frau um die 40, die ihm folgt. Sie hinterlässt dem alleinstehenden Mann Essen in seiner Wohnung, später hilft sie ihm auch dabei, säumige Zahler zu verkrüppeln. Die geheimnisvolle Frau, die sich ihm als Min-sun vorstellt, behauptet seine Mutter zu sein. Sie hätte ihn früh weggegeben und sei deswegen mitschuldig am Abgleiten Kang-dos in die Kriminalität. Kang-do vergewaltigt die Frau („Wenn ich sage, dass Du nicht meine Mutter bist, werde ich stoppen.“[6]). Nach und nach beginnt der zunächst skeptische und ablehnende Schuldeneintreiber, der niemals eine Familie hatte, ihren fortwährenden Beteuerungen Glauben zu schenken, nachdem sie ihre Entschlossenheit erfolgreich unter Beweis stellt. Daraufhin zieht Min-sun bei ihm ein und kümmert sich um den Haushalt.

Kang-do verändert sich durch das Zusammenleben mit Min-sun. Er kann seiner Arbeit nicht mehr mitleidlos wie früher nachgehen und lässt bei einem seiner Streifzüge einen Schuldner unversehrt, der einen Kredit aufgenommen hatte, um seinem ungeborenen Kind eine bessere Zukunft bieten zu können. Gleichzeitig macht Kang-do die Anwesenheit seiner Mutter verwundbarer gegenüber seinen rachsüchtigen Opfern. Unter anderem kann der überfürsorgliche Kang-do Min-sun aus der Gewalt des Schuldners Tae-seung befreien, der gedroht hatte, sie mit einem Messer zu töten. Als sie plötzlich verschwindet, sucht er verzweifelt nach ihr. Dabei vernachlässigt er seinen Job, den er daraufhin verliert. Er sucht seine ehemaligen Opfer auf, die er verdächtigt. Die ihm dabei augenfällig werdenden Folgen seines Handelns lassen ihn zusehends zerbrechen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Schaffenskrise des Regisseurs und fehlgeschlagene Dreharbeiten im Ausland[Bearbeiten]

Regisseur Kim Ki-duk im Jahr 2011

Pieta, der im Vorspann explizit als 18. Film von Kim Ki-duk angekündigt wird, folgte einer Schaffenskrise des Regisseurs, nachdem es bei den Dreharbeiten zu Dream (2008) einen Unfall gegeben hatte, bei dem eine Schauspielerin fast zu Tode gekommen wäre. Anderen Angaben zufolge soll er sich von seinem damaligen Regieassistenten Jang Hun „verraten“ gefühlt haben, mit dem er mehrfach zusammengearbeitet hatte und für den er das Drehbuch zu dessen eigenem Regiedebüt Rough Cut verfasste. Jang Hun unterschrieb wenig später einen Vertrag bei ShowBox, einer der größten koreanischen Filmproduktionsfirmen.[7] Jang Huns nachfolgender Film Blood brothers avancierte mit 5,46 Millionen Zuschauern zum Publikumserfolg in Südkorea, während Kims Werke in der Vergangenheit bei weitem nie solche hohe Zuschauerzahlen erreichen konnten. Er kritisierte seinen früheren Mitarbeiter später, dass dieser der „Versuchung des Kapitalismus nicht hätte widerstehen können.[8]

Traumatisiert und unter schweren Depressionen leidend, begann Kim drei Jahre lang ein Einsiedlerleben in den Bergen, abseits der Filmindustrie und anderer sozialer Kontakte, zu führen. Diese Zeit hielt er mit dem preisgekrönten dokumentarischen Essayfilm Arirang – Bekenntnisse eines Filmemachers (2011) fest.[9][10] Obwohl zwischenzeitlich mit Amen (2011) ein neuer in Europa abgedrehter Spielfilm von ihm erschienen war, begriff er Pieta als einen Neuanfang. Zuvor war Kim selbst unsicher gewesen, ob er das Filmemachen noch beherrsche.[5]

Eigenen Angaben zufolge wollte Kim das Filmprojekt ursprünglich in Paris spielen lassen und Jude Law und Isabelle Huppert die Hauptrollen anvertrauen. Dieser Plan habe sich jedoch aufgrund der engen Zeitpläne der beiden Schauspieler zerschlagen. Ernüchtert über die langwierige Terminfindung für Castings in Europa, übersiedelte Kim nach einem dreimonatigen Aufenthalt nach Japan, um dort den Film zu realisieren. Aber auch in Japan kam das Filmprojekt nicht zustande, woraufhin Kim auf sein Heimatland Südkorea auswich, um dort den Film abzudrehen.[5]

Dreharbeiten in Südkorea[Bearbeiten]

Kim drehte Pieta an realen Schauplätzen in Cheonggyecheon, wo er eigenen Angaben zufolge selbst seine Kindheit verbracht und in den Fabriken gearbeitet hat.[5] Insgesamt lebte er 15 bis 20 Jahre dort.[11] Der heruntergekommene Stadtteil galt früher als ein Wahrzeichen des industriellen Aufschwungs Südkoreas.[12]

Als Vorbereitungszeit für den Dreh gab Kim zehn Tage an. Die Dreharbeiten selbst, die im Februar 2012 begannen,[7] hätten 20 Tage, die Postproduktion 30 Tage angedauert.[5] Mit Produktionskosten in Höhe von 150 Mio. Won (ca. 103.000 Euro) wurden nur 1/30 an finanziellen Mitteln für einen durchschnittlichen koreanischen Spielfilm benötigt, um Pieta zu finanzieren.[13] Für den heimischen Verleih konnte vorab Next Entertainment World (NEW) gewonnen werden, das zu den drei größten Verleihfirmen des Landes zählt.[14]

Kapitalismuskritik und christliche Symbolik[Bearbeiten]

Michelangelos Römische Pietà im Petersdom, an die unter anderem die Plakatwerbung des Films angelehnt wurde

Kim, der auch das Drehbuch schrieb, wollte seinen Film vor allem als Kapitalismuskritik verstanden wissen.[5] Das Geld sei der „dritte Akteur“ in Pieta.[15] Sein Werk handle davon, „[…] wie die Finanziers der kapitalistischen Gesellschaft die Welt schlecht machen, und zwar weltweit. […] von den Verlierern dieses Systems, den Zukurzgekommenen, die keine Lobby haben. Ich [Kim] zeige die negativen Seiten des Kapitalismus und die Probleme, die das aufwirft und vor denen wir Angst haben sollten.“, so Kim.[5] Auf die Frage nach der Metapher der verkrüppelten Werkarbeiter gab er jedoch an, einen fiktiven Film mit dramatischen Effekten gedreht zu haben. Die im Film auftauchenden Gewaltszenen seien für den Regisseur „ganz eminent“ für die Geschichte und hätte man „nicht anders“ beziehungsweise „nicht milder“ darstellen können.[5]

Zwar betitelte Kim seinem Film nach der gleichnamigen Darstellung Marias mit dem Leichnam Jesu Christi (beziehungsweise nach dem italienischen Wort für „Mitleid“)[5], jedoch ließ er eine Szene, in der Min-sun ihren vermeintlichen Sohn Kang-do (im Koreanischen steht der Name wörtlich für „Räuber“[16]) im Stile von Michelangelos Römischer Pietà in den Armen hält, aus dem Film entfernen. Das Bild, das nur für die Werbung zum Film Verwendung fand, erschien Kim nachträglich als zu explizite Reverenz.[11] Der Regisseur, der zuvor verschiedene Glaubensrichtungen bei seinen Filmen erkundet hatte (Buddhismus in Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling, Protestantismus in Samaria) war beim Besuch des Petersdoms in Rom ergriffen vom Anblick der Marienstatue, die er eigenen Angaben zufolge jahrelang in Erinnerung behielt und als „Zeichen vom Teilen des Schmerzes der gesamten Menschheit“ verstand. „[...] mein Film ist durchzogen von Leitbildern wie Aufopferung, Mitleid, Erlösung, die auf den Katholizismus zurückgehen.“, so Kim, dem der Glaube selbst „ein wenig“ abhandengekommen sei.[17]

Rezeption[Bearbeiten]

Pressestimmen in Italien[Bearbeiten]

Pieta wurde nach seiner Uraufführung im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig am 4. September 2012 als Mitfavorit auf den Hauptpreis gehandelt. Kim Ki-duks Regiearbeit führte unter anderem in einer Abstimmung unter 23 Filmkritikern den Kritikenspiegel der täglichen Festival-Publikation Venezia News an.[18] Eine Kurzkritik der italienischen Tageszeitung La Stampa urteilte, es handle sich nicht um einen Skandalfilm, wie den im Jahr 2000 in Venedig aufgeführten Seom – Die Insel. Pieta sei ein „poetischer Film“, der „schwierige Themen“ anspreche und in den Figuren grabe, in denen „Dämonen und schändlichste Geheimnisse“ lauern würden. Dennoch seien wie üblich bei Kim „Gewalt, Blut und Sex als Phasen eines Martyriums“ enthalten, die zur „Wiedergeburt im Tod oder in die Transzendenz führen würden. Die beiden Hauptdarsteller seien „intensiv“ und Cho Min-soo sei eine Anwärterin auf den Preis für die beste Darstellerin, während sich Kim bei Tragödie und Auferstehung an der figurativen Kraft des Stummfilms bedient hätte.[6] La Repubblica betitelte Pieta als „Film-Schock, brutal und melodramatisch“ und stufte ihn ebenfalls als preiswürdig ein,[19] ebenso der Corriere della Sera.[17] Jurypräsident Michael Mann lobte an Pieta, dass dieser den Zuschauer „innerlich verführe“.[20]

Rezensionen und Prognosen in Südkorea[Bearbeiten]

In Südkorea wurde Pieta von den beiden großen englischsprachigen Tageszeitungen The Korea Herald und The Korea Times unterschiedlich besprochen, wo der Film zwei Tage nach seiner Premiere in Venedig, am 6. September, in den Kinos startete, mit einer Freigabe ab 18 Jahren versehen. Obwohl Pieta fast alle Elemente besäße, die ein Publikum „unbehaglich“ und „schlecht fühlen“ lasse (schreckliche Gewalt, Inzest, schlechteste menschliche Natur), sei der Film eine „kraftvolle und mitreißende Studie über Gut und Böse, Sehnsucht und Zugehörigkeit, wie auch Geld und heutigen Kapitalismus in seiner schlimmste Art“, lobte der Herald. Die Opfer im Film würden in der realen Welt existieren und oft Schlagzeilen in den Nachrichten besetzen, ebenso seien die kleinen Industriebetriebe authentisch sowie alle Figuren und ihre tragischen Geschichten glaubhaft. Niemals hätte sich ein koreanischer Film in der Vergangenheit so explizit in das Problem und die Leben der Opfer vertieft.[7] Die Times lobte die erste Hälfte des Films, die sich an „fast fehlerlos, meisterlicher Regie, überwältigender Kameraarbeit und begeisternder Schauspielerei“ erfreue. Jedoch würde die zweite Hälfte durch das Rache-Thema „verunziert“, das dominiere und wiederholt werden würde, bis zum Abspann. Ein „visuelles Kunststück“ hob die Times die Szenen in den Betrieben und im Apartmenthaus des Protagonisten heraus – Kim zeige dem Publikum niemals wirkliche Blutszenen, bette aber „sehr drastische Szenen“ ein („Körperteile, Fleisch und Fisch“). Lee Jung-jin sei in der männlichen Hauptrolle „nicht ganz adäquat“ besetzt, die Leistung der Nebendarsteller wurde dagegen „allgemein großartig“ bewertet. Das Ende von Pieta sei „der Untergang“ des Films, das für „einen Regisseur mit Blutdurst“ vorhersehbar sei und besser eine Szene früher geendet hätte.[16]

Kim Dong-ho, Gründungsdirektor des Busan International Film Festival, stufte den späteren Erfolg von Kim Ki-duk in Venedig als „größten Erfolg in Koreas Filmgeschichte seit dem letzten Jahrhundert“ ein.[21]

Am 10. September erhöhte sich die Anzahl der südkoreanischen Kinos die Pieta zeigen von 150 auf 200. Am selben Tag gab das Korea Film Council bekannt, dass Kims Film in einer offiziellen Absatz-Rangliste nach verkauften Kinokarten mit einem Marktanteil von 12,3 Prozent auf Platz zwei käme. Einen Tag zuvor war bereits die in die Läden gekommene erste Auflage der Buchfassung ausverkauft. Daraufhin prophezeite man Pieta, zum kommerziell erfolgreichsten Film Kims zu avancieren, dessen Regiearbeiten mit Ausnahme von Bad Guy (700.000 Zuschauer) nie mehr als 100.000 Zuschauer in Südkorea erreicht hatten.[22] Teilweise wurden einige seiner Filme in weniger als fünf Kinos im Land gezeigt. Kritiker gaben die Schuld für das ausbleibende Publikum Kims Hang zu expliziter Gewalt sowie die Darstellung von Frauenfiguren als Opfer oder Befehlsempfänger in seinen Filmen. Als eine Art „Ausgestoßener“ in seinem Heimatland angesehen, kritisierte Kim die Monopolisierung der Kinobetriebe durch einige wenige Konzerne („Chaebol“ genannt, die im Jahr 2010 83 Prozent der Filmtheater kontrollierten) und gab an überlegt zu haben, Südkorea für andere Länder zu verlassen, die seine Arbeit eher willkommen heißen würden.[23]

Der Filmkritiker Kwak Young-jin schätzte eine mögliche Zuschauerzahl von mehr als einer Million in Südkorea für realistisch ein. Gleichzeitig hätten sich in letzter Zeit vermehrt Südkoreanerinnen in ihren 30ern und 40ern für Filme mit beunruhigenden Szenen geöffnet, was Pieta kommerziell helfen würde.[22]

Mitte September 2012 wählte eine Regierungskommission Pieta als offiziellen Kandidaten Südkoreas für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film aus. Der Film setzte sich einstimmig gegen Im Sang-soos The Taste of Money, Hong Sang-soos In Another Country, Yun Jong-bins Nameless Gangsters und Choo Chang-mins Masquerade durch. Bis dahin hatte der Film 170.000 Kinobesucher in Südkorea verzeichnet.[24]

Deutsche Pressestimmen und Veröffentlichungstermine[Bearbeiten]

Die deutschsprachige Fachkritik äußerte sich ebenfalls überwiegend positiv über Pieta. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung rezensierte die Produktion als „finsteren“ und die Wettbewerbsjury von Venedig „nostalgisch stimmenden“, „garstigen und ästhetisch überzeugenden Film“ in der Tradition von Kims vorangegangenen Werken und gestand den beiden Hauptdarstellern Preischancen ein.[25] Die Süddeutsche Zeitung bemerkte in einer Kurzkritik, dass der Film „ziemlich brutal und manchmal komisch“ sei und eine „teuflisch originelle Story“ präsentiere.[26] Die Welt pries Pieta nach seiner Uraufführung als bis dahin stärksten und alles überragenden Beitrag. Es falle schwer, die „beißende, ins Absurde getriebene Kapitalismuskritik“ aufgrund der enthaltenen expliziten Gewaltszenen zu loben, doch erreiche Kims Regiearbeit „sein Publikum wie durch ein Purgatorium, durch das man gegangen sein“ müsse.[27] Die Zeit lobte nach Ende des Festivals von Venedig ebenfalls die Geschichte von der „Sublimierung eines Schmerzes durch Rache“. „Auf unfassbar feine, ästhetisch ausgefeilte Weise“ gelinge es Kim „die unfassbare Rohheit der koreanischen Gesellschaft sichtbar zu machen“. Dabei verbinde der Film das „christliche Motiv der trauernden Mutter und die stilisierte Künstlichkeit eines asiatischen Genrefilms mit einem gnadenlosen Blick auf Korea“.[28] Das Filmportal film-rezensionen.de urteilte, Pieta sei „ein gewaltiger wie gewalttätiger Film über Schuld und Sühne geworden, ein unbequemer Blick auf die Verlierer einer Gesellschaft, in der Geld alles andere verdrängt.“[29]

Eine der wenigen negativen Stimmen war die der tageszeitung, die kritisierte, dass die exzessiven Gewaltszenen in ihrem „sadistischen Überschuss“ erwartungsgemäß auch „willkürlich“ seien. „Sie täuschen in ihrer Blutrünstigkeit darüber hinweg, dass Kim Ki-duk sonst nicht viel zu erzählen hat. Schade also, dass die von dem US-amerikanischen Regisseur Michael Mann präsidierte Jury das Abbilden von Quälerei mit ästhetischer Radikalität verwechselte.“[30] Rüdiger Suchsland (Negativ) beschrieb die Inszenierung als vom Regisseur „bisher so nicht gewohnten Arthouse-Variante eines Exploitation-Films. Er empfand die explizite Gewaltdarstellung ebenfalls als unnötig, dem Publikum gegenüber als „sadistisch“ und den Film nicht als preiswürdig. „Kim mischt Elemente verschiedener koreanischer Erfolgsfilme der Konkurenten miteinander – auf schlechte, aber für westliche Geschmäcker konsumierbare Weise.“, so Suchsland.[31]

In Deutschland sollte der Film erstmals bei der Verleihung des im Rahmen des Filmfests Hamburg vergebenen Douglas-Sirk-Preises an Kim Ki-duk am 4. Oktober 2012 aufgeführt werden.[32] Der reguläre deutsche Kinostart erfolgte am 8. November 2012.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Mit Pieta gewann Kim Ki-duk bei den Filmfestspielen von Venedig als erster koreanischer Regisseur den Goldenen Löwen, den Hauptpreis des Filmfestivals. Bei der Preisverleihung stimmte er das koreanische Volkslied Arirang an, das titelgebend für den vorangegangenen Dokumentarfilm über seine Schaffenskrise gewesen war.[33] Weitere Auszeichnungen waren die im Rahmen der Filmfestspiele vergebenen Leoncino d’Oro Agiscuola, Premio P. Nazareno Taddei und die Mouse d’Oro.[34]

Bei der Verleihung der südkoreanischen Grand Bell Awards Ende Oktober 2012 wurde Pieta für sechs Preise nominiert, unter anderem für den besten Film und die beste Regie. Der Film hatte in diesen Kategorien aber gegenüber Choo Chang-mins Historiendrama Masquerade das Nachsehen und gewann die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin (Cho Min-soo) sowie einen Spezialpreis der Jury für Kim Ki-duk.[35] Weitere Auszeichnungen waren 2012 ein Asia Pacific Screen Award für Cho Min-soo (Großer Preis der Jury) sowie der US-amerikanische Satellite Award als bester fremdsprachiger Film (gemeinsam mit dem französischen Beitrag Ziemlich beste Freunde).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FSK-Freigabebescheinigung bei fsk.de (PDF-Datei; abgerufen am 3. November 2012; 34 kB).
  2. Profil bei hancinema.net (koreanisch; abgerufen am 11. September 2012).
  3. a b c d Fainaru, Dan: Pieta bei screendaily.com, 4. September 2012 (englisch; abgerufen am 11. September 2012).
  4. Felperin, Leslie: Pieta. In: Daily Variety, 5. September 2012, S. 10.
  5. a b c d e f g h i j Zander, Peter: Ein Mutterherz kann viel verzeihen. In: Die Welt, 10. September 2012, S. 22.
  6. a b Levantesi Kezich, Alessandra: Wellington l'ultimo regalo a Raoul Ruiz. In: La Stampa, 5. September 2012, S. 31.
  7. a b c Lee, Claire: Kim starts shooting 18th film. In: The Korea Herald, 20. Februar 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  8. Park Min-young: Kim Ki-duk's one-man production creates a stir. In: The Korea Herald, 16. Mai 2011 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  9. Schweizerhof, Barbara: Tagebuchfilm: In der Einsamkeit hilft nur noch Alkohol bei welt.de, 2. Februar 2012 (abgerufen am 12. September 2012).
  10. Buss, Esther: Arirang – Bekenntnisse eines Filmemachers. In: film-dienst 2/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  11. a b Caprara, Fulvia: Kim Ki-duk: la "Pietà" salverà dal capitalismo. In: La Stampa, 5. September 2012, S. 31.
  12. Zander, Peter: Einer muss der Favorit sein. In: Berliner Zeitung, 6. September 2012, Nr. 244, S. 21.
  13. Lee, Claire: Kim Ki-duk returns with brutal revenge tale. In: The Korea Herald, 6. September 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  14. Finecut launches sales on Kim Ki-duk's Pieta. In: Screen International, 10. Februar 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  15. AFP: Südkoreanischer Film "Pieta" gewinnt Goldenen Löwen in Venedig. 9. September 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  16. a b Kwaak Je-yup: 'Pieta' filled with bloody revenge. In: The Korea Times, 6. September 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  17. a b Manin, Giuseppina: Denaro, follia, Michelangelo: la via della redenzione; . In: Corriere della Sera, 5. September 2012, S. 42–43.
  18. AFP: South Korean, US films tipped for Venice film prize bei channelnewsasia.com, 6. September 2012 (abgerufen am 12. September 2012).
  19. In concorso: "Pietà", il film-shock della Mostra conquista il popolo festivaliero bei repubblica.it, 4. September 2012 (abgerufen am 12. September 2012).
  20. AFP: Korean morality tale wins Venice film festival. 8. September 2012, 7:05 PM GMT.
  21. Lee, Claire: Kim Ki-duk becomes 1st Korean director to win top film prize at Venice. In: The Korea Herald, 9. September 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  22. a b Cho Chung-un: Can 'Pieta' enjoy success at home? In: The Korea Herald, 10. September 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  23. Youkyung Lee (AP): Golden Lion winner still struggling in South Korea. 11. September 2012, 02:56 PM GMT (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  24. 'Pieta' to compete for Oscar's best foreign film award. In: Korea Times, 13. September 2012 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  25. Dath, Dietmar: Killer, Kinder, Kommandeure. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. September 2012, Nr. 207, S. 31.
  26. Vahabzadeh, Susan: Barbie-Attacken. In: Süddeutsche Zeitung, 6. September 2012, S. 12.
  27. Zander, Peter: Bezahl mit deinen Knochen. In: Die Welt, 6. September 2012, Nr. 209, S. 24.
  28. Nicodemus, Katja: Killer, hör auf deine Mutter. In: Die Zeit, 13. September 2012, Nr. 38, S. 48.
  29. Oliver Armknecht: Pieta auf film-rezensionen.de
  30. Nord, Christina: Heiliger Bimbam, der heilige Ernst ist da. In: die tageszeitung, 10. September 2012, S. 15.
  31. Suchsland, Rüdiger: Der Münchhausen des Kinos – Venedig 2012, Folge 13 bei negativ-film.de, 9. September 2012 (abgerufen am 12. September 2012).
  32. SDA – Basisdienst Deutsch: Douglas-Sirk-Preis für Regisseur Kim Ki-duk. 24. August 2012, 10:38 AM CET (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  33. Kniebe, Tobias ; Vahabzadeh, Susan: Reif für die Sühne. In: Süddeutsche Zeitung, 10. September 2012, S. 11.
  34. Premi collaterali della 69. Mostra bei labiennale.org, 8. September 2012 (abgerufen am 11. September 2012).
  35. 'Gwanghae'™ sweeps Daejong Film Awards. In: The Korea Herald, 31. Oktober 2011 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).