Zentralrussland

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Föderationskreis Zentralrussland
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Fläche: 650.700 km²
Einwohner: 37.127.000 (2009)
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner/km²
Verwaltungssitz: Moskau

Zentralrussland ist die Bezeichnung für eine historische Landschaft und eine administrative Einheit in Russland (siehe Föderale Gliederung Russlands). Der Föderationskreis Zentralrussland wurde durch Dekret des russischen Präsidenten am 13. Mai 2000 erstellt. Verwaltungssitz ist Moskau. Der Föderationskreis selbst umfasst 18 Föderationssubjekte.

Geographie[Bearbeiten]

Zentralrussland (Zentralrussland)
Föderationskreis Südrussland
Weiß- russland
Ukraine
Föderationskreis Nordwestrussland
Föderationskreis Wolga

Die Region („Föderationskreis Zentralrussland“, russisch Центральный федеральный округ, Zentralny federalny okrug) liegt an der Westgrenze des heutigen Russlands. Zentralrussland besitzt keine natürliche Grenzen, so liegt das Gebiet 600 bis 800 Kilometer vom nächsten Meer entfernt, die nächstgelegenen Meere sind der östliche Teil der Ostsee, das Asowsche Meer und das Weiße Meer. Der Föderationskreis Zentralrussland grenzt im Westen an Weißrussland und im Südwesten an die Ukraine. Weiterhin gibt es russische Binnengrenzen im Süden zum Föderationskreis Südrussland, im Osten zum Föderationskreis Wolga und im Norden zum Föderationskreis Nordwestrussland.

Zentralrussland liegt in der osteuropäischen Tiefebene, untergliedert in Landschaften wie z. B. den Waldaihöhen, den Moskauer Höhenrücken, den Smolensker Höhen, der Mittelrussischen Platte und der Oka-Don-Ebene. Hohe Gebirge fehlen völlig. Der höchste Punkt im Föderationskreis bildet der Popowa Gora mit 351 Metern. Die größten Flüsse des insgesamt sehr wasserreichen Gebietes sind (Nebenflüsse in Klammern): die Wolga (Oka), Don (Woronesch), Dnjepr (Desna, Seim) und die Düna.

Naturräumlich bilden sich von Nord nach Süd verschiedene Vegetationszonen, begonnen von der Taiga im Norden, der Mischwaldzone, der Laubwaldzone und im Süden die Waldsteppe. Das Klima ist gemäßigt kontinental, die durchschnittliche Temperatur reicht im Januar von –7 bis –14 °C und im Juli von 16 bis 22 °C. An Bodenschätzen finden sich auf dem Territorium insgesamt 60 % der russischen Eisenerzvorkommen (Kursker Magnetanomalie), Phosphate (25 % der russischen Vorkommen), Bauxit (15 % der russischen Vorkommen), Braunkohle, Zement-Rohstoffe (25 % der russischen Vorkommen) und Torf.

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Karte des Gouvernements Moskau von 1792

Historisch bildete Zentralrussland die Keimzelle des Landes, von der sich die weitere territoriale Expansion und die russische Geschichte hauptsächlich entwickelte (vgl. auch Goldener Ring). So bildete bis zur Oktoberrevolution 1917 die Region den zentralen Teil des Landes, da bis dahin das asiatische Russland nicht als integraler Bestandteil des Mutterlandes, sondern als Kolonie galt, während hingegen Weißrussland und die Ukraine noch zu Russland gezählt wurden.

Vom 7. bis zum 12. Jahrhundert wurde das Gebiet durch ostslawische und finno-ugrischen Stämme (z.B. Kriwitschen, Wjatitschen) besiedelt. Seit dem Ende des 10. Jahrhunderts gehörte das Gebiet zur Kiewer Rus. Ab diesem Zeitpunkt, verbunden mit der zunehmenden Zersplitterung der Kiewer Rus infolge des ungünstigen Senioritätsprinzips, bildeten sich mehrere Teilfürstentümer auf dem Gebiet Zentralrusslands wie das Fürstentum Wladimir, das Fürstentum Rjasan, das Fürstentum Moskau, das Fürstentum Smolensk und weitere.

Nach der Mongolischen Invasion der Rus 1240 kam es ab 1300 zu einer langfristigen Dominanz des Großfürstentums Moskau, dem es gelang, die benachbarten Fürstentümer in seinen Herrschaftbereich einzugliedern (Vatererbe). Dieser Prozess war bis etwa 1500 abgeschlossen. Fortan wurde das gesamte russische Land inklusive seiner neu angegliederten Gebiete über Zentralrussland hinaus von Moskau aus regiert. Die südlichen Teile des heutigen Föderationskreises (Belgorod, Woronesch) kamen im 16. Jahrhundert in den russischen Machtbereich, nach der Zerstörung der Khanate Kasan, Astrachan und der Nogaier Horde. Allerdings blieben diese Gebiete noch lange von Einfällen der Krimtataren bedroht, so dass hier starke Befestigungsanlagen zum Schutz entstanden.

Die administrative Vorgängereinheit für Zentralrussland bildete das Gouvernement Moskau, das von Peter I. 1708 gegründet wurde, mehrmals territorial verändert wurde und bis 1929 bestand.

Bevölkerung und Städte[Bearbeiten]

Zentralrussland ist mit etwas über 37 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste Kreis der Russischen Föderation. Zugleich ist der Kreis im Vergleich zu den sieben anderen Föderationskreisen am dichtesten besiedelt. Ethnisch bildet die russische Bevölkerung mit 91,32 % (2002) den dominierenden Anteil. Zentralrussland ist zugleich der einzige föderale Kreis, in dem es keine gesonderte nationale (Teil-)Republiken gibt. Der Anteil der ländlichen Bevölkerung beträgt etwa 20 Prozent. Etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt in Moskau und Umgebung.

Die zehn größten Siedlungen innerhalb des Föderationskreises:

  1. Moskau (11,5 Mio. Einwohner), Zentrum der Region und Hauptstadt des Landes, größte Stadt in Europa
  2. Woronesch (890.000 Einwohner), größte Stadt der Schwarzerderegion im Südwesten des Föderationskreises, ein Zentrum der Flugzeugproduktion
  3. Rjasan (601.000 Einwohner), Industriestadt mit einer Festung und ehemaliger Sitz eines Fürstentums
  4. Jaroslawl (591.000 Einwohner), wichtiger Industriestandort, alte russischen Stadt an der Wolga, ein Teil des Goldenen Rings
  5. Tula (501.000 Einwohner), Stadt an der südlichen Grenze von Moskau, berühmt für seine Produktion von Waffen, Samowaren und Lebkuchen
  6. Brjansk (435.000 Einwohner), wichtiger Industriestandort im Südwesten Moskaus
  7. Kursk (417.000 Einwohner), wichtige Industriestadt, Zentrum einer großen Erzlagerstätte im Südwesten von Moskau
  8. Iwanowo (409.000 Einwohner), früher bedeutende Handelsstadt und Zentrum der Textilindustrie im Nordosten von Moskau
  9. Twer (405.000 Einwohner), Stadt an der oberen Wolga, ehemaliges Zentrum des Großfürstentums Twer und hartnäckigster Konkurrent Moskaus im Kampf um die Vorherrschaft in der Rus, heute wichtiges Industriezentrum und Verkehrsknotenpunkt
  10. Wladimir (339.000 Einwohner), ehemalige Hauptstadt des Großfürstentums Wladimir-Susdal, Kultur- und Machtzentrum vor der Mongolischen Invasion der Rus, vorübergehend Sitz des Metropoliten der Russisch-Orthodoxen Kirche

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft Zentralrusslands ist geprägt durch eine starke industrielle und technologische Basis mit einer großen Anzahl an hoch qualifiziertem Personal. In Zentralrussland befinden sich heute etwa ein fünftel aller Industriegebiete Russlands. Hier wurden bereits im 19. Jahrhundert die ersten industriellen Gebiete erschlossen, zu denen Moskau und Umgebung, Kostroma, Wladimir, Twer, Jaroslawl und Iwanowo gehören. Die dominierenden Wirtschaftszweige im Sekundären Sektor bilden Maschinenbau, die Leichtindustrie, die chemische Industrie und die Schwerindustrie. Im Bereich des Maschinenbaus stechen die Raketen- und Raumfahrtindustrie, die Luftfahrt-, Radio- und Elektronikindustrie, Bahntechnik, Fertigung von Präzisionswerkzeugmaschinen und Robotik hervor. Die chemische Industrie wird durch die Produktion von Düngemitteln und organischer Synthesechemie (Kunststoffe, synthetische Harze, Polyester, etc.) vertreten.

Weiterhin befinden sich auf dem Gebiet des Föderationskreises national führende Unternehmen für die Herstellung von Leinen, Baumwolle, Wolle und Seide. Auch die Lebensmittelindustrie, (Zucker, Butter, Mehl, Getreide, Alkohol, Süßigkeiten, Obst, Tabakindustrie usw.) ist hoch entwickelt.

Insgesamt verzeichnet der Föderationskreis einen hohen Anteil am landesweiten Wirtschaftswachstum. Der Kreis ist auch führend bei allen wichtigen Indikatoren der sozio-ökonomischen Entwicklung. Die hohe wirtschaftliche Bedeutung macht sich auch an einen sehr hohen Finanzierungsanteil (ca. 45 %) am Föderationshaushalt bemerkbar.

Verkehr[Bearbeiten]

Kreuzung der M2 und des Moskauer Autobahnrings

In dem Gebiet laufen insgesamt zehn Fernverkehrsstraßen sternförmig auf das im Zentrum gelegene Moskau zu:

  • M1 Belarus (Moskau – die Grenze zu Weißrussland)
  • M2 Krim (Moskau – Tula – Orel – Kursk – Belgorod – die Grenze mit der Ukraine (in Charkiw))
  • M3 Ukraine (Moskau – Kaluga – Brjansk – die Grenze mit der Ukraine (Kiew))
  • M4 Don (Moskau – Woronesch – Rostow am Don – Krasnodar – Noworossijsk)
  • M5 Ural (Moskau – Rjasan – Pensa – Samara – Ufa – Tscheljabinsk)
  • M6 Kaspisches Meer (Moskau – Tambow – Wolgograd – Astrachan)
  • M7 Wolga (Moskau – Wladimir – Nischni Nowgorod – Kazan – Ufa)
  • M8 Weißes Meer (Moskau – Jaroslawl – Wologda – Archangelsk)
  • M9 Baltikum (Moskau – Volokolamsk – die Grenze mit Lettland)
  • M10 Ostsee (Moskau – Twer – Novgorod – St. Petersburg)

Wissenschaft und Bildung[Bearbeiten]

Moskau, zugleich Föderationssubjekt, Sitz des Föderationskreises und Hauptstadt der Russischen Föderation, ist das größte Zentrum für Wissenschaft, Bildung und Technik in Zentralrussland. Die Entwicklung der Wissenschaftssektors in Moskau führte zur Gründung der sogenannten Wissenschaftsstädte Protwino, Puschkino, Tschernogolowka, Dubna und Troitsk.

Gliederung[Bearbeiten]